Mischbrot-1.jpg Sauerteig ist ein Teig zur Herstellung von Backwaren aus Wasser und Mehl, der zeitweilig oder dauerhaft mittels Milchsäure- oder Essigsäurebakterien und Hefen in Gärung gehalten wird.
Sauerteig wurde in der Vergangenheit als Triebmittel zur Lockerung von Backwerk aus Roggenteig verwendet und wird benötigt, um Roggenteig backfähig zu machen.
Seit Anfang des 19. Jahrhunderts hat sich seine Begrifflichkeit geändert. Bäcker verwenden den Begriff Sauer(teig) in Verbindung mit Roggenteigen, Weizenteige werden seit etwa 1910 zunehmend, seit den späten 50er Jahren nahezu ausschließlich mit Hefe verbacken. Neuerdings werden aber auch wieder Sauerteige für Weizenmehl, Dinkel etc. verwendet, welche selbst gezogen werden oder aus Reinzuchtsauer stammen.
Technisch sollen Hefen für den Trieb (Lockerung) gezogen werden. Grundsätzlich kann jedes Getreide versäuert werden, was aber nur bei Brotgetreide, also Roggen- und Weizenmehl, in Europa praktiziert wird.
Der Weizensauer ist wieder weit verbreitet. Gebäcke aus Weizensauer haben ein besonders gutes Aroma. Grundsätzlich können diese Gebäcke mit einfacher Bäckerhefe gefertigt werden. Einige traditionelle Gebäckformen mit Weizensauerteig sind Ciabatta oder Panettone.
Sehr weit verbreitet ist das Gären- und Gehenlassen der Brotteige in Ecuador (Gerstenküchlein und Mais-Fladen) und Mittelafrika (Hirsefladen, Teff-Brot).
Weitere Teigführungensarten, die per Definition den Sauerteigen zugerechnet werden müssen sind Backferment und Honig-Salz.
Erwähnt wurde Sauerteigbrot aber zum Auszug der Israeliten aus Ägypten in der Zeit 1400-1200 v. Chr. in der Bibel (2. Mose 12, 8: "...das Fleisch aber sollen sie in der selben Nacht noch essen; am Feuer gebraten sollen sie es essen, und ungesäuertes Brot mit herben und bitteren Kräutern dazu."). Das hier erwähnte "ungesäuerte" Brot ist das traditionelle Fladenbrot (Maze, dass heute noch im Judentum zu Pessach verzehrt wird), welches nicht aus Sauerteig hergestellt und gebacken wird. Die Tatsache, dass auf "ungesäuertes Brot" hingewiesen wurde, ist als Beweis zu werten, dass ansonsten gesäuertes und damit getriebenes Brot verwendet wurde.
Schon die Ägypter kultivierten Hefe und ersetzten den Weizensauer durch die erste bekannte Bäckerhefe. Das Bäckerhandwerk war lange den Brauern und Schnapsbrennern verbunden, die lieferten ihnen die erste Hefe. Ein Abfallprodukt, welches aber nicht die guten Backergebnis lieferte, wie sie heute Standard sind.
In Europa sind die ersten Züchtungen um 1700 bekannt. 1737 gründete R. Moormann in Werne eine Firma, die Backhefe produzierte. In Deutschland wurden um 1900 Fabriken aufgebaut, die Bäckerhefe produzierten. Auftrieb brachte der Entwicklung der Bäckerhefe die Kühlmaschinen des Carl von Linde. Die Brauer stiegen nach 1877 von obergärigem zu untergärigem Bier um. Dies war nur durch Kühlung möglich, wobei aber keine brauchbare Hefe für die Bäckereien mehr anfiel. Zwangsweise wurde damit die Entwicklung von Hefe gefördert. Die Hefen der Brauer und Brenner war von schlechter Qualität. Der Stamm Saccharomyces cerevisiae wurde gezielt selektiert und produziert, da mit dieser Hefe hervorragende Backergebnisse erzielt wurden.
