Als Schimmelpilze fasst man in der Mikrobiologie eine systematisch heterogene Gruppe von Pilzen (Fungi) zusammen, die aufgrund ihrer Lebensweise in bestimmten ökologischen Nischen für den Menschen besondere Bedeutung gewonnen haben.
Schimmelpilze finden sich als faseriger, flockiger oder staubiger, weißlicher, grauer, bläulichgrüner, gelblicher, rötlicher, bräunlicher oder schwärzlicher Überzug auf meistens leblosen Körpern der verschiedensten Art. Feuchte Luft fördert dabei ihre Ausbreitung. Oft beginnen Schimmelpilze auf organischen Substanzen zu wuchern, wenn diese einer Fäulnis unterliegen. Zuerst bildet sich aus einer zufällig auf die Unterlage gefallenen Schimmelpilz-Spore eine fädige Struktur, das Mycel. Dieses besteht aus mikroskopisch kleinen, langen, dünnen, vielfach verzweigten Pilzfäden (Hyphen), die sich von einzelnen Punkten aus allseitig zentrifugal ausbreiten. An ihrer Spitze wachsen diese Hyphen mit großer Geschwindigkeit weiter, so dass der Schimmel nicht selten rasch große Flächen überwuchert.
SEM bread mold (1200x).jpg Bekannte Schimmelpilz-Gattungen sind Mucor (Köpfchenschimmel), Rhizopus (gemeiner Brotschimmel), Aspergillus (Gießkannenschimmel), Cladosporium, Penicillium (Pinselschimmel) und Alternaria.
Alle Schimmelpilze ernähren sich von organischem Material. Sie zählen zu den heterotrophen Organismen. Als Ernährungsgrundlage dienen alle möglichen organischen Stoffe, wie sie zum Beispiel in verfaulenden Früchten, in der Marmelade, in altem Brot, im Getreide, in Nüssen, im Erdboden, im Holz, im Kot, in Staubkörnern oder sogar in Kunststoffen vorkommen. Einige Schimmelpilze wachsen sogar auf Leder.
Schimmelpilze und die bereits auf der Weintraube erzeugten Toxine können ein großes Problem bei der Weinerzeugung sein.
Bei den schimmelbildenden Mucorales, die zu den Zygomyceten gehören, erfolgt die Bildung oft tausender von Sporen in den Sporangien, kugeligen Anschwellungen am Ende von Sporangienträgern.
Schimmelpilze benötigen zum Wachstum vor allem Nährstoffe und Feuchtigkeit. Daneben beeinflussen das Sauerstoffangebot, die Temperaturen, der pH-Wert und weitere Faktoren das Wachstum von Schimmelpilzen.
Man kann zwischen schädlichen Schimmelpilzen (Hausschwamm) und nützlichen Formen (z. B. Edelschimmel auf Käse) unterscheiden. Primär schädlich sind Schimmelpilze, die Mykotoxine produzieren, mittelbar können fast alle Pilze aufgrund der Sporenausschüttung allergen wirken. Schimmelpilze können daher auf unterschiedliche Weise dem menschlichen Befinden schaden:
Ein besonderes Problem stellt der Schimmel in Gebäuden, insbesondere in Wohngebäuden dar.
Die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz werden in DIN 4108-2 definiert. Die DIN geht dabei von standardisierten Klimabedingungen aus. Sie beinhalten relative Raum-Luft-Feuchte von nicht mehr als 50 % und eine Raum-Luft-Temperatur von +20°C und in Bädern von +22°C. Aus dem Urteil des OLG Frankfurt/M. 19 U 7/99 vom 11. Februar 2000 (NZM 2001, 39) ergibt sich, dass die Einhaltung dieser Werte gefordert werden kann. Das Gericht entschied:
Ein ordnungsgemäßes Lüften einer Wohnung liegt bei einem dreimaligen Stoßlüften vor. Eine derartige Verhaltensweise kann - in Zusammenhang mit einem ausreichenden Beheizen - jedem Eigentümer oder Nutzer einer Wohnung zugemutet werden, da hier nur ein normales alltägliches Wohnverhalten verlangt wird.
Das Oberlandesgericht beanstandete es dabei nicht, dass der beauftragte Sachverständige von den genannten Normwerten ausgegangen ist.
Im Einzelfall können in der Realität größere Abweichungen von diesen idealisierten Bedingungen auftreten.
Im Gebäudebestand werden die Anforderungen nach der aktuellen Normausgabe nicht immer eingehalten. Dann kann es sogar bei einer Nutzung unter Normbedingungen zu Feuchteschäden kommen, die ein Schimmelwachstum ermöglichen.
