Der Schellenbaum ist eine reich verzierte, repräsentative Standarte der Militärmusik und dadurch auch der Karnevalsmusikvereine und Spielmannszüge. In den militärischen Musikkorps wird er für feierliche Anlässe getragen. Musikalisch wirksam ist er lediglich beim Marsch durch die rhythmisch mitschwingenden Glöckchen und Schellen.
Aussehen
Der Schellenbaum, der nicht nur wegen seiner Herkunft, sondern auch wegen seines Aussehens auch
Halbmond oder Mohammedsfahne genannt wurde, ist ein zur Zeit der Türkenkriege in die deutschen Regimentsmusiken gekommenes, ursprünglich türkisches
Rassel- oder
Klingelinstrument. An einer Tragestange mit Querhölzern und Querbügeln sind
Schellen und
Glocken befestigt, die beim Tragen während eines Umzuges und/oder rhythmischem Auf- und Abbewegen klingen. Am oberen Ende befindet sich eine Art Feldzeichen, darunter sind am liegenden Halbmondbügel meist bunte Pferdehaare (Rossschweif) befestigt und darunter wiederum eine Anzahl Querstreben mit den angehängten Klangkörpern über einer gleichartigen Kugel. An Gewicht erreicht ein
üppiger Schellenbaum, wie er in Musikvereinen mitgeführt wird, mehrere Kilogramm (10 Kilogramm und mehr) und eine Größe oft von über zwei Metern, sodass der Träger während eines mehrstündigen Parademarsches über eine ausreichende Konstitution verfügen sollte. Oft stehen ihm Helfer zur Seite, mit denen er sich abwechselt.
Herkunft
Der halbmondförmige Teil am oberen Teil der Tragestange weist als Herkunftsland auf die
Türkei hin. In England heißt der Schellenbaum auch
Turkish crescent, die Soldaten nannten ihn auch
Jingling Johnnie. Der Ursprung selbst liegt vermutlich in China. Dort existierte bereits der "
Chinesische Schellenhut" (französisch
chapeau chinois). Dieser kam über
Indien nach
Kleinasien und fand bei den Türken in den Musikgruppen der
Janitscharen großen Anklang. Zusammen mit den
Schlaginstrumenten – Trommel, Becken – und dem
Triangel wurde er durch rhythmisches Schütteln zur
taktbestimmenden und auch charakteristischen Begleitung der melodieführenden
Blasinstrumente. Die angebrachten Pferdeschweife waren oft gefärbt und je nach Rang des Befehlshabers in der Anzahl unterschiedlich. Einem
Sultan standen sechs, einem
Wesir vier und einem
Pascha zwei davon zu.
Verwendung in anderen europäischen Truppen
Übernommen wurde zunächst die Blasmusik aus den Auseinandersetzungen der europäischen Staaten mit der Türkei. Den Schellenbaum übernahmen die
preußischen Truppenteile erst, nachdem sie einen solchen in den Kriegen 1813/15 erobert hatten. Der Schellenbaum erlangte damit eher den Status eines Sieges- oder Ehreninstrument und diente als
Feldzeichen. Diese Zeichen wurden bei
Paraden den Befehlshabern vorangetragen und/oder anschließend vor ihren Zelten oder Unterkünften aufgestellt. Nach den
Befreiungskriegen stifteten viele Städte den bei ihnen stationierten Einheiten Schellenbäume, welche später auf einen Erlass
Kaiser Wilhelm II. in den für Neuanschaffungen geltenden Bestimmungen vom
27. Januar 1902 hin vereinheitlicht wurden. Der Schellenbaum galt deswegen auch nicht als
Instrument sondern als
Siegestrophäe.
Weiterführung des Schellenbaums
In der
Reichswehr wurden seitens der einzelnen Truppenteile die Tradition der vorangetragenen Schellenbäume bei Präsentationen weitergeführt. Einheitliche Bestimmungen über Aussehen und Verwendung gab es auch bei der
Wehrmacht. Auch in der
Bundeswehr gehört der Schellenbaum mit schwarz-rot-goldenen
Pferdehaaren aus Kunststoff und dem
Bundesadler auf der Spitze zur Ausstattung eines Musikkorps. Ebenso in der
Nationalen Volksarmee verzichtete man nicht auf dieses Symbol. Allerdings hatte man
Hammer und Zirkel im Ährenkranz als Emblem obenauf.
Weblinks
Symbol | Idiophon | Militärmusik | Militärmusik (Bundeswehr)