Sempach Schlachtfeld.jpg Die Schlacht bei Sempach (Kanton Luzern) fand am 9. Juli 1386 statt. Sie gilt in der Geschichte der Schweiz als Höhepunkt des Konfliktes zwischen den Habsburgern und den Eidgenossen.
Sie ist auch die Geburtsstunde der Heldenlegende des Arnold von Winkelried, der im Sempacher Schlachtenlied besungen wird. Danach soll sich dieser heldenhaft in die Speere der Feinde geworfen haben, um für den eidgenössischen Angriff eine Bresche zu schlagen. Sicher ist nur, dass es sich zur Zeit der Schlacht um einen heissen Sommertag gehandelt hat und dass dieses Ereignis für die Unabhängigkeit der Eidgenossenschaft wichtig war.
Rund hundert Jahre vorher hatten sich die Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden zusammengeschlossen und im Rütli-Schwur am 1. August 1291 ihren Zusammenhalt gegen das Haus Habsburg geschworen. Dieser Schwur ist zwar historisch nicht belegt, gehört aber zum festen Bestand der Schweizer Historiographie.
Die Habsburger plagten zu dieser Zeit andere Sorgen, sie konnten sich nicht um die abtrünnigen Gebiete am und um den Gotthardpass kümmern. Dennoch versuchten sie von Zeit zu Zeit, ihren Besitz wieder zurückzufordern. Herzog Leopold I. marschierte 1315 gegen die Eidgenossen, denen es aber gelang, das Ritterheer bei Morgarten zu schlagen.
Luzern hatte sich 1332 dem Bund der Waldstätte angeschlossen, gehörte rechtlich aber immer noch zu Habsburg. Ab 1380 begann Luzern sein Territorium gezielt zu erweitern. Es erwarb die Vogtei über Weggis, eroberte die habsburgischen Städtchen Rothenburg und Wolhusen und nahm das Entlebuch und die habsburgische Stadt Sempach in sein Burgrecht auf.
Leopold III. hatte indessen Mühe gehabt, ein Heer für diesen Feldzug aufzubieten. Viele Söldner wollten für teures Geld angeworben werden. Leopold musste gar einige oberitalienische Ländereien verpfänden. Dies war es ihm wert, denn er wollte seine Stammlande in der heutigen Schweiz unter keinen Umständen kampflos aufgeben. Nach der Heerschau in Brugg marschierte Leopold mit einem grossen Aufgebot von Rittern und Kriegsknechten zuerst gegen Luzern. Sie wurden von den Eidgenossen schnell bemerkt. Doch erwarteten diese, dass die Österreicher gegen Zürich vorstossen wollten und versammelten dort ein starkes Heer. Als sie ihren Irrtum bemerkten, verschoben sie ihre Truppen in Eilmärschen Richtung Luzern.
Unweit von Sempach, beim habsburgischen Städtchen Sursee, bezog Leopolds Heer ein letztes Nachtlager. Bei Tagesanbruch des 9. Juli brach es in Richtung Sempach auf, wo in der Morgenfrühe die Vorhuten der beiden Heere aufeinander trafen.
Auf einer Anhöhe liess der Herzog seine Ritter absitzen und eine lanzenbewehrte, igelartige Verteidigungsstellung beziehen. Die geschlossenen Reihen der Ritter erwarteten den Angriff, wobei die Lanzen ihrer vordersten vier Reihen ein unüberwindliches Hindernis bildeten. In krassem Gegensatz zu den schwer gepanzerten Rittern waren die Innerschweizer ausgerüstet: «Die Stärke der Schweizer bestand im Fussvolk; jeder trug seine Halbarde; mit Vertheidigungswaffen waren sie so schlecht versehen, dass in der Sempacher Schlacht viele nur ein kleines Bret am Arm trugen.» Johannes von Müller: Allgemeine Aussicht über die Bundesrepublik im Schweizerland. Deutsche Fassung 1776–1777. Nach den Handschriften hrsg. und eingeleitet von Doris und Peter Walser-Wilhelm. Zürich, Ammann 1991 ISBN 3-250-50000-3 der modernen orthographie angepasst
Sempach Winkelried.jpg Nachdem die Eidgenossen ein kurzes Gebet gesprochen hatten, griffen sie diese uneinnehmbar scheinende Stellung in keilförmiger Schlachtordnung an. Sie zerbrachen buchstäblich daran, verloren beim ersten Zusammenprall etwa 60 Luzerner, darunter den Anführer des Luzerner Harstes, Schultheiss Petermann von Gundoldingen. Der Legende nach opferte sich anschliessend ein Mann aus Unterwalden, Arnold von Winkelried, über dessen Leiche die Eidgenossen ins Zentrum der habsburgischen Stellung eindrangen. Die mit dem später berüchtigten «vigor helvetii» geführten Hellebarden, hielten blutige Ernte unter den durch ihre schweren Rüstungen mehr behinderten als geschützten Rittern.
«Wenn die Österreicher vor der Schlacht ihre schweren Rüstungen, deren sie gewohnt waren, abgelegt hätten, so hätte das ihnen eine sonderbare Geschmeidigkeit gegeben. Sie behielten dieselben; da es sehr warm war, erstickten viele in den Rüstungen.» (ebenda) Banner um Banner fiel, die Eidgenossen bedrängten bereits das Banner von Österreich. «Der Herzog eilte herbei zur Verteidigung seines Banners; hier, mitten unter seinen Feinden stürtzte er, seine schwere Rüstung hinderte ihn sich aufzurichten. Ein Mann, der ihn, so sagt man, nicht kannte, tötete ihn mit grosser Mühe.» (ebenda)
Herzog Leopold wurde in der Kirche des Klosters Königsfelden bei Brugg begraben, das nach der dortigen Ermordung seines Vorfahren, Albrecht I. von Habsburg 1308 von dessen Witwe Elisabeth errichtet worden war. Die Eidgenossen ihrerseits verweilten noch drei Tage lang im Gebet auf dem Schlachtfeld.
Der genaue Ablauf der Schlacht ist nicht dokumentiert. Es gibt diverse Erzählungen, die aber erst im 18./19. Jahrhundert verfasst wurden. Die Schlacht an sich ist eine der am schlechtesten dokumentierten des Mittelalters. Sicher ist jedoch, dass es zu keiner Zeit einem voll gerüsteten Ritter unmöglich war, aufzustehen oder in den Sattel zu springen. Die vollständige Plattenrüstung war zur Zeit von Sempach noch nicht entwickelt. Aus diesem Grund sollte der vielzitierten Argumentation, dass die Österreicher unter anderem wegen ihrer schweren Rüstungen verloren hätten, nicht allzu viel Glauben geschenkt werden.
Eine populäre Variante des späten 20. Jahrhunderts besagt, sein Ausruf sei «Schtossed nid so wie Siuwgrinde» (stosst nicht so wie Schweineköpfe (Fluchwort)), «Höred uf schupfe, ihr dumme Sieche» (Hört auf zu stossen, ihr dummen Sieche (Fluchwort)!) oder «Welle Tubbel het mi gschupft?» (welcher Trottel hat mich gestossen?) gewesen.
Eine eher unbekannte Gedenkstätte rund um die Schlacht von Sempach ist der im Volksmund «Morgenbrot-Stöckli» genannte Ort des letzten Frühstücks der Eidgenossen vor der Schlacht. Neben dem historischen Hintergrund dieser mit einer Gedenktafel versehenen Stelle an einem Waldrand, kann man ein wunderschönes Panorama der Voralpen geniessen.
Siehe auch: Liste von Kriegen, Liste von Schlachten
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