Dieses kann aber auch dann vorkommen, wenn das Gebäude den Normbedingungen entspricht und es mangel- sowie schadensfrei ist, weil z. B. der Wandabstand nicht ausreicht, zu gering oder nur ungleichmäßig geheizt wird oder Lüftungsfehler vorliegen. Dabei reicht es schon aus, wenn einer dieser Einflüsse vorliegt.
Besonders umfangreich sind die Folgen dann, wenn mehrere Ursachen zusammentreffen. Dabei können Ursachenkombinationen durch Nutzerfehler auch mit Bauwerksursachen zusammentreffen. In solchen Fällen sollte dann ein Sachkundiger, wie z. B. ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, eingeschaltet werden.
Beträgt die Raumluftfeuchtigkeit nutzungsbedingt wegen unzureichender Belüftung mehr als 60%, besteht auch bei ausreichendem Mindestwärmeschutz der Außenbauteile ein Schimmelpilzrisiko.
Gefährdete Bauteile sind Außenbauteile (Wände, Decken und Böden) oder Bauteile, die an unbeheizte Räume angrenzen. Außerdem gibt es typische Schwachstellen in der Konstruktion (die sogenannten Wärmebrücken) an denen eine unzureichende Dämmung vorhanden ist (z.B. Fensternischen, Raumecken, Heizkörpernischen, Balkonplatten etc.). Problematisch sind auch Möbelstücke und Gardinen vor Außenwänden. Durch diese Einrichtungsgegenstände entsteht bauphysikalisch eine Art Innendämmung, die zu einer geringeren Oberflächentemperatur der Außenbauteile und damit zu einer höheren Feuchtigkeit führt oder die Zirkulation der Raumluft behindert und damit ein Austrocknen feuchter Bauteile verhindert.
Eine weitere Gefährdung sind nicht luftdichte Außenbauteile (Luftdichtheit). Durch Undichtigkeiten (Fensterfugen, Bauteilfugen und Undichtigkeiten, Rohr- und Kabeldurchführungen) kann warme feuchte Luft nach Außen gelangen. Auf dem Weg durch die Undichtigkeit kühlt sich die warme Luft ab. Dabei nimmt die relative Feuchtigkeit dieser Luft zu und kann zu Feuchteschäden führen.
Namen und Anschriften von öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen sind über die regional zuständigen Kammern, wie z. B. die jeweilige Industrie- und Handelskammer kostenlos erhältlich.
Je mehr Personen eine Wohnung nutzen, desto mehr muss auch gelüftet werden. Auskunft gibt der so genannte Belegungsfaktor (siehe Fachbuch von Isenmann und unter Literatur).
Wenn die Gebäudeöffnungen nicht gegenüber liegen und deshalb keine direkte stoßweise Querlüftungung möglich ist, muss länger gelüftet werden, da in diesem Fall mehr Zeit benötigt wird, um den notwendigen Luftaustausch durchzuführen (siehe hierzu Artikel Anmerkungen von Isenmann unter Literatur).
Das Lüften mit angekippten Fenstern ist Unsinn. Wegen der geringen Öffnung kommt es zu einem viel zu kleinem Luftaustausch (siehe Tabelle). Bei Dauerlüftung über angekippte Fenster kühlen sich die Wandoberflächen im Bereich des Fensters so stark ab, dass es an diesen Stellen oft zu Feuchteschäden und hohen Wärmeverlusten kommt.
| Fensterstellung | Luftwechselrate h-1 |
|---|---|
| Fenster geschlossen | 0,1 .. 0,3 |
| Fenster gekippt, Rolladen geschlossen | 0,3 .. 1,5 |
| Fenster gekippt, Rolladen offen / kein Rolladen | 0,8 .. 4,0 |
| Fenster halb offen | 5,0 .. 10,0 |
| Fenster vollständig geöffnet | 9,0 .. 15,0 |
| Fenster ganz offen, Durchzug / Querlüftung | ca. 40 |
Eine wesentlich bessere Raumluftqualität lässt sich durch die sogenannte "kontrollierte Wohnungslüftung" herstellen. Für Niedrigenergiehäuser und Passivhäuser wird diese Art der Lüftung standardmäßig eingesetzt. Dabei wird über eine Belüftungsanlage mit Wärmetauscher die Abwärme an die hereinkommende frische Luft abgegeben, wodurch der relativ hohe Energieverlust einer Fensterlüftung entfällt.
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