Das
Saterland (saterfriesisch:
Seelterlound) ist eine Gemeinde im
Landkreis Cloppenburg,
Niedersachsen. Hier lebt die kleinste anerkannte nationale
Minderheit Deutschlands - die
Saterfriesen.
Geografie
Geografische Lage
Das Saterland liegt im Dreieck
Leer,
Cloppenburg,
Oldenburg (Oldb.). Im Süden wird das Saterland vom
Küstenkanal begrenzt. Im Norden schließt es an die historische Landschaft
Ostfriesland an. Das Saterland wird von der
Sagter Ems von Süd nach Nord durchflossen.
Nachbargemeinden
Die Nachbargemeinden des Saterlandes im Uhrzeigersinn:
Gemeindegliederung
Vier bis dahin selbstständige Gemeinden wurden bei der Gebietsreform
1974 zur Großgemeinde Saterland zusammengefasst (in Klammern die saterfriesische Bezeichnung, welche sich auch auf den Ortsschildern findet) :
- Strücklingen (Strukelje), jetzt Saterland-Strücklingen, mit den Ortschaften Strücklingen-Ort, Bollingen I, Bollingen II, Utende, Wittensand und Bokelesch. Im Juni 2000 hatte Strücklingen 3270 Einwohner,
- Ramsloh (Roomelse), jetzt Saterland-Ramsloh, mit den Ortschaften Ramsloh-Ort, Ramsloh-Nord, Ramsloh-Ost, Hoheberg, Raake, Hollen, Hollen-Brand und Hollenermoor. Im Juni 2000 hatte Ramsloh 4275 Einwohner. Ramsloh ist heute Sitz der Gemeindeverwaltung des Saterlandes.
- Sedelsberg (Seedelsbierich), jetzt Saterland-Sedelsberg, mit den Ortschaften Sedelsberg-Ort, Kolonie, Hüllen I, Hüllen II, Fermesand und Heselberg. Im Juni 2000 hatte Sedelsberg 2767 Einwohner. Sedelberg gehört sprachgeschichtlich nicht zum Saterland und war bis zur Gebietsreform Ortsteil von Scharrel.
- Scharrel (Schäddel), jetzt Saterland-Scharrel, mit den Ortschaften Scharrel-Ort, Bätholt, Langhorst, Neuwall und Heselberg. Im Juni 2000 hatte Scharrel 2264 Einwohner.
Geschichte
Das Saterland liegt auf einer 15 km langen und 1-4 km breiten Sandinsel inmitten von Mooren. Dadurch war es lange Zeit sehr isoliert und bis ins
19. Jahrhundert hinein nur per Schiff über die
Sagter Ems zu erreichen. Zwischen
1100 und
1400 wurde es von Friesen aus
Ostfriesland besiedelt. Aufgrund dieser Isolation hat sich die eigene Sprache entwickelt.
Die
Saterfriesische Sprache ist ein
Dialekt der
Friesischen Sprache.
Das Saterland verfügte im Mittelalter über eine eigene Verfassung und eine eigene Gerichtsbarkeit. Möglich wurde dies durch Karl den Großen, der den Friesen einige Privilegien zusicherte. Das Saterland verfügte auch über weitere Freiheiten und war somit ein sehr unabhängiges Gebiet.
1803 wurde das Saterland von Herzogtum Oldenburg annektiert. 1934 wurde erstmals eine Gemeinde Saterland eingerichtet, zu der allerdings neben Ramsloh und Scharrel auch das heute zu Friesoythe zählende Neuscharrel gehörte. Am 1. März 1974 schließlich wurde im Zuge der kommunalen Gebietsreform die Gemeinde Saterland in ihrer heutigen Form geschaffen.
Die bis zur Gebietsreform 1974 3 selbstständigen Gemeinden sind Strücklingen, Ramsloh und Scharrel. Das Koloniegebiet Sedelsberg war Ortsteil von Scharrel und gehörte von der Sprache her nicht zum Saterland.
Bei der Zusammenlegung der 3 Hauptgemeinden ging es um die Verteilung der Schwerpunkte, Strücklingen sollte Geschäftsschwerpunkt werden, Ramsloh erhält die Grund- und Hauptschule mit Orientierungsschule und in Scharrel bleibt die Gemeindeverwaltung. Heute hat sich das ganze etwas gedreht, Strücklingen und Scharrel haben alle wichtigen Institutionen an Ramsloh abgegeben.
Politik
Gemeinderat
Der
Gemeinderat des Saterlandes setzt sich wie folgt zusammen:
Bürgermeister
- Bürgermeister: Hubert Frye (CDU)
- 1. stellv. Bürgermeisterin: Marianne Fugel
- 2. stellv. Bürgermeister: Wilhelm Tellmann
- 1. Gemeinderat: Eberhard Lüpkes
Wappen
Das Wappen zeigt
Karl den Großen, der den Friesen der Legende nach ihre weitreichenden
Freiheitsrechte zugesichert hatte. Es zeigt ihn in Rot auf einem goldenen Thronsessel als sitzende, jugendlich gelockte Königsfigur in blauem Gewand mit goldenem Saum, goldenem Überwurf und goldenen Schuhen, in der linken Hand ein goldenes
Zepter, in der erhobenen Rechten ein goldener
Reichsapfel. An den Thron gelehnt ist der Reichsschild, ein schwarzer Doppeladler in Gold.
Städtepartnerschaften
Sroda Slaska (früher Neumarkt in Schlesien, Polen)
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Marinesender DHO38 Längstwellensender der Marine.jpg in Ramsloh]]
In Saterland befindet sich auch der Sender
DHO38 der Bundesmarine. Seine 8 gegen Erde isolierten Sendemasten gehören mit einer Höhe von 352,8 Meter zu den höchsten Bauwerken in Deutschland.
Die Marinefunkstelle ist das höchste, allerdings nur für Soldaten, begehbare Bauwerke Westeuropas. Die acht 354 Meter hohen rot-weißen Masten sind bis zu einer Entfernung von mehr als 20 Kilometern zu sehen. Die besondere Leitfähigkeit des feuchten Moorbodens spielte bei der Standortwahl eine wichtige Rolle. Die Marinefunkstelle blieb lange Zeit aus militärischen Gründen ein weißer Fleck auf der Karte. Waren die Saterländer noch froh, dass sie 1973 einen an gleicher Stelle geplanten Bombenabwurfplatz verhindert hatten, ängstigt sie nun, das Bauwerk könne eine nicht ungefährliche Strahlenbelastung haben und in Kriegszeiten ein bevorzugtes Angriffsziel sein.
Die Sendemasten wurden fast stillschweigend akzeptiert. Gegen den Bombenabwurfplatz hingegen wurde kräftig demonstriert, jeder Bauer mit Trecker war auf der Straße.
Sport und Freizeit
- Freizeitbad Saterland in Ramsloh
- Badesee "Hollener See" in Hollen bei Ramsloh
- vier Sporthallen
- Skaterbahn
- Indoor-Kartbahn in Ramsloh
- Outdoor-Kartbahn in Ramsloh
- 13 Sportplätze
- drei Reithallen
- zwei Tennishallen
- Tennisplätze in Sedelsberg, Ramsloh und Strücklingen
Vereine
- 1.SV Scharrel e.V.
- SV Blau-Weiß Ramsloh e.V.
- STV Sedelsberg e.V.
- FC Sedelsberg e.V.
- TV Sedelsberg e.V.
- SV Strücklingen e.V.
- WSV Sagter Ems e.V.
- Tell Hollen
Regelmäßige Veranstaltungen
- Karneval mit Umzug in Ramsloh
- Schützenfeste in Strücklingen, Bollingen, Hollen, Scharrel und Sedelsberg
- Krammarkt in Ramsloh
- Weihnachtsmärkte in Strücklingen, Ramsloh, Scharrel und Sedelsberg
Kirchen, Freikirchen, Religionsgemeinschaften
Römisch-katholische Kirchengemeinden
- Kath. Pfarramt St. Georg, Strücklingen Tel 04498 921140
- Kaplanei St. Antonius, Bokelesch
- Kath. Pfarramt St. Jakobus, Ramsloh
- Kath. Pfarramt St. Peter und Paul, Scharrel
- Kath. Pfarramt St. Petrus Canisius, Sedelsberg
Evangelische Kirchengemeinden
- Ev.-luth. Pastorei, Sedelsberg
Freikirchen
Wirtschaft und Infrastruktur
Verkehr
Durch die Bundesstraßen
72,
401 und
438 ist es an das bundesweite Straßennetz angeschlossen. Durch das Saterland führt die
Eisenbahnstrecke
Westerstede -
Westerstede-Ocholt - Sedelsberg der
Emsländischen Eisenbahn. Auf ihr wird bereits seit langer Zeit nur noch Güterverkehr betrieben, außerdem verkehren hier Museumszüge.
Auf dem südlich angrenzenden Küstenkanal wird Binnenschifffahrt zwischen der Ems und der Hunte betrieben. Am Küstenkanal wird derzeit der so genannte c-Port errichtet, ein Industriepark und Hafen für die Region Oldenburger Münsterland.
Ansässige Unternehmen
- Claassen-Maschinenbau GmbH - Herstellung vom Metallformteilen
- EDCO Türen GmbH, Ramsloh
- HANSA - Ventilatoren und Maschinenbau - Neuman GmbH, Strücklingen
- KFM Kabelmaschinenfabrik Müller GmbH Ramsloh
- Kurre Spezialmaschinenbau GmbH, Ramsloh - Herstellung von Kabelfertigungsanlagen aller Art.
- Kurre Net & Web, Ramsloh - IT-Dienstleister
- Kutec Präzisionsschneidezentrum, Ramsloh - Laser- und Wasserstrahlschneidetechnik
- NOKA Holzverarbeitungs GmbH, Ramsloh
- Unland GmbH Sedelsberg - Hersteller für Gardinen und Stoffe
- Waskönig+Walter Kabel-Werk GmbH u. Co. KG, Ramsloh - Herstellung von Kabeln und Leitungen aller Art
Bildung
Das Saterland verfügt über vier
Grundschulen in Strücklingen, Ramsloh, Scharrel und Sedelsberg. Ein Schulzentrum mit
Hauptschule und
Realschule und befindet sich im Ortsteil Ramsloh. Das nächste
Gymnasium ist das
Albertus-Magnus-Gymnasium im etwa 20km entfernten
Friesoythe. Seit dem Schuljahr 2004/2005 hat dieses Gymnasium jedoch eine Außenstelle im Schulzentrum Saterland errichtet.
Literatur
- Das Saterland - Ein Streifzug durch die Geschichte, ISBN 3980172805
- Schrifttum über das Saterland, Autor: Hans Mahrenholtz, ISBN B0000BL91A
- Das Saterland und das Saterländische, Autor: Dieter Stellmacher, Verlag: Florian Isensee GmbH, ISBN 3895985678
- Reise durch Osnabrück und Niedermünster in das Saterland, Ostfriesland und Gröningen, Autor: J G Hoche, Verlag: Theodor Schuster, ISBN 3796301371
- Spurensuche im Saterland: Ein Lesebuch zur Geschichte einer Gemeinde friesischen Ursprungs im Oldenburger Land, Autorin: Hanne Klöver, Verlag: SKN Druck & Verlag GmbH & Co., ISBN 3928327321
Weblinks
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