Eine Schachuhr ist eine Uhr mit zwei Zeitanzeigen, die dazu dient, bei einer Schachpartie die Bedenkzeit der Spieler zu begrenzen. Beim Schachspiel mit der Uhr unterscheidet man je nach Bedenkzeit für eine Partie zwischen Blitzschach, Schnellschach und Turnierschach. Schachuhren wurden zwar für das Schachspiel entwickelt, können aber prinzipiell auch bei anderen strategischen Brettspielen für zwei Spieler – beispielsweise dem Damespiel oder Go – verwendet werden.
Die erste schriftliche Überlieferung über die Verwendung einer Vorrichtung zur Begrenzung der Bedenkzeit findet sich 1861 in Berichten über einen Wettkampf zwischen Adolf Anderssen und Ignaz von Kolisch. Die Vorrichtung bestand aus zwei drehbaren Sanduhren Alex Crisovan: 1889-1989 100 Jahre Schweizerischer Schachverband. 1989, Zürcher AG (Zug); Online-Quelle ausgewertet am 8. Januar 2006. Nachdem ein Spieler seinen Zug ausgeführt hatte, drehte er seine Sanduhr in eine waagrechte Stellung und die Sanduhr des Gegners wurde in die senkrechte Position gebracht. War die Sanduhr eines Spielers abgelaufen, hatte er die Partie den Regeln nach verloren.
Zur damaligen Zeit wurde eine Überschreitung der Bedenkzeit aber weniger streng gehandhabt als heute, vermutlich weil die Methode dieser Zeitmessung relativ ungenau war. Cecil De Vere etwa lehnte es 1870 beim Internationalen Schachturnier in Baden-Baden ab, eine Verluststellung durch Zeitüberschreitung seines Gegners Louis Paulsen zu gewinnen; die Partie wurde stattdessen in gegenseitigem Einvernehmen der Spieler wiederholt Johannes Fischer: Chessbase Schachnachrichten - Das Internationale Schachturnier Baden-Baden 1870, ausgewertet am 8. Januar 2006. Die unpraktische Handhabung der Sanduhren machte die Vorrichtung nur bei wichtigen Turnieren praktikabel, zudem konnte mit den auf eine unveränderliche Zeitspanne genormten Uhren nur ein einziger Spielmodus gespielt werden.
1866, bei der ersten offiziellen Schachweltmeisterschaft in London, wurden erstmals vom Schiedsrichter bediente Stoppuhren eingesetzt um die Bedenkzeit zu messen. Die Stoppuhren erhöhten die Messgenauigkeit und die Bedienung durch den Schiedsrichter verhinderte Manipulationen. Der Verlust einer Partie durch Vergessen des Uhrendrückens war auf diese Weise nicht möglich. Die Spieler konnten zu diesem Zeitpunkt auf Wunsch noch die bisherigen Sanduhren verwenden Garling Consulting Ltd., UK Company; Anzeigetext eines Unternehmens, das Schachartikel anbietet; einsehbar u. a. unter: www.eurocosm.com; ausgewertet am 8. Januar 2006.
Die erste rein mechanische Schachuhr wurde von dem englischen Uhrmacher Thomas Bright Wilson (1843-1915) erfunden. Wilson, der zu der Zeit Sekretär des Schachvereins Manchester war, baute sie nach einem Gespräch mit dem Schachgroßmeister Joseph Henry Blackburne. Sie bestand aus zwei Pendeluhren, die mit einem beweglichen Balken wechselseitig angehalten werden konnte. Diese Form der Uhr wurde erstmals 1883 beim Internationalen Turnier in London verwendet David Hooper, Kenneth Whyld: The Oxford companion to chess. Oxford University Press, 2. Auflage, USA 2005, ISBN 0192800493, Seitenangabe nicht bekannt.
