Die Schalung ist die Gussform, in die Frischbeton zur Herstellung von Betonbauteilen eingebracht wird. Nach dem Erhärten des Betons wird sie im Regelfall wieder entfernt. Die Schalung ist das entsprechende Negativ zum Betonbauteil.
Schalungen und ihre Unterkonstruktionen müssen einerseits standsicher sein, um die Frischbetonlasten (vertikal als auch horizontal) abtragen zu können, und andererseits ausreichend steif, um hohe Maßgenauigkeiten und keine unerwünschten Verformungen zu erhalten. Die Oberflächenausbildung des fertigen Betonbauteils wird durch die Struktur der Schalhaut bestimmt.
Bei den Schalungssystemen gibt es die festen Schalungen oder Standschalungen, wie sie z. B. bei Decken, Wänden und Stützen eingesetzt werden. Daneben kommen bewegliche Spezialschalungssysteme, zu denen die Kletter- und Gleitschalungen gehören, insbesondere bei vertikalen Bauteilen wie Wänden und Schächten, zum Einsatz.
Nach dem Einschalen, Bewehren und Betonieren erfolgt im Regelfall das Ausschalen, sofern keine verlorene Schalung eingesetzt wird. Das Ausschalen erfolgt nach einer bestimmten Zeit (Ausschalfrist), die von der Lage der Schalung, der Temperatur, der Betonsorte, der Belastung abhängt.
So werden die Seitenschalungen beim Betonieren einer Straße nach ca. 5 Minuten weggezogen. Die Stützen unter bereits ausgeschalten Decken müssen dagegen bis zu 28 Tage stehen bleiben (bei Temperaturen unter 5°C entsprechend länger).
2005-11-05, Stralsund, Rügenbrücke, Pylon im Bau.jpg
Arten von Schalung
Wandschalung
Sie besteht aus Holzbrettern auf hölzernen Schalungsträgern oder Metall- bzw. Kunststoffelementen. Meistens werden diese als Negativ im Abstand der Dicke der Wand gestellt und gegeneinander mit Schalungsankern verspannt. Man spricht dann von einer zweihäuptigen Wandschalung. Eine einhäuptige Wandschalung kommt zum Einsatz, wenn aus Platzgründen die Schalungskonstruktion einer Wandseite nicht eingesetzt werden kann und z. B. gegen einen Baugrubenverbau betoniert wird. In diesem Fall muss der horizontale Frischbetondruck auf die einseitige Schalungskonstruktion mit Stützböcken abgetragen werden. Der Frischbetondruck ist näherungsweise
hydrostatisch verteilt und vor allem abhängig von der Steiggeschwindigkeit und der Konsistenz des Frischbetons. Er kann bis zu 80 kN/m² betragen.
Stützenschalung
Stützenschalungen werden meistens aus Standardrahmenschalungen erstellt. Zum Einsatz kommen Vielzweckelemente, die in einem Rastermaß von z. B. 5 cm geankert werden können. Die Stützen werden oft auch rund ausgeführt, hierfür gibt es Stahlschalungen und Pappschalungen verschiedener Durchmesser (in 5 cm -Schritten).
Balkenschalung
Sie ist ähnlich der Wandschalung, aber nicht so hoch. Sie kommt bei der Erstellung von Unterzügen/ Überzügen zum Einsatz und wird oft zimmermannsmäßig hergestellt.
Treppenschalung
Für Treppenschalung passen Systemschalungselemente meistens nicht. Daher werden Treppen oft mit
zimmermannsmäßig erstellter Schalung geschalt. Bei größeren Bauprojekten ist jedoch oft der Einsatz von
Betonfertigteilen die wirtschaftlichere Lösung.
Gleitschalung
Eine Sonderform ist die
Gleitschalung. Mit dieser werden hohe turmartige Bauwerke aus
Stahlbeton hergestellt. Dieses geschieht in einem kontinuierlichen Bauablauf, bestehend aus Bewehren, Schalen und Betonieren. Der Gleitvorgang der Schalung erfolgt mit Kletterstangen, wodurch das sonst übliche Umsetzen der Schalung entfällt. Wichtig ist bei diesem Verfahren, dass der Beton, der während des Gleitens abbindet, am unteren Ende der Schalung eine ausreichende Festigkeit besitzen muss. Ein äußeres Kennzeichen für das Gleitbauverfahren ist der Herstellungsprozess, der systembedingt, im Gegensatz zur Kletterschalung, kontinuierlich, d.h. im 24-Stunden-Schichtbetrieb, ablaufen muss.
Analog dazu wird eine Gleitschalung auch bei sehr langen Betonbauwerken, zum Beispiel Betonstraßen, verwendet
Verlorene Schalung
Um Gewicht oder Beton zu sparen, oder um Hohlräume zu schaffen, werden Füllkörper, meistens im
statisch neutralen Bereich einbetoniert. Verloren bedeutet, dass das Verschalungsmaterial hinterher nicht mehr geborgen wird.
