Schlangengifte sind die physiologisch wirksamen Bestandteile des Giftapparates der Giftschlangen. Sie dienen hauptsächlich der Beutejagd und ihrer Verdauung. Seltener setzen diese weit entwickelten Reptilien ihre Gift zur Verteidigung gegen Angreifer ein.
Die giftigste Landschlange der Welt ist der in Australien lebende Inland-Taipan. Er ist eher ruhig und nicht aggressiv. Die Braunschlange dagegen (auch eine der giftigsten Schlangen) ist ziemlich aggressiv und leicht reizbar. Die giftigsten Schlangen sind in Australien und im Meer (Seeschlangen) zu finden. Der Ort mit der höchsten Giftschlangendichte ist die Insel Queimada Grande vor der Ostküste Brasiliens.
Jährlich werden etwa 5 Millionen Menschen von Schlangen gebissen und rund 125.000 von ihnen sterben daran. 70 Prozent der Schlangenbisse bei Menschen erfolgen in Knöchelhöhe oder tiefer.
Diese Erscheinungen werden oft (aber nicht unbedingt) von allgemeinen Symptomen wie Fieber, Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen und Ähnlichem begleitet.
Die bekanntesten Konkurrenten des Inlandtaipans um die Frage des potenteren Giftes sind die Schnabelseeschlange (Enhydrina schistosa) und die Dubois' Seeschlange (Aipysurus duboisii). Allerdings liegt der LD50-Wert der Schnabelseeschlange bei knapp über 0,1 mg/kg, während die Dubois' Seeschlange beachtliche 0,044 mg/kg erreicht. Diese und einige weitere Seeschlangen halten sich auf der Liste der giftigsten Schlangen im vorderen Bereich auf. Bei der (ebenfalls in Australien heimischen) gewöhnlichen Braunschlange (Pseudonaja textilis) wurde ein LD50-Wert von etwa 0,037 mg/kg gemessen, womit sie sich gleich hinter dem Inlandtaipan auf Rang 2 aufhält.
Die unterschiedlichen Bewertungen sind wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die LD50-Werte von Test zu Test schwanken. Dies kommt zustande, da die Werte von Tier zu Tier unterschiedlich sind und Messungen aufgrund physikalischer Prinzipien grundsätzlich immer fehlerbehaftet sind. Dennoch bestätigen die meisten Tests die hier aufgeführte Reihenfolge.
Hinzu kommt dass die konkrete Wirkung eines Giftes auf einen gebissenen Menschen oder ein Tier, aufgrund derer die Beurteilung der Giftigkeit einer Schlange ebenfalls häufig vorgenommen wird, nicht unbedingt mit dem durch die LD50-Messung gewonnenen klinischen Wert des Schlangengiftes übereinstimmt. Im Gegensatz zum LD50-Wert spielen hier aktuelle Toxizität der Schlange, Bisstiefe, Menge des inkorporierten Giftes, Stelle der Bisswunde, Reaktion des gebissenen Organismus usw. eine erhebliche Rolle.
| Spezies | Name | subkutan mg/kg | intramuskulär mg/kg | intravenös mg/kg | intraperitoneal mg/kg | Giftmenge mg |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Oxyuranus microlepidotus | Inlandtaipan | 0,025 | ||||
| Pseudonaja textilis | Gewöhnliche Braunschlange | 0,0365 | ||||
| Oxyuranus scutellatus | Küstentaipan | 0.106 | ||||
| Bungarus multicinctus | Vielbindenbungar | 0.1080 | 0.113 | 0.08 | ||
| Boulengeria christyi | Kongo-Wasserkobra | 0.1200 | ||||
Historisch gesehen waren Giftschlangen auch in Europa ein wichtiger Bestandteil der Medizin. So wurden verschiedene Zubereitungsformen aus oder mit Giftschlangen gegen allerlei Krankheiten und zum Erlangen zukünftiger Schönheit, Vitalität, Potenz und dergleichen eingesetzt. Neben dem Verzehr des Fleisches war das Trinken alkoholischer Schlangenextrakte und des Schlangenblutes verbreitet. Zum Schaden dieser Lebewesen haben einige dieser aus moderner Sicht völlig unhaltbaren Mythen überlebt. Vor allem in der traditionellen asiatischen Medizin werden solche wissenschaftlich nicht belegbaren Verfahren zum Schaden zahlreicher Arten bis heute praktiziert, auch wenn dies in den jeweiligen Ländern teilweise ungesetzlich ist.
Schlangen | Klinische Toxikologie | Gift | nicht essbares Tierprodukt
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