1899 schlug H. D. B. Mejer, damaliger Sekretär der Niederländischen Schachvereinigung, vor, das Ziffernblatt der Uhr mit einem Fallblättchen auszustatten, um exakt bestimmen zu können, wann ein Spieler seine Bedenkzeit überschritt. Schachuhren mit Fallblättchen wurden allerdings erst rund zwanzig Jahre später die Regel.
In einer schrittweisen Entwicklung wurden die Pendeluhren durch feinmechanische Feder-Uhrwerke und der Balken, der beide Uhrwerke miteinander verbindet, durch einen Schaukelhebel ersetzt. Diese Entwicklung gipfelte in den heute gebräuchlichen analogen Schachuhren, die präzise und zuverlässig arbeiten.
In den 80er-Jahren entwickelten private Erfinder erste Prototypen digitaler Schachuhren, die auf elektronischen Schaltungen basierten und von Batterien mit Energie versorgt wurden. 1985 baute Ben Bulsink, damals Student der Technischen Universität in Enschede in den Niederlanden, die erste elektronische Schachuhr, die von vielen Schachspielern und Schachverbänden für gut befunden wurde (das Magazin des Niederländischen Schachverbandes urteilte: „die perfekte Schachuhr“) – allerdings war sie durch die Einzelherstellung von Hand zu teuer für einen großflächigen Einsatz.
1988 baute der frühere Schachweltmeister Robert James „Bobby“ Fischer eine elektronische Schachuhr, die den von ihm erfundenen und nach ihm benannten Fischer-Spielmodus umsetzte: Beide Spieler beginnen mit einer festen Bedenkzeit, für jeden ausgeführten Zug bekommen sie eine bestimmte Anzahl von Sekunden an Bedenkzeit hinzu. Fischer bekam 1989 das US-Patent Nummer 4.884.255US-Patent Nummer 4.884.255 von Robert J. „Bobby“ Fischer; ausgewertet am 8. Januar 2006 für die Uhr.
1992 versorgte Ben Bulsink zusammen mit Albert Vasse und Paul Arentz das erste Amber Melody Schachturnier mit digitalen Schachuhren und plante deren Massenproduktion. Das Projekt wurde ein Erfolg, die drei gründeten das Unternehmen DGT Projects – „DGT“ für digital game timer, „digitaler Zeitmesser für Spiele“ – und der aufmerksam gewordene Weltschachverband Fédération Internationale des Échecs (FIDE) schloss 1993 mit ihnen einen 3-Jahres-Vertrag ab, nach dem DGT Projects „die erste offizielle FIDE-Schachuhr“ produzieren sollte. 1994 kam DGT FIDE auf den Markt, die erste digitale Schachuhr, die von offizieller Seite durch die FIDE unterstützt wurde DGT Projects B. V.: Unternehmensgeschichte; ausgewertet am 8. Januar 2006.
Obwohl inzwischen bei hochklassigen Turnieren fast ausnahmslos digitale Schachuhren eingesetzt werden, konnten sie sich bis jetzt nicht umfassend durchsetzen. Während einige Schachspieler begrüßen, dass digitale Schachuhren im Gegensatz zu analogen keine Tickgeräusche von sich geben, eine sekundengenaue Bedenkzeiteinstellung ermöglichen und neue Spielmodi bieten, lehnen andere die digitalen Uhren ab, weil sie teurer sind, nur mit Batterien laufen und etwas komplizierter einzustellen sind.
Jede Uhr wird durch einen Hebel auf der Oberseite der Schachuhr in Gang gesetzt. Für gewöhnlich hat der Hebel zwar das Aussehen eines Knopfes oder einer Taste, man spricht aber generell von Hebel. Ist der Hebel oben, so läuft die darunterliegende Uhr, ist er unten, so läuft die darunterliegende Uhr nicht. Wird der Hebel auf einer Seite hinuntergedrückt, so wird der Hebel auf der anderen Seite durch einen Schaukelhebel in die Höhe gedrückt. Somit kann ein Spieler nach Beendigung seines Zuges mit einem einzigen Hebeldruck auf seiner Seite gleichzeitig die eigene Uhr anhalten und die des Gegners in Gang setzen. Sind beide Hebel etwa auf halber Höhe, so sind beide Uhrwerke angehalten; dies ist die Ruheposition der Uhr, in der sie sich vor Partiebeginn befindet.
