Schüttorf ist eine Stadt im
Landkreis Grafschaft Bentheim im äußersten Südwesten
Niedersachsens nahe der
niederländischen und der
nordrhein-westfälischen Grenze. Die Stadt Schüttorf bildet mit den umliegenden Gemeinden die
Samtgemeinde Schüttorf.
Geografie
Lage und landschaftliche Beschreibung
Locator map of Schüttorf in the county of Bentheim.png
Die Stadt Schüttorf liegt im äußersten Südwesten des Bundeslandes
Niedersachsen und im äußersten Westen der Bundesrepublik Deutschland. Bis zur Grenze zu den
Niederlanden sind es etwa zehn Kilometer Entfernung. Kulturlandschaftlich, aber auch naturräumlich handelt es sich um ein Übergangsgebiet zwischen dem
Emsland und
Westfalen. Die Umgebung ist als
ländlich geprägter Siedlungsraum zu charakterisieren. Mittelzentren in der Umgebung sind unter anderem
Nordhorn und
Rheine.
Die Stadt wird mittig in südöstlich-nordwestlicher Richtung von dem Fluss Vechte durchquert und geteilt, der im weiteren Verlauf in die Niederlande fließt. Der höchste Punkt der Stadt befindet auf etwa 48 Metern über NN. Schüttorf liegt an den Ausläufern des Bentheimer Berges, einer bis zu 80 Höhenmetern mächtigen Sandstein-Formation aus der Kreidezeit, die einen Vorposten des Teutoburger Walds darstellt, und bewaldet ist. Die Stadt hat nur einen kleinen Anteil am Bentheimer Wald, insgesamt gehören rund 89 Hektar Waldfläche zum Stadtgebiet; dies sind acht Prozent der Gesamtfläche.
Nördlich der Stadt befindet sich eine ehemalige Heidelandschaft, die heute vorwiegend ackerbaulich genutzt wird. Noch vor dem Ersten Weltkrieg gab es große Heideflächen auch im Stadtgebiet. Die letzte Heide wurde 1993 in landwirtschaftliche Fläche umgewandelt. Eine Besonderheit war ein Dünenbereich in Schüttorf, der aus verwehtem Flugsand bestand. Dieser Sand wurde jedoch in der Mitte des 20. Jahrhunderts abgebaut und verwertet. Der Ortsteil um diese ehemaligen Dünen heißt aber heute noch im Volksmund „Marokko“ oder platt. Witten Over (Das Weiße Ufer), angelehnt an den ehemals „wüstenartigen“ Charakter der Gegend.
Es gibt relativ viele Freiflächen um die Stadt, die zum großen Teil landwirtschaftlich genutzt werden. Die Wohnflächen werden durch Einfamilienhäuser geprägt. Die Stadt weist kein echtes Hochhaus auf. Mit der Fertigstellung des Schüttorfer Kreuzes aus den Bundesautobahnen 30 und 31 wurden in den Jahren 2004 und 2005 verstärkt Gewerbe- und Industrieflächen in der Nähe des Autobahnkreuzes im Nordosten der Stadt ausgewiesen.
Eine schöne Flussauenlandschaft ist die „Große Maate“ nordwestlich der Stadt, in diesem Niederungsbereich der Vechte gibt es viele Tümpel, die durch Überschwemmungen immer wieder gefüllt werden. Hier finden viele Falter und andere Insektenarten und der seltene Eisvogel ist anzutreffen. Auch die „Holmer Maate“ ist eine Schüttorfer Flussauenlandschaft, hier lassen sich Kiebitze und Haubentaucher beobachten. Zentrumsnah findet sich ein Naherholungsgebiet Vechteniederung, das zur Naherholung, als Überschwemmungsgebiet und Regenrückhaltebecken dient.
| Flächennutzung
|
| Nutzung
| Fläche in ha
|
| Wohnfläche
| 242
|
| Gewerbe- u. Industriefläche
| 100
|
| Erholungsfläche
| 52
|
| Verkehrsfläche
| 135
|
| Landwirtschaftsfläche
| 382
|
Nachbargemeinden
Die Stadt Schüttorf grenzt als Teil der
Samtgemeinde Schüttorf vor allem an andere Mitgliedsgemeinden; im Detail sind das
Samern im Südosten,
Suddendorf im Süden sowie
Quendorf im Nordwesten und
Engden im Norden. Innerhalb der
Obergrafschaft Bentheim grenzt Schüttorf dann noch im Westen an die Stadt
Bad Bentheim. Im Osten bildet die Stadtgrenze gleichzeitig einen Teil der Grenze zum
Landkreis Emsland und stößt dort an
Ahlde, einen Ortsteil der Gemeinde
Emsbüren. Dort befindet sich auch – nur zwei Kilometer nordöstlich von Schüttorf gelegen – mit dem
Heideweiher „
Ahlder Pool“ ein bemerkenswertes kleines
Naturschutzgebiet.
Naturräumliche Gliederung
Im Einzelnen werden nach vorwiegend
geomorphologischen,
geologischen und
bodenkundlichen Kriterien folgende
Naturräumlichen Einheiten innerhalb des Stadtgebietes unterschieden:
Die Stadt Schüttorf liegt vorwiegend auf Talsandplatten, die von der in diesem Abschnitt kaum eingesenkten Vechteniederung durchzogen werden. Diese befindet sich auf etwa 30 Metern über NN und ist 200 bis 500 Meter breit. An den Rändern wird sie durch Flussterrassen mit einer Höhe von etwa 35 m NN begrenzt. Bedingt durch die geringen Höhenunterschiede auch innerhalb des Flusstales hatte die mittlere Vechte in der Vergangenheit mäandriert; dies führte zur Bildung zahlreicher Altarme. Inzwischen ist der Flusslauf in Höhe von Schüttorf begradigt worden.
Geologie und bodenkundliche Standortbedingungen
Schüttorf Vechtecreek.jpg |
Climate diagram Nordhorn Germany.png für Nordhorn - exemplarisch für Schüttorf]]
Die Vechteniederung ist ein Teil des Nordhorner
Gletscherzungenbeckens, das während der
Saale-Eiszeit von einem
Gletscher ausgefüllt war. Dieser hat auch die Endmoränenrücken der
Uelsener Berge und der
Lingener Höhe in der heutigen Grafschaft Bentheim und im Emsland geschaffen. Im Süden fand der Gletscher sein Widerlager vor dem
mesozoischen Bentheimer Kreidesandstein-Bergzug. Während der
letzten Eiszeit, deren Gletscher nicht in diese Region gelangten, wurde das Zungenbecken dann mit
fluviatilen Talsanden aufgefüllt; örtlich kam es zu Aufwehungen von Flugsanddünen. Innerhalb des Vechtetales lagerte der Fluss
holozäne, also nacheiszeitliche Sande und
Auenlehme ab.
Die überwiegend sandigen, teilweise lehmigen oder moorigen Böden der Talsandplatten und der schmalen Flussaue sind relativ karg mit Bodenwertzahlen zwischen 11 und 30. Die Ausläufer des Bentheimer Berges bestehen aus „Bentheimer Sandstein“, einem Sandstein der älteren Kreidezeit. Es handelt sich bei diesem Höhenzug um den nordwestlichsten Vorposten der mitteleuropäischen Mittelgebirgsschwelle. Oberflächennah ist er in der Regel mit Tonböden und Geschiebelehm überdeckt. Der Ton wird auch industriell genutzt, so in einer Ziegelei in Suddendorf.
Klima
Schüttorf liegt in der
gemäßigten Klimazone Mitteleuropas. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 8,5 Grad Celsius, der mittlere Luftdruck 761,5
Hektopascal und die mittlere jährliche
Niederschlagsmenge 700 bis 800 Millimeter. Das Klima ist
subatlantisch geprägt mit eher milden Wintern und mäßig warmen Sommern. In Schüttorf selbst gibt es keine eigene Beobachtungsstelle des
Deutschen Wetterdienstes. Die nächste Wetterstation ist
Nordhorn, wo sich die Witterung nicht nennenswert von der in Schüttorf unterscheidet.