Verlorene Schalung wird auch in Bereichen eingebaut, in denen der Ausbau der Schalung nur mit unvertretbar hohem Aufwand möglich ist (z. B. schwer zugängliche Fundamentbereiche). Im Brückenbau werden in Deutschland heute keine verlorenen Schalungen mehr eingebaut, da sich die Verwendung verlorener Schalung als sehr schadensanfällig erwiesen hat. Teilweise sind verlorene Schalungen während des Betonierens eingedrückt worden, teilweise aufgeschwommen. Heute gilt es im Brückenbau als Standard, dass alle Betonflächen inspizierbar sein müssen. Nur so lassen sich Schäden durch Risse und Korrosion der Bewehrung hinreichend sicher erkennen.
Aufblasbare Schalung
Sie dient zum Herstellen kreisrunder Hohlräume. Sie funktioniert wie ein Schlauch, der aufgepumpt wird, außenherum verbetoniert wird, und dann aus dem entstandenen Rohr gezogen wird.
Rahmenschalung
Rahmenschalung werden Schalungssysteme für Wand und Decke bezeichnet, bei denen Rahmenelemente aus werkseitig fest verschweißten Rahmen einschließlich Schalhaut die Basis des Systems bilden. Diese Elemente gibt es mit Stahl- oder Aluminiumrahmen.
Trägerschalung
Die Trägerschalung ist eine Wand-, Stützen oder Deckenschalungen, bestehend aus meistens hölzernen Schalungsträgern auf denen die Schalhaut befestigt ist. Die Schalungsträger sind oft durch senkrecht dazu verlaufende stählerne Gurtungen ausgesteift.
Oberflächen
Trennmittel
Um das einwandfreie Lösen der Schalhaut von der Betonoberfläche sicherzustellen, wird die Schalung mit Trennmitteln vorbehandelt. Die Trennmittel sind meistens Öle, die aufgesprüht werden. Dieses ist besonders bei
Sichtbeton notwendig, aber auch bei mehrfachem Einsatz der Schalhaut wichtig.
Sichtschalung
Mit Ihr wird
Sichtbeton hergestellt. Dementsprechend hat sie eine definierte besondere Anforderung an die Oberfläche (z. B. "glatt"). Um unterschiedliche Färbungen des Betons zu vermeiden sind bereits benutzte Schalbretter zu verwenden oder die Schalbretter mit Zementmilch vorzustreichen.
Strukturschalung
Strukturschalung ist eine besondere Art der Sichtschalung.
Die Schalung besteht meistens aus hölzernen Brettern, die dann auf der Sichtfläche des Bauwerks ihre Maserung als Abdruck hinterlassen.
Diese Maserung oder Struktur läßt sich jedoch auch mit einer speziellen Strukturgummiplatte erzielen. Die Platte wird dabei auf die bereits fertige Wandschalung aufgenagelt. Nach dem Ausschalen zeigt sich dann der gewünschte Maserungseffekt (Struktur) auf der Betonoberfläche.
Anwendung: Türme für Silos, Windenergieanlagen, Sichtbeton.
Weblinks
Bilder
Image:2005-11-05, Stralsund, Rügenbrücke, Schalkonstruktion überm Dänholm von unten bei geschlossener Schalung.jpg|Vorschubgerüst mit Brückenoberbauschalung (Rügenbrücke)
Image:2005-11-05, Stralsund, Rügenbrücke, Schalkonstruktion überm Dänholm vom Rügendamm aus.jpg|Vorschubgerüst mit fast geschlossener Brückenoberbauschalung
Image:2005-10, Stralsund, Rügenbrücke, Schalkonstruktion überm Dänholm von unten bei geöffneter Schalung.jpg|Geöffnete Hohlkastenschalung (Rügenbrücke)
Bild:2005-10, Stralsund, Rügenbrücke, Schalkonstruktion überm Dänholm vom Rügendamm aus.jpg|Vorschubgerüst mit offener Brückenoberbauschalung
Bild:2005-12-10, Stralsund, Rügenbrücke, Schalung an einem Pfeiler auf dem Dänholm.jpg|Kletterschalung {Rügenbrücke)
Bild:Stralsund Neue Brücke Pfeiler in Stralsund 2 2005-07-xx.jpg|Kletterschalung und Gerüstürme für Riegelschalung
Image:A73_Brueckenschalung2.jpg|Spannbetonbrücke mit Lehrgerüst komplett in Schalung (A73 AS Rödental)
Bild:Talbruecke Wiedersbach.jpg|Schalwagen einer Stahlverbundbrücke
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