Der Schönbuch ist ein 15.600 ha großes Waldgebiet südwestlich von Stuttgart bzw. nördlich von Tübingen. Er wurde 1972 zum ersten Naturpark in Baden-Württemberg erklärt. Bebenhausen-um-1900.jpg]]
Der Schönbuch ist im Westen durch das obere Gäu, im Norden durch die Filder und im Süden und Osten durch den Neckar begrenzt. Der größte Teil des bewaldeten Gebietes des Schönbuch ist heute als Naturpark unter Schutz gestellt. Die Gebiete außerhalb des Naturparks sind Siedlungsgebiete entlang des Neckars und die Schönbuchlichtung. Nordöstlich schließt sich das Siebenmühlental an.
Der Schönbuch steigt von Norden aus der Filderebene sanft an und fällt nach Süden zum Neckartal teilweise sehr schroff ab. Die Ausdehnung beträgt etwa 10 km in Nord-Süd- sowie 25 km in Ost-West-Richtung. Der Schönbuch liegt zu großen Teilen im Landkreis Böblingen und im Landkreis Tübingen und zu einem kleinen Teil im Landkreis Reutlingen und im Landkreis Esslingen. Er ist ein wichtiges Naherholungsgebiet für die Region Stuttgart.
Der Schönbuch wird von den beiden Bundesstraßen B 27 und B 464 in Nord-Süd-Richtung durchzogen. Die Autobahn A 81 Stuttgart-Singen unterquert im Schönbuchtunnel den Kamm des Schönbuch. Etwa parallel zur A81 verläuft die Eisenbahnstrecke Stuttgart-Singen, die Gäubahn, die damit ungefähr die westliche Begrenzung des Schönbuch bildet. Von Böblingen aus erschließt die Schönbuchbahn unmittelbar das Gebiet.
Der Naturpark Schönbuch besteht zu 86% aus Wald, zu 13% aus landwirtschaftlichen Flächen. Wasser, Straßen und Siedlungsflächen nehmen 1% der Parkfläche ein.
Der Begriff Schönbuch wird erstmals 1187 unter dem Namen "Schainbuoch" bzw. "Schaienbuch" erwähnt. Bis heute ist allerdings nicht geklärt wie die Bezeichnung für den Wald zustande gekommen ist. Ab 1342 fällt der Schönbuch Stück für Stück an die Grafen von Württemberg.
Ein Jagdhaus der Württembergischen Könige zeugt davon, dass die Herrscher hier gerne Zeit abseits von Stuttgart verbrachten. 1893 jagte beispielsweise Wilhelm II. von Württemberg zusammen mit Kaiser Wilhelm II. | Schoenbuch-mahneiche01.jpg | Schoenbuch-mahneiche02.jpg Als in Stuttgart die Planungen für einen neuen Flughafen liefen, war der Schönbuch ein Standort der engeren Wahl. Proteste gegen die Zerstörung dieses Waldgebietes haben 1972 zur Gründung des Naturparks geführt. Ausschlaggebend dafür, dass der Flughafen letztlich nicht im Schönbuch gebaut wurde, waren aber ebenso wirtschaftliche Gründe: Dass zum Bau einer 4000 Meter langen Start- und Landebahn gigantische Erdbewegungen erforderlich gewesen wären, war von Anfang an klar. Geologische Gutachten ergaben jedoch, dass auch gigantische Mengen Stahlbeton nötig gewesen wären, um dem bröckeligen Keupergestein des Schönbuch die erforderliche Stabilität und Belastbarkeit auf absehbare Zeit zu verschaffen. Man entschied sich dafür, den bestehenden Flughafen Leinfelden-Echterdingen auf der Filderebene auszubauen. Zur Erinnerung an diese Ereignisse steht im Kirnbachtal die ca. 350 Jahre alte Mahneiche.
Die wichtigsten Wasserläufe sind der große Goldersbach, der aus Lindach und Fischbach gespeist wird und bei Bebenhausen den Schönbuch in Richtung Tübingen und Neckar verlässt, dessen Zuflüsse kleiner Goldersbach und Kirnbach sowie der Arenbach, die Schaich und an der Nordostgrenze des Naturparks die Aich.