Der Gewässerkundliche Landesdienst des Landes Niedersachsen unterhält eine Gütemessstelle in Samern; dort werden die Pegelstände und die Gewässergüte der Vechte gemessen und dokumentiert.
Bevölkerung
Einwohnerentwicklung von Schüttorf (1945 - 1959).png |
Bevölkerungsentwicklung von Schüttorf.png
In Schüttorf leben 11.711 Einwohner (Stand 18. April 2005) auf einer Fläche von 11,23 Quadratkilometern, davon sind 51,3 % weiblich. Die Bevölkerungsdichte der Stadt beträgt 1027 Einwohner pro Quadratkilometer.
40,7 % der Schüttorfer sind evangelisch reformierte Christen, 14,9 % Lutheraner, 22,1 % Katholiken und 22 % Prozent Mitglieder keiner oder einer sonstigen Religionsgemeinschaft. In Schüttorf leben 942 Ausländer (8 %), die größte Gruppe unter diesen sind türkische Staatsbürger (448), die zweitgrößte Niederländer (187). Personen die deutsche Staatsbürger sind, aber einen ausländischen Hintergrund haben, gibt es Schüttorf 1894, 16,2 %. (Stand 01.Januar 2006).
Einwohnerentwicklung
Die erste Einwohnerzahl für Schüttorf lässt sich aus einer Urkunde von Claus von Tecklenburg aus dem Jahr
1399 schätzen, in der pauschal 350 Menschen frei gesprochen werden. Hieraus ist bekannt, dass Schüttorf im Jahr
1399 mindestens 52 Bürger hatte, die dort namentlich erwähnt werden, es ist allerdings unwahrscheinlich, dass es deutlich mehr waren. Bei einer durchschnittlichen Familiengröße lassen sich für diese Zeit insgesamt zwischen 200 und 250 Einwohner für die Stadt schätzen. Danach wuchs die Stadtbevölkerung, abgesehen von einem Einbruch während des
Zweiten Weltkriegs, kontinuierlich an.
Es gab drei große Schübe in der Einwohnerentwicklung. Zum ersten wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts, vor allem in den neunziger Jahren, während der Industriellen Revolution durch den Boom der Textilindustrie viele Arbeiter nach Schüttorf gelockt. Eine zweite Zuwanderungswelle erreichte Schüttorf nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als etwa 2600 Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches Schüttorf erreichten. Gegen Ende der neunziger Jahre stieg die Bevölkerung noch einmal stark, das lag vor allem in den für die Region günstigen Baulandpreisen begründet.
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Geschichte
Das Schüttorfer Rathaus wurde
1945 in den letzten Tagen des
zweiten Weltkrieges von einer Fliegerbombe getroffen und brannte komplett aus. Hierbei verbrannte auch das Stadtarchiv und viele wertvolle Geschichtszeugnisse. Das macht Forschungen in der Schüttorfer Stadtgeschichte schwierig, viele Dinge ließen sich aber mittlerweile rekonstruieren.
Etymologie
Die
Etymologie des Namens Schüttorf ist nicht genau geklärt und verschiedenen volkstümlichen Erklärungsversuchen ausgesetzt. Die verbreitetste Erklärung bietet die
Sage, dass die Vechte erst 1295 durch den Bau eines
Dammes um Schüttorf geleitet wurde, bei dessen Bau die Bürger ihre Handkarren auf das Kommando
Schütt't d'r up entleert hätten. Diese Sage erklärt allerdings nur einen Anklang auf die neuzeitliche Schreibweise von Schüttorf (
platt: Schüttrupp).
Die frühesten Formen des Ortsnamen Schüttorf sind Scuhtthorp, Scutorpe, Scuttorpe und Scotdorpe auf Urkunden aus dem Jahr 1154; auf einer Münzprägung aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts findet sich die Schreibweise SCOTOR(p)E.
Hermann Abels (vgl. 2) vertritt die Ansicht, dass sich der Ortsname aus dem niederländischen schut (Bretterwand, Staudamm, Schleuse) ableitet, was der volkstümlichen Deutung sehr nahe kommt, historisch aber wohl zu kurz greift, weil es die bereits gestaute Vechte bei der Entstehung des Ortsnamens voraussetzt und alle Formen von Scot- unerklärt lässt, die entsprechend vom niederdeutschen Schott (Trennwand im Stall) abgeleitet werden müssten.
Eine andere Erklärung leitet den Ortsnamen von Vechteschuten ab; eine Schute ist ein flaches Schiff mit sehr wenig Tiefgang, das verwendet wurde, um den Bentheimer Sandstein zu verschiffen. Die Vechte ist ab Schüttorf mit solchen Schuten schiffbar, und es ist bekannt, dass hier Stein verladen wurde. Diese Erklärung setzt allerdings eine intensive Flussschifffahrt bei der Ortsgründung voraus.
Eine ganz andere Deutung ist die, dass der Name Schüttorf von Scutthorpe oder Scuttrop stammt, was Schutzdorf bedeutet und der Burg Altena in der Stadt entlehnt ist. Historisch greift aber auch diese Erklärung zu kurz, da die Burg Altena nicht von Anfang an in der Stadt existierte.
Eine moderne Erklärung leitet den Ortsnamen vom plattdeutschen Scuit (Ire) ab. Der mittelalterliche Name Irlands war Scoti oder Scotti. Im gälischen gibt es zahlreiche Dialekte, die die Vokalvarianten o und u beinhalten und erklären. Zudem weisen bei Ausgrabungen um Schüttorf gefundene irische Ringkreuze und Fächerkreuze auf die Anwesenheit irischen Mönche in der Gegend hin.
Stadtrechte
Jakob van Ruisdal Ansichen.jpg:
Ansicht der Stadt Schüttorf von Osten, um 1650]]
Schüttorf wurde
1154 das erste Mal urkundlich, in der
curtis Scutthorp, als Besitz der
Grafen zu Bentheim erwähnt. Die
Stadtrechte wurden Schüttorf am
6. November 1295, am Sonntag nach
Allerheiligen, von Graf Egbert zu Bentheim verliehen; die Urkunde hierzu ist erhalten und befindet sich im
Fürstlich Bentheimschen Archiv in Burgsteinfurt. Schüttorf ist damit die älteste Stadt der Grafschaft Bentheim. Es ist aber bekannt, dass auch vor der Gründung hier ein gräflicher Haupthof und ein kirchliches Zentrum der Obergrafschaft war. 1295 gab es in 30
km Umkreis um Schüttorf nur zwei weitere Städte:
Horstmar und
Oldenzaal; dies machte die junge Stadt zu einem bedeutendem Markt- und Umschlagplatz und Schüttorf wurde Mitglied der
Hanse. Die Stadtrechte enthielten im Detail sechs Rechte, die den Bürgern der Stadt zugestanden wurden. Im einzelnen waren das:
- Steuerfreiheit
- Beteiligung an Einkünften des Gerichts (2/3 aller Abgaben und Strafen)
- Freies Erbrecht
- Ersitzen der Freiheit nach einem Jahr und sechs Wochen
- Abgabenfreiheit für Händler von Holz und Torf
- Alle Rechte der Bürger der Stadt Münster
Zuzüglich zu den sechs Rechten finden sich eine große Anzahl an Sonderbestimmungen für so genannte
Wicbeldeslude (Weichsbildleute), die den größten Teil der Urkunde ausmachen. Dies waren Einwohner der Stadt, die unter einem besonderen Recht standen, aber keine Bürger der Stadt waren.
1297 wurde Schüttorf im
coram judico nostro Scottorpe von Graf Bernd zusätzlich eine eigene Gerichtsbarkeit zugestanden.
