Vorhaengeschloss-angerostet.jpg
Ein Schloss (von althochdeutsch sloz: Türverriegelung) ist eine zumeist mechanische Vorrichtung, die ein Auslösen lediglich unter Verwendung des passenden Schlüssels zulassen, ohne dessen Verwendung jedoch verhindern soll.
Der Begriff wird inzwischen nicht nur für den Gegenstand selbst, sondern - etwa in der Kryptologie - auch für elektronische, digitale oder mechatronische Sperren unterschiedlicher Art verwendet, siehe Schlüssel (Kryptologie)
Schlösser unterscheidet man anhand der verwendeten Sperren und ihrer Bauart:
Im oberen Bereich des Schlosses befinden sich Stifte, Fallriegel, die durch ihr Eigengewicht in Löcher im Riegel fallen und diesen blockieren. Der bürstenartige Schlüssel hat Zinken, die die einzelnen Fallriegel anheben und den Riegel so wieder freigeben.
Die Variation ergibt sich daraus, dass in den verschiedenen Schlössern unterschiedlich viele Fallriegel in ganz unterschiedlichen Abständen eingebaut werden können. Technologisch betrachtet ist das Fallriegelschloss der direkte Vorläufer des Schließzylinders.
Fallriegelschlösser werden bis heute in bestimmten Regionen der Welt (Westafrika, Anatolien, Färöerinseln) hergestellt und verwendet.
Zum Aufschließen muss man den Schlüssel ins Schlüsselloch schieben. Der Schlüssel drückt die Sperrfeder wieder zusammen und man kann die beiden Teile des Schlosses wieder auseinanderziehen.
In Deutschland sind Sperrfederschlösser spätestens seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. bekannt. Die ältesten Exemplare wurden im Oppidum von Manching, einer keltischen Stadt in der Nähe von Ingolstadt, entdeckt. Wie auch das Fallriegelschloss hat diese Konstruktion eine sehr lange Laufzeit, denn Sperrfederschlösser werden in Ländern wie Indien, Marokko, der Volksrepublik China und dem Iran bis heute hergestellt.
Die Anzahl der bekannten römischen Schlüssel ist enorm und übersteigt bei weitem alles, was aus jeder anderen Epoche des Altertums bekannt ist. Das ist besonders erstaunlich, da die Archäologen die allermeisten römischen Schlüssel, die ausgegraben werden, nie zu Gesicht bekommen. Dieser Zustand ist Teil eines allgemeinen und fatalen Problems der Altertumswissenschaft. Römische Schlüssel aus Eisen oder Bronze lassen sich im Boden leicht mit Metallsuchgeräten entdecken. Da Schlüssel beliebte Sammlerobjekte sind, können sie von den illegalen Raubgräbern leicht gewinnbringend verkauft werden. Besonders durch Auktionen im Internet erreicht der widerrechtliche Handel mit antiken Objekten zur Zeit bisher unbekannten Ausmaße.
Der Boom in der Schlossherstellung, der sich uns über diese große Menge römischer Schlüssel erschließt, hatte vor allem zwei Gründe, zum einen den großen Aufschwung, den die Metallverarbeitung in dieser Epoche nahm, zum anderen die urbane Lebensweise der Römer. In allen neueroberten Provinzen legten die neuen römischen Machthaber Städte an, in denen sich die Bevölkerung konzentrierte. Der Unsicherheit und Anonymität, die mit dieser Ballung der Bevölkerung einherging, versuchte man mit mechanischen Sicherungskonstruktionen, also Schlössern, entgegenzuwirken.
Besatzungen sind Hindernisse, Eisenstäbe oder Bleche, die innerhalb des Schlosses in den Drehkreis des Schlüssels eingebaut werden.
Die interessanten Muster, die sich zuweilen in den Schlüsselbärten antiker Schlüssel finden, dienen dazu, genau diese Hindernisse zu umgehen.
Nur wenn der Schlüsselbart der Form der Besatzung entspricht, kann er das Schloss aufsperren.
Das Kernstück des Bramahschlosses sind Metallplättchen, die in einer bestimmten Höhe eingekerbt und radial um das Schlüsselloch angeordnet sind. Das Ende des Schlüsselhalmes besitzt unterschiedlich tiefe Einschnitte.
Diese schieben die Plättchen gerade so tief ins Schloss, dass die Kerben rund um den Zylinder herum auf der selben Höhe sind, so dass er sich vom Schlüsselbart drehen lässt.
