article

Die Schia (von ) ist eine der drei ursprünglichen Gruppierungen islamischen Glaubens neben den Sunniten und Charidschiten. Ihre Anhänger, die Schiiten, betrachten Ali ibn Abi Talib (), den Schwiegersohn des Propheten, als dessen rechtmäßigen Stellvertreter (Kalifen, bei den Schiiten Imam genannt).

Heute stellen die Schiiten neben den Sunniten eine der beiden Hauptgruppen des Islam dar. Sie machen etwa 15 Prozent aller Muslime aus, wobei der genaue Anteil umstritten ist (die Spanne reicht von 10 bis 25 Prozent).

Untergruppen


Die Schiiten unterteilen sich in die so genannten

Die Unterschiede zwischen den Gruppen sind teilweise fließend, da sie von vielen regionalen Faktoren (Folklore, Urbanisierung, etc.) abhängen. Zum Beispiel lassen sich die Aleviten, die aus dem schiitischen Islam entstanden sind, auch den ersten drei Gruppen zuordnen (meist Zwölfer-Schiiten). Die Aleviten (Türkei) sind nicht zu verwechseln mit den (zahlenmäßig geringeren) Alawiten (Nusairier) (Syrien), die aus den Ismailiten (Siebener-Schiiten) entstanden sind.

Die drei bzw. vier Gruppen unterscheiden sich unter anderem in der Anzahl der anerkannten Imame und der Position, die diese einnehmen. So gibt es unter manchen Strömungen (Aleviten, Ismailiten) die Tendenz zur Vergöttlichung der Imame und teilweise zu einer Reinkarnationslehre (Drusen). Jedoch sind es auch hier wieder regionale Unterschiede, die die Glaubensrealität kennzeichnen.

Schiitische Staaten


Schiitisch regierte Staaten in der Geschichte

Ursprung und Entstehung


Die Schiiten haben ihren Ursprung in der Auseinandersetzung innerhalb des Islam bezüglich der Frage, wer nach dem Tod Mohammeds im Jahr 632 n. Chr. sein legitimer Nachfolger sein sollte. Während sich die Mehrheit der Muslime darauf einigte, einen Kalifen (arabisch khalifa „Nachfolger“) zu benennen, der die religiöse und politische Führung der Muslime übernehmen, jedoch keine göttlich autorisierte Legitimität beanspruchen sollte, lehnte eine Minderheit der Muslime diese Entscheidung ab, in der Überzeugung, Gott selbst würde den rechtmäßigen Nachfolger auswählen. Mit Bezug auf den Koranvers waren sie der Ansicht, der Nachfolger Mohammeds müsse aus dessen Familie stammen, und glaubten, in Ali ibn Abi Talib, dem Vetter und Schwiegersohn des Propheten, den rechtmäßigen und von Gott erwählten Kalifen gefunden zu haben. Aus diesem Grund bezeichneten sich die Schiiten als Schi’at Ali.

Nachfolger Muhammads wurde jedoch nicht Ali, sondern Abu Bakr. Der Nachfolgestreit verschärfte sich, als nach Abu Bakrs zweijähriger Amtszeit Ali erneut nicht gewählt wurde. Erst nachdem drei andere Kalifen vor ihm regiert hatten, wurde Ali 656 in der Moschee von Medina zum Kalifen proklamiert. Nach schiitischer Auffassung kam mit ihm der einzig legitime Nachfolger Mohammeds an die Macht. Ali wurde jedoch nicht allgemein anerkannt. Er musste sich aus Medina in den Irak zurückziehen, wo die Stadt Kufa seine Residenz wurde und wo er 661 ermordet wurde. Seither wird er von den Schiiten als geistiger Ahnherr und erster Märtyrer verehrt.

Muawiya, der Begründer der Umayyaden-Dynastie, wurde der nächste Kalif. Hassan ibn Ali, einer von Alis Söhnen, der von den Schiiten als der zweite Imam angesehen wird, verzichtete auf eine Konfrontation mit Muawija und zog sich aus der Politik zurück. Als Muawiya 680 starb und seinen Sohn Yazid als Nachfolger einsetzte, stieß dieser Schritt auf Ablehnung unter einigen Muslimen.

So führte Alis zweiter Sohn, Husain, im Jahr 680 seine Familie und seine Anhänger gegen die Armee des Kalifen Yazid, nachdem er von den in Kufa lebenden Muslimen zu einem solchen Aufstand gedrängt wurde. Husain wurde, nachdem ihn seine kufistischen Verbündeten verraten hatten, bei Kerbela in der irakischen Wüste von Soldaten im Auftrag des omaijadischen Gouverneurs im Irak gestellt und am 10. Oktober 680 (10. Muharram 61 islamischer Zeitrechnung) ermordet.

Der Verrat an Husain gilt den Schiiten als "Erbsünde", Yazid als Symbol für das Böse, und der Märtyrer-Tod Husains wurde zum Kern der schiitischen Theologie. Am Aschura-Tag wird dieses Ereignis als höchster Trauer der Schiiten gesehen, teils verbunden mit blutigen Selbstgeißelungen. Im Iran wurde diese Tradition in jüngerer Zeit unter Chomeini und seinen Nachfolgern bewußt gefördert, nicht zuletzt anläßlich des Iran-Irak-Krieges.

Literatur


  • Heinz Halm: Die Schia. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, ISBN 3-534-03136-9
  • Heinz Halm: Der schiitische Islam. Verlag C.H.Beck, München 1994, ISBN 3-406-37437-9

Weblinks


Islam | Geschichte des Islam

شيعة | Шиити | Šíité | Shiisme | Σιίτες | Shi'a Islam | Ŝijaismo | Chiismo | Šiiidid | شیعه | Šiialaisuus | Chiisme | שיעה | Syi'ah | Sjía | Sciismo | シーア派 | 시아파 | Šiizmas | Syiah | Sjiisme | Sjiaislam | Sjiaislam | Szyizm | Islão Xiita | Шииты | Šía | Shia | ชีอะหฺ | Şiilik | 什叶派

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Schiiten".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld