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In der Schlacht von Königgrätz (genauer gesagt: beim Flecken Sadova) am 3. Juli 1866 trafen im Deutschen Krieg um die Vorherrschaft im Deutschen Bund die Truppen Preußens auf die Armee der Österreicher.

Letztere wurden im Verlauf der Schlacht vernichtend geschlagen, Preußen wurde Führungsmacht im Deutschen Bund und Bismarck setzte damit seine kleindeutsche Lösung (Abtrennung Österreichs) durch. Die Schlacht war einer der Wegbereiter für die Reichsgründung 1871.

Vorgeschichte


Nach den napoleonischen Kriegen wurde zwischen den europäischen Mächten auf dem Wiener Kongress die alte zwischenstaatliche Ordnung in Europa wieder hergestellt. Hervorgegangen war der Deutsche Bund, als loser Staatenbund mit Österreich. Die Ursache des preußisch-österreichischen Kriegs lag in den Spannungen zwischen den Mächten Preußen und Österreich, die immer größer wurden im Kampf um die Vorherrschaft im Deutschen Bund (Olmützer Punktation). Den Anlass zum Krieg gab der Konflikt um den Besitz der von Österreich und Preußen gemeinsam verwalteten Gebiete Schleswig und Holstein (deutsch-dänischer Krieg). 1865 konnten die Gegensätze noch einmal in der Gasteiner Konvention beigelegt werden. Als aber Preußen entgegen den Bestimmungen dieses Abkommens Holstein besetzte, erklärte Österreich die Mobilisierung der Bundesarmee. Darauf trat Preußen aus dem Deutschen Bund aus und erklärte am 19. Juni 1866 Österreich den Krieg.

Auf Seiten Österreichs standen die deutschen Mittelstaaten mit Bayern, Hannover, Sachsen, Württemberg, Baden sowie diverse deutsche Kleinstaaten.

An Preußens Seite standen die thüringischen Kleinstaaten, einige norddeutsche und Italien.

Militärhistorisch ist der Einsatz neuer Waffensysteme bemerkenswert. Die Preußen verfügten über das so genannte Preußische Nadelgewehr (Zündnadelgewehr), ein modernes Gewehr mit Zylinderverschluß (Einzellader, kein Repetiergewehr). Weiterhin spielten die Eisenbahn und der Telegraph eine entscheidende Rolle.

Im Vorfeld des preußisch-österreichischen Krieges hatte Preußen bereits mehrere hundert Beobachter auf Seiten der Nordstaaten in den amerikanischen Bürgerkrieg geschickt, die dort den Einsatz von Eisenbahn, Telegraph und moderner Kriegstechnik beobachteten. Die Einführung einer Obersten Heeresleitung, also die Steuerung der Armeen aus einer Zentrale heraus, war ein Resultat der Beobachtungen im amerikanischen Bürgerkrieg.

Militärgeschichtliche Bedeutung


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Die Bedeutung der Schlacht bei Königgrätz ist sowohl im allgemeinen politischen Kontext als auch als Markstein der militärstrategischen Entwicklung in Europa zu sehen. Mit Königgrätz beginnt das Zeitalter der großen Manöver von Massenheeren, die im Unterschied etwa zur napoleonischen Epoche reine Feuergefechte führen - das Bajonett als kampfentscheidende, weil in der konkreten Gefechtssituation Mann gegen Mann einzusetzende Waffe wird durch die ansatzweise Automatisierung der Handfeuerwaffen endgültig historisch. Zugleich wird hier jedoch die Auftragstaktik, jene auf Friedrich II. und Napoleon gleichermaßen zurückgehende Weiterentwicklung der ursprünglich durch die Lineartaktik bedingten engen Bindung auch der mittleren Truppenoffiziere an die strikten operativen Vorgaben der Armeebefehlshaber zu selbständiger, eigenverantwortlicher und den jeweiligen Geländeverhältnissen flexibel anzupassender Truppenführung erstmalig in großem Stil zur Anwendung gebracht. Nun können bereits Kompaniechefs - also Offiziere im Hauptmanns- oder auch Leutnantsrang - im Zweifelsfall nach eigenem Ermessen Entscheidungen treffen, ohne eine Abstrafung durch vorgesetzte Kommandos wegen Ungehorsams befürchten zu müssen.

Fast noch wichtiger nimmt sich die Mobilisierung großer Truppenmassen durch den modernen Eisenbahnverkehr aus: Der Generalstabschef Helmuth von Moltke nutzte konsequent die Mittel des maschinenbetriebenen Fernverkehrs, um seine komplizierten, auf exakte Einhaltung des Zeitrahmens angewiesenen Aufmarschpläne verwirklichen zu können. Ebenso bahnbrechend wirkte die Überholung tradierter militärischer Kommunikation: Der Meldereiter der vorindustriellen Epoche wurde mehr und mehr durch Telegrafie und Fernschreiber ersetzt. Diese Faktoren finden in der politisch ebenso bedeutungsvollen Schicksalsstunde von Königgrätz ihre erstmalige Anwendung und Bestätigung.

