Der semitische Herrscher Sargon von Akkad (ca. 2350-2279 v. Chr.) gilt als Gründer des Akkadischen Großreiches, nachdem es in Mesopotamien zur damaligen Zeit nur Stadtstaaten gab.
Leben
Seine Herkunft ist unklar. Als Geburtsort wird in Versionen des
Sargon-Mythos jedoch ein Ort namens
Azupiranu (
Safran-Stadt) am
Euphrat genannt. Er war Beamter in
Kisch, angeblich
Mundschenk des Königs
Ur-Zababa, bis er diesen entthronte und um
2334 v. Chr. Lugalzagisi von
Uruk bezwang, der zu diesem Zeitpunkt eine
hegemoniale Machtposition über die sumerischen Stadtstaaten innehatte, die er vereinigte und damit das
Akkadische Reich schuf. Er gründete in
Akkad, im äußersten Norden
Sumers, seine neue Hauptstadt und starb ca.
2279 v. Chr. Seine Gemahlin war
Tashlultum, über die außer ihrem Namen wenig bekannt ist. Der Name bedeutet übersetzt ungefähr "Ich nahm (sie/dich) als Beute", und laut einer Legende war Tashlultum ehedem die Gemahlin von Lugalzagesi. Obwohl dies eine stimmige Erklärung für die Namensbedeutung wäre, konnte der Wahrheitsgehalt dieser Legende bisher jedoch nicht bewiesen werden. Die sargonidische Dynastie (
Sargon, seine Söhne
Rimusch und
Manischtuschu, sein Enkel
Naram-Sin, sowie dessen Sohn
Scharkali-Scharri) herrschte bis
2193 v. Chr. Der Tod Scharkali-Scharris hinterließ ein Machtvakuum; es kam zum Bürgerkrieg zwischen vier "Königen", die Anspruch auf den akkadischen Thron erhoben, zu lokalen Aufständen und Einfällen der nomadischen
Gutäer, einem Volksstamm aus dem
Zagros-Gebirge, und der
Amoriter, einem
kanaanitischen Volksstamm. Das Ende der Dynastie Sargons leitete also auch den Niedergang des akkadischen Reiches selbst ein.
Herrschaft und Mythos
Sargon war kein legitimer König, weder durch Berufung eines Gottes noch durch Herkunft. Bereits der Name Sargon, akkadisch Scharrum-Kin/Scharrukin, was "legitimer Herrscher" bedeutet, weist durch die Betonung darauf hin, dass er nicht legitim war. Darum sorgte er dafür, dass um seine Person ein Mythos entstand, der seine Herrschaft rechtfertigte. Eine spätere assyrische Aufzeichnung aus der Tontafelbibliothek Assurbanipals (668-626 v. Chr.) berichtet:
- „Sarukken (= Sargon), der mächtige König von Akkad bin ich. Meine Mutter war eine Gottesherrin, meinen Vater kannte ich nicht, der Bruder meines Vaters wohnte im Gebirge. Es empfing mich die Mutter, die Gottesherrin, im geheimen gebar sie mich, setzte mich in ein Kästchen aus Schilf, mit Erdpech verschloß sie meine Tür, übergab mich dem Flusse; ohne über mich hinwegzugehen, hob mich der Fluß empor, zu Akki, dem Wassergießer (= Gärtner), brachte er mich. Akki, der Wassergießer, (nahm mich) zum Sohne (an). Akki, der Wassergießer, machte mich zu seinem Gärtner. Während ich Gärtner war, gewann mich Ischtar (= die Göttin) lieb, und ich übte die Königsherrschaft aus…“ .
Nach neuerer Lesart des Mythos:
- „Sargon, der starke König von Akkad bin ich … Mein Geburtsort ist Azupiranu, der am Euphratufer liegt. Meine Mutter, eine Hohepriesterin, wurde mit mir schwanger und gebar mich im Verborgenen. Sie legte mich in ein Schilfkästchen. Mit Bitumen dichtete sie meine Behausung ab und setze mich am Ufer des Flusses aus, der mich überspülte. Der Fluss trug mich fort … Akki, der Wasserschöpfer, zog mich heraus … zog mich als Adoptivkind groß.“
Einige Bibelforscher sind der Ansicht, dass Sargon dem im 10. Kapitel der Genesis beschriebenen Nimrod entspricht. Die entsprechende Stelle lautet (Vers 10-11):
- „Kerngebiet seines Reiches war Babel, Erech, Akkad und Kalne im Land Schinar“ (d.h. Sumer). „Von diesem Land zog er nach Assur aus“ (d. h. Assyrien).
Siehe auch:
Literatur
- Hugo Gressmann: Altorientalische Texte zum Alten Testament. Mohr, Tübingen 1909, de Gruyter, Berlin 1926, 1965, 1970 (Repr.).
- Eckart Otto: Moses - Geschichte und Legende. C.H. Beck, München 2006. ISBN 340653600X
Weblinks
Nimrod (englisch)
Sargon von Akkad (Deutsch)
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