Schloss und Kloster Iburg in Bad Iburg gehören zu den historisch bedeutenden Bauanlagen im Landkreis Osnabrück (Niedersachsen). Das Benediktinerkloster wurde 1080 gegründet. Vom 11. bis Ende des 17. Jahrhunderts residierten die Bischöfe von Osnabrück im Iburger Schloss. 1668 wurde hier Sophie Charlotte von Hannover geboren, die 1701 als Ehefrau von Friedrich I. erste Königin in Preußen wurde.
Erstes Bauwerk an der durch den Ausläufer des Teutoburger Waldes führenden Passstraße (heute Bundesstraße 51) war eine sächsische Fluchtburg. Auf ihren Ruinen ließen Bischof Benno I. (1052-1067) und Bischof Benno II. (1068-1088) die Residenz des Bistums Osnabrück bauen. Bischof Benno II. brachte im Jahr 1080 zwölf Bendiktinermönche aus Mainz nach Iburg. Dieses Jahr wird als Gründungsjahr des Klosters angesehen, jedoch hatte schon 1070 auf dem Burgberg eine Holzkapelle gestanden. Unter Bischof Konrad IV. von Rietberg (1492 bis 1508) wurde der achteckige Bergfried errichtet. Er wird in der Bevölkerung Bennoturm genannt. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts wurden Burg und Kloster auf Veranlassung von Fürstbischof Philipp Sigismund (1591 bis 1623) zu einer reich gegliederten Anlage entwickelt.
Im Dreißigjährigen Krieg erlitten Schloss und Kloster schwere Schäden, 1632 durch die Niederländer und insbesondere durch die Schweden, die die Burg 1633 bis 1650 besetzt hielten.
Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg, der vor den Schweden geflohen war, kehrte 1650 zurück und ließ ganze Gebäudeflügel von Grund auf erneuern. Die Ausstattung des Rittersaales stammt aus den Jahren 1656/57. Verantwortlicher Architekt war Johannes Crafft, der aus Süddeutschland stammte.
Die von dem katholischen Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg begonnenen Arbeiten wurden um 1674 von seinem Nachfolger Ernst August I., dem ersten lutherischen Bischof aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg, vollendet. Er ließ die lutherische Schlosskirche (1664) einbauen.
Abt Adolph Hane (1706 bis 1768) ließ durch den westfälischen Barockbaumeister Johann Conrad Schlaun einen Klosterneubau auf dem Burgberg errichten.
Von 1086 bis zum Ende des 17. Jahrhunderts residierten die Osnabrücker Bischöfe in Iburg.
Ernst August I. von Hannover erteilte 1667 den Auftrag zum Bau des Schlosses in Osnabrück. 1672 bezog er den Neubau mit seiner Frau Sophie von der Pfalz. Damit endete die Ära der Osnabrücker Bischöfe in Iburg.
Das im Jahr 1080 gegründete Kloster bestand bis Anfang des 19. Jahrhunderts. Mit dem 13. Februar 1803 wurde es aufgehoben. Der Reichsdeputationshauptschluss stammt zwar erst vom 25. Februar 1803 und wurde am 27. April 1803 kaiserlich bestätigt, doch erfolgte die Säkularisierung in vielen Gebieten schon vor der Rechtsgültigkeit. Iburg war das erste Kloster im Fürstentum Osnabrück, das aufgehoben wurde. Der Konvent hatte zu dieser Zeit noch 22 Mitglieder. Bedienstete und Domestiken waren bereits am 9. und 10. Februar 1803 entlassen worden. Das Kloster wurde vollständig ausgeräumt, das Inventar wurde bis auf Kirchenausstattung und Bibliothek, deren Bestand auf 4000 Bücher geschätzt wurde, verkauft. Die Bibliothek ging in staatlichen Besitz über. In napoleonischen Zeiten blieb sie ungenutzt in Iburg, 1816 wurde sie ins Osnabrücker Schloss gebracht. 1817 übernahm das Gymnasium Carolinum in Osnabrück den Bestand. Bei der Bombardierung Osnabrücks im September 1944 wurde er zum größten Teil zerstört; die Reste befinden sich in der Osnabrücker Stadtbücherei.