Gut ein Viertel der Fläche des Naturparks, etwa 4.000 ha im zentralen Schönbuch ist eingezäunt und dient als Rotwildreservat. Nach Angaben der Forstverwaltung lebt darin eine Population von 120 - 150 Hirschen, mehrere Gebiete sind als Wildruhezonen ausgewiesen, die nicht betreten werden dürfen. Um Hirsche zu sehen, braucht es Ortskenntnis und viel Geduld. Für die Ungeduldigen gibt es deshalb mehrere Schaugehege in denen Rotwild, Damhirsche, Mufflons und Wildschweine zu sehen sind.
An schönen Sommerwochenenden besuchen mehr als 100.000 Gäste täglich den Naturpark, die den Schönbuch spazierend, wandernd oder Rad fahrend durchstreifen. Einkehrmöglichkeiten im Wald bieten einmal die "Burg Hohenentringen" und die "Weiler Hütte" an. Beide Restaurants bzw. Biergärten sind das ganze Jahr über bewirtschaftet, im Sommer mit längeren Öffnungszeiten. Daneben gibt es auch in Bebenhausen Gaststätten.
Mit einem komfortablen und gut beschilderten Wegesystem versucht die Forstverwaltung den Besucherstrom zu kanalisieren, so dass die Menschen die Natur genießen können ohne sie über Gebühr zu strapazieren. Sportbegeisterte können sich trimmen, Kulturinteressierte können den Lehrpfaden folgend nach Spuren der Römer forschen. Auch gibt es geologische und forstliche Lehrpfade. 84 Feuerstellen laden zum Verweilen ein; innerhalb des Naturparks gibt es keine Gaststätten, Selbstversorgung ist angesagt. Die 38 Spielplätze sind Attraktion für die Kinder. 75 Hütten bieten Schutz vor Regen und Sturm; 38 Brunnen und Wasserstellen erfrischen müde Wanderer. Vergeblich sucht man indessen Abfalleimer im Naturpark. Da der zurückgelassene Müll der jährlich 4 Millionen Erholungssuchenden zum ökologischen und finanziellen Problem geworden war, ließ die Naturparkverwaltung vor einiger Zeit sämtliche Abfallbehälter abmontieren. Die erfolgreiche Aktion trägt das Motto: "Nimm die Erinnerung mit ... und den Abfall!"
Anrainerorte sind: Walddorfhäslach, Tübingen, Ammerbuch, Herrenberg, Nufringen, Gärtringen, Ehningen, Schlaitdorf, Aichtal-Neuenhaus, die Orte auf der Schönbuchlichtung sowie Bebenhausen als einziger Ort im Naturpark.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde großflächig nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten mit Nadelhölzern aufgeforstet. Der Schönbuch wurde und wird wohl auch noch immer für forstliche Versuche genutzt. Neben den heimischen Baumarten sind allerlei Exoten zu finden. Es gibt vereinzelte Mammutbäume, geschlossene Bestände von Douglasien, außerdem Weymouthskiefern, koreanische und japanische Lärchen, Zucker-Ahorn, Robinien und Roteichen aus Nordamerika.
Die Waldzusammensetzung heute: Mit 56% überwiegen die Nadelbaumarten, die sich in 34% Fichte, 1% Tanne, 21% Kiefern und Lärchen aufteilen. Die Laubbaumarten sind Buche 24%, Eiche 16% und 4% andere Laubbäume.
Im Schönbuch überwiegt mit 63% der Staatswald, der den zentralen Bereich bildet. 34% Gemeindewald und 3% Privatbesitz konzentrieren sich auf die Randbereiche.
Seit der Schönbuch zum Naturpark erklärt wurde, ist ein Funktionswandel zu beobachten. Die Rohstoffproduktion ist an die zweite Stelle gerückt, zugunsten der Nutzung als Naherholungsgebiet für die gesamte Region mittlerer Neckar. Das erklärte Ziel der Forstverwaltung ist es, auf lange Sicht die Nadelbäume zu Gunsten der Laubbäume zurückzudrängen.
Die großen Windwurfflächen der Stürme Wiebke und Lothar wurden fast ausschließlich mit Eichen bepflanzt. Hier ist allerdings zu fragen, ob da nicht die Probleme der Zukunft angepflanzt wurden. Monokulturen sind problematisch, egal wie die Baumart heißt.
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