Die Labien, eingedeutscht von lat. Labia pudendi (labia = Lippe; pudendum = Scham), sind Teil der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane, die in ihrer Gesamtheit als Vulva bezeichnet werden.
Beim Menschen und den anderen Primaten unterscheidet man die Labia majora pudendi (große Schamlippen) und die Labia minora pudendi (kleine Schamlippen). Bei den anderen Säugetieren gibt es nur ein Paar Schamlippen (Labia pudendi oder Labia vulvae), die den kleinen Schamlippen entsprechen.
Bei den Nicht-Primaten, bei denen die großen Schamlippen fehlen, werden der obere und untere Schamwinkel (Commissura labiorum dorsalis und ventralis) und Schamspalte von den, den kleinen Schamlippen des Menschen entsprechenden Labia pudendi (Syn. Labia vulvae) gebildet Uwe Gille: Harn- und Geschlechtssystem, Apparatus urogenitalis. In: Salomon/Geyer/Gille (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Stuttgart: Enke-Verlag, 2004. ISBN 3830410077..
Bei den meisten Säugetieren ist die Vorhaut des Kitzlers mit dessen Eichel (Glans clitoridis) verwachsen, bei Pferden und Hunden umgibt das Präputium clitoridis ein Grübchen (Fossa clitoridis), in dem die Eichel des Kitzlers freiliegt .
Die kleinen Schamlippen reagieren empfindlich auf Berührungen, bei sexueller Erregung füllen sie sich mit Blut, färben sich dunkler und schwellen an. Bei manchen Frauen wird dadurch der Scheideneingang freigelegt oder die Schamspalte etwas geöffnet.
Beim weiblichen Neugeborenen gilt das Bedecktsein der kleinen durch die großen Schamlippen als ein entwicklungsspezifisches sogenanntes Reifezeichen.
Im Rahmen sogenannter Body-Modifications existiert - besonders in Teilen Amerikas - ein zunehmender Trend, sich freiwilligen chirurgischen Veränderungen der Labien zu unterziehen, um deren Form und Größe einer vermeintlichen Norm oder einem angenommenen Schönheitsideal anzugleichen.
In sehr seltenen Fällen besteht eine medizinische Indikation zu einem chirurgischen Eingriff, etwa wenn die kleinen Schamlippen durch Größe und Form bei der Ausübung des Geschlechtsverkehrs hinderlich sind. In diesen Fällen kann ein Fachmediziner eine Labienreduktionsplastik vornehmen.
Die Beschneidung weiblicher Genitalien ist noch immer besonders in zahlreichen afrikanischen Ländern weit verbreitete „Tradition“. Sie ist weder religiös, noch medizinisch begründbar, führt zu nachhaltigen Schmerzen, zu Problemen beim Urinieren und zum Verlust sexueller Erlebnismöglichkeiten und birgt ein hohes Infektionsrisiko, häufig sogar mit Todesfolge.
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