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Ein Schiffsdieselmotor ist in der Regel ein großer Dieselmotor der namentlich als Haupt- oder Hilfsmaschine auf einem Schiff dient. Praktisch baugleiche Motoren werden darüberhinaus stationär in Kraftwerken insbesondere in der dritten Welt bzw. auf Inseln und an anderen abgelegenen Orten eingesetzt, sowie auch als Notstromaggregate z. B. in Krankenhäusern, Großbanken, Rechenzentren und Kernkraftwerken. Für kleine Schiffe bzw. Boote kommen auch entsprechend kleine Dieselmotoren zum Einsatz, die in ihren Charakterisika heute aber eher den Motoren von Landfahrzeugen wie LKW entsprechen.
Schiffsdiesel können mit Dieselkraftstoff, Gasöl oder Schweröl betrieben werden. Die Bezeichnung bezieht sich auf den Arbeitsprozess, der per Definition durch die Ansaugung von Luft und die Selbstzündung nach der Einspritzung des Kraftstoffes gekennzeichnet ist.
Die Motoren werden nach ihrem Arbeitsprinzip und nach der Anordnung ihrer Zylinder unterschieden. Während Zweitakter immer als Reihenmaschine gebaut werden (außer als Gegenkolbenmotor z. B. von Napier Deltic), gibt es Viertaktmaschinen als Reihen- und als V-Motoren sowie in einigen exotischen Anordnungen, wie z. B. Sternmotoren (7 Sterne mit je 5 Zylinder hintereinander) für Schnellboote. Bei großen Schiffsdieseln handelt es sich in der Regel um Zweitakter, die als Reihenmotoren mit 5-14 Zylindern gebaut werden. Schiffsdiesel werden in der Regel als Langsamläufer konzipiert. Die Drehzahl liegt bei Zweitaktmotoren in einem Bereich von 61 bis 130 min-1 und ermöglicht es, die Motoren direkt mit Schweröl (HFO, von engl. heavy fuel oil) zu betreiben. Langsamläufer arbeiten üblicherweise direkt auf die Propellerwelle. Die Drehrichtung der Maschine lässt sich umsteuern.
Viertaktmotoren können seit geraumer Zeit ebenfalls mit Schweröl betrieben werden und erreichen Drehzahlen zwischen 300-900 min-1, erfordern dann jedoch ein Getriebe im Antriebsstrang, da der Schiffspropeller eine deutlich niedrigere Drehzahl benötigt. Als Hauptmaschine in Großcontainerschiffen, Erzfrachtern und Öltankern werden Reihenmotoren mit bis zu 14 Zylindern eingesetzt, mit Bohrungen bis zu 1,08 m und Hüben bis zu 3,10 m, deren Dauerleistung bisweilen bis zu 97.300 kW beträgt (MAN B&W 14K108ME-C). Hierbei handelt es sich ausschließlich um Zweitakt-Kreuzkopfmotoren. Sie können so eine Lebensdauer von über 20 Jahren, d. h. ca. 150.000 Betriebsstunden erreichen.
Ausnahmslos alle heutigen Schiffsdieselmotoren besitzen Turboaufladung zu Erhöhung des Wirkungsgrades und der spezifischen Leistung. Für stationäre Anwendungen und auch für LNG-Tanker sind Gas-betriebene Viertakter interessant.
Reihenmotor ist die Bezeichnung für einen Motor, dessen Zylinder in Reihe stehen. Die Zählung der Zylinder beginnt in Deutschland auf der kraftabgebenden (Kupplungs-)Seite des Motors.
Es gibt vor allem drei verschiedene Möglichkeiten der Kraftübertragung vom Motor zum Propeller.
Es wird eine starr mit dem Motor und Propeller verbundene Welle angetrieben. Die Drehrichtung des Propellers, für z.B. eine Rückwärtsfahrt, kann somit nur durch die Umsteuerung des Motors verändert werden. Der Motor muss dann aus der Vorausfahrt gestoppt, durch Verschieben der Nockenwelle umgesteuert und für die Rückwärtsfahrt neu angelassen werden. Diese Bauweise wird insbesondere für Zweitakt Dieselmotoren mit einer Leistung über 5.000 kW bei Motordrehzahlen zwischen 76 bis 130 min-1 angewendet. Eine weitere Möglichkeit einer starren Verbindung ist der sogenannte Pitch-Propeller. Zur Veränderung der Schiffsgeschwindigkeit und -fahrtrichtung werden die einzelnen Propellerflügel in einen anderen Winkel zueinander gedreht (angestellt). Der Motor an sich dreht dabei mit der für die jeweilige Steigung idealen Drehzahl (bester Wirkungsgrad).
