Satyagraha ist eine von Mahatma Gandhi entworfene Strategie, die im Kern darauf beruht, die Vernunft und das Gewissen des Gegners anzusprechen durch
Hintergedanke ist, den Gegner "umzudrehen", ihn als Verbündeten und Freund für die eigene Sache zu gewinnen. Diese Strategie gründet sich auf die Idee, dass der Appell an Herz und Gewissen des Gegners effektiver ist als ein Appell, der sich auf Drohungen oder Gewalt stützt. Gewalt führt nach Gandhi - ggf. mit zeitlicher Verzögerung - nur zur Verdoppelung von Gewalt. Gewaltlosigkeit dagegen unterbricht die Gewaltspirale und ist in der Lage, den Gegner auf die eigene Seite zu ziehen (Gandhi, Non-Violent Resistance (Satyagraha), S. iii Editor's Note).
Gandhi sieht Satyagraha nicht als eine Waffe der Schwachen, sondern als eine Waffe der geistig Stärksten.
Der Begriff Satyagraha ist eine von Mahatma Gandhi erdachte Zusammensetzung zweier Begriffe:
Satyagraha bedeuted somit wörtlich an der Wahrheit festhalten, im übertragenen Sinne ist die Kraft der Wahrheit (truth force) gemeint.
Dies stellt eine im Hindi übliche Praxis der Erweiterung des Wortschatzes dar. Dieser Begriff sollte seinen Anhängern deutlich machen, um was es Mahatma Gandhi bei der Durchsetzung der Bürgerrechte von Indern in Südafrika ging. Das Wort satyagraha wurde in einem Preisausschreiben gefunden, da es im Hindi zu dieser Zeit keinen etablierten Begriff für diesen Zusammenhang gab.
Sein Neffe schlug „sadagraha“ (Festhalten am Guten) vor, Gandhi verbesserte es und machte „satyagraha“ daraus. „Festhalten an der Wahrheit" bedeute dieses Neuwort, das es zuvor in keiner indischen Sprache gab. Damit sollte die politische Praxis der bewussten Übertretung ungerechter Gesetze bezeichnet werden. Gandhi definiert den Ausdruck durch : "Sich an die Wahrheit halten, Kraft an Wahrheit, Kraft der Liebe, oder Kraft der Seele" und endlich: "Triumph der Wahrheit, Sieg der Wahrheit durch die Kräfte der Seele und der Liebe".
So nannte Gandhi seine Gefolgsleute auch satyagrahi, die durch ein gemeinschaftlich abgelegtes Gelübde zusammengehalten auf seinem Salzmarsch als Ausdruck zivilen Ungehorsams gegen das Salzmonopol der Briten, sowohl für die Kontrolle der Menschenmengen, wie auch für die entsprechende Propagandaarbeit geschult waren.
Im Westen wird satyagraha vielfach verwechselt mit Ahimsa (Gewaltfreiheit), einem anderen von Gandhi benutzten Sanskrit-Wort.
Satyagraha diente Gandhi zur Abgrenzung vom Begriff des Passiven Widerstands, den er als eine Waffe der Schwachen ansah. Passiver Widerstand vermied Gewaltanwendung lediglich mangels der Verfügbarkeit von Waffen für die Schwachen, schloss Gewalt jedoch nicht grundsätzlich aus.
Ziviler Ungehorsam ist nach Gandhi ein Teilbereich von Satyagraha, der vom Begriff her vermutlich auf Thoreau zurückgeht, und im Kern den Bruch unmoralischer Gesetze, insbesondere das Nichtzahlen von Steuern, vorsieht. Der Satyagrahi ruft die Sanktionen des ungerechten Gesetzes auf gewaltfreie Weise hervor und duldet in freundlicher Gesinnung etwa seine Inhaftierung.
Non-cooperation (dt.: Nicht-Zusammenarbeit) bezeichnet vor allem den Rückzug aus der Kooperation mit einem korrupten System. Non-cooperation schliesst Zivilen Ungehorsam im strengen oben beschriebenen Sinne aus und ist daher ein sicheres Mittel für die Massen.
= Prinzipien =
Nach Gandhi muss ein perfekter Satyagrahi ein nahezu, wenn nicht vollständig perfekter Mensch sein ( "A perfect Satyagrahi has to be almost, if not entirely, a perfect man." (Gandhi, Satyagraha, S. 35)).
Ein Gelübde abzulegen ist nach Gandhis Auffassung kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Ein Gelübde ist nach Gandhis Definition:
Um jeden Preis etwas tun, was man tun sollte.
Jemand, der sagt, er würde etwas tun "soweit möglich", verrät nach Gandhis Auffassung entweder seinen Stolz oder seine Schwäche. Etwas "soweit möglich" zu tun hieße danach, der ersten Versuchung zu erliegen. Man könne z.B. Wahrheit nicht "soweit möglich" beachten. (Gandhi, Satyagraha, S. 37)
Der Satyagraha-Kämpfer unterwirft sich folgenden Gelübden, die nach Gandhi zugleich das Fundament der Entwicklung geistig-seelischer Stärke darstellen:
Das Führungsprinzip der Satyagraha-Strategie ist Freiwilligkeit. Strikte Disziplin und Gehorsam basieren auf Freiwilligkeit und Überzeugung, so dass Führung ausschließlich auf der Charakterstärke und Pflichterfüllung der Führung, nicht auf Zwang beruht. Das Bindeglied zwischen Führung und Geführten ist Vertrauenswürdigkeit bzw. Vertrauen.
(Querverweis: eine interessante Querverbindung findet sich in der Managementliteratur. Stephen R. Covey schreibt in seinem Bestseller Die effektive Führungspersönlichkeit: Vertrauen als Führungsprinzip setzt Vertrauenswürdigkeit voraus. Vertrauenswürdigkeit entsteht durch Charakter und Kompetenz, siehe auch Führung).
= Methoden =
"Wenn Sie uns unsere Forderung nicht zugestehen, sollten wir nicht länger Ihre Petitions-Steller bleiben. Sie können uns nur so lange regieren, als wir die Regierten bleiben; wir sollten dann nicht länger irgendwelche Abmachungen mit ihnen haben oder halten." (Gandhi, Satyagraha, S. 14)
Die Menschen, die die Gesetze brechen, begegnen den Gesetzeshütern mit
= Weiterführende Hinweise =
Die Oper Satyagraha (1980) von Philip Glass handelt von der Zeit, die Gandhi in Südafrika verbrachte (1893-1914) und im Kampf um den "Black Act" das Konzept Satyagraha entwickelte und schließlich durch gewaltfreie Aktionen die Rücknahme des Gesetzes bewirkte.
Die Oper beginnt mit einer Einführung der Thematik im Rahmen einer Szene aus der Bagawadgita, das Sanskrit des Textes wird über das gesamte Werk beibehalten. Die drei Akte stehen jeweils unter einer spirituellen Leitfigur: Leo Tolstoi, mit dem Gandhi einen intensiven Schriftwechsel führte, Rabindranath Tagore, die einzige lebende moralische Autorität, die Gandhi anerkannte, und Martin Luther King Jr., der Gandhi des modernen Amerika. Damit sind auch drei Aspekte des Satyagraha thematisiert, die Verbindung von Politik und Spiritualität, die moralische Verantwortung des Individuums, sowie die Praxis der Gewaltfreiheit. "Tolstoi, Tagore und King repräsentieren die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Satyagraha." (Philip Glass).
"Satyagraha stellt einen gewaltigen Unterschied zum gewöhnlichen Opernspektakel dar. Es ist ein Werk, das ganz und gar auf einer moralischen, ja religiösen Ebene angesiedelt ist - mehr Ritual als Unterhaltung, mehr Mysterienspiel als Oper." (Zitat aus dem Beiheft zur CD)
Wertvorstellung | Opernstoff | Politik (Indien) | Frieden | Gewaltfreiheit | Tugend
Satyagraha | Satyagraha | Satyagraha | Satyagraha | 사티아그라하 | Satyagraha | Satyagraha
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Satyagraha".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world