Das Schloss Ahrensburg - eigentlich ein Herrenhaus - ist ein Wasserschloss im Renaissancestil in Ahrensburg nordöstlich von Hamburg. Es beherbergt das Museum schleswig-holsteinischer Herrenhauskultur und kann besichtigt werden.
Die Geschichte des Guts
In der Nähe des heutigen Schlosses gab es bereits im
Mittelalter einen befestigten Herrensitz, die so genannte Burg Ahrensfelde. Dieses Anwesen geriet 1327 in den Besitz des Klosters
Reinfeld. Mit der
Säkularisation auf Grund der
Reformation wurde
Friedrich II., der König von
Dänemark, Eigentümer des Gebiets. Der dänische Feldherr
Daniel Rantzau erhielt das Gelände
1567 zusammen mit dem
Gut Ahrensburg und den dazugehörenden vier Dörfern Woldenhorn, Ahrensfelde, Meilsdorf und Bünningstedt als Entschädigung für seinen Einsatz gegen Schweden, die Urkunde ist auf den 09. März 1567 datiert.
Gottesbuden Ahrensburg.JPG
Zwei Jahre später verstarb er und vermachte das Gut seinem Bruder
Peter Rantzau, der hier das Wasserschloss und die Kirche errichtete. Nachdem sieben Generationen hier gelebt hatten, kaufte
Heinrich Carl von Schimmelmann das hochverschuldete Gut
1759 und baute das Schloss innen im Stil des
Rokoko um. Im
preußisch-sächsischen Krieg 1756 war Schimmelmann der preußische Getreidelieferant des Heeres. Er erwarb das Lager der
Meissener Porzellan Manufaktur und verdiente mit dem
weißen Gold und dem
Atlantischen Dreieckshandel ein Vermögen. Ein Teil des
Porzellans ist heute im Schloss ausgestellt. Die Familie Schimmelmann lebte bis
1932 im Schloss.
Das Schloss
Das Herrenhaus wird aufgrund seiner Größe und seiner kunsthistorischen Stellung in Schleswig-Holstein in der Regel als Schloss bezeichnet. Es gilt als einer der schönsten Renaissancebauten des Landes und beinhaltet ebenso viele traditionelle Bauelemente wie Kunstwerke, die von den Einflüssen höfischer Kultur zeugen. Das dreischiffige Schloss wurde von 1570 bis 1585 erbaut und wird von vier schlanken, achteckigen Türmen flankiert, als Vorbild des Gebäudes diente das Schloss Glücksburg bei Flensburg. Die weißgeschlämmten, nebeneinander liegenden Langhäuser sind typisch für die holsteinische Gutsarchitektur und in vielen Anlagen der Zeit in ähnlicher Ausführung zu finden. Die Giebel der Häuser sind geschweift und mit kleinen Obelisken geschmückt, die Türme tragen kupfergedeckte Hauben, die einen Kontrast zu den mit roten Ziegeln gedeckten Dächern bieten. Die Wassergräben werden von der aufgestauten Hunnau gebildet.
Die Innenräume
Man betritt das Gebäude auf der Nordseite über eine steinerne Brücke und gelangt ins
Vestibül, dem sich links der mit dunklem Eichenholz getäfelte Speisesaal anschließt und das mittig in den mit großen
Blumenstilleben geschmückten Gartensaal übergeht, welcher durch eine kleine Brücke auch mit diesem verbunden ist. Rechts des Vestibüls findet sich das im
Barock installierte große Treppenhaus, welches die alten und zu diesem Zeitpunkt unmodernen, noch aus der Erbauungszeit stammenden Wendeltreppen in den Türmen ersetzte. Im Ersten Stock ist der so genannte
Emkendorf-Saal besonders erwähnenswert, welcher auf die familiäre Verbindung zum gleichnamigen Herrenhaus hinweist. Der zweite große Raum des Obergeschosses ist der mit einem prächtigen, sternförmigen
Parkett ausgelegte Festsaal, dessen heutige Ausstattung aus dem Jahre 1855 stammt. Im Schloss finden sich noch weitere schöne Wohnräume des
18. und
19. Jahrhunderts, das Mobiliar und die Ausgestaltung stammen von Künstlern der Zeit. Es finden sich Tierstilleben von
Tobias Stranover und Landschaftsgemälde von
Philipp Hackert. Die gemalten Tapeten von
Anselmo Luigi Pellicia sind im Stil des klassischen Altertums gehalten.
Die geplante Umgestaltung des 18. Jahrhunderts
Das Schloss ist von einer doppelten Wassergrabenanlage umgeben, wovon der eigentliche Schlossgraben 1759 zugeschüttet und von 1982 - 1983 wieder hergestellt wurde. Die Verfüllung geschah im Rahmen eines Plans, das Schloss und den Garten in eine große, zeitgemäße Barockanlage zu wandeln. Wären die Pläne zur Ausführung gekommen, so hätte man die einzelnen Dächer des Schlosses zu einem großen Dach zusammengefasst und die Giebel der beiden seitlichen Häuser entfernt. Für die Nordseite der Schlossinsel war ein großer, U-förmiger Wirtschaftsbau geplant, in dessen Mitte das Schloss stehen sollte. Der Garten wäre nach diesem Plan in einen großen
Barockpark verwandelt worden, den man mit
Broderieparterres schmücken wollte und dessen fernerer Bereich mit neun
Bosketten gegliedert wäre. Zudem waren mehrere
Pavillons an den Schnittpunkten der
Sichtachsen vorgesehen. Letztlich wurde diese umfassende Umgestaltung aus Kostengründen nicht realisiert, lediglich die Lindenalleen der Schlossinsel sowie zwei im Park ausgestellte Vasen aus Sandstein und zwei die Schlossbrücke flankierende Löwen entstammen aus dieser Zeit.
Die Umgebung des Schlosses
Marstall Ahrensburg.JPG
Der kleine
Schlosspark wurde im 19. Jahrhundert im englischen Stil gestaltet. Gegenüber der zur Schlossinsel führenden großen Brücke liegt der dreiflügelige
Marstall von 1845, dieser dient heute als Kulturzentrum, ihm stand von 1845 bis 1960 das
neogotische Torhaus gegenüber.
Schlosskirche.ahrensburg.poupou.jpg
In unmittelbarer Nähe des Schlosses finden sich außerdem die Schlosskirche und die
Gottesbuden. Die kleine Kirche aus Backstein wurde in den Jahren 1594 bis 1596 unter Peter Rantzau als Gutskapelle und Grabstätte errichtet. Ihre Ausstattung umfasst Kunstwerke vom
16. bis zum
18. Jahrhundert. Bei den Gottesbuden handelt es sich um zwei längliche, einstöckige Wohnbauten. Diese die Kirche rahmenden Häuser beinhalten Wohnungen für bedürftige Menschen, für die sich der Gutbesitzer verantwortlich fühlte - ein Novum in der damaligen Zeit. Die historischen Bauten sind bis heute bewohnt und dienen weiterhin sozialen Zwecken.
Ahrensburg ist auch städtebaulich auf das Schloss bezogen, die alten Hauptstraßen führen zum Schloss. Das sich mittlerweile in der Stadt befindende Dorf Woldenhorn ist mit seinem einstmals barocken Grundriss nur noch in Spuren zu erkennen.
Literatur
- R. Hootz (Hrsg.), Bildhandbuch der Kunstdenkmäler Hamburg & Schleswig-Holstein, Deutscher Kunstverlag, 1981
- Andreas Rumler: Schleswig Holstein, Dumont, Köln 2000, ISBN 3-7701-3566-0
Weblinks
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