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Die Doppelschlacht von Jena und Auerstedt (auch Auerstädt in älteren Quellen) fand am 14. Oktober 1806 in der Nähe der beiden Orte Jena und Auerstedt in Thüringen statt.

Die preußische Armee erlitt eine schwere Niederlage gegen die napoleonischen Truppen. Das preußische Heer war militärisch nur unzureichend vorbereitet und das Offizierskorps aufgrund ihrer Erfolge unter Friedrich dem Großen allzu siegessicher. Das napoleonische Kaiserreich hingegen hatte ein modernes und flexibles Heer und war seinem Gegner auch moralisch überlegen.

Napoleon selbst schlug am 14. Oktober 1806 mit seiner Hauptarmee die preußisch/sächsische Armeeabteilung Hohenlohe bei Jena, während zur gleichen Zeit Marschall Davout mit seinem Korps die ihm zahlenmäßig deutlich überlegene preußische Hauptarmee unter dem Herzog von Braunschweig, der gleich zu Beginn der Schlacht tödlich verwundet wurde, bei Auerstedt schlagen konnte.

Vorgeschichte


Nach Napoleons Sieg über die verbündeten Heere Russlands und Österreichs in der Schlacht bei Austerlitz hatte sich das Gesicht Europas grundlegend verändert. Die französischen Truppen hatten sich in Italien und Deutschland festgesetzt und sich damit – entgegen der Empfehlungen seines Außenministers Talleyrand – dem Risiko weiterer Kriege ausgesetzt. Dennoch hatte sich nach dem am 26. Dezember 1805 geschlossenen Frieden von Pressburg eine gewisse Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden in Europa verbreitet. Durch die Übertragung des britischen Hannovers an Preußen schien eine preußisch-französische Annäherung greifbar und nach dem Tod William Pitts übernahm der gemäßigtere Whig Charles Fox das Amt des britischen Premierministers. Doch die Erwartungen auf einen dauerhaften Frieden wurden schon bald enttäuscht. Die im Mai 1806 begonnenen Verhandlungen zwischen England und Frankreich scheiterten letztlich am Widerstand Preußens gegen die von Napoleon vorgeschlagene Aufteilung Deutschlands und an dem französischen Vorschlag, Hannover doch an England zurückzugeben. Das preußische Ultimatum vom 26. August 1806, Napoleon solle seine Truppen bis zum 8. Oktober über den Rhein zurückführen, nötigten diesen schließlich zum Handeln.

Voraussetzungen


Die preußische Armee hatte sich seit den Kriegen Friedrichs II. nicht wesentlich weiterentwickelt. Sie hielt an der starren Ordnung der Linientaktik fest, versäumte die Einrichtung eines modernen Generalstabes und teilte die Truppen erst kurz vor dem Krieg in Divisionen ein. Die Erfahrungen aus den Feldzügen am Rhein (1792-95) und in Polen (1794/95) waren von der alten Generalität größtenteils verdrängt worden, während die progressiven Offiziere nicht genügend Einfluss im Heer besaßen. Außerdem handelte es sich in Preußen um ein stehendes Heer alten Typs, in dem die Soldaten so lange dienten, bis sie dienstuntauglich wurden, was bei Soldaten und Offizieren zu einer starken Überalterung geführt hatte. Auch die Ausrüstung war mangelhaft, da an vielen Gegenständen, als Ergebnis der Kompaniewirtschaft, gespart wurde. Das napoleonische Heer war kriegserfahren und durch die vorangegangenen Siege hoch motiviert. Es bestand aus jährlich ausgehobenen Rekruten, also Wehrpflichtigen. Taktisch waren diese Truppen auf dem Stand ihrer Zeit, indem sie flexibel Schützentaktik, Kolonnentaktik und Linientaktik kombinierten.

