Die Schleuder ist eine Fernwaffe, die in der Antike und im Hochmittelalter weit verbreitet war. Sie besteht in ihrer einfachsten Form aus einem langen Streifen Leder oder Stoff, der in der Mitte eine kleine Ausbuchtung für das Geschoss hat. Der Schleuderer nimmt beide Enden der Schleuder in die Hand, legt ein Geschoss in die Ausbuchtung und schwingt die Schleuder. Wenn die Schleuder eine ausreichend hohe Geschwindigkeit erreicht, lässt der Schütze das eine Ende los und das Geschoss fliegt aus der Schleuder.
Man kann die Hebelwirkung der Schleuder verbessern, indem man sie am Ende eines Stabes anbringt. Dies ist die Stabschleuder, Stockschleuder oder Fustibal (lateinisch Fustibalus).
Die Stabschleuder wird von dem spätrömischen Militärschriftsteller Vegetius in seiner Abhandlung "De Re Militari" als übliche Waffe der römischen Armee erwähnt. Die ersten bildlichen Darstellungen finden sich in byzantinischen und mittelalterlichen Werken. Die Stabschleuder konnte schwere Steine, aber auch Brandsätze und später Granaten werfen.
Dies ist ein Stein, an dem eine Schnur oder ein Riemen befestigt ist - effektiv ein Schleudergeschoss mit daran befestigter Schleuder. Die Bola Perdida ist - zumindest - bei den Eingeborenen von Patagonien (den Tehuelche) nachweisbar.
Das Kestrosphendone (auch Kestrosphendon) war eine spezielle Schleuder, mit der kurze, schwere Pfeile verschossen wurden. Das Aussehen und die genaue Funktionsweise sind nicht klar; eine mögliche Rekonstruktion ist hier zu sehen.
Das Kestrosphendone war in der Antike bekannt und kam im dritten makedonisch-römischen Krieg zum Einsatz. Von Polybios (Geschichte, Kapitel 27 Abschnitt 11) und Titus Livius wird es erwähnt, aber nicht ausreichend genau beschrieben. Das Kestrosphendone wird später nicht mehr erwähnt; seine Nutzung nach den makedonisch-römischen Kriegen ist unklar.
Ein entfernter Verwandter der Schleuder ist die Speerschleuder (auch bekannt unter dem aztekischen Namen "Atlatl"). Dabei handelte es sich um einen Stab mit einem kleinen Haken am Ende, in den ein Wurfspeer eingelegt wurde. Der Stab verstärkte wie die Schleuder die Hebelwirkung des Wurfarmes.
Sling bullets clay and stone.JPG Die ursprüngliche Munition für die Schleuder waren Steine, wobei runde Steine aus Flussbetten oder von Stränden besonders gut geeignet waren. Im 1. Buch Samuel wird erwähnt, dass David fünf glatte Steine aus einem Bach als Schleudermunition für den Kampf gegen Goliath auswählt.
Die Steine wurden sorgfältig gesammelt und gelagert. In der eisenzeitlichen Wallburg Maiden Castle in Dorset (Südengland) wurden an die 40.000 ausgesuchte Steine vom nahen Strand als Schleudermunition gefunden. Es wurden nicht nur natürliche Steine benützt, sondern auch behauene Steingeschosse, ungefähr so groß wie Billardkugeln.
Gegossene Geschosse aus Blei oder anderen Metallen waren schwerer und noch wirksamer. Es war üblich, die Geschosse mit Inschriften zu versehen, die entweder in die Gussform eingearbeitet waren oder nachträglich in das weiche Blei eingeritzt wurden. Der Corpus Inscriptionum Latinarum enthält einige solche Inschriften. Neben derben Sprüchen ("Fang auf!" oder "In die Fresse!") und Beschimpfungen des Feindes finden sich auch Hinweise auf den Eigentümer oder Hersteller der Geschosse ("von Philippos"), was für Archäologen eine wichtige Hilfe bei der Datierung von Funden darstellt. Weiters sind die Inschriften ein gutes Beispiel für die Alltagssprache einer Epoche.
Dazu kamen noch Geschosse aus gebranntem oder nur getrocknetem Ton zum Einsatz. Cäsar berichtet von glühenden, aus Ton geformten Kugeln, die von Schleuderern der Nervier gegen strohgedeckte Lagerhütten geworfen wurden (Commentarii de Bello Gallico, Buch V, Kapitel 43).
In großen Armeen war es üblich, Geschosse von einheitlicher Qualität und Größe in Massenproduktion herzustellen.