Die zunehmende Industrialisierung machte preiswertes Brot in größeren Mengen erforderlich. Von da an verdrängte die Bäckerhefe das alte Verfahren des Weizensauers vollkommen. Schon um 1910 war die Verwendung von Weizensauer die Ausnahme, wobei anzunehmen ist, dass er lange vorher keine nennenswerte Bedeutung hatte. Nur in Krisenzeiten (während und nach den Weltkriegen) wurde in der Mangelwirtschaft Weizensauer verwendet. In den Alpenregionen setzte sich die Hefe aber nur langsam durch. Dort war (ist?) Weizensauer noch lange gebräuchlich.
Roggensauer wurde ebenfalls um 1900 erstmalig durch Zitronensäure ersetzt. Die Backergebnisse waren aber bescheiden. 1930 brachte die Firma Ireks (Kulmbach) den ersten Fertigsauer auf den Markt. Natürlich blieb danach die Entwicklung nicht stehen. Unzählige Verfahren und Backmittel wurden entwickelt und laufend verbessert. Dabei sind die Übergänge zwischen reinem Sauerteig und reinem Backmittel fließend. Eine gängige Methode und relativ weit verbreitet ist die kombinierte Führung. Hier werden die Säuren im Sauerteig gebildet, Hefe aber zugegeben.
Zu Pessach ist alle Art von Sauerteig aus dem Haus zu verbannen. Die biblische Einsetzung des Pessach findet man in Ex 12,1-28. Die wichtigsten Anweisungen daraus lauten nach der Übersetzung der Lutherbibel von 1984:
Nur in Ausnahmen wird der heutige Sauerteig durch Spontangärung gewonnen. Problem bei der Spontangärung sind unerwünschte Fremdgärungen, die durch Schimmelpilze und Bakterien ausgelöst werden – es findet ein „Verdrängungswettbewerb“ statt. Da die Lebensbedingungen im Sauerteig-Ansatz für viele Arten von Mikroorganismen optimal sind, können sich auch die unerwünschten Mikroben gut entwickeln. Sie bekommen durch die Führung des Teiges zwar nicht die Oberhand, weil sie spätestens beim Backen abgetötet werden. Sie können aber unerwünschte Stoffwechsel-Produkte hinterlassen. Es muss daher auf ausreichende Hygiene geachtet werden, um die Kontaminierung gering zu halten und das Gesundheitsrisiko zu minimieren. Daher wird in Industrie und Handwerk vorwiegend industriell gezüchteter Reinzuchtsauer verwendet, der nur die gewünschten Säurebildner enthält.
Durch die Säuerung wird der pH-Wert im Teig schrittweise auf 4,0 bis 4,3 abgesenkt. Dabei laufen enzymatische Prozesse ab, mit denen Geruchs- und Geschmackstoffe entstehen, die den Charakter eines Brotes bestimmen. Außerdem werden bei der Reifung Vorprodukte für die Geschmacksbildung während des Backprozesses gebildet (Maillard-Reaktion). Die unterschiedlichen Mikroorganismen benötigen unterschiedliche Lebensbedingungen hinsichtlich Feuchtigkeit und Temperatur. Milchsäurebakterien entwickeln sich optimal bei 30–35 °C, dagegen Essigsäurebakterien optimal bei 20–25 °C und Hefen bei 24-26 °C.
Vor allem in Vollkornmehlen sind Pflanzenstoffe (v. a. Phytin) enthalten, die in der Natur dazu dienen, Fraßfeinde abzuwehren. Diese Fraßschutzstoffe machen sie aber auch für den Menschen schlecht verdaulich, da sie die Nährstoffresorption und die Bakterienflora im Darm stören. Während einer ca. zwanzigstündigen (Roggen)sauerteiggärung werden ungefähr 90 % dieser Fraßschutzstoffe abgebaut, was mehr als genug ist, um auch Vollkornbrot (für Gesunde) gut verdaulich zumachen. Dieser Vorgang darf aber nicht überbewertet werden, denn das Verfahren wird nur verwendet, um den Mirkroorganismen am Leben zu erhalten.