Moltkes Schlachtplan selbst war, wie er mit Nonchalance zu bekräftigen nicht müde wurde, „höchst einfach“: Er basierte auf dem simplen, aber in der Ausführung durchaus problematischen Prinzip: „Getrennt marschieren - vereint schlagen“. So setzte das preußische Oberkommando Ende Juni 1866 drei Armeen in Marsch - die 1. unter Prinz Friedrich Karl von Preußen, die 2. unter dessen Vetter, dem Kronprinzen Friedrich-Wilhelm, und die Elbarmee unter General Herwarth von Bittenfeld -, die in einer groß angelegten Umfassungsbewegung die österreichische Streitmacht unter Generalfeldzeugmeister Ludwig von Benedek einkesseln und aufreiben sollten.

Nach mehreren in der Mehrzahl siegreich bestandenen Gefechten im böhmischen Hochland vor Prag zwischen 26. Juni und 3. Juli (Berliner Straßennamen wie Trautenau, Nachod und Skalitz halten noch heute die Erinnerung an diese Vorgefechte wach) kommt es am 3. Juli in den frühen Morgenstunden zum Zusammentreffen der verfeindeten Heere an der Swiep bei Sadova.

Verlauf


Karte_zur_Schlacht_bei_Koeniggraetz_(3._Juli_1866).jpg Zu Anfang hatte die österreichische Armee lediglich die 1. preußische Armee vor sich - die Einheiten des Kronprinzen befanden sich noch im Anmarsch. Folglich erhöhte sich Stunde auf Stunde der Druck auf die zahlenmäßig unterlegenen preußischen Truppen vor Ort. Die 7. preußische Infanteriedivision unter Generalmajor von Fransecky, darunter insbesondere das 2. Magdeburgische Infanterieregiment Nr. 27, verschanzt sich im Swiepwald und versuchte in einem fürchterlichen Gemetzel, die Offensive zweier österreichischer Korps abzuwehren. An den Flügeln besetzten die Preußen den Wald bei Svib. Ohne Artillerievorbereitung und Wissen der Heeresleitung versuchten die Österreicher unter Graf Festetics den Wald zurückzuerobern. Um diesen Wald entbrannte ein schwerer Kampf, wobei der österreichische rechte Flügel entblößt wurde. Schon wiegten sich die österreichischen Generale im Gefühl eines sicheren Sieges und es artikulierte sich im preußischen Hauptquartier der erste Unmut gegen den unorthodoxen Aufmarschplan des exzentrischen Moltke (selbst König Wilhelm I. und sein Ministerpräsident Graf Bismarck befürchteten eine Niederlage), da tauchte gegen Mittag, auf Höhe des gegenüber dem preußischen Generalstab liegenden Hügels Horenowes, das 1. Garderegiment zu Fuß am Horizont auf. Es bildete die Avantgarde des zur 2. Armee gehörenden preußischen Gardekorps - die Armee des Kronprinzen ist da und nahm gemeinsam mit den von Südwesten her angreifenden Elbdivisionen Nr. 14, 15 und 16 die in die einsame Division im Swiepwald verbissenen österreichischen Truppen in die Zange. Gegen 13:00 eroberte „das erste Regiment der Christenheit“, wie das 1. Garderegiment bei Zeitgenossen genannt wurde, den befestigten Ort Chlum im Osten von Sadowa und schlug die verbliebenen österreichischen Einheiten in die Flucht. Zu diesen Zeitpunkt befahl Benedek den Einsatz der Reserve. Es gelang jedoch nicht, den Hügel zurückzuerobern. In kürzester Zeit verloren die Österreicher über 10.000 Soldaten. Da eine Einkesselung der gesamten österreichischen Armee drohte, gab von Benedek gegen 16:00 Uhr die Schlacht auf und den Befehl zum Rückzug auf Königgrätz. Die Truppen wurden durch preussische Kavallerie verfolgt.

Folgen


Die Bedeutung der Schlacht blieb auch den Zeitgenossen nicht verborgen. Auch im Paris des Zweiten Kaiserreiches fürchtete man, dass sich an der Ostgrenze ein mächtiger, geeinter Nachbar unter preußischer Vormachtstellung bildete. Um Preußen an der weiteren Einigung Deutschlands zu hindern, kam schon bald der Schlachtruf revanche pour Sadowa! („Rache für Königgrätz!“) auf. Ziel war es, den neuen Nachbarn „im Keim zu ersticken“. Es folgte der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71.