Anwendung besonders bei kleineren mittelschnell (250...800 min-1) laufenden Motoren, bei denen eine Reduktion der Motor-Drehzahl auf Propeller-Drehzahl erforderlich ist. Die Getriebe besitzen teilweise schaltbare Kupplungen und Nebenabtriebe für Wellengeneratoren. Wendegetriebe dienen zur Drehrichtungsumkehr des Propellers bei nicht umsteuerbaren Motoren. Außerdem gibt es Kombinationen von Getriebe und Verstellpropeller.
Dabei wird vom Motor, meistens 4-Takt Motoren, lediglich ein Generator angetrieben, der den Strom für den Fahrmotor bereitstellt, der wiederum den Propeller antreibt. Diese Variante ist insbesondere als Mehrmotorenanlage auf Fahrgastschiffen üblich. Die einzelnen Viertakt-Gen-Sets erzeugen dabei Energie auch für den Hotel-Betrieb, der einen erheblichen Anteil am Gesamtenergiebedarf ausmacht. Einzelne Motoren können abgestellt und zugeschaltet werden, Wartung und Reparatur einer Maschine bei laufendem Schiffsbetrieb auf See ist möglich. Motor- und Propellerdrehrichtung und -drehzahl sind voneinander unabhängig. Beispiel Queen Elizabeth 2 (Cunard Line): in den 80er Jahren von Dampfturbinenantrieb umgebaut auf Dieselbetrieb. 9 Maschinen MAN 9L58/64 (9-Zylinder-Reihe * 580 mm Bohrung, 640mm Hub) mit ca 1.200 kW pro Zylinder arbeiten über Generatoren auf zwei 44 MW GEC-Fahrmotoren, zwei Propeller. Neben den weitverbreiteten Verstellpropelleranlagen ist eine besondere Form dieses Antriebes der neu entwickelte Pod-Antrieb.
Vor dem Starten müssen die Schweröl-Temperaturen in den Tagestanks überprüft werden. Während des Stillstands der Hauptmaschine wird das Thermalöl, welches durch Zirkulation in Rohren in den Tanks das Schweröl auf Temperatur hält, durch einen mit Dieselöl betriebenen Boiler erwärmt und nicht wie während des Betriebs durch die Abgastemperatur im Schornstein (exhaust Boiler).
Schiffsdiesel werden mittels Druckluft gestartet. Kein Elektromotor könnte die erforderliche Kraft bei vertretbarem Größenverhältniss aufwenden. Die Druckluftflaschen und das Startluftsystem werden entwässert, die Drücke kontrolliert.
Ebenso wie die Vorheizpumpe, arbeitet auch das Kraftstoffsystem durchgehend um die Temperatur des Schweröls auch in den zu- und abführenden Leitungen (Ringleitung) zur Maschine aufrecht zu erhalten. Ein abkühlen des Schweröls in diesen Bereichen würde zu verklumpungen führen. Die Rohrleitungen müssten aufwendig gereinigt werden. Unter umständen wird es notwendig die Maschine eine gewisse Zeit mit Gasöl zu betreiben.
Die Hauptmaschine hat in den meisten Fällen eine angehängte Schmierölpumpe die während des Betriebes mitläuft und so die Lager der Hauptmaschine mit Öl versorgt. Bei stehender HM muß der Öldruck so über eine externe Pumpe aufrecht erhalten werden, auch um eine entsprechende Nachschmierung der Maschine nach dem Absetzen zu gewährleisten. Vor dem Starten ist das System einer Sichtkontrolle zu unterziehen und der anliegende Schmieröldruck zu überprüfen.