Nicht das gesamte Mehl wird versäuert, so dass nur ein kleiner Teil des Phytins abgebaut wird. Dieser Stoff befindet sich in der Schale des Getreidekornes, die zu den Ballaststoffen zählt. Ballaststoffe quellen im Magen auf und werden wieder ausgeschieden. Unklar ist auch, welcher Anteil dieses Stoffes beim Backprozess und durch die Magensäure zerstört wird. Man sollte sich vor Augen führen, dass die Menschen diese Stoffe zu sich nehmen, seit sie Sammler und Jäger sind und Samen verzehren. Dadurch ist anzunehmen, dass unser Körper mit diesen Stoffen fertig wird.
Die Essigsäure schließt Zellen auf. Dabei werden Aminosäuren frei, die das typische Sauerbrotaroma fördern.
Schon um 1730 wurde in Deutschland Hefe als Ersatz für den Weizensauer produziert. Um 1910 hatte sich die Bäckerhefe soweit durchgesetzt, dass Weizensauer in den Bäckereien nicht mehr gezogen wurde.
Während des Backens verkleistert die Stärke, wobei sie angelagertes und freies Wasser aufnimmt. Das Eiweiß gerinnt und gibt dabei Wasser ab. Dies ist bei alle Backvorgängen gleich. Jedoch sind in Roggenmehlen sehr aktive Amylasen tätig. Diese zerstören das durch verkleisterte Stärke und durch geronnenes Eiweiß geschaffene Teiggerüst. Die im Sauerteig gebildete Säure deaktiviert die Amylase und verhindert so den Stärkeabbau.
Der Begriff Kunstsauer(teig) wird zwar oft verwendet, ist sachlich aber falsch, denn ein Sauerteig besteht aus Mehl, Wasser sowie Milchäurebakterien und Hefen. Der sogenannte Kunstsauer ist kein Teig, sondern nur ein Teigsäuerungsmittel. Es gibt auch Backmittel, die z. B. aus einem echten Sauerteig gewonnen werden. Industriell wird ein Sauerteig gezogen, der anschließend getrocknet wird. Ergänzt wird diese direkte Führungsart dann oft durch einen Anteil eines Einstufensauers (Kombinierte Führung), was in allen Teilen ein recht gutes Brot ergibt.
Gerade in der Großproduktion wird heute bei der Herstellung von »Sauerteigbrot« noch bzw. wieder Natursauerteig verwendet, da dieser im Vergleich zu den Teigsäurungsmitteln etwas günstiger ist und geschmacklich bessere Ergebnisse liefert.
Im Bereich der Billig-Anbieter wird häufig aus Kostengründen auf natürlichen Sauerteig verzichtet. Merkmale sind: geringes Aroma, Brot schmeckt nur kurz frisch, geringe Lagerfähigkeit, schnelle Alterung. Echtes Sauerteigbrot hält sich mehrere Tage frisch und bleibt dabei aromatisch.
Dieses Backmittel wird vorwiegend in Fertigmehlen, besonders in Backmischungen für Backautomaten verwendet. In der kommerziellen Bäckerei wird dieses Backmittel weniger angewandt. Dort nimmt man in aller Regel Teigsäurungsmittel, z. B. Zitronensäure in Kombination mit Sauerteig, Sauerteigextrakte oder so genannten Reinzuchtsauer als Saatgut für die Heranbildung eines aromareichen Sauerteigs.
Die im Sauerteig entstehenden Säuren sind im wesentlichen Milch- und Essigsäure. Durch den fortlaufenden Stoffwechsel der Mikroorganismen und deren Vermehrung läuft eine "Säuerung" ab.
Sie ist erfassbar durch eine Säuregradbestimmung mit einem pH-Meter (Messgerät) und Natronlauge (in Stärke und Menge). Die Säuremenge drückt man durch den S° (Säuregrad) und die Säurestärke durch den pH-Wert aus.
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