Am 22. Juni 1476 besiegten die Eidgenossen und ihre Bündnispartner Karl den Kühnen, Herzog von Burgund, in der Schlacht bei Murten.
Vorgeschichte
Als
Karl der Kühne 1467 seine Herrschaft in
Burgund antrat, umfasste sein Reich neben dem Burgund auch die Herzogtümer
Limburg,
Brabant und
Geldern, die Grafschaften
Holland,
Seeland,
Flandern,
Artois,
Hennegau und die
Picardie. Von der Größe und den wirtschaftlichen Ressourcen her konnte das Herzogtum mit England und Frankreich mithalten.
Wie kam es zum Krieg?
Karl hatte dem König von Frankreich den Untergang geschworen und war mit seinem Schwager, dem englischen König, verbündet. Der zweite Gegner war der deutsche Kaiser in Wien. Als Pfand für ein Darlehen an das
Haus Österreich (Habsburger), welches Geld im Kampf gegen die
Eidgenossen benötigte, nahm Karl
Lothringen an sich; dies wurde zum eigentlichen Kriegsanlass. Nun verbündete sich die Habsburger Hausmacht mit den Eidgenossen gegen den Herzog von
Burgund und erkannte die Erwerbungen der Eidgenossen an. Dies wurde in der
'Ewigen Richtung' mit Habsburg
1474 festgelegt. Die Eidgenossen wurden auch Verbündete Frankreichs und erklärten im Herbst 1474
Burgund den Krieg.
Die Schlacht bei Murten
Das Heer Karls des Kühnen
Karl der Kühne besaß das modernste Heer im damaligen Europa. Es war ein
Söldnerheer bestehend aus der Infanterie,
Kavallerie und
Artillerie. Bei der Infanterie sind die englischen Bogenschützen zu erwähnen, die einen hervorragenden Ruf genossen. Er besaß den modernsten Artilleriepark Europas. Auf seinen Feldzügen nahm Karl seinen ganzen
Tross und Reichtum mit.
Die Eidgenossen
Die
Eidgenossen hatten ihre eigene
Kampftaktik, die sich seit den ersten Schlachten gegen die Habsburger im 14. Jahrhundert herausgebildet hatte. Im Kampf gegen schwere Reiterei und gepanzerte Kämpfer formierten sie sich zu Gewalthaufen und konnten mit Langspießen eine Art „Igelwand“ bilden, die die Kavallerie nicht durchbrechen konnte. Machiavelli verglich diese Kampfart der Eidgenossen mit der griechischen
Phalanx. Eine wichtige Waffe war die
Hellebarde. Erst als die Artillerie schlagkräftiger wurde, versagten die Eidgenossen erstmals in
Marignano.
Vor der Schlacht
Nach der Niederlage bei
Grandson zog Karl durch die Waadt in Richtung Bern. Doch auf seinem Weg lag die Stadt
Murten, die er zuerst besiegen musste. Zur Sicherung Murtens sandten die Berner
Adrian von Bubenberg aus Spiez mit einem Entsatzheer, das den Murtnern bei der Verteidigung der Ringmauer helfen sollte. Erst als das Heer Karls bernischen Boden (Boden der alten acht Orte) betrat, war das Fanal für die ganze Eidgenossenschaft gegeben. Detachemente aus der ganzen Achtörtigen Eidgenossenschaft marschierten in ununterbrochenen Gewaltmärschen in zwei Tagen nach
Murten, um sich zur Schlacht zu versammeln.
In der Zwischenzeit hatte die Belagerung der Stadt begonnen und die Artillerie hatte bereits einige Türme zerstört. Das Hauptlager Karls des Kühnen befand sich auf einer Anhöhe, die später Bodemünzi genannt wurde, was aus dem schweizerdeutschen (z‘ bode müesse si / zu Boden müssen sie) stammt.
In den Wäldern östlich von Murten versammelten sich die
Eidgenossen mit den lothringischen Reitern unter dem Kommando von
Hans von Hallwyl und
Hans Waldmann. Das Heer dürfte nach neusten Berechnungen aus ca. 20.000 Mann bestanden haben.
Die Schlacht
Die burgundischen
Aufklärungstruppen hatten das Herankommen der Eidgenossen zwar wahrgenommen, doch Karl ignorierte alle Warnungen, nachdem er persönlich das eidgenössische Lager in Augenschein genommen hatte und mehrmals vergeblich in die verregneten Stellungen einrücken ließ. So hatten die Eidgenossen den Vorteil des Überraschungsmoments auf ihrer Seite.
Am Mittag des 22. Juni 1476 versammelten sich die Eidgenossen in Schlachtordnung und begannen den Vormarsch durch den Birchenwald, der den Galmwald und das Murtenholz verbindet. Im Anblick des Feindes wurde das Schlachtgebet verrichtet. Laut mehreren Berichten habe der die ganze Nacht anhaltende Regen um diese Zeit aufgehört und die Sonne wurde als gutes Zeichen aufgefasst. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich in der burgundischen Stellung nur die Artillerie und drei Ordonnanzkompanien.