Um im Notfall, bzw. bei einem Ausfall der Remote-Kontrolle von der Brücke die Maschine aus dem Maschinenkontrollraum fahren zu können, müssen alle Kommunikationseinrichtungen wie Maschinentelegraph und Telefon Brücke – MKR & Brücke – Rudermaschinenraum funktionsfähig sein. Die Maschine verfügt über einen Notfahrstand direkt am Motor. Sollte, bei einem Schiff mit Verstellpropeller, die Flügelverstelleinrichtung des Propellers versagen, könnte diese manuell in 100% - Stellung gefahren werden und die Fahrt des Schiffes herkömmlich über die Drehzahl der Maschine reguliert werden.
Aus dem MKR wird, falls noch nicht in Betrieb, ein zweiter Hilfsdiesel in Reserve gestartet um nach dem automatischen Einschalten der zahlreichen Pumpen (große Verbraucher) ein Abwerfen des ersten und dann einzigen Hilfsdiesels zu vermeiden (Stromausfall).
Über die Schalttafeln im Maschinenkontrollraum werden entsprechend notwendige Pumpen gestartet bzw. auf Automatik umgstellt. Dazu gehören im Groben: HT-Kühlwasserpumpe LT-Kühlwasserpumpe (Seewasser kühlt LT, LT kühlt HT, HT kühlt Maschine. Mehrere Kühlkreisläufe schonen den Motor durch geringere Temperaturunterschiede: Spannungsrisse) Getriebeölförderpumpe Schmierölförderpumpe Bei Schiffen mit Verstellpropeller: Steuerölpumpe Pitch-Propeller
Scharfmachen der im Hafenbetrieb unterdrückten Alarme wie Öldruck und Temperatur, HT und LT Kühlwassertemperatur. Am Notfahrtstand der Maschine wird das Absperrventile für Startluft manuell geöffnet und das Füllungsgestänge (Kraftstoffmenge) für den Automatikbetrieb freigegeben. Die Steuerung wird dann vom Notfahrstand zum Kontrollraum geschaltet. Nach Kontrolle der „Indikatorventile“ (Dekompressionsventile), wird der Motor mit Anlaßluft durchgeblasen. Dabei wird evtl. im Kolbenraum vorhandenes Wasser bzw. Öl oder Brennstoff aus den Ventilen ausgestoßen. Sollte eine Maschine mit Wasser im Kolbenraum gestartet werden, würde dies zu schweren Schäden an dem Motor führen. Die Indikatorventile werden danach geschlossen.
Kontrolle der Hauptmaschine auf Kühlwasserleckagen und schließen der Dekompressionsventile.
Bei einem Schiff mit Verstellpropeller wird die Maschine langsam auf Leerlaufdrehzahl hochgefahren. In diesem Zustand wird die Maschine einige Minuten im Leerlauf belassen um Temperaturen und Drücke zu stabilisieren. Nach dem erhöhen auf Konstantdrehzahl wird die Kontrolle der Maschine an die Brücke übergeben (Remote Control) und von dort per Knopfdruck akzeptiert und angenommen. Die Stromversorgung übernimmt auf See, nach erfolgter Sychronisation, der Wellengenerator. Die Hafendiesel werden abgesetzt.
Für den Betrieb und das Anlassen eines Schiffsdiesels sind eine Reihe von speziellen zusätzlichen Systemen notwendig. Fällt eines dieser Systeme aus, muss auch der Betrieb der Hauptmaschine gestoppt werden. Daher sind etliche Hilfsaggregate doppelt vorhanden: Schmierölpumpen, Kraftstoff-Booster-Pumpen, Kühlwasserpumpen, Schmieröl-Separatoren, Kompressoren, Kraftstoff- und Schmierölfilter.
Um die reibenden Oberflächen innerhalb der Maschine nicht zu starkem Verschleiß zu überlassen müssen diese Teile, wie auch bei anderen Verbrennungsmotoren, gut geschmiert werden.
Das Schmieröl übernimmt im wesentlichen 4 Aufgaben:
Nachdem das Öl aus der Ölwanne herausgepumpt und durch einen Filter gereinigt wurde durchläuft es einen Ölkühler. Hiernach zweigen die verschiedenen Schmierölleitungen ab zur Kurbelwelle, Pleuellager und in die Ölwanne. Ein weiterer kleiner Teil wird verwendet für die Schmierung von Nockenwelle, Kipphebeln und Ventilen. Das Öl läuft wieder in die Ölwanne. Gefährlich kann es bei zu starker Schlagseite werden. Dann kann unter Umständen das Öl nicht mehr aus der Wanne abgepumpt werden und die Maschine wird nicht mehr ausreichend geschmiert.
Um einen Großdiesel anzulassen, müssen zunächst die kraftverbrauchenden Arbeitsschritte innerhalb des Motors überwunden werden (Ansaugen, Verdichten, Ausstoßen). Für große Schiffsmaschinen kann diese Arbeit kein Elektro- beziehungsweise Luftmotor zum Anlassen mehr schaffen.
Schiffsdieselmotoren werden daher ausnahmslos mit Druckluft gestartet. Bei kleineren Einheiten kommen dazu noch gelegentlich Druckluftanlasser zum Einsatz, die am Schwungrad eingreifen und auf diese Weise die Maschine durchdrehen. Große Viertakter und praktisch alle Zweitakter werden direkt angelassen. Dabei wird jeder Zylinder entsprechend seiner Position und der Zündreihenfolge mit Anlassluft beaufschlagt. Die entsprechenden Kolben werden nacheinander heruntergedrückt und die Motordrehzahl auf Zünddrehzahl angehoben. Der Regler zieht die Einspritzpumpen auf "Füllung", Kraftstoff wird eingespritzt und es kommt zur ersten Selbstzündung. Hierzu ist eine starkes Anlass-Druckluftsystem (üblicherweise 30 bar Nenndruck) notwendig.
Da Zweitakter nicht selbst ansaugen, sondern auf Überdruck im Spülluftkanal angewiesen sind, müssen zum Startvorgang die Spülluftgebläse laufen, bis die Turbolader ausreichend Ladedruck erzeugen.
Um die Betriebssicherheit zu gewährleisten, können Schiffsdiesel, insbesondere die Hilfsmaschine zur Stromerzeugung, auch nach Ausfall der gesamten elektrischen Energieversorgung an Bord (Blackout) durch manuell zu betätigende Startventile und ohne Nebenaggregate gestartet werden, solange ausreichend Druckluft in der Anlass-Luftflasche und Kraftstoff in den Tagestanks zur Verfügung steht.
Auf Seeschiffen wird i. d. R. minderwertiges Schweröl ((engl. Heavy Fuel Oil (HFO)), welches bei der Erdöldestillation als Rückstand anfällt, als Maschinentreibstoff genutzt. Dieser Brennstoff muss auf mindestens 60°C aufgeheizt werden, damit er fließfähig bleibt. In so genannten Setztanks setzt sich bereits ein Teil Wasser vom Treibstoff ab. Es wird danach durch Separatoren weiter aufbereitet. Der separierte Kraftstoff wird in sog. Tagestanks für jede Maschine bereitgestellt. In gesonderten Modulen wird der HFO-Kraftstoff auf Einspritzviskosität (ca. 12 cSt bei ca. 130° C) Viskositäts-geregelt vorgewärmt, der Druck wird auf rund 7 - 10 bar angehoben. Da insbesondere im Teillastbereich ein Teil des Brennstoffes im System zirkuliert und dabei durch das beständige Pumpen zusätzlich erwärmt wird, ist für Diesel/Gasöl/MDO-Betrieb auch ein Kraftstoffkühler vorgesehen, da bei zu hoher Brennstoff-Temperatur die Schmierung der Pumpenstempel der Einspritzpumpen nicht mehr garantiert ist.
Die Wärme, die bei der Verbrennung in der Maschine entsteht, muss nach außen abgeführt werden. Das Kühlwasser sollte eine Temperatur von 80 - 90° C haben, damit Spannungsrisse, die durch zu große Temperaturunterschiede entstehen können, vermieden werden. Schiffsmaschinen haben zwei Kühlwasserkreisläufe. Zum ersten einen Kreislauf der Frischwasser führt, welches im unteren Bereich der Maschine eintritt, bis zu den Zylinderköpfen gepumpt wird und dort aus der Maschine austritt. Dieses Frischwasser wird über einen Seewasserkühlkreislauf gekühlt. So wird verhindert, dass Seewasser, welches die Korrosion im Motor stärker ermöglicht, direkt mit der Maschine in Verbindung tritt.
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