Die innere politische Organisation der Stadt war den Bürgern überlassen. Schnell bildete sich eine Führungsschicht aus Händlern und Handwerkern. Neue Bürger wurden stets am Petritag, dem 22. Januar in die Stadt aufgenommen, auch alleinstehende Frauen hatten das Recht, Bürger der Stadt zu werden. Bürger hatten bis zum Jahr 1555 die Pflicht, jährlich ein Bürgergewinnungsgeld zu zahlen, diese Gebühr betrug fünf Taler, was etwa einem fettem Rind und einem Kalb entsprach. Zum Vergleich verdiente ein Maurermeister etwa sechs Schilling am Tag, er musste also ca. 3,5 Tage für einen Taler arbeiten. Alternativ war es auch möglich, ein deutlich niedrigeres Einwohnergeld zu zahlen, aus dem sich allerdings keine Bürgerrechte ableiteten; viele Einwohner wählten zunächst diese sparsamere Alternative. Um innerhalb der Mauern wohnen zu können, war aber sowohl für Bürger wie auch Einwohner ein Treueid auf die Stadt Schüttorf Voraussetzung. Bis zum Jahr 1719 hatten alle erwachsenen Männer, die Bürger waren, das Wahlrecht zum Stadtrat, danach durften nur noch verheiratete männliche erwachsene Bürger wählen.
Im Jahr 1465 erneuerte und erweiterte Graf Everwyn zu Bentheim die Stadtrechte noch einmal; diese Urkunde ist nicht im Original erhalten, sie ging beim Rathausbrand 1945 verloren. Die neuen Stadtrechte waren in 49 Abschnitte unterteilt und auf ewig datiert. Die Stadtrechte wurden in der Folge von jedem Grafen bestätigt und auch erweitert. Ab dem Jahr 1589 allerdings verschlechterten sich die Beziehungen zwischen dem Grafenhof in Bentheim unter Graf Arnold und der Stadt. In diesem Jahr ließ der Graf den Bürgermeister der Stadt sogar für fünf Wochen einkerkern und ließ ihn erst nach Zahlung von 100 Goldgulden und einem Aem Wein (1 ½ Fässer) wieder frei. Die Situation spitzte sich daraufhin stetig zu. Im Jahr 1645 weigerte sich Graf Ernst Wilhelm dann, die Stadtrechte zu erneuern; er ließ stattdessen den Bürgermeister von Schüttorf für 38 Wochen einkerkern und schickte ihn anschließend in die Verbannung. Daraufhin wandten sich die Bürger an den Kaiserhof in Wien; diese Beschwerde ist dort bis heute erhalten. Ernst Wilhelm hingegen beantragte beim Reichshofrat die Cassation der Stadtrechte. Der Konflikt spitzte sich noch weiter zu, als das Grafenhaus 1668 zum Katholizismus konvertierte, Schüttorf aber reformiert blieb. Als Ernst-Wilhelm im Jahr 1693 abdankte, weigerte sich die Stadt, dessen Sohn, Arnold Maruk zu huldigen, wurde jedoch in der Folge dazu gezwungen.
Steuern
War der Stadt Schüttorf in den Stadtrechten von 1295 noch volle Steuerfreiheit zugestanden, so heißt es in den Stadtrechten von 1465:
„unse Stadt und Börger * nicht beschwehren mitt ungewohnliche Schattinge“. Es wurden also Steuern erhoben. Zunächst wurden Steuern pro Stück Vieh berechnet, ab
1638 aber auch pro Feuerstätte. Zu Sondersteuern kam es im
15. Jahrhundert für die
Hussitenkriege, im
16. Jahrhundert für die Abwendung der
Türkengefahr und die Bekämpfung der
Wiedertäufer. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts mehrten sich
Kriegskontributionen und es wurden sogar fremde Truppen in Schüttorf einquartiert; dies führte zu einer argen Finanznot der Stadt. Im Jahr
1682 sah sich der Graf von Bentheim sogar gezwungen, die Steuern mit Hilfe der Truppen einzuziehen.
Stadtbefestigung
Schuettorf Burg Altena vor 1903.jpg |
Schuettorf_Castle_Altena_Square_Today.jpg
Direkt nach der Verleihung der Stadtrechte wurde damit begonnen, die Stadt zu befestigen; dazu gehörte der Bau einer insgesamt 1400 m langen Stadtmauer, die immerhin ein 15 ha großes Areal umfasste. Für den Bau der Mauer aus Bentheimer
Sandstein wurden etwa 30.000 m³ Sandstein abgebaut und in Ochsenkarren herbeigefahren. Ende des
14. Jahrhunderts war Schüttorf von einem starken Verteidigungssystem umschlossen, das über drei Stadttore verfügte:
- Die Voeporte (1424 fertig gestellt): Das Föhntor
- Die Steenporte (1392 fertig gestellt): Das Steintor
- Die Wyneporte (1379 fertig gestellt): Das Windtor
Zur
Befestigung der Stadt wurde auch die
Burg Altena errichtet, die in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts fertig gestellt wurde. Die Burg wurde
1560 dann zum Witwensitz des Bentheimer Grafenhauses. Ab dem
17. Jahrhundert geriet die Burg zunehmend in Vergessenheit und zerfiel langsam zu einer Ruine, die schließlich
1975, trotz heftiger Proteste der Schüttorfer, abgerissen wurde, um Platz für eine Durchgangsstraße zu schaffen. Teile der Stadtmauer sind im Südwesten der Altstadt erhalten.
Gilden
Im Jahr
1341 wurde die erste Schüttorfer
Gilde von Graf Simon zu Bentheim anerkannt, und zwar
de Schomackere Amte (
Schuhmacher), das lässt darauf schließen, dass dieser Berufsstand besonders verbreitet war.
1362 erkannte Graf Otto die Gilden der
Wandmacher und
Schreiner an und schließlich im Jahr
1387 Graf Bernhard die Gilde der
Schmiede. Im Jahr 1465, in den neuen Stadtrechten, wurden immer noch lediglich diese Gilden und keine weiteren erwähnt. Um einen der entsprechenden Berufe ausüben zu können, war es Voraussetzung, Bürger der Stadt Schüttorf zu sein und die entsprechende Gilde
gewonnen zu haben (Zunftzwang), dies war mit erheblichen materiellen Leistungen verbunden.
Es wurde bereits früh Wohlfahrt in Schüttorf betrieben. Die Heilige Geist Stiftung wird urkundlich erstmals 1379 erwähnt, als Graf Bernhard der Stiftung kostenlos ein Gelände zum Bau eines Armenhauses überließ. Die Stiftung versorgte arme und alte Bürger mit Kleidung, ab dem Jahr 1384 erhielten Bedürftige darüber hinaus eine jährliche Rente von vier Schilling. Die Heilige Geist Stiftung existiert auch heute noch und befindet sich im Besitz der Stadt. Sie wird von ehrenamtlichen Geistprovisoren gelenkt, ihren Aufgabenbereich hat sie auch auf die Förderung der Jugend erweitert.
Munizipalität und Gemeinde
Zwar hatte der französische Außenminister
Charles-Maurice de Talleyrand dem Grafen zu Bentheim seine
Neutralität garantiert, die wurde von
Napoléon Bonaparte allerdings ignoriert und er schlug die Grafschaft am
12. Juni 1806 dem
Herzogtum Berg zu. Es folgten sofort deutliche Eingriffe in die Schüttorfer Gerichtsbarkeit und in die anstehende Wahl des Rats. Am
7. März 1809 entzog der Minister des Innern Schüttorf die Stadtrechte und schuf stattdessen die
Munizipalität Schüttorf aus der Stadt selbst und den umliegenden Gemeinden
Quendorf,
Wengsel,
Suddendorf und
Neerlage. Gleichzeitig wurde eine Volkszählung anberaumt, die für die Stadt 1040 Einwohner, für die Munizipalität 2140 ergab. Im Jahr 1810 wurde die Munizipalität dann nochmal vergrößert, und ihr werden die Gemeinden
Salzbergen,
Hummeldorf und
Steide zugeschlagen. In die Zeit Napoleons fällt auch das Ende der
Leibeigenschaft in der Region. In einer Verfügung über die
„Aufhebung der Leibeigenschaft im Großherzogtum Berg“, gegeben am
12. Dezember 1808 im kaiserlichen Lager zu Madrid, ordnete Napoleon an, dass auch die
Colonen und Leigeigenen alle bürgerlichen Rechte erhalten sollen. Im Jahr
1813 wurden die Franzosen dann vertrieben und Schüttorf
1815 in das
Königreich Hannover eingegliedert. Alle französischen Gesetze wurden pauschal für ungültig erklärt, die Rückkehr zu den alten Strukturen gestaltete sich aber als schwierig.
Am 15. Mai 1851 erreichte die Stadt Schüttorf eine Aufforderung der Landdrostei Osnabrück, sich der neuen hannoverschen Städteordnung zu unterlegen. Diese forderte von einer Stadt jedoch einen hauptamtlichen Bürgermeister und eine städtische Polizei, dies konnte sich Schüttorf nicht leisten. So wurde Schüttorf am 18. September 1852 der hannoverschen Landgemeindeordnung – und damit auch einem königlichen Amt – unterstellt. Der spätere Bürgermeister Dr. Scheurmann nannte dies ein dunkles Kapitel in der Schüttorfer Stadtgeschichte. Auch die Annexion Hannovers durch Preußen und die Reichsgründung 1871 änderten nichts am Status Schüttorfs als Gemeinde.
Die Entstehung der Industrie
Die entscheidende Rolle bei der
Industrialisierung Schüttorfs spielte die
Textilindustrie. Dies liegt zum einen daran, dass die Herstellung von Textilien aus
Leinen auf
Handwebstühlen hier schon seit Jahrhunderten betrieben wurde und zum anderen daran, dass die bäuerlichen Kleinbetriebe auf diesen Zuverdienst angewiesen waren. Im
17. Jahrhundert waren viele Schüttorfer jedes Jahr in die reicheren Niederlande gegangen, um durch Torfstechen, Mähen oder den Verkauf von Waren ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern. Mit der Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den Niederlanden zu Beginn des
19. Jahrhunderts schwand diese Einkommensquelle aber. Einen Ausweg bot die Intensivierung der Heimweberei. Um
1850 beschäftigte die Familie Schlikker bereits 400
Handweber, einige Jahre später wurde das erste Fabrikgebäuder errichtet.
1865 folgte eine
Färberei der Familie Schümer.
1867 ging die erste
mechanisch betriebene Baumwollweberei von Schlikker und Söhne in Betrieb,
1881 eine
Baumwollspinnerei. Es folgte wirtschaftlicher Aufschwung und ein sprunghafter Bevölkerungszuwachs.
Erster Weltkrieg und Rückkehr zur Stadt
Der
Erste Weltkrieg führte zu einem Stillstand der Textilindustrie, die sich inzwischen zum wichtigsten Wirtschaftszweig der Stadt entwickelt hatte, da keine Rohstoffe mehr geliefert wurden. Nur ein Betrieb konnte durch die Produktion von kriegswichtigen
Uniformen der Schließung entgehen. Dies führte zu einer extrem hohen
Arbeitslosigkeit. Die Gemeinde beschloss aus diesem Grund auf eigene Kosten die Urbarmachung der Schüttorf umgebenden
Heide, um den Menschen so eine Perspektive zu geben. Dies führte allerdings zu einer starken Belastung der Stadtkasse. Durch die hohe Inflation war Schüttorf gezwungen
Notgeld und
Brotmarken herauszugeben.
Nach dem Krieg beschloss die Gemeinde 1924, einen hauptamtlichen Bürgermeister zu bestellen um so den ersten Schritt Richtung Rückkehr zu den Stadtrechten zu machen. Am 28. Februar 1924 wurde der Berliner Dr. Franz Scheurmann zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister von Schüttorf bestellt und eine Denkschrift verfasst. Am 15. Juni 1924 erging der Beschluss, dass Schüttorf mit Wirkung vom 1. Juli zur städtischen Verfassung übertrete; ab diesem Tag unterhielt Schüttorf auch eine eigene Polizei. Am 1. Oktober 1924 gründete die Stadt eine Stadtsparkasse, um nach der Inflation den Sparwillen der Bürger zu fördern.
NS-Zeit und Zweiter Weltkrieg
Im Oktober
1942 wurde Bürgermeister Scheurmann wegen schwerer Differenzen mit dem örtlichen NSDAP-Führer Arnold Horstmeier und dem
NSDAP-Kreisleiter Dr. Josef Ständer des Amtes enthoben. Zu seinem Nachfolger wurde NS-Ortsgruppenleiter Arnold Horstmeier ernannt, der über Scheurmann ein Rede- und Aufenthaltsverbot für Schüttorf verhängte.
In Schüttorf gab es vor der NS-Herrschaft drei jüdische Familien, von denen jedoch zwei flohen und eine Familie verschleppt wurde. Heute leben in Schüttorf keine Juden.
Während der alliierten Bombenangriffe auf Deutschland wurde Schüttorf immer wieder von Bomben getroffen, die die alliierten Flieger bei der Bombardierung ihrer eigentlichen Ziele nicht aufgebraucht hatten und auf dem Rückflug abwarfen. Am 3. April 1945, nach der Einnahme von Bad Bentheim, vermuteten die Alliierten, dass sich in Schüttorf starke deutsche Kräfte verschanzt hatten und beschossen die Stadt massiv mit Artillerie, zusätzlich warfen Bombengeschwader Phosphorbrandbomben ab. Dadurch wurden 15 Häuser völlig zerstört, 25 Wohngebäude schwer und rund 600 leicht beschädigt. Die in Schüttorf stationierten deutschen Fallschirmjäger hatten sich allerdings bereits nach Lingen zurückgezogen und dabei sämtliche Vechtebrücken gesprengt sowie die Strom- und Fernsprechleitungen unbrauchbar gemacht. Am 4. April 1945 wurde das Rathaus von einer Fliegerbombe getroffen und brannte mitsamt dem Stadtarchiv aus. Einen Tag später wurde Schüttorf von britischen Truppen befreit. Insgesamt zählte Schüttorf im Zweiten Weltkrieg 222 Gefallene, acht Zivilpersonen starben bei Bombenabwürfen und Artilleriebeschuss und 114 Einwohner gelten als vermisst.
Die britische Militärregierung setzte noch im April 1945 Bernhard Verwold zum ehrenamtlichen Bürgermeister ein, bis die Bürger sich wieder selbst einen Bürgermeister wählen konnten. Diese wählten am 25. Januar 1946 wieder den späteren Ehrenbürger Dr. Franz Scheurmann zu ihrem Bürgermeister, dem 1960 das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. (vgl. 3)
Ein Gegner der Nazis war Friedrich Middendorff, der 1926 zum Pastor der evangelisch-reformierten Gemeinde in Schüttorf berufen wurde. Bereits vor der Machtergreifung hatte es sich im Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt öffentlich mit der NS-Ideologie auseinandergesetzt, aber auch durch sein Wirken im Christlich-Sozialen Volksdienst war er bekannt und wurde schnell zur Zielscheibe der Nazis. Es folgte die Überwachung durch die Gestapo und staatliche Repressalien. Der Höhepunkt der Auseinandersetzung wurde am 18. April 1937 erreicht, als mehrere hundert Schüttorfer den Pastor nach einer Verhaftung freisangen, indem sie sich vor dem Rathaus versammelten und bis zur Freilassung stundenlang Choräle sangen. Bekannt wurde sein Artikel Ein Weniges zur Judenfrage, der beschlagnahmt und verboten wurde. Middendorff musste 1937, seine Familie 1938 fliehen; erst nach dem Krieg 1946 kehrte er nach Schüttorf zurück. Er hatte später viele Ämter inne, und wurde von 1946 bis 1953 Kirchenpräsident der evangelisch-reformierten Kirche. Später war er Spitzenkandidat der DFU bei den Niedersachsenwahlen. Er verunglückte 1973 bei einem Verkehrsunfall tödlich. Nach ihm ist in Schüttorf der Friedrich-Middendorff-Platz benannt. (vgl. 4)
Religionen
Religionsgeschichte
Schüttorf_Reformed_Church_2.jpg
Im Jahr
1209 wird erstmals eine dem
Heiligen Laurentius geweihte Kirche in Schüttorf urkundlich erwähnt.
1544 konvertierte Graf Arnold zu den
lutherischen Lehren, und mit ihm die gesamte Grafschaft.
1588 wurde die Grafschaft dann
evangelisch-reformiert und damit
calvinistisch. Auch heute ist die Mehrheit der Schüttorfer evangelisch-reformiert. Von
1598 bis
1599 war Schüttorf jedoch von
spanischen Truppen besetzt und das Abhalten des reformierten
Gottesdienstes bei Strafe verboten.
1629 wurde in Schüttorf ein Nonnenkloster gegründet. Dieses Kloster stand zuerst unter der Obhut der
Beginen, wurde aber später den
Augustinerinnen übergeben.
1843 wurde dieses Kloster abgerissen.
Kirchen
Schüttorf verfügt über insgesamt sechs Gotteshäuser. Am auffälligsten ist die evangelisch-reformierte Kirche St. Laurentius, die auch
große Kirche genannt wird. Diese Kirche ist eine im
gotischen Stil erbaute
dreischiffige Hallenkirche von vier
Jochen mit Querschiff und polygonalem
Chor und diente früher auch als die Grabstätte der Grafen Bentheims. Sie ist insgesamt 54 m lang und 19 m breit. Der Turm ist 81,17 m hoch und von ganz Schüttorf aus zu sehen. Diese Kirche wurde erstmals
1355 urkundlich erwähnt, als ein
Ablassbrief zum Bau der Kirche verkauft wurde, und
1390 erweitert. Mit dem Bau des Chores des heutigen Gebäudes wurde am Dienstag nach
Fronleichnam des Jahres
1477 angefangen, fertig gestellt war er am Abend des
24. Dezember 1478. Mit dem Bau des Kirchenschiffs wurde
1500 begonnen, der quadratische Westturm wurde von
1502 bis
1535 erbaut und verfügt über einen achtseitigen Pyramidenhelm. Er brannte aber viermal (
1684,
1799,
1817 und
1889) infolge von Blitzschlag ab. Eine Legende besagt, dass der letzte Brand des Turmes am
8. Februar 1889 mit Milch gelöscht wurde, die sich in der Hitze des Feuers verkrustete und die Feuersbrunst erstickte. Die ursprünglichen Glocken für den Turm stammen aus den Jahren
1502 und
1772, im Jahr
1917 mussten diese Glocken aber zum Einschmelzen für die Kriegsproduktion abgeliefert werden. Heute hängen sechs Glocken im Turm, darunter eine alte Brandglocke aus dem Jahr
1435, die 1917 verschont wurde. Die
Orgel der großen Kirche ist ein
zweimanualiges Instrument mit Zinn-Pfeifen. Sie wurde 1963 von dem Schweizer Orgelbaubetrieb
Th. Kuhn gebaut.
Die katholische Marienkirche wurde 1868 gebaut, sie enthält eine Sandsteinmadonna aus dem späten 16. Jahrhundert. Vor der Fertigstellung mussten sich die Schüttorfer Katholiken mit der Kapelle der Burg Altena behelfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam erst eine neuapostolische Kirche und 1955 die lutherische Christopheruskirche hinzu. Seit 1992 gibt es in Schüttorf in einer alten Werkstätte eine kleine Moschee und seit 2004 auch ein Gotteshaus der Freien Christengemeinde. Des weiteren besitzt Schüttorf, neben einem evangelischen und einem katholischen auch einen alten jüdischen Friedhof.
Politik
Samtgemeinde
Als
1946 Niedersachsen gegründet wurde, gehört fortan auch Schüttorf zu diesem Bundesland. Am
14. Dezember 1970 wurde die
Samtgemeinde Schüttorf gegründet. Diese bestand zuerst aus neun Gemeinden, der Stadt Schüttorf selbst und den Gemeinden
Engden,
Drievorden,
Neerlage,
Wengsel,
Ohne,
Quendorf,
Samern und
Suddendorf. Später wurden die Gemeinden Engden und Drievorden zur Gemeinde Engden und die Gemeinden Neerlage und Wengsel zur Gemeinde
Isterberg zusammengefasst, so dass die Samtgemeinde noch aus sieben Partnern bestand. Die Aufgabe der Samtgemeinde ist es, gemeinsame Planungsaufgaben wahrzunehmen, den
Fremdenverkehr zu fördern und die Beseitigung von
Abwasser und
Müll zu übernehmen. Des Weiteren fallen die
Erwachsenenbildung, die Förderung und Schaffung kultureller Einrichtungen und das
Personenstandswesen in ihren Aufgabenbereich. Die Samtgemeinde wird vom Samtgemeinderat, dem Samtgemeindeausschuss und dem
Samtgemeindebürgermeister verwaltet und verfügt über ein eigenes Siegel.
Die Schüttorfer Politik untergliedert sich in die Verwaltung der Samtgemeinde und die der Stadt selbst, so gibt es sowohl einen Samtgemeinderat, wie auch einen Stadtrat von Schüttorf. Zudem gibt es einen Samtgemeindebürgermeister und einen Bürgermeister der Stadt, auch jede der anderen sechs Teilgemeinden der Samtgemeinde besitzt einen eigenen Bürgermeister. Das Bürgermeisteramt von Schüttorf ist ein Ehrenamt, ihm steht jedoch ein hauptberuflicher, wenn auch nicht vom Volk gewählter Stadtdirektor zur Seite. Der Samtgemeindebürgermeister arbeitet seit November 2005 hauptamtlich.
Stadtrat und Bürgermeister
| Sitzverteilung im aktuellen Schüttorfer Stadtrat
|
| Partei/Gruppe
| Sitze
|
| CDU
| 9
|
| SPD
| 13
|
| Bündnis 90/Die Grünen
| 1
|
| FDP
| 1
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| Wählergemeinschaft Bürger für Bürger
| 5
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Im Stadtrat der Stadt Schüttorf hat die SPD traditionell die Mehrheit; seit der Gründung einer
Unabhängigen Wählergemeinschaft im September
1968 konnte die SPD allerdings nicht mehr die absolute Mehrheit erringen. Bürgermeister ist zur Zeit Karl-Heinrich Dreyer (SPD) mit zwei Stellvertretern: Thomas Michael Hamerlik (CDU) und Karl-Heinz Büld (SPD).
Am 28. Februar 1924 wurde der Berliner Dr. Franz Scheurmann zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Schüttorf bestellt im Oktober 1942 wurde er jedoch wegen schwerer Differenzen mit dem örtlichen NSDAP-Führer Arnold Horstmeyer und dem NSDAP-Kreisleiter Dr. Josef Ständer, aus dem Amt enthoben. Zu seinem Nachfolger wurde NS-Ortsgruppenleiter Arnold Horstmeier ernannt, nach dem Zweiten Weltkrieg setzte die britische Militärregierung im April 1945 Bernhard Verwold als ehrenamtlichen Bürgermeister ein. Als erster hauptmatlicher Bürgermeister nach dem zweiten Weltkrieg wurde am 25. Januar 1946 wieder Scheurmann gewählt, sein Nachfolger wurde 1949 bis 1952 Johann Wenning (SPD), der wiederum von 1952 bis Oktober 1956 von Scheurmann (CDU) abgelöst wurde. 1956 bis 1972 war dann wieder Johann Wenning Bürgermeister. Am 16. November 1972 wurde Hermann Brinkmann (SPD) gewählt, der 16 Jahre lang die Geschicke der Stadt lenkte, bis er am 16. Januar 1989 von Karl-Heinrich Dreyer (SPD) abgelöst wurde.
| Liste der Schüttorfer Bürgermeister
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| Bürgermeister
| Zeitraum
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| Dr. Franz Scheurmann später (CDU)
| 28. Februar 1924 – Oktober 1942 25. Januar 1946 – 5. Januar 1949 1952 – Oktober 1956
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| Arnold Horstmeyer (NSDAP)
| Oktober 1942 – April 1945 (Von der NSDAP Kreisleitung eingesetzt)
|
| Bernhard Verwold
| April 1945 – 25. Januar 1946 (Von der britischen Militärregierung eingesetzt)
|
| Johann Wenning (SPD)
| 5. Januar 1949 – 1952 Oktober 1956 – 16. Oktober 1972
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| Hermann Brinkmann (SPD)
| 16. November 1972 – 14. November 1988
|
| Karl-Heinz Dreyer (SPD)
| 16. Januar 1989 – heute
|
Wappen
Das
Wappen der Stadt Schüttorf entstand vermutlich unmittelbar nach Erhebung des Ortes in den Rang einer Stadt. Das Stadtprivileg erwähnt kein
Siegel oder Wappen, somit hat der Stadtherr den Bürgern die Entscheidung über ein Wappen überlassen. Die älteste erhaltene Urkunde, die das Wappen der Stadt Schüttorf als Siegel aufweist, stammt aus dem Jahr
1315.
Das Wappen zeigt ein stilisiertes Stadttor mit zwei Türmen, zwischen denen sich das Wappen der Grafschaft Bentheim befindet. Es ist jedoch keines der Stadttore der Stadt Schüttorf umgesetzt (das Wappen ist auch älter als die Stadttore), sondern das Wappen soll nur symbolisch den Begriff Stadt umsetzen.
Schüttorf verfügt über eine eigene Fahne, diese ist rot-gelb längsgeteilt und trägt in der Mitte das Wappenbild in ovaler Form.
Städtepartnerschaften
Schüttorf unterhielt bis 2005 eine
Städtepartnerschaft mit Vriezenveen (
Twenterand) in den
Niederlanden, Region
Twente. Diese Städtepartnerschaft war Teil des
EUREGIO-Programms, eines Kommunalverbands, dem ca. 140 deutsche und niederländische Städte, Gemeinden oder Kreise angehören. Der EUREGIO-Verband bemüht sich dabei um einen grenzüberschreitenden Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen, um den Kulturaustausch und um deutsch-niederländische Schulkontakte. 2005 kündigte Vriezenveen die Städtepartnerschaft, Schüttorf blieb aber Teil des EUREGIO.
Niederländisch ist in der Schüttorfer Realschule Wahlpflichtfach.
Wirtschaft und Infrastruktur
Gegen Ende des
19. Jahrhunderts entwickelte sich in Schüttorf eine starke
Textilindustrie mit mehreren großen lokalen Unternehmen (Schlikker & Söhne, Gathmann & Gerdemann, G. Schümer & Co. und der Rofa), des Weiteren entstand eine
Margarinefabrik (Wilhelm Edel & Co.). Schüttorf konnte von dieser
Industrialisierung stark profitieren, was sich auch in den Einwohnerzahlen niederschlug (
1871: 1692 Einwohner,
1900: 4110). (vgl.
5) In der Krise der Textilindustrie in den 70er Jahren des
20. Jahrhunderts geriet aber auch die Schüttorfer Industrie in eine Krise, und nur die Firma Rofa, sowie die Firma G. Schümer GmbH & Co. existieren heute noch. Infolgedessen stieg auch die Arbeitslosigkeit, und die Steuereinnahmen der Stadt gingen zurück.
Heute profitiert Schüttorf von seiner verkehrsgünstigen Lage, direkt am Autobahnkreuz Schüttorfer Kreuz (A30/A31) und seiner Nähe zur niederländischen Grenze. Schüttorf hat ein großes Gewerbegebiet an der Autobahn ausgewiesen und versucht durch Wirtschaftsförderung Unternehmen zu gewinnen, die sich dort ansiedeln. Die Arbeitslosigkeit in Schüttorf betrug 2003 8,9 %, was deutlich geringer ist als die Arbeitslosigkeit in Niedersachsen 2003 (10,5 %).
Ansässige Unternehmen
Hier sind größere Unternehmen in Schüttorf aufgeführt, ein vollständiges
Branchenverzeichnis findet sich bei (
6). Einer der größten
Gewerbesteuerzahler in Schüttorf ist seit 1971 die
schweizer Georg Utz GmbH mit 280 Beschäftigten, dieses Unternehmen unterhält eine Kunststofffabrik, in der
Kunststoffpaletten und Kunststoffbehälter hergestellt werden. Ähnlich groß ist eine
Wellpappenformatwerk der
Prowell Gruppe, die 2005 direkt am
Schüttorfer Kreuz fertig gestellt wurde. Die
Stemmann-Technik GmbH produziert mit 260 Mitarbeitern
Stromabnehmer für den
ICE und andere Züge, Straßen- oder U-Bahnen. Mittelständische Unternehmen sind die
Arnold Lammering GmbH & Co. KG, eine Großhandlung für Stahl mit rund 100 Mitarbeitern, die
Mannebeck Landtechnik, die Stalleinrichtungen herstellt und die
Kortmann Beton GmbH & Co. KG, die Betonteile und Betonsteine fertigt. Bis 2004 beheimatete die Stadt auch ein
Kalksandsteinwerk, das aber geschlossen und abgerissen wurde. Die verkehrsgünstige Lage von Schüttorf begünstigt die Ansiedlung von Speditionen. Es haben sich fünf verschiedenen Unternehmen dieser Branche angesiedelt, die
Breukers Spedition, die
Rigterink GmbH & Co. KG, die
Fiege net, die
SLK Kock internationale Spedition & Logistik GmbH, die
Euregio-Logistik GmbH und die
Wanning Spedition GmbH & Co. KG.
Das über Schüttorf hinaus wohl bekannteste Unternehmen ist die dänische Tulip Fleischwaren GmbH, die Fleisch- und Wurstprodukte verarbeitet, die sich unter diesem Namen in deutschen Supermärkten finden. Weitere überregional bekannte Fabriken sind seit 1821 das Familienunternehmen H. Klümper und die Klüsta-Schinken Klümper & Stamme GmbH, die Schinkenspezialitäten vertreiben. Der größte Dienstleister in Schüttorf ist das Index, eine Diskothek mit 6000 bis 7000 Gästen pro Wochenende.
Verkehr
Seit
1865, als die
Niederländische Staatsbahn die grenzüberschreitende Strecke von
Almelo über
Bad Bentheim und Schüttorf nach
Salzbergen eröffnete, besitzt Schüttorf einen eigenen Bahnhof und damit Anschluss an die
Bundesbahn-Hauptstrecke
Hannover–
Osnabrück–
Amsterdam. Ein
Regionalexpress hält hier stündlich. Im Nordosten von Schüttorf befindet sich das
Autobahnkreuz Schüttorfer Kreuz. Dort kreuzen sich die Autobahnen
A 30 (
Bad Oeynhausen –
Osnabrück –
Hengelo) und die
A 31 (
Emden –
Oberhausen). Circa 50 Autominuten entfernt liegt der internationale
Flughafen Münster/Osnabrück: FMO in
Greven. Ein regionaler Flugplatz befindet sich im 15 Autominuten entferntem
Klausheide bei
Nordhorn. Buslinien des
öffentlichen Personennahverkehrs verbinden Schüttorf mit
Nordhorn,
Bad Bentheim,
Ochtrup und den umliegenden Dörfern.
Stadtwerke
Schüttorf verfügt über eine eigene
Stadtwerke Schüttorf GmbH, die in öffentlicher Hand ist. Schon
1896 wurde in der Fabrikstraße ein erstes Gleichstrom-Elektrizitätswerk eingerichtet. Ab
1897 hatte Schüttorf, als eine der ersten Städte im deutschen Reich, eine elektrische Straßenbeleuchtung, im selben Jahr wurde auch die Beleuchtung von
Unter den Linden in
Berlin elekrifiziert. Am
1. April 1909 kaufte die Stadt das E-Werk für 110.000
Goldmark, seitdem ist es in städtischer Hand. Bis
1955 wird das Netz von
Gleichstrom auf
Drehstrom umgestellt und die Eigenstromerzeugung eingestellt.
1928/
1929 erhält Schüttorf eine städtische Wasserleitung. Ab dem
28. Dezember 1970 liefern die Stadtwerke auch
Erdgas. Heute sind auch das
Vechtebad und das Freibad in der Hand der Stadtwerke.
Medizinische Einrichtungen
Am
17. Oktober 1904 stiftete der Fabrikant Hermann Schlikker der Stadt 250.000 Goldmark für den Bau eines
Krankenhauses. Das
Krankenhaus Annaheim mit 40 Betten wurde
1907 eröffnet. Es wurde nach Schlikkers verstorbener Frau benannt. In den
80er Jahren wurde ein
Pflegeheim der evangelisch-reformierten Kirche an das Krankenhaus angegliedert. Das Krankenhaus konnte jedoch nie wirtschaftlich arbeiten und wurde
1996 geschlossen. In dem Gebäude entstand ein Pflegezentrum, zu dem auch medizinische und
physiotherapeutische Praxen gehören. Heute praktizieren in Schüttorf neun
Ärzte, zwei
Tierärzte und sechs
Zahnärzte.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Schüttrupper Platt
In Schüttorf wird traditionell ein
plattdeutscher Dialekt, das
Schüttrupper Platt gesprochen. Man ist sehr bemüht, diesen
Dialekt zu erhalten. Es gibt eine plattdeutsche Theatergruppe, der Dialekt wird an der
Grundschule gelehrt und es erscheinen auch Literatur oder Zeitungsartikel in diesem Dialekt.
Bauwerke
Schüttorf Market and City Hall.jpg |
Schüttorf Villa Schlikker.jpg
Neben der
großen Kirche (Evangelisch-reformierte Kirche St. Laurentius) ist vor allem das
Rathaus sehenswert, ein zweigeschossiger Quaderbau aus Bentheimer Sandstein mit
Staffelgiebel aus dem
15. Jahrhundert, in das die Schüttorfer -
Elle eingelassen ist, eine 68 cm Metallstange, die zur
Eichung diente. Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus befindet sich eine Bronzestatue einer Frau, die zwei Ziegen führt. Direkt neben dem Rathaus steht die katholische Kirche. Hinter der Kirchschule findet sich die alte Fürstliche Wassermühle aus dem Jahr
1914, sie ist die einzige erhaltene Mühle, von einst vielen Mühlen, in Schüttorf und liegt am
Mühlenkolk umgeben von alten
Trauerweiden.
In Schüttorf gibt es auch eine Vielzahl sehenswerter Wohnbauten. Ursprünglich waren eingeschossige Fachwerk-Dielenhäuser mit über Knaggen vorkragenden Giebeldreiecken vorherrschend, wie man sie heute noch zum Beispiel in Quakenbrück häufig antreffen kann. In Schüttorf wurden die Fassaden allerdings im 18. und 19. Jahrhundert vielfach massiv erneuert. Nach Abbrüchen sind nur noch wenige ältere Beispiele vorhanden. Zu erwähnen ist hier die Stadtapotheke, die ursprünglich aus zwei giebelständigen Einzelhäusern bestand, die um 1750 durch Vorblendung einer neuen Straßenfassade zusammengefasst wurden. Der rechte Bauteil ist bereits um 1645 entstanden. Viele alte Häuser befinden sich in der Steinstraße. Im Singel steht ein Fachwerk-Dielenhaus, das noch aus der Zeit um 1600 stammt.
Drei Villen sind besonders markant. Die Villa Remy in der Bentheimer Straße entstand 1906, sie wurde im Stil des Barockbaumeisters Johann Conrad Schlauns erbaut, obwohl Schlaun schon 1773 starb. Das Mansardenwalmdach verweist auch auf den Barock, während die Fassaden schon klassizistisch sind. Villa Rost in der Lehmkuhle, die heute auch die blaue Villa genannt wird, ist eine renovierte Villa aus dem Jahr 1902. Villa Schlikker in der Steinstraße war ein Geschenk des Fabrikanten Hermann ten Wolde an seine Tochter Ida und seinen Schwiegesohn im Jahr 1903. Dieses Haus steht insbesondere wegen seiner reichen Innenraumgestaltung im Jugendstil unter Denkmalschutz.
Theater
In Schüttorf ist das
Theater der Obergrafschaft (
7) beheimatet, das seit 1975 besteht. Hier finden etwa zweimal im Monat Vorführungen statt. Dazu werden sowohl bekannte Künstler eingeladen, als auch Stücke von Schüttorfern eingeübt und gespielt.
Sport und Freizeit
In Schüttorf gibt es zwei öffentliche
Bäder, das
Vechtebad, ein
Hallenbad, und ein
1935 gegründetes und
1997 saniertes
Freibad aber auch der
Quendorfer See als
Badesee ermöglicht es zu
Baden oder zu
Schwimmen. Der
FC Schüttorf 09 bietet ein breites Sportangebot mit insgesamt neun Abteilungen, die
Fußballabteilung des FC 09 spielt in der
Niedersachsenliga-West. Der bekannteste Spieler des FC war
Simon Cziommer, der inzwischen beim
FC Schalke 04 spielt, bis Ende Juni 2006 aber an
Roda JC Kerkrade ausgeliehen ist. Ein reiner, wenn auch kleinerer Fußballverein ist der
SC Borussia 26 Schüttorf. Der
TC Schüttorf 85 verfügt über eine eigene
Tennishalle und Tennisplätze. Die
Reitsportgemeinschaft Schüttorf e.V. betreibt
Dressur- und
Springreiten. Ein anderer großer Sportverein ist der
Sportfischerverein Schüttorf e. V. mit etwa 760
Sportfischern als Mitgliedern.
Insgesamt verfügt Schüttorf über vier Sporthallen, drei Sportplätze, eine Reithalle, eine Tennisanlage, einen Bolzplatz und insgesamt neun Kinderspielplätze. Eine andere beliebte Sportart, vor allem in der kalten Jahreszeit ist das Kloatsheeten, es gibt eine Vielzahl kleinerer privater Klubs, die vor allem im Januar beim Spiel auf den Straßen anzutreffen sind.
Schüttorf verfügt über ein Unabhängiges Jugendzentrum KOMPLEX Schüttorf e. V., dort treffen sich nicht nur Jugendliche sondern es finden auch immer wieder Konzerte statt und es gibt verschiedene Projekte und Arbeitsgemeinschaften für Jugendliche. Der CVJM unterhält in Schüttorf ein Jugendcafé. Es gibt eine Ortsfeuerwehr und eine Jugendfeuerwehr. Darüberhinaus finden sich in Schüttorf drei Brieftaubenzuchtvereine, und andere Kleintierzuchtvereine, es gibt vier Gesangvereine, fünf Musikvereine und einige andere Vereine und Gemeinschaften.
Regelmäßige Veranstaltungen
Eine bedeutende überregional weit bekannte regelmäßige Veranstaltung war das
Schüttorf Open Air. Bis
1994 fand dieses Open Air regelmäßig jedes Jahr auf den Vechtewiesen in Schüttorf statt. Bekannte Bands waren zum Beispiel
Midnight Oil und
Whitesnake. Auch
Frank Zappa,
Rod Stewart, die
Simple Minds,
David Bowie,
BBM oder
Die Toten Hosen traten in Schüttorf auf. Zunehmend strengere Auflagen der Stadtverwaltung und des Bauamtes erschwerten die Ausrichtung des Festivals. Als diese nahezu unmöglich geworden war, fand 1994 ein zweites Festival unter dem Namen Schüttorf Open Air bei
Bad Bentheim-
Gildehaus statt.
1995 gab es dann noch einmal ein Schüttorf Open Air bei Gildehaus, auf dem die
Rolling Stones auftraten. Seitdem existiert dieses Festival nicht mehr und auch der Versuch, es
2004 wiederauferstehen zu lassen, scheiterte. Parallel hat sich in den letzten Jahren das Komplex Open Air in Schüttorf entwickelt. Organisiert von der
Konzertinitative Zikadumda des Jugendzentrums
Komplex. Bisher spielten dort namhafte Bands wie
Blackmail oder
4Lyn, aber auch lokale Gruppen konnten dort Auftritte verbuchen.
Des Weiteren gibt es in Schüttorf drei jährlich stattfindende Schützenfeste verschiedener Schützenvereine – das Bürger-Schützenfest, das Gilde-Schützenfest und das Adler-Schützenfest.Es gibt es eine Sommer- und eine Herbstkirmes. An jedem Samstag ist in Schüttorf seit 1984 Wochenmarkt.
Kulinarische Spezialitäten
In Schüttorf wird wie in den meisten ländlichen Gegenden Norddeutschlands eher deftig gegessen. Es ist weit verbreitet, selbst zubereitete
Hausmannskost zu essen. Die typischen Gerichte des Nordens werden auch hier gegessen, die beliebteste Beilage ist die
Kartoffel.
Eine regionale Spezialität Bentheims sind die Bentheimer Moppen. Dabei handelt sich um eine besondere Art von Keksen, die vor allem zur Weihnachtszeit gegessen werden. Sie enthalten sehr viel Kümmel, so dass der Geschmack von dem gewöhnlicher Weihnachtsplätzchen stark abweicht.
„Schümers Korn“ darf, obwohl in der Nachbargemeinde Salzbergen gebrannt, auch als Schüttorfer Spezialität gelten. Die Brennerei Schümer war zunächst in der Innenstadt ansässig und durfte auf Geheiß des Bentheimer Grafen keine eigene Mühle bauen, da der Wind über dem Land Eigentum des Landesherren war. Schümer zog direkt vor die Gemeindegrenzen und betrieb seine dort neu errichtete Mühle dennoch mit „gräflichem Wind“.
Ein Brauch der in Schüttorf und in der Grafschaft gepflegt wird ist das Weggenbringen. Wird in einer Familie ein Kind geboren, bringen die Nachbarn und Freunde einen Weggen, ein oft bis zu zwei Meter langes Rosinenbrot, das auf einer Leiter getragen wird.
Liedgut und Lyrik
In den
20er Jahren dichtete der Schüttorfer Schuhmacher Fritz Lübke ein Lied auf die Stadt, das sich schnell großer Beliebtheit erfreute und in Schüttorf gesungen wurde. Heute kennen nur noch die älteren Bewohner das Lied, dem Lübke den Namen „
Mein Schüttorf“ gab.
|
| Durch der Grafschaft grüne Fluren,
Fließt der Vechte silbern’ Band.
Flüstert leis’ in alten Sagen,
Vom Gescheh’n an früheren Tagen,
Von daheim und Vaterland.
| Ob vorbei die alten Zeiten,
Schüttorf bleibt sich ewig treu.
Arbeit schaffen fleiß’ge Hände,
Einig sind sich alle Stände,
Schätzend beides: Alt und Neu.
| Mag’s auch schön’re Städte geben,
Schüttorf ist mein Heimatort,
Nur für Schüttorf woll’n wir leben,
Seinem Wohl gilt unser Streben,
— Schüttorf, dauere immerfort! —
Bekannt ist auch das alte Gedicht: Die gläserne Kutsche. Es erzählt von einer gläsernen Kutsche die von vier schwarzen, feuerschnaubenden Hengsten jedes Jahr zur St. Johannesnacht durch Schüttorf gezogen wird:
|
| De Wiewe, de fröger dat Labben nich löten,
de kwammen in de Glaskutsch met Handen und Vöten.
Tot Spott van Alle. In de Süntjannsnacht wörden se
döör de Stroaten van Schüttrup bracht.
| (Die Weiber, die das Tratschen nicht lassen konnten,
die kamen in die Glaskutsche mit Händen und Füßen.
Zum Spott von Allen. In der Johannisnacht werden sie
durch die Straßen von Schüttorf gebracht.)
Bildung
In Schüttorf gibt es neben einem Schulkindergarten, einen kommunalen
Kindergarten sowie zwei Kindergärten in Trägerschaft der evangelisch-reformierten Kirche und einen des
Deutschen Roten Kreuzes. Es gibt drei
Grundschulen, eine
Hauptschule, eine
Realschule und eine 2004 wieder durch das Land Niedersachsen abgeschaffte
Orientierungsstufe.
Die älteste Schüttorfer Schule ist die Kirchschule oder Evangelische Volksschule Schüttorf aus dem Jahr 1608. Die damals als Lateinschule gegründete Schule bietet heute Raum für 600 Grundschüler. Auf eine Schulgründung im Jahr 1712 geht die Katholische Volksschule Schüttorf der katholischen Gemeinde zurück, es ist heute die kleinste Grundschule Schüttorfs mit Platz für etwa 200 Schüler. Die größe Grundschule ist die 1970 gegründete städtische Grundschule auf dem Süsteresch.
1955 erhielt Schüttorf die Erich-Kästner-Schule, eine Schule für Lernbehinderte. Die Hauptschule wurde 1967 gegründet, die Realschule hat sich aus der alten Volksschule entwickelt. Junge Schüttorfer, die das Gymnasium besuchen wollen, haben die Möglichkeit, als Fahrschüler auf eines der umliegenden Gymnasien, vor allem das Burggymnasium Bad Bentheim, das städtische Gymnasium in Ochtrup, das Gymnasium Rheine oder das private Missionsgymnasium St. Antonius in Bardel auszuweichen. (vgl. 8)
Persönlichkeiten
Ehrenbürger
Der erste und bisher einzige Ehrenbürger der Stadt Schüttorf ist der erste Berufsbürgermeister der Stadt sowie spätere
Landrat der
Grafschaft Bentheim Dr. Franz Scheurmann (*
8. Mai 1892 in
Berlin, †
3. Oktober 1964 in
Nordhorn), dem die Ehrenbürgerwürde am
8. Mai 1962 verliehen wurde. Im Mai
1957 erhielt er zusätzlich das
Bundesverdienstkreuz am Bande und seit
1966 ist der Dr. Scheurmann-Platz in Schüttorf nach ihm benannt. Scheurmann setzte sich in seiner Amtszeit vor allem für das Stadtarchiv ein, und trug zahlreiche alte Dokumente und geschichtliche Zeugnisse zusammen, die er in zahlreichen Abhandlungen über Schüttorf veröffentlichte. (vgl.
9)
Söhne und Töchter der Stadt
Die folgende Übersicht enthält bedeutende in Schüttorf geborene Persönlichkeiten chronologisch aufgelistet nach dem Geburtsjahr. Ob die Personen ihren späteren Wirkungskreis in Schüttorf hatten oder nicht, ist dabei unerheblich. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
- 1425, Johan van den Mynnesten, deutsch-Niederländischer Maler und Kupferstecher
- 1826, 13. Dezember, Johann Hermann Julius Maekel, deutscher Portrait- und Landschaftsmaler
- 1912, 2. Februar, Hans Leussink, deutscher Bundesminister für Bildung und Wissenschaft (1969–1972)
- 1980, 6. November, Simon Cziommer, deutscher Fussballspieler
Literatur
- Hrsg. Stadt Schüttorf: 700 Jahre Stadt Schüttorf – Beiträge zur Geschichte – 1295–1995. Druckerei Hellendoorn, Schüttorf 1995, ISBN 3-922428-39-8
- Rainer Lahmann-Lammert und Michael Munch: Hinter jedem Stein eine Geschichte – Auf Spurensuche in Schüttorf. Lechte Druck, Emsdetten
- Hermann Harmsen: 1111 plattdütsche Spröckskes up Schüttrupper Platt. Schüttorf 2000
- Herbert Wagner: Die Gestapo war nicht allein... Politische Sozialkontrolle und Staatsterror im deutsch - niederländischen Grenzgebiet 1929 - 1945. LIT-Verlag, Münster 2004.
- Heinrich Specht (Hrsg.): Die gläserne Kutsche, Bentheimer Sagen, Erzählungen und Schwänke. Heimatverein der Grafschaft, 1967.
Quellen
- Sofie Meysel: Die Naturräumlichen Einheiten auf Blatt 83/84 Osnabrück-Bentheim. Bundesanstalt für Landeskunde und Raumforschung, Bonn-Bad Godesberg 1961
- Hermann Abels: Die Ortsnamen des Emslandes in ihrer sprachlichen und kulturgeschichtlichen Bedeutung. Schöningh, Paderborn 1927
- studiengesellschaft-emsland-bentheim.de Biographie von Johann Wenning
- bautz.de Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon Biographie von Friedrich Middendorff
- studiengesellschaft-emsland-bentheim.de Biographie von Gerhard Schlikker und Geschichte der Schüttorfer Textilindustrie
- schuettorf.de Schüttorfer Branchenverzeichnis
- theater-der-obergrafschaft.de Homepage des Theaters der Obergrafschaft Schüttorf
- gbiu.de Schüttorfer Schulgeschichte
- studiengesellschaft-emsland-bentheim.de Biographie von Dr. Scheuermann
Weblinks
Ort in Niedersachsen | Grafschaft Bentheim
Schüttorf