Der Kampf begann mit einer lauten Kanonade und einem Schützenfeuergefecht. Laut dem Chronisten Etterlin stieß die Reiterei durch den dichten Pulverrauch vor, musste allerdings auf die Vorhut warten, die entlang der Strasse vormaschierte. Da das Feuer aber zu hoch lag, wurden nur wenige Reiter getroffen. Zunächst gelang der Vorhut der Durchbruch durch den Grünhag - einer Palisade - nicht, da sich die Burgunder vehement zur Wehr setzten. Mehreren Berichten zu Folge scheiterte der erste Angriff.
Während die burgundische Reiterei trotz der Überzahl der Eidgenossen angriff, gelang den Schwyzern unter Führung ihres Landammans Dietrich von der Halden eine Umgehungsaktion des Grünhages. Vermutlich waren sie aus der Vorhut der ersten Angriffswelle rechts ausgebrochen und durch den tiefen sogenannten Burggraben der Artillerie in den Rücken gefallen. Zur selben Zeit wurde im burgundischen Lager Alarm gegeben. Ungefähr 4000 herbeieilende Truppen konnte Troylo noch sammeln, um sie in die Schlacht zu werfen. Doch der Gewalthaufen der Eidgenossen war bereits auf den Grünhag zu gelaufen und hatte ihn niedergedrückt. In der Panik feuerten die Burgunder ihre Büchsen viel zu früh ab. Nun konnte die Masse der Halpartiere (ca. 15000) über das burgundische Lager herfallen. Die Vorhut ging südlich von Murten gegen das II. Korps der Lombarden los und drängte sie in den See. Die Garnison der Stadt Murten unternahm ebenfalls einen Ausfall gegen die Lombarden und versuchte mit zwei Schiffen, die schwimmend Flüchtenden zu töten. Die Reiterei griff, während der Gewalthaufen auf das Lager bei Meyriez losging, die Stellungen des Herzogs auf dem Bodemünzi an. Die englischen Bogenschützen und die Bogenschützen der Garde versuchten hier noch Widerstand zu leisten, doch wurden sie von der Reiterei überrumpelt und ihre Hauptleute, Grimberghe, Georges de Rosimbois und der Herzog von Somerset fanden ebenfalls den Tod.
Inzwischen versammelte Karl der Kühne den Rest seiner Truppen, wahrscheinlich die Berittenen des I. und III. Korps, zur Flucht. Die so genannte Burgunderbeute kann noch heute zu großen Teilen im historischen Museum in Bern besichtigt werden.
Konsequenzen / Bedeutung
Mit dem Sieg in der Entscheidungsschlacht der
Burgunderkriege bereiteten die Eidgenossen das Ende des burgundischen Staates vor. Sie ebneten Frankreich den Weg zur Vormacht in Westeuropa und Österreich konnte als Folge seine Besitzungen in den Niederlanden erwerben. Die
Eidgenossen etablierten sich dank der Überlegenheit ihrer Fußtruppen als europäische Militärmacht und wurden von nun an häufig in fremden Diensten als Söldner angeworben. Die Geschichte der schweizerischen
Söldner beginnt in dieser Zeit und wird bis zum
Krimkrieg andauern.
Die Legende des Murtenläufers
Eine Sage berichtet über einen eidgenössischen Läufer, der zur Benachrichtigung der Siegesbotschaft, mit einem Lindenzweig in der Hand, die Strecke von
Murten nach
Freiburg im Üechtland (ca. 17 km) ohne Unterbrechung lief. In
Freiburg im Üechtland angekommen, konnte er noch die Worte „Sieg, Sieg!“ verkünden und brach anschließend tot zusammen. An seiner Stelle wurde eine Linde gepflanzt. Anstelle der ursprünglichen so genannten „Murtnerlinde“ in
Freiburg im Üechtland, die leider abgestorben ist, wurde ein Denkmal vor dem Rathaus gesetzt. Dennoch gibt es sieben Kinder der Murtnerlinde, die gezüchtet werden konnten. Sie kann man heute in
Murten und in
Freiburg im Üechtland auf dem Rathausplatz besichtigen. Dem Läufer zu Ehren wird jedes Jahr der Murtenlauf durchgeführt.
Literatur
- Gerrit Himmelsbach: »Je lay emprins - ich habs versucht« Murten, 22. Juni 1476. In: Stig Förster, Markus Pöhlmann, Dierk Walter (Hrsg.): Schlachten der Weltgeschichte. Von Salamis bis Sinai. München 2001, S. 109-122.
- Georges Grosjean: Die Murtenschlacht. Analyse eines Ereignisses. In: Die Murtenschlacht. Eine Schweizer Ereignis in Europas Geschichte zwischen Mittelalter und Neuzeit 1476-1976. Internationales Kolloquium zur 500-Jahr-Feier der Schlacht bei Murten. Murten 23.-25. April 1976 (Archiv des historischen Vereins des Kantons Bern 60). Bern 1976, p. 35-90.
Siehe auch
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Freiburg (Kanton)
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