Der Wiedertäufer Johann Bockelson, genannt Jan van Leiden, schickte im Oktober 1534 von Münster 27 Prädikanten als Apostel hinaus, darunter auch sechs nach Osnabrück. Der Rat der Stadt ließ alle sechs am 15. Oktober festnehmen. Es waren die beiden Niederländer Dionysius Vinne aus Diest und Peter Kueper aus Sneek, der Borkener Schulmeister Heinrich Graes, der Münsteraner Fleischhauer Johann Boentorp, Johann Scheffer aus Freckenhorst und Paul Schwering. Sie wurden nach Iburg gebracht, wo sie am 18. oder 19. Oktober 1534 eintrafen. Die Gefangenen wurden in den Bergfried, den so genannten Bennoturm, gebracht und in den folgenden Tagen verhört und gefoltert. Einer von ihnen überlebte die Qualen nicht. Die übrigen wurden wegen Aufruhrs zum Tode verurteilt und enthauptet - bis auf den ehemaligen Schulmeister Heinrich Graes. Dieser war von den übrigen Gefangenen getrennt worden, nachdem er zu erkennen gegeben hatte, er könne wichtige Aussagen machen. So gelang es ihm, vor Bischof Franz von Waldeck geführt zu werden. Dieser glaubte seinen Beteuerungen, er könne einen Anschlag gegen die Stadt Münster vorbereiten oder die Pläne der Wiedertäufer ausspionieren. Der Bischof setzte ihn gegen eine Bürgschaft von 1100 Gulden frei. In Münster nahm man Graes freudig auf. Als Jan van Leiden ihn nach Wesel und Deventer schickte, trennte er sich von seinen Begleitern und kehrte zur Jahreswende 1534/45 nach Iburg zurück. Dort verriet er die Pläne der Täufer. Er wurde erneut ausgesandt, um die Absichten der Täufer in Wesel zu erkunden. Nach seiner Rückkehr belohnte ihn der Bischof und entließ ihn, weil er der „ganzen Deutschen Nation“ wichtige Dienste geleistet hatte.
Das Iburger Schloss beherbergt zwei Kirchen, die katholische St.-Clemens-Kirche und die Evangelisch-lutherische Schlosskirche.
Die evangelische Gemeinde erhielt 1814 eigene Pfarrrechte. Für sie wurde ein eigener Aufgang geschaffen. 1913 wurde von der Klotzbahn ein Treppenvorbau im Stil der Neurenaissance angebaut, gestiftet durch Berta von Bardeleben. Ihr Wappen befindet sich im Bleiglasfenster des Treppenvorbaus.
Evangelisch-lutherische Geistliche in Iburg seit 1905
Nach der Säkularisierung waren das Fürstbistum Osnabrück und Schloss Iburg mit dem Kloster endgültig an das Welfenhaus gegangen. 1866 wurde Hannover preußische Provinz, womit auch Schloss Iburg preußisch wurde. Schloss Iburg ist jetzt im Besitz des Landes Niedersachsen. Die Liegenschaft wird vom Kultusministerium verwaltet.
Ab 1885 war Schloss Iburg Sitz der Kreisverwaltung Iburg. Der Kreis Iburg wurde 1932 aufgelöst.
Die Iburger Heimschule war ein Gymnasium in Kurzform (GiK). Es begann mit der siebten Klasse. Englisch war die erste Fremdsprache ab der siebten Klasse, in der achten Klasse kam Französisch hinzu. Beide Sprachen waren Pflichtstoff bis zur Reifeprüfung. Von der zehnten Klasse an konnte Latein als Wahlfach hinzu genommen werden. Mathematik und Naturwissenschaften blieben Pflichtstoff bis zum Abitur.
Die musische Erziehung spielte eine besondere Rolle. Der Madrigalchor und der "Singkreis der Heimschule Iburg" waren über Iburgs Grenzen hinaus bekannt. Oberstudiendirektor Lorenz Heiny, der Schulleiter, spielte im öffentlichen Leben Iburgs eine besondere Rolle.
1971 wurde die Schule in die Trägerschaft des Landkreises Osnabrück überführt und in eine Halbtagsschule umgewandelt. Das Internat wurde geschlossen. Das Gymnasium zog im August 1972 in das neue Schulzentrum um.
Bis dahin hatten viele Iburger ihre Kinder statt als Externe in die Heimschule lieber auf Gymnasien in Osnabrück geschickt, ungeachtet der Beschwernisse für die Fahrschüler. Manchen Iburgern galt das Gymnasium in Kurzform als nicht anspruchsvoll genug. Dennoch waren in den letzten Jahren der Heimschule fast zwei Drittel der Schüler Externe.
Die Polizeischule wurde im Mai 1997 Außenstelle des Bildungsinstitutes der niedersächsischen Polizei mit Sitz in Hann. Münden. Als die Bildungseinrichtung im Oktober 2003 ihr 30-jähriges Bestehen feierte, war die Diskussion über die Zukunft des Schlosses in vollem Gange. Horst Denningmann, von 1975 bis 1988 Leiter der Bad Iburger Polizeischule, äußerte bei der Festveranstaltung im Rittersaal des Schlosses die Hoffnung, man könne auch das nächste Jubiläum noch an diesem Ort feiern. Zwar entschied sich das Land Niedersachsen gegen einen Verkauf des Schlosses, doch die Hoffnung auf einen Erhalt der Bildungseinrichtung für die Polizei erfüllte sich nicht. Am 23. April 2004 endete der letzte Aufstiegslehrgang in Schloss Iburg.
Die Liegenschaftsverwaltung ging an das Niedersächsische Kultusministerium über.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Schloss und Benediktinerabtei Iburg".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world