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Sattelschlepper.jpg Im offiziellen Sprachgebrauch bezeichnet man ein Gespann aus Sattelzugmaschine (auch Sattelschlepper genannt) und Sattelauflieger (auch als Sattelaufleger, Sattelanhänger oder Trailer bezeichnet) als Sattelkraftfahrzeug. Die Bezeichnung Sattelzug für solche Fahrzeuge ist in Deutschland nur umgangssprachlich, in Österreich aber die gesetzliche Bezeichnung für die Kombination aus Sattelzugfahrzeug und Sattelanhänger.

Technik


Sattelzugmaschine

Sattelkupplung.JPG | Mercedes_Actros_1841L_Sattelschlepper.jpg

Bei einem Sattelkraftfahrzeug (in Österreich: bei einem Sattelzug) handelt es sich um die Kombination einer kurzen LKW-Zugmaschine (der sogenannten Sattelzugmaschine mit Fahrgestell, Vorder- und Hinterachse(n), Motor, Getriebe und als verbindendes Glied einer Sattelkupplung auf dem kurzen Rahmen über der einen oder den zwei Hinterachsen) mit einem Sattelanhänger.

Die Sattelzugmaschine ist ein von normalen LKW abgeleitetes Fahrzeug, das anstelle einer Ladefläche eine Sattelkupplung aufweist. Diese Sattelkupplung besteht aus einer Platte mit eingebautem Schließmechanismus, auf welcher der Sattelauflieger aufliegt und in die der Königszapfen des Sattelanhängers gekuppelt wird. Damit ist der Sattelanhänger mit der Sattelzugmaschine beweglich verbunden. Auf der Sattelkupplung sitzt mit seiner Sattelplatte und dem Königszapfen der Sattelauflieger. Eine Sattelzugmaschine hat im Regelfall ein kürzeres Fahrgestell als ein vergleichbarer LKW. Sattelzugmaschinen haben keine Ladefläche und stellen somit eine Sonderform des Lastkraftwagens dar, die gemäß Straßenverkehrsordnung und EU-Recht als Zugmaschine gilt.

Zum Zweck der Güterbeförderung sind stets Sattelzugmaschine und Sattelanhänger nötig. Der Sattelanhänger, ähnlich dem Anhänger, wird vom der Sattelzugmaschine mit der notwendigen Druckluft für die Bremsanlage und dem elektrischen Strom für die Fahrzeugbeleuchtung versorgt.

Alle namhaften Lkw-Hersteller haben Sattelzugmaschinen im Angebot.

Zum Fahren mit Sattelkraftfahrzeugen ist ein Führerschein mit der Klasse BE (bei Zugfahrzeugen bis 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht), C1E (bei Zugfahrzeugen bis 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht) oder CE (bei Zugfahrzeugen mit mehr als 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht) notwendig.

Sattelanhänger

MAN_16-230FS_Kippsattelzug.jpg | MAN_F2000_Evo_Gardinenplanensattelzug.jpg

Der Sattelauflieger ist eine Art langer „Anhänger“, der keine Vorderachse, jedoch ein bis drei (in Sonderfällen auch mehr) Hinterachsen hat, sowie vorn meist zusätzliche herabkurbelbare Stützen zum Auf- und Absatteln. Die Hinterachse(n) der Sattelzugmaschine ersetzen quasi die Vorderachse(n) des Sattelaufliegers. Während die Sattelzugmaschine sehr kurz gebaut ist, kann der Sattelanhänger dementsprechend länger sein. Der Sattelanhänger hat üblicherweise ein bis drei Achsen, die nicht angetrieben sind. Einzelne Achsen können wie beim LKW als Liftachse ausgebildet sein. Die Druckluftbremsen werden ähnlich einem LKW-Anhänger vom Zugfahrzeug aus über Schlauchleitungen betätigt. Die Last des Sattelanhängers wird nur zum Teil über die Räder direkt auf die Straße übertragen, einen erheblichen Teil trägt die Sattelzugmaschine über die Sattelkupplung.

Beim Absatteln wird der Sattelanhänger auf zwei Sattelstützen gestellt, die heruntergekurbelt werden. Man kann diese Stützen mit einer Kurbel über eine Zahnstange in der Höhe verstellen. Eine andere beliebte (und kraftsparende) Möglichkeit besteht darin, bei Zugfahrzeugen mit Luftfederung nach dem Absatteln das Sattelzugfahrzeug pneumatisch abzusenken und danach unter dem Sattelanhänger wegzufahren. Die Ausgestaltung der Ladefläche der Anhänger ist abhängig vom angestrebten Einsatz, es gibt unzählige Varianten, vom Sattelanhänger mit Kippeinrichtung über Gardinenplanenauflieger bis zum Containerchassis.

Einsatz


Da man mit einem Sattelkraftfahrzeug, wie man die ganze Einheit nennt, nicht so wendig ist wie mit einem einzelnen LKW, wird es hauptsächlich im Güterfernverkehr eingesetzt, insbesondere durch sein mögliches Gesamtgewicht von 44 t im Kombinierten Verkehr (in Österreich 38 t) mit ISO-Container. Im normalen Verkehr sind lediglich 40t Gesamtgewicht zugelassen. Im europäischen Fernverkehr werden üblicherweise zweiachsige Zugmaschinen mit dreiachsigen (davon häufig eine Liftachse) Aufliegern eingesetzt. Aber auch als Baustellenfahrzeug mit Muldenkipper trifft man Sattelkraftfahrzeuge immer öfter.

Für großvolumige Gütertransporte mit meist geringerer Nutzlast werden auch spezielle Sattelanhänger gebaut. Diese Mega-Trailer oder Jumbo-Trailer haben Räder mit geringerem Durchmesser. Dies ermöglicht eine Erhöhung der inneren Ladehöhe. Die kleineren Räder sind allerdings ein Nachteil im Fahrverhalten, und die Reifen werden früher abgefahren. In diesem Fall haben sowohl das Zugfahrzeug als auch der Sattelanhänger kleinere Räder. Es gibt aber auch eine Zwischenlösung, wo das Zugfahrzeug eine normalgroße Bereifung hat und der Auflieger eine Stufe auf der Ladefläche aufweist. Auf Grund seiner Form wird er auch ugs. als Schwanenhalsauflieger (engl.: Gooseneck Chassis) bezeichnet. Manche Auflieger weisen zusätzlich auch eine integrierte Hebebühne auf, damit der Auflieger auch von hinten normal beladen werden kann.

Vor- und Nachteile von Sattelkraftfahrzeugen


  • Vorteile:
    • Der Sattelanhänger kann einen sehr langen, bis zum Rahmen-Knick weitenteils ebenen durchgehenden Laderaum haben, der sich vergleichsweise preiswert bauen läßt.
    • flexibles System meist vieler preiswerter Sattelanhänger mitsamt weniger der (teuren) Sattelzugmaschinen;
    • einfacheres (Rückwärts-) Rangieren mit weniger komplexer Bewegungsmechanik als vergleichsweise beim Lastwagen mit Anhänger;
    • geringeres Rüst-/Leergewicht gegenüber Gliederzügen, bei gleichem zulässigem Gesamtgewicht.
    • die Sattelzugmaschine ohne Auflieger gilt als Zugmaschine. Zugmaschinen sind von den Sonn- und Feiertagsfahrverboten, die in einigen europäischen Staaten für Lkw gelten, ausgenommen, was es dem Fahrer ermöglicht, auch an Sonn- und Feiertagen mobil zu bleiben, und dem Spediteur, seinen Fuhrpark auch an Fahrverbotstagen zu disponieren.

  • Nachteile:
    • Eine Sattelzugmaschine für sich allein ist nutzlos ohne Sattelanhänger, ein LKW allein hingegen kann auch ohne Anhänger Güter transportieren.
    • teils problematisches Fahrverhalten von Sattelzugmaschinen ohne Auflieger;
    • Seitenwindgefährdung leerer, großflächiger Sattelanhänger;
    • schlechtere Traktion (zumeist nur eine Zugachse, bei Gliederzügen meist zwei)
    • höhere Reifenverschleiß insbesondere an Aufliegern ohne Nachlaufachsen
    • gefährliches Winterfahrverhalten, da sich bei der üblichen Zweiachssattelzugmaschine die Antriebsachse des Lastzuges hinter der Sattelkupplung und dem Königsbolzen (dem Zugpunkt des Sattelaufliegers) befindet. Auf glatten und nassen Straßen neigt die Hinterachse der Sattelzugmaschine daher dazu, seitlich auszubrechen und die eigene Sattelkupplung überholen zu wollen.
    • die Achslast (insbesondere der Antriebsachse der Zugmaschine) ist beim EURO-Sattelzug um 3 Tonnen höher als beim EURO-Gliederzug, was zu einem erhöhten Verschleiß der Straßen führt (Spurrillen), weshalb die Auslastung eines solchen Fahrzeuges über die in den EWR-Mitgliedsstaaten definierten national festgelegten maximalen Achslasten nicht immer möglich ist und bis zu 3 Tonnen Nutzlast kosten kann.

Siehe auch


Nutzfahrzeug | Güterverkehr | Automobilbauart

Sættevogn | Semi-trailer | Ajoneuvoyhdistelmä | סמי-טריילר | Ciągnik siodłowy

 

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