Das Schloss des Joseph Bramah, 1784 erfunden, verlor im 18. Jahrhundert als Haustürschloss immer mehr an Bedeutung, da viele Komponenten nach wie vor aufwendig von Hand gefertigt werden mussten und es deshalb sehr viel teurer in der Herstellung war als die Zuhaltungsschlösser. Was den Sicherheitswert anging, war es seinen Konkurrenten aber haushoch überlegen und wurde deshalb vor allem im Tresorbau eingesetzt.
Es war Alfred Charles Hobbs, der es 1851, also Jahrzehnte nach Erteilung des Patents und 41 Jahre nach dem Tod des Erfinders, als erster schaffte, ein Bramahschloss zu überwinden. Allerdings brauchte er, anders als die wenigen Minuten in denen er das Chubbsche Schloss geknackt hatte, 16 Tage, um es zu öffnen.
Bramah war ein Universalgenie und machte sich besonders durch Erfindungen in der Hydraulik verdient. Er erfand eine hydraulische Presse, Pumpen für Wasserwerke und ersann die Zapfanlage, mit der noch bis heute in allen Pubs des Vereinigten Königreiches Bier ausgeschenkt wird. Sein Einfallsreichtum erscheint beinahe grenzenlos und zu seinen weiteren Patenten gehören eine Maschine zum Nummerieren von Banknoten und ein Gerät zum Anspitzen von Gänsefedern zum Schreiben.
Im Barronschloss befanden sich zwei hebelartig bewegliche Zuhaltungen, Messingbleche, auf denen ein Stift aufgelötet war. Der Riegel besaß einen horizontalen Schlitz, oder Kanal, der nach oben und unten Kerben hatte, in die die Stifte der Zuhaltungen einrasteten und ihn festhielten.
Der Schlüsselbart wiederum besaß Einschnitte, die die Zuhaltungsbleche gerade so weit anhoben, dass die Stifte aus den Kerben gehoben wurden und durch den Kanal im Riegel hindurchgleiten konnten. Waren die Einschnitte im Schlüsselbart nur ein wenig zu hoch oder zu niedrig, wurde der Riegel blockiert und das Schloss ließ sich nicht öffnen.
In der Umsetzung seiner Idee war Barron aber noch nicht völlig konsequent und hielt am Altbewährten fest, indem er sein Schloss noch immer mit einer Besatzung versah und die Zuhaltungen dieser nur als zusätzliches Sicherheitselement hinzufügte.
Ob es sein kaufmännisches Geschick, oder die Tatsache war, dass Großbritannien damals das industrielle Zentrum der Welt war, lässt sich nicht genau sagen. Jedenfalls war es Chubb, der dem Zuhaltungsschloss zu seinem Weltruf verhalf.
Chubb kehrte das Prinzip von Barron um und machte es so möglich, eine beliebige Anzahl von Zuhaltungen zu verwenden.
Bei seinem Schloss war der Stift am Riegel angebracht und die Zuhaltungen waren mit den Schlitzen als Führungskanäle versehen.
Wie viele Konstrukteure des selbstbewussten 19. Jahrhunderts, war Chubb von seiner Erfindung so grenzenlos überzeugt, dass auch er einen hohen Geldpreis für denjenigen aussetzte, der es schaffte, sein Schloss ohne den dazugehörigen Schlüssel zu öffnen. Das Schloss war vorher von Experten der englischen Regierung getestet worden. Als sich ein verurteilter Einbrecher der Herausforderung stellte, hatte man so viel Vertrauen in Chubbs Erfindung, dass man ihm, sollte er erfolgreich sein, seine Haftstrafe erlassen wollte. Der ehemalige Schlosser mühte sich über eine Woche ab, ohne jedes Ergebnis. Die Zeitungen jubelten, dieses Schloss war wirklich unüberwindbar!
Um so erstaunter war die Öffentlichkeit, als am 22. Juli 1851, während der großen Weltausstellung in London, der junge Amerikaner A. C. Hobbs in den Crystal Palace spazierte und das dort ausgestellte Schloss in nur 25 Minuten öffnete, ohne es dabei zu beschädigen.
Er bediente sich dabei einer Methode, die später nach ihm benannt wurde und noch heute weltweit von Schlüsseldiensten angewendet wird. Mit einem von ihm eigens entwickelten Instrument gelang es ihm, die Zuhaltungen abzutasten und in die richtige Öffnungsposition zu bringen.