Der Feldzug bis zu den Schlachten


Napoleon stieß mit seinen Truppen vom Main aus durch Thüringen auf die preußische Hauptstadt Berlin vor. Dadurch hoffte er die preußische Armee zu einer Schlacht zwingen zu können und gleichzeitig die Sachsen von ihren Verbindungslinien abzuschneiden. Die verbündeten Preußen und Sachsen hatten sich westlich der Saale versammelt, um in der Lage zu sein, flexibel auf Napoleons Angriff reagieren zu können, egal ob er östlich oder westlich der Thüringer Waldes erfolgen würde. Als sie von dem Vormarsch Napoleons aus Bayern erfuhren, versuchten sie ihre Kräfte östlich der Saale zu sammeln, um die Wege nach Berlin und Dresden zu decken. Prinz Louis Ferdinand von Preußen sollte mit einer Abteilung diese Bewegung decken. Am 10. Oktober wurde dieses Korps in der Schlacht bei Saalfeld aufgerieben, wobei der Prinz selbst fiel. Die Truppen Napoleons gingen nun entlang der Saale nach Norden vor, während sich die Verbündeten wieder auf die westliche Seite des Flusses begaben. Am 12. Oktober beschlossen sie einer Schlacht vorerst auszuweichen und mit der Hauptarmee schnell nach Norden zu ziehen, um nicht von Berlin abgeschnitten zu werden. Nur ein Korps des preußischen Generals Friedrich Ludwig Fürst zu Hohenlohe-Ingelfingen sollte bei Jena stehen bleiben um die Bewegungen der Armee zu decken. Die Hauptarmee des Herzogs von Braunschweig zog derweil nach Naumburg, um dort über die Saale zu gehen. Napoleons Aufklärung versagte in diesen Tagen völlig. Er war sich nicht im Klaren darüber, wo sich die Streitmacht der Verbündeten befand. Schließlich entdeckte er die preußischen Truppen in Jena. In der Annahme, dass dies die verbündete Hauptarmee sei, konzentrierte Napoleon seine Korps vor Jena und besetzte die Stadt sowie die wichtigen Höhen. Um dem Gegner den Rückzug abzuschneiden, entsandte er zwei Korps (Davout und Bernadotte), welche die Saale weiter nordwärts überschreiten sollten. Als am nächsten Morgen der Kampf begann, stand Napoleons Hauptarmee nur ein Korps der Verbündeten gegenenüber, während weiter im Norden bei Auerstedt das französische Korps Davout unvermutet auf die versammelte preußisch-sächsische Hauptarmee stieß. (Bernadotte stand mit seinem Korps zwischen Jena und Auerstedt, aber da er persönliche Differenzen mit Davout hatte und ihn keine Befehle Napoleons erreichten griff er in keine der beiden Schlachten ein.)

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Die Schlacht bei Jena

Die Schlacht bei Jena begann am 14. Oktober 1806 um etwa 6.00 Uhr morgens. Rund 53.000 Preußen – 38.000 davon unter dem Befehl Hohenlohes und 15.000 unter dem Befehl Ernst von Rüchels – und an die 95.900 französische Soldaten standen sich gegenüber.

Napoleon befahl, die vorgeschobenen preußisch-sächsischen Stellungen erst bei den Dörfern Lützeroda und Closewitz und danach bei Röhdingen und Lehesten anzugreifen. Es gelang den französischen Truppen, diese Einheiten von dem nebeligen Schlachtfeld abzudrängen.

Die Truppen Hohenlohes formierten sich gegen 9.00 Uhr mit Front in Richtung des Dorfes Vierzehnheiligen und marschierten gegen 9.30 Uhr nach Vierzehnheiligen, das sie etwas später einnahmen, allerdings bald darauf wieder an die französische Infanterie verloren.

Auf Befehl Hohenlohes rückten die preußisch-sächsischen Truppen nahe an Vierzehnheiligen heran und beschossen es. Diese Stellung wurde eineinhalb Stunden, in denen die französische Infanterie und Artillerie auf die Truppen Hohenlohes feuerte, beibehalten. Diese Linie wurde ausgedehnt, um die Franzosen, die andauernd Nachschub erhielten, im Dorf einzukreisen. Die Frontlinie riss beim Angriff der französischen Infanterie auseinander, woraufhin Hohenlohe den Rückzug befehlen musste, der aber, als die Kavallerie unter Joachim Murat angriff, zu einer panischen Flucht führte.

Das Korps Rüchels, das gegen 13.00 Uhr auf dem Schlachtfeld eintraf, konnte noch einmal Schlimmeres abwenden. Insgesamt wurden ca. 10.000 preußische und sächsische Soldaten getötet oder verwundet und weitere 10.000 gefangengenommen. Die Franzosen hingegen hatten nur etwa 7.500 Tote oder Verwundete zu verzeichnen. 15 Kilometer weiter nördlich kämpften unterdessen 27.300 Franzosen unter Louis-Nicolas Davout gegen ca. 49.800 Preußen unter Karl Wilhelm Ferdinand Herzog von Braunschweig.

Die Schlacht bei Auerstedt

Schlacht_bei_auerstädt_(14.10.1806).jpg Die preußische Kavallerie umfasste in der Schlacht bei Auerstedt 8.800 Reiter, die französische hingegen nur 1.300. Außerdem verfügten die Preußen über 230, die Franzosen dagegen nur über 44 Kanonen. Allerdings waren die Befehlshaber beider Seiten über die gegnerische Stärke im Unklaren. Das Schlachtfeld war mit unerwartet dichtem Nebel verschleiert. Das preußische Heer war durch das Überqueren der Ilm über die einzige Brücke in lange Reihen auseinander gezogen. Die Franzosen trafen somit bei Hassenhausen zuerst auf die Vorhut.

Französische Truppen eroberten das Dorf Hassenhausen, während preußische Truppenverbände um ca. 9.00 Uhr die Franzosen nördlich der Chaussee nach Kösen attackierten. Davout befahl seinem 21. Infanterieregiment, die Stellungen in Hassenhausen und dem 12. Regiment seinen linken Flügel zu verstärken. Kurz danach wurde der Herzog von Braunschweig am Kopf getroffen, woraufhin er sein Augenlicht verlor. Da kein neuer Oberbefehlshaber ernannt wurde, um den Herzog zu ersetzen, gab es auf preußischer Seite keine einheitliche Kampfführung mehr. Jeder Offizier blieb sich in taktischen Fragen selbst überlassen, was man im preußischen Heer nie geübt hatte.

