Der Sardinische Krieg, auch Zweiter Italienischer Unabhängigkeitskrieg genannt, wurde 1859 zwischen dem Kaisertum Österreich und dem Königreich Piemont-Sardinien und dessen Verbündeten Frankreich unter Napoleon III. geführt und eröffnete durch die Niederlage der Österreicher den Weg zur Einigung Italiens.
Durch eine am 1. Januar 1859 von Napoleons III. an den österreichischen Gesandten gerichteten Ansprache begann von seiten Österreichs die militärische Aufrüstung. Die konnte den passenden Vorwand abgeben, um das bedrohte Sardinien gegen die Angriffspläne Österreichs zu schützen.
Die Politik Cavours ging insbesondere dahin, Österreich zum faktischen Angriff zu provozieren, was ihm auch gelang, nachdem die Friedensmission des englischen Gesandten Lord Cowley im März 1859 in Wien gescheitert und der Antrag Russlands auf einen Kongress von Österreich nur unter der unmöglichen Bedingung angenommen worden war, dass Sardinien einseitig abrüste und zudem vom Kongress ausgeschlossen bliebe.
Durch die irrtümliche Annahme, dass Frankreich der Urheber der Spannungen war, um seine Aufrüstung zu begründen, versuchte die österreichische Regierung durch rasches Losschlagen einen Vorsprung zu gewinnen und wurde dadurch wirklich zum Friedensbrecher, indem sie am 19. April 1859 in Turin ein Ultimatum überreichte, dass sich Sardinien binnen drei Tagen zu entwaffnen habe oder ein Angriff seitens Österreichs erfolgt. Da die Antwort ablehnend lautete, erfolgte am 29. April unter dem Oberbefehl des Grafen Gyulai der Einmarsch der Österreicher in Sardinien an drei Stellen.
Die Österreicher unter Feldmarschall Gyulai wurden am 4. Juni 1859 in der Schlacht von Magenta und am 24. Juni 1859 in der Schlacht von Solferino vom sardinisch-französischen Heer entscheidend geschlagen. Im Frieden von Zürich vom 10. November 1859 trat Österreich die Lombardei mit Ausnahme der Festungen Mantua und Peschiera del Garda, die an dem Grenzfluss zu Venetien Mincio lagen, an Napoleon III. ab, der die Lombardei dann weiter an Sardinien übergab. Das Haus Habsburg musste in der Folge auch hinnehmen, dass weitere italienische Besitzungen verlorengingen, indem die Erzherzöge Großherzog Leopold II. von Toskana und Herzog Franz V. von Modena im folgenden Jahr durch Volksabstimmungen abgesetzt wurden, und Italien zu einem Nationalstaat geeinigt wurde. Venetien mit dem strategisch wichtigen oberitalienischen Festungsviereck Mantua, Peschiera, Legnago und Verona verblieb aber bei Österreich zur Enttäuschung des Premierministers von Sardinien Cavour. Napoleon III. beendete den Krieg wegen der erlittenen hohen Verluste an Menschen und an Geld, die wohl noch beträchtlich höher geworden wären, hätte er versucht, noch das Festungsviereck zu erobern.
Im Deutschen Krieg 1866, in dem Italien auf der Seite Preußens stand, fiel dann auch Venetien (trotz fehlender eigener italienischer militärischer Erfolge) an Italien. Tirol schließlich wurde infolge des Ersten Weltkriegs bis zur Brennergrenze Teil von Italien.
Die Niederlage im Sardinischen Krieg erschütterte den österreichischen Neoabsolutismus und wurde eine der Ursachen für die Konstitutionalisierung Österreichs.
Die blutige Schlacht von Solferino gab den Anstoß zur Gründung des Roten Kreuzes.
Die zahlreichen Artikel von Karl Marx und Friedrich Engels, welche die beiden zum Sardinischen Krieg in der New York Daily Tribune und in Das Volk, einer deutschen Emigrantenzeitschrift in London, veröffentlichten, finden sich im Band 13 der Marx-Engels-Werke.
Krieg | Sardinischer Krieg | 1859 | Sardinien (Geschichte und Kultur) | Österreichische Geschichte
Austro-Sardinian War | Seconda guerra di indipendenza italiana | Segunda Guerra de Independência Italiana
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Sardinischer Krieg".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world