Die Schlacht hatte auch für das Österreichische Kaiserreich weitreichende Folgen. Trotz der erfolgreichen Schlachten bei Custoza (24. Juni) und Lissa (20. Juli) gegen die auf Seiten der Deutschen in den Krieg eingetretenen Italiener sah sich Kaiser Franz Joseph nach der verheerenden Niederlage zu Königgrätz zur Kapitulation und zur Abtretung Venetiens an Napoleon III. gezwungen, der die Provinz an Italien abtrat. Weiter schied Österreich aus dem Deutschen Bund aus und Preußen annektierte Schleswig-Holstein, Hannover, Kurhessen, Nassau und Frankfurt und schuf den Norddeutschen Bund. Am 26. Juli 1866 wurde der Vorfrieden von Nikolsburg geschlossen, dem der endgültige Friedenschluss von Prag am 23. August folgte.

Der österreichische Oberbefehlshaber Ludwig von Benedek war zwar ein geschickter Stratege, hatte zuvor aber versucht, das Amt des Oberbefehlshabers der Nordarmee abzulehnen, da er auf dem böhmischen Schauplatz keinerlei Erfahrung besaß und sich die Nordarmee in einem äußerst desolaten Zustand befand, was auch die Schlacht mitentscheiden sollte. Nach der Schlacht von Königgrätz wurde er seines Amtes enthoben und vor ein Kriegsgericht gestellt. Das Verfahren wurde jedoch auf kaiserlichen Druck eingestellt und Benedek befohlen, bis an sein Lebensende über die Schlacht zu schweigen, woran er sich auch hielt. Heutige Historiker sind der Ansicht, dass Benedek zwar einige Missgeschicke unterliefen, aber die Niederlage durch ungarische Offiziere verschuldet gewesen sei, die entgegen Benedeks Befehlen zu einem Gegenangriff im Swiepwald ansetzten, die österreichische Front damit zerrissen und so von dem „verspäteten“ 1. preußischen Garderegiment überrumpelt wurden. Über die Überlegenheit der Zündnadelgewehre soll Benedek jedoch ziemlich gut informiert gewesen sein, woraufhin er für die österreichischen Stellungen meist dichtes Waldgelände (wie im Swiepwald) wählte, um die Preußen in den Nahkampf zu zwingen, bei dem ihnen ihre moderneren Gewehre kaum von Nutzen waren. Diese Taktik funktionierte auch ziemlich gut, bis zu jenem für die Österreicher verhängnisvollen Gegenangriff.

In der Österreichischen Innenpolitik geriet Kaiser Franz Joseph ebenfalls unter Druck. Die Monarchie war außenpolitisch geschwächt und im Jahr 1867 wurde am 21. Dezember der Ausgleich mit Ungarn sowie die Dezemberverfassung im österreichischen Reichsrat beschlossen.

Kuriosa


In Theodor Fontanes Roman Effi Briest bringt die Titelfigur am Tag von Königgrätz, dem 3. Juli, ihr einziges Kind, die Tochter Annie, zur Welt. Zitat aus dem 14. Kapitel: „...und am Morgen des 3. Juli stand neben Effis Bett eine Wiege. Doktor Hannemann patschelte der jungen Frau die Hand und sagte: 'Wir haben heute den Tag von Königgrätz; schade, dass es ein Mädchen ist. Aber das andere kann ja nachkommen, und die Preußen haben viele Siegestage.'“

Aus dieser Schlacht stammt der Ausspruch: „So schnell schießen die Preußen nicht“, eine Anspielung auf die überlegenen Zündnadelgewehre der Preußen, die diesen einen großen Vorteil verschafften, da sie um ein mehrfaches schneller feuern konnten als die Österreicher.

Sebastian Haffner widerspricht dieser Herleitung in seinem Buch Preußen ohne Legende: „Die Redensart ... bezieht sich nicht auf ihr (der Preußen) Schießen im Gefecht – da schossen sie sogar besonders schnell ... Sondern sie schreibt sich daher, dass sie mit dem Erschießen von Deserteuren nicht so schnell bei der Hand waren ..... In Preußen wurden solche Unglücklichen zwar halbtot geprügelt, aber dann wieder gesund gepflegt, so dass sie wieder dienen konnten. Fürs Erschießen waren sie viel zu wertvoll; preußische Sparsamkeit auch hier.“

Der österreichische Kaiser Franz Joseph soll, nachdem ihm die Nachricht vom Ausgang der Schlacht überbracht worden war, ganz unkaiserlich über seinen Feldherrn geschimpft haben: „Benedek, der Trottel!“. Der Feldmarschall wurde daraufhin unehrenhaft entlassen.

Literatur


  • Frank Zimmer: Bismarcks Kampf gegen Kaiser Franz Joseph. Königgrätz und seine Folgen, Styria 1996
  • Frank Becker: "Getrennt marschieren, vereint schlagen" Königgrätz, 3. Juli 1866. In: Stig Förster *: Schlachten der Weltgeschichte. Von Salamis bis Sinai, dtv 2004, S. 216-229
  • Sebastian Haffner: Preußen ohne Legende, 1. Auflage Seite 106

Weblinks


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