article

Der Sardinische Krieg, auch Zweiter Italienischer Unabhängigkeitskrieg genannt, wurde 1859 zwischen dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Piemont-Sardinien und dessen Verbündeten Frankreich unter Napoleon III. geführt und eröffnete durch die Niederlage der Österreicher den Weg zur Einigung Italiens.

Entstehung


Der Krieg entstand auf Grund der Unterstützung des Königreichs Piemont-Sardinien für die italienischen Freiheitskämpfer in den damaligen österreichen Provinzen Lombardei und Venetien. Im Juli 1858 traf der piemontesische Graf Cavour mit Napoleon III. von Frankreich zusammen und entwarf den ersten Plan zur Umgestaltung Italiens, indem er Oberitalien für Piemont beanspruchte und dagegen auf Napoleons Idee einer Konföderation Italiens unter Berücksichtigung des Kirchenstaates einging. Napoleon verlangte jedoch zusätzlich die Abtretung Savoyens und Nizzas als Äquivalent für das Lombardisch-Venezianische Königreich, das an Sardinien fallen sollten. Zusätzlich wurde die Allianz durch die Vermählung der Tochter des späteren italienischen Königs Viktor Emanuels mit dem Prinzen Jérôme Napoléon besiegelt.

Durch eine am 1. Januar 1859 von Napoleons III. an den österreichischen Gesandten gerichteten Ansprache begann von seiten Österreichs die militärische Aufrüstung. Die konnte den passenden Vorwand abgeben, um das bedrohte Sardinien gegen die Angriffspläne Österreichs zu schützen.

Die Politik Cavours ging insbesondere dahin, Österreich zum faktischen Angriff zu provozieren, was ihm auch gelang, nachdem die Friedensmission des englischen Gesandten Lord Cowley im März 1859 in Wien gescheitert und der Antrag Russlands auf einen Kongress von Österreich nur unter der unmöglichen Bedingung angenommen worden war, dass Sardinien einseitig abrüste und zudem vom Kongress ausgeschlossen bliebe.

Durch die irrtümliche Annahme, dass Frankreich der Urheber der Spannungen war, um seine Aufrüstung zu begründen, versuchte die österreichische Regierung durch rasches Losschlagen einen Vorsprung zu gewinnen und wurde dadurch wirklich zum Friedensbrecher, indem sie am 19. April 1859 in Turin ein Ultimatum überreichte, dass sich Sardinien binnen drei Tagen zu entwaffnen habe oder ein Angriff seitens Österreichs erfolgt. Da die Antwort ablehnend lautete, erfolgte am 29. April unter dem Oberbefehl des Grafen Gyulai der Einmarsch der Österreicher in Sardinien an drei Stellen.

Verlauf des Krieges


Die österreichischen Truppen setzten sich in der Lomellina fest und blieben hier, den Angriff der Feinde erwartend, stehen, während Viktor Emanuel sein Heer auf 80.000 Mann gebracht hatte und die zahlreichen aus ganz Italien zuströmenden Freiwilligen dem General Garibaldi unterstellt wurden.

Die Österreicher unter Feldmarschall Gyulai wurden am 4. Juni 1859 in der Schlacht von Magenta und am 24. Juni 1859 in der Schlacht von Solferino vom sardinisch-französischen Heer entscheidend geschlagen. Im Frieden von Zürich vom 10. November 1859 trat Österreich die Lombardei mit Ausnahme der Festungen Mantua und Peschiera del Garda, die an dem Grenzfluss zu Venetien Mincio lagen, an Napoleon III. ab, der die Lombardei dann weiter an Sardinien übergab. Das Haus Habsburg musste in der Folge auch hinnehmen, dass weitere italienische Besitzungen verlorengingen, indem die Erzherzöge Großherzog Leopold II. von Toskana und Herzog Franz V. von Modena im folgenden Jahr durch Volksabstimmungen abgesetzt wurden, und Italien zu einem Nationalstaat geeinigt wurde. Venetien mit dem strategisch wichtigen oberitalienischen Festungsviereck Mantua, Peschiera, Legnago und Verona verblieb aber bei Österreich zur Enttäuschung des Premierministers von Sardinien Cavour. Napoleon III. beendete den Krieg wegen der erlittenen hohen Verluste an Menschen und an Geld, die wohl noch beträchtlich höher geworden wären, hätte er versucht, noch das Festungsviereck zu erobern.

Folgen


Die Herrschaft der Habsburger brach nach der Niederlage Österreichs auch in Parma und Modena bzw. der Toskana zusammen, die sich nach revolutionären Umstürzen Sardinien-Piemont anschlossen. Somit endete die rund 900jährige Vorherrschaft des Deutschen Reiches bzw. Österreichs über Italien.

Im Deutschen Krieg 1866, in dem Italien auf der Seite Preußens stand, fiel dann auch Venetien (trotz fehlender eigener italienischer militärischer Erfolge) an Italien. Tirol schließlich wurde infolge des Ersten Weltkriegs bis zur Brennergrenze Teil von Italien.

Die Niederlage im Sardinischen Krieg erschütterte den österreichischen Neoabsolutismus und wurde eine der Ursachen für die Konstitutionalisierung Österreichs.

Die blutige Schlacht von Solferino gab den Anstoß zur Gründung des Roten Kreuzes.

Literatur


Die zahlreichen Artikel von Karl Marx und Friedrich Engels, welche die beiden zum Sardinischen Krieg in der New York Daily Tribune und in Das Volk, einer deutschen Emigrantenzeitschrift in London, veröffentlichten, finden sich im Band 13 der Marx-Engels-Werke.

Weblinks


Krieg | Sardinischer Krieg | 1859 | Sardinien (Geschichte und Kultur) | Österreichische Geschichte

Austro-Sardinian War | Seconda guerra di indipendenza italiana | Segunda Guerra de Independência Italiana

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Sardinischer Krieg".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld