Unter Schätzung versteht man die genäherte Bestimmung von Zahlenwerten, Größen oder Parametern durch Augenschein, Erfahrung oder statistisch-mathematische Methoden.
Das Ergebnis einer Schätzung weicht im Regelfall vom "wahren Wert" ab, wobei diese Abweichung - je nach Methode und Sachverhalt - meist von 10-100 Prozent bis herab zu einem Millionstel liegen kann.
Der "wahre Wert" lässt sich eigentlich nur bei zählbaren Größen feststellen. Dagegen ist jede Messung - in welchem Genauigkeitsbereich auch immer - mit unvermeidlichen kleinen Fehlern behaftet, sodass man nie wahre Werte erhält, sondern wahrscheinlich(st)e Werte.
Siehe auch: Überschlag, Standardabweichung
Statistische Schätzverfahren können eine sehr hohe Genauigkeit haben - etwa bei geodätischen Netzen (mm pro km) oder bei der Integrierten Navigation - und würden in der Alltagssprache eher als präzise Rechenmethode angesehen werden.
Genauer ausgedrückt, ist eine Schätzung die intuitive Zahlenangabe oder Bewertung von messbaren (meist physikalischen) oder zählbaren Größen. Sie wird meistens einer "genaueren" Bestimmung vorgezogen, weil deren Aufwand zu groß wäre oder der Schätzfehler in der Praxis bedeutungslos ist.
Einige Beispiele:
Ein häufiges umgangssprachliches Synonym für eine grobe intuitive Schätzung lautet "Pi mal Daumen", oder "über den Daumen gepeilt". Zur raschen Verbesserung solcher Vorgangsweisen gibt es für viele Bereiche sogenannte Faustformeln.
Wer als Fußgänger oder Radfahrer einen Autofahrer um Schätzung einer Wegzeit oder einer Entfernung ersucht, muss damit rechnen, auf kurze Distanzen bis zu fünfmal länger zu brauchen. Ab einigen Minuten Autofahrt sinkt dieser mögliche Fehler auf etwa 50 Prozent.
¹) Wenn man lange auf einer schrägen Fläche arbeitet oder wandert, kann man sich bei Schätzung der Horizontalen um 5-10 Grad irren. Erst wenn man sich um die eigene Achse dreht, reduziert sich dieser Fehler auf 2-3°.
Siehe auch: Daumensprung
Und hier die heutige Preisfrage: Auf wen bezieht sich folgender Paragraph ?
Seine Ortungen unterwegs beruhten auf der "Koppelnavigation" mit Schätzung von Kurs und Geschwindigkeit. Letztere schaffte er - hauptsächlich durch langjährige Erfahrung als Seemann - auf 5-10%, auch ohne jeglichen Anhaltspunkt. Die mittleren Fehler der damals verfügbaren Loggen mit Leine und Sanduhr waren eher größer.
Ein anderes Beispiel sind komplizierte oder vernetzte Messungen. Im Regelfall kommt es dem Auftraggeber auf ein Ergebnis an, das eine bestimmte Genauigkeit und Verlässlichkeit garantiert. Am wirtschaftlichsten wäre, die dazu nötigen Detailarbeiten mit Methoden strenger Statistik zu ermitteln. Erfahrene Ingenieure planen jedoch mehr Messreihen, um gewissen Eventualitäten begegnen zu können. Wieviel Mehraufwand "zur Sicherheit" eingebaut wird, ist teilweise persönlich gefärbt.
Viele Entscheidungen in Unternehmen und in Projekten fallen weniger aufgrund genau kalkulierbarer Kennwerte, als vielmehr nach Erfahrung, Erwartungshaltungen, grober Verlaufsschätzung oder der Befragung nur weniger Personen.
Dennoch ist z.B. die "Delphi-Methode" (referierte Befragung von Fachleuten) ein allgemein anerkanntes Mittel, um Zukunftsentwicklungen anzuschätzen.
siehe auch: Ausgleichsrechnung, Immobilienschätzung, Gefühl
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