Die Schleuder war die ideale Fernwaffe für arme Leute. Sie machte auch bettelarme Menschen zu gefährlichen Kriegern. In antiken Völkern mussten die Krieger oft selbst ihre Waffen bezahlen. Wenn das Volk arm war, hatten sie zumindest Schleuderer. Auf diese Weise wurden auch die Armen zu effizienten Kriegern, deren Wohlwollen der Herrscher sich erhalten musste wenn er ihre Unterstützung für seine militärischen Pläne benötigte. Hirtenvölker brachten oft gute Schleuderer hervor (Der biblische David war Hirte). Schaf- und Ziegenhirten benötigten eine gute, billige Fernwaffe, um Raubtiere und Viehdiebe von ihren Herden fernzuhalten und hatten auch genug Zeit, um mit der Schleuder zu üben.
Slingshot (weapon).jpg Schleuder]] Die Schleuder dürfte neben Speer und Keule eine der ältesten Waffen der Menschheit sein.
Praktisch alle Kulturen der europäischen Antike kannten die Schleuder. Als Ursprungsland der Schleuder in der griechisch-römischen Welt gelten die Balearen-Inseln Mallorca, Ibiza und Formentera. Die Schleuderer von den Balearen waren unter dem Namen Els Foners Balears bekannt.
Durch eine geschickte Anordnung von zwei Werfergruppen erzielten die Foners einem Vorhang gleichenden Abwehrriegel, so dass der Gegner keine Chance hatte unverletzt durchzukommen. Die Wucht der Geschosse war (und ist noch heute) so groß, das dem Gegner förmlich der Kopf vom Leibe getrennt wurde. Die Wurffrequenz jedes einzelnen Werfers lag wesentlich höher als bei einem Bogenschützen.
Seit dem Jahre 2001 gibt es wieder mehrere Vereine auf den Baleareninseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera, die diese Tradition bewahren. Jährlich werden die Balearen-Meisterschaften ausgetragen. Es gibt ein eigens dafür geschriebenes Regelwerk.
Die Bibel erwähnt Davids berühmten Kampf mit der Schleuder gegen den Philister Goliath (1. Buch Samuel, 17,40, 17,49). Der biblische Stamm Benjamin wird im Alten Testament für seine Geschicklichkeit mit der Schleuder gelobt (Richter 20,16; 1 Chroniken 12,2).
In den Heeren der Assyrer gab es Schleuderer, die auf Reliefs in Ninive abgebildet sind.
Die Schleuderer Roms verwendeten rauten- oder dattelförmige Bleigeschosse, Glandes (Eicheln) genannt, mit einem Gewicht von 20-50 Gramm, die mit einem Stachel versehen waren. Damit konnte der Schleuderer durchaus Helme und Schilde zerschlagen.
Eiförmige Steine in alten Gräbern wie z.B. in Vindonissa könnten gemäß geschichtlicher Forschung Schleudersteine sein, die den Verstorbenen ins Grab mitgegeben worden waren.
Römische Militärärzte hatten ein spezielles Gerät, um Schleudergeschosse aus dem Körper eines Getroffenen zu entfernen. Der römische Arzt Aulus Cornelius Celsus beschrieb entsprechende medizinische Techniken.
Schleudern wurden im Mittelalter auch bei der Jagd benutzt. "Jagtgesellen" verwendeten die einfache Schleuder, um Rebhühner aufzuscheuchen. Auf dem Wandteppich von Bayeux ist ein Schleuderer auf der Vogeljagd zu sehen.
Der entsprechende französische Ausdruck für Schleuder "fronde" erinnert an die französischen Unruhen im 16. Jh. Man nannte die Partei der Unruhestifter "Fronde" nach den Pariser Strassenjungen, die gegeneinander mit Schleudern kämpften.
Eine Berner Schulordnung von 1636 berichtet, dass Knaben nach dem Schulunterricht gerne "steinschlinggen".
Militärisch wird die Steinschleuder (wie auch Speer und Lanze) dann immer mehr durch die Schusswaffen abgelöst.
Das Fernsehen, Computerspiele und sportliche Fächer machen seit den 1980-er Jahren die Steinschleuder auch in der "zivilisierten" Gesellschaft uninteressant, so dass die Gefahr durch Steinschleudern gegen Null tendiert.
Seit dem Jahre 2001 gibt es wieder mehrere Vereine auf den Baleareninseln Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera, die diese Tradition bewahren. Jährlich werden die Balearen-Meisterschaften ausgetragen. Es gibt ein eigens dafür geschriebenes Regelwerk.
Nach dem deutschen Waffenrecht (Waffengesetz - WaffG, Anlage 2 Abschnitt 1 Nr. 1.3.7 in Verbindung mit Anlage 1 Abschnitt 1 Unterabschnitt 2 Nr. 1.3) ist verboten:
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