Jede Uhr weist auf ihrem Ziffernblatt die vergangene Zeit aus. Das Fallblättchen ist oben in der Mitte des Ziffernblattes beweglich angebracht. Bewegt sich der Minutenzeiger auf die Zwölf zu, so hebt er dabei das Fallblättchen nach und nach immer mehr an, bis er es bei Überschreiten der Zwölf schließlich nicht mehr stützt und es zurück in die Ausgangslage fällt. Die Schachuhr wird vor einer Partie so gestellt, dass mit dem Fallen des Fallblättchens auch die Überschreitung der Bedenkzeit eines Spielers einhergeht. Eine Zeitüberschreitung kann so sehr genau festgestellt werden. Häufig reklamieren Spieler die gegnerische Zeitüberschreitung mit dem Ausruf „Blättchen!“ oder „Blatt!“.
Es kann die Situation auftreten, dass beide Spieler eine Zeitüberschreitung begehen. Dies ist genau dann der Fall, wenn zunächst bei einem Spieler das Blättchen fällt, sein Gegner dies aber nicht bemerkt. Fällt nun auch bei dem anderen Spieler das Blättchen, so ist eine besondere Situation eingetreten, die nach gängigem Regelwerk gelöst wird, indem die Partie Remis gegeben wird.
Statt zweier Feder-Uhrwerke verwendet die digitale Schachuhr ein einzelnes digitales elektronisches Uhrwerk. Die Energieversorgung der Uhr erfolgt demnach auch nicht durch Spannen einer Uhrfeder über einen Aufziehmechanismus sondern durch Batterien. Die Anzeige der vergangenen Zeit erfolgt auf einem Flüssigkristallbildschirm. Die Hebel zum Ingangsetzen der beiden Zeitmesser entsprechen in Bedienung und Funktion denen der analogen Schachuhr, für gewöhnlich wird eine digitale Schachuhr allerdings durch einen zusätzlichen Knopf in den Ruhezustand versetzt anstatt durch Gleichstellen der Hebel. Ein Fallblättchen gibt es bei einer digitalen Schachuhr nicht, eine Zeitüberschreitung wird stattdessen durch ein zusätzliches Symbol auf dem Bildschirm angezeigt; bei dem hier abgebildeten Modell ist es beispielsweise ein blinkendes Minuszeichen vor der Uhrzeit.
Im Gegensatz zur analogen Schachuhr zeigt eine digitale Schachuhr die Zeitüberschreitung nur bei dem Spieler an, der zuerst seine Bedenkzeit überschritten hat. Ein Sonderfall, wie er bei der analogen Schachuhr eintreten kann, wenn beide Blättchen gefallen sind, muss hier also nicht berücksichtigt werden.
Digitale Schachuhren bieten gegenüber analogen Schachuhren zusätzliche Spielmodi. So gibt es beispielsweise den Spielmodus Fischer-Blitz, bei dem jeder Spieler zunächst 3 Minuten Bedenkzeit hat und nach jedem Zug 2 Sekunden Bedenkzeit hinzugewinnt. Häufig bieten digitale Schachuhren auch Spielmodi für andere Brettspiele, beispielsweise den Modus Byo-Yomi für Go, bei dem jeder Spieler für jeden Zug eine fest vorgegebene Bedenkzeit hat. Solche und ähnliche Spielmodi sind mit einer analogen Schachuhr nicht oder nur umständlich realisierbar.
Des weiteren gelten folgende Regeln, die den Gebrauch der Uhr beeinflussen, aber an anderen Stellen im Regelwerk festgelegt sind:
Game clock | Reloj de ajedrez | 対局時計 | Schaakklok | Шахматные часы | Šahovska ura | Шаховски сат
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