Das Protektorschloss des deutschen Theodor Kromer wurde 1874 patentiert. Anders als sein Rivale konnte es komplett maschinell hergestellt werden und war somit preisgünstiger als das Bramahschloss.
Das Protektorschloss ist im Kern ein Zuhaltungsschloss. Die Zuhaltungen sind aber nicht hebelartig aufgehängt, sondern befinden sich in einem drehbaren Kern. Der Schlüssel hat zwei Bärte, wirkt somit zweifach auf die Zuhaltungen und erreicht so eine Schließvariation von 87 Millionen.
Selten als Türschloss verwendet, findet man Doppelbartschlösser in der Regel bei Schließfächern oder im Tresorbau.
Die überwiegende Mehrzahl aller Schlösser sind Stiftschlösser. Sie wurden von Linus Yale jun. 1865 in New York erfunden. Mehrere entweder durch Schwer- oder Federkraft in den Kern gedrückte Stiftsäulen (Stiftpaare), in Gehäuse- und Kernstift unterteilt (zusätzliche Unterteilungen sorgen in Schließanlagen dafür, dass verschiedene Schlüssel das gleiche Schloss aufsperren können), blockieren den Kern, bis alle durch den Schlüssel so weit in das Gehäuse gedrückt werden, dass die Unterteilung an der zwischen Kern und Gehäuse liegenden Scherung liegt.
| Pin_tumbler_locked.png | Pin_tumbler_with_key.png | Pin_tumbler_unlocked.png |
Handelsübliche Zylinderschlösser haben 5 oder 6 Stiftsäulen, Bohrmuldenschließzylinder, bei denen die Schließfläche des Schlüssels orthogonal zur Ausrichtung der Stiftsäulen liegt, haben 5 bis 25. Rohrschaftschlösser, die man häufig als Fahrradschlösser oder Aufschaltschlösser in Alarmanlagen findet, haben 7 Stiftsäulen, die kreisförmig um den Schaft angeordnet sind; der Schlüssel in Form eines kurzen Rohrs weist Ausfräsungen auf, in denen die Stifte auf der richtigen Höhe gehalten werden. Mit Sperrwerkzeug kann man aber auch diese Schlösser so manipulieren, dass sie auch ohne den Schlüssel öffnen.
Die Profilierung des Schlüsselloches und des Schlüsselbartes wird auch dazu genutzt, um die Verwendung verschiedener Schlüssel zu ermöglichen:
Ein Schlüssel passt in mehrere gleichschließende Zylinderschlösser, bei Schließanlagen werden die Profile neben den Stiftteilungen zur Kombination verschiedener Schlüssel benutzt. Es werden immer wieder neue Gegenmittel entwickelt, die das unberechtigte Öffnen eines Zylinderschlosses erschweren.
Die meisten Zylinder werden aus Messing hergestellt, aber es gibt auch teure und sichere Zylinderschlösser aus rostfreiem Stahl.
Zu den verschiedenen Bauarten von Schließzylindern siehe: Profilzylinder, Ovalzylinder und Rundzylinder.
Zahlenschlösser finden sich in mechanischer Ausfertigung an Koffern, als Fahrradschloss sowie an Tresoren oder Waffenschränken. Mechanische Zahlenschlösser basieren in der Regel auf drehbaren Metallscheiben, die mit einer Einkerbung versehen sind. Die einzelnen Scheiben werden über einen Mechanismus in die richtige Position gedreht, ein Funktionsriegel greift in die Kerben und der Mechanismus wird entsperrt.
Als mechatronische Variante findet man sie seltener an Türen und Tresoren. Die elektrische Variante findet sich bei manchen Autoradios und Alarmanlagen. Die mechanische Variante funktioniert mit Scheiben, die bei allen Zahlen außer denen der richtigen Kombination Sperren aufweisen. Die mechatronische Variante entspricht einem elektronischen Zahlenschloss mit einer Auslösung durch einen Servomotor oder eine ähnliche Einrichtung.
Die ältesten bekannten Trick- oder Vexierschlösser sind die römischen Hangschlösser mit Maskendeckel aus dem 2. bis 3. Jahrhundert.
Lock (device) | Lukko | Serrure | מנעול | 鍵 (道具) | Slot (sluiting) | Zamek (urządzenie) | Замок (устройство для запирания дверей) | Lås | 锁
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Schloss (Technik)".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world