Nach weiteren Kämpfen ordnete Preußens König Friedrich Wilhelm III. am Nachmittag schließlich den Rückzug an, der, anders als bei Jena, geordnet, wenn auch führerlos ablief. Man versuchte die französischen Truppen im Norden zu umgehen und den Weg nach Berlin zu verlegen; was jedoch misslang, da die französischen Korps schneller nach Norden vorstoßen konnten. 10.000 Preußen wurden getötet oder verwundet, 3.000 gerieten in Gefangenschaft. Die Franzosen hatten 7.420 Soldaten verloren.

Nachwirkungen


Charles Meynier - Napoleon in Berlin.png von Charles Meynier, 1810]] Die Niederlagen waren zwar bitter für die preußisch-sächsische Armee, doch sie allein führten noch nicht zu einer Katastrophe. Erst auf dem Rückzug gerieten die Truppen in ein Durcheinander in dem keine geordnete Befehlsführung mehr möglich war. Ein großer Teil der gepressten Söldner desertierte. Während dieses Rückzugs wurden die Soldaten von den französischen Truppen rücksichtslos verfolgt und zersprengt. Nur wenigen Abteilungen gelang ein geordneter Rückzug bis hinter die Oder und die Weichsel, wo sie von preußischen Reservetruppen aufgenommen wurden. Innerhalb weniger Wochen wurden, bis auf wenige Ausnahmen, fast alle preußischen Festungen von den Franzosen eingenommen. Auch Berlin wurde besetzt, nachdem der preußische König Friedrich Wilhelm III. samt Familie nach Ostpreußen geflohen war.

Trotzdem ging der Krieg weiter. Mit den verbliebenen Truppen setzte Preußen den Kampf an der Seite der russischen Armee fort. Dabei erzielten sie unter General Anton Wilhelm von L'Estocq sogar örtliche Erfolge, wie z.B. in der Schlacht bei Heilsberg. Erst nach weiteren blutigen Schlachten (z.B. die Schlacht bei Preußisch Eylau) wurde der Krieg endlich beendet. Als Napoleon am 21. Juni 1807 einen Waffenstillstand mit Russland schloss, hatte er – bis auf England, Schweden und das Osmanische Reich – sämtliche europäische Staaten erobert oder mit Verträgen an sich gebunden. Nur wenige Wochen später kam es am 9. Juli zum Frieden von Tilsit, in dem festgelegt wurde, dass Preußen die Hälfte seines Staatsgebietes abtreten und 120 Millionen Francs an die Franzosen zahlen musste. Außerdem durfte die Stärke seiner Armee nur noch 42.000 Mann betragen.

Doch diese katastrophale Niederlage machte Preußen den Weg frei für weitgreifende Reformen im Militär- und Bildungswesen, sowie im Landrecht. Diese führten dazu, dass Preußen 1813 wieder in der Lage war, gegen Napoleon zu kämpfen. Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde Preußen wieder eine Großmacht in Europa.

Siehe auch


Literatur


Moderne Analysen

  • Arnaud Blin: Iéna. Octobre 1806, Paris, Perrin, 2003, ISBN 2-262-01751-4
  • Gerd Fesser: Umbruch im Schatten Napoleons: die Schlachten von Jena und Auerstedt und ihre Folgen, Jena 1998, ISBN 3-9804590-9-8 – Ergebnisse eines wissenschaftliches Kolloquiums, Jena 15./16. November 1996. Hier auch Hinweise auf weiterführende Literatur.
  • Holger Nowak / Birgitt Hellmann / Günther Queisser / Gerd Fesser: Lexikon zur Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806: Personen, Ereignisse, Begriffe. Jena 1996
  • Gerd Fesser: Jena und Auerstedt: der preußisch-französische Krieg von 1806/07. Jena 1996, ISBN 3-931743-07-1

Ältere Darstellungen

  • F. N. Maude: The Jena campaign, 1806. Reprint der Ausgabe London 1909, London 1998, ISBN 1-85367-310-2
  • F. Loraine Petre: Napoleon's conquest of Prussia 1806. Reprint der Ausgabe London 1907, London 1993, ISBN 1-85367-145-2

Augenzeugenberichte

  • Christina Junghanß (Hrsg.): Meine Hegira: Tagebuchaufzeichnungen von 1806. Weimar 1997, ISBN 3-910053-30-0 – Erlebnisbericht von Friedrich Justin Bertuch (1747–1822)

Weblinks


  • http://www.jena1806.de/
  • http://www.auerstedt-1806.de/
  • http://www.preussenweb.de/jena.htm Genaue Beschreibung der Schlacht

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