Sardes (Sardis, Sardeis) war die Hauptstadt des antiken Königreichs Lydien, Sitz eines römischen conventus und Hauptstadt der Provinz Lydia in spätantiker und byzantinischer Zeit, im Hermostal am Fuße des Tmolosberges, auf dessen aufragendem Gipfel die Zitadelle lag, ca. 20 km südlich des Hermos.
Bedeutung der Stadt
Die Bedeutung der Stadt lag in ihrer militärischen Stärke, zum anderen in ihrer strategischen Lage an einer wichtigen vom Landesinneren zur
ägäischen Küste führenden Straße und drittens in ihrem Einfluss auf die weite und fruchtbare Hermosebene.
Das frühere Königreich Lydien war hochentwickelt in Handwerk und Gewerbe und Sardes galt als Hauptsitz der Produktion, in deren Zentrum die Herstellung und das Färben empfindlichen Wollmaterials und von Teppichen stand. Die Aussage, dass der kleine Fluss Paktolos am Markt über goldenen Sand verlief, kann wohl als Metapher für den Reichtum der Stadt gelten, auf den die Griechen des 6. Jahrhunderts v. Chr. für ihren Goldnachschub zurückgriffen; Goldgewinnung und Handel bildeten die realen Quellen dieses Reichtums.
Mythos
Die Gründung der Stadt führt
Herodot zurück auf die mythologischen
Herakliden. Der letzte König aus der
Dynastie der Herakliden soll
Kandaules gewesen sein.
Gyges, Leibwächter und Speerträger des König Kandaules, sollte auf dessen Anraten die Schönheit seiner Frau heimlich bewundern. Die Königin, die List bemerkend und in ihrer Ehre tief verletzt, stellte Gyges vor die Wahl, ihren Gemahl zu ermorden oder selbst auf der Stelle zu sterben. Gyges tötete den König, wurde dessen Nachfolger und heiratete die Königin.
Geschichte
Mermnaden
In
hethitischer Zeit hiess die Stadt vermutlich Uda, unter den Herakliden Hyde.
Die Thronbesteigung des Gyges und mit ihm das Geschlecht der Mermnaden wird um
680 v. Chr. datiert.
652 v. Chr. fiel Gyges gegen die
Kimmerer. Sein Sohn Ardys (652 – 610 v. Chr.) und sein Enkel
Alyattes (605 – 560 v Chr.) folgten auf den Thron. Alyattes Sohn,
Kroisos (560 – 546 v. Chr.) wird letzter Herrscher der Mermnaden in Sardes.
Persische Satrapie
Kroisos wird
437/
539 v. Chr. vom
persischen Großkönig
Kyros II. geschlagen. Damit wurde Sardes Hauptstadt der persischen
Satrapie Lydien. Sardes wurde auch Ausgangspunkt für die 2.500 km lange persische
Königsstraße nach
Persepolis.
Im Jahre 499 v. Chr. wurden Sardes und seine Tempel während des Ionischen Aufstandes von den Griechen zerstört, was in den anschließenden Perserkriegen von diesen gerächt wurde.
Tissaphernes, seit etwa 413 v. Chr. Satrap in Sardeis, unterstützte durch Vermittlung des Alkibiades die Spartaner im Peloponnesischem Krieg. 401 kämpfte der mächtige Satrap von Sardes gegen den aufständischen Prinzen Kyros, wurde jedoch 395 v. Chr. vom Großkönig wegen seiner Niederlage gegen Agesilaos II. ermordet.
Mit dem Sieg Alexander des Großen bei der Schlacht am Granikos im Jahre 334 v. Chr. gelangte Sardes in den griechischen Machtbereich.
Seleukiden
Unter den
Seleukiden wurden in Sardes jüdische
Kriegsveteranen angesiedelt, dies wiederum begünstigte später das Entstehen einer christlichen
Urgemeinde.
Römer
Ab
133 v. Chr. wird Sardes Teil der römischen Provinz
Asia, das besonders unter den
Severern besondere kulturelle Förderung empfing.
Sardes zählt zu den
sieben Gemeinden von Asien, an die der Verfasser der
biblischen Apokalypse ein
Sendschreiben verfasst hat (
Offenbarung des Johannes, Kapitel 2 ff). Über diese Gemeinde wird hier gesagt, dass sie einen guten Ruhm hat, sie ist aber tot wie ihre Werke.
Byzantinische Zeit
Als
Konstantinopel Hauptstadt des
Byzantinischen Reiches wurde, entwickelte sich ein neues Straßensystem, das die Provinzen mit der Hauptstadt verband. Damit geriet Sardes zunehmend an den Rand und verlor seine Bedeutung. Sie behielt jedoch weiter ihre formale Hoheit und blieb ab
295 Bischofssitz der Provinz Lydien.
Die Stadt nahm nach Ephesos und Smyrnaden dritten Platz der Städte der thrakischen Themen bei Konstantin VII. Porphyrogennetos im 10. Jahrhundert ein; aber über die folgenden vier Jahrhunderten geriet sie in den Schatten der Provinzen Magnesia ad Sipylum und Philadelphia, die ihre Rolle in der Region festigten.
Die Seldschuken. Der Untergang
Das
Hermostal wurde durch die Überfälle der
Seldschuken Ende des
11. Jahrhunderts in Mitleidenschaft gezogen; aber die Erfolge des griechischen Generals
Philocales 1118 entlasteten die Region während der
Komnenen, zusammen mit dem stufenweisen Zerfall der Seldschukenherrschaft, blieb sie in byzantinischer Herrschaft. Das Land rund um Sardes wurde im
13. Jahrhundert häufig durch Christen und Türken verwüstet. Bald nach
1301 überrannten die Seldschuken das Hermos- und
Kaystrostal und
1306 wurde ihnen ein Fort auf der Zitadelle von Sardes vertraglich zugesprochen. Der Niedergang der Stadt setzte sich fort bis zu ihrer Eroberung (und wahrscheinlichen Zerstörung)
1402 durch
Timur.
19. Jahrhundert und Neubeginn
Bis zum
19. Jahrhundert lag Sardes wüst und hauptsächlich Gebäude der römischen Zeit waren sichtbar. Seit
1958 unterstützen die
Harvard- und die
Cornell-Universität jährliche
archäologische Expeditionen nach Sardes.
Die heutige Ruinenstadt lässt durch ihre teilweise erfolgte
Restaurierung die alte Pracht erahnen.
Archäologie
Literatur
- Hanfmann, George M.A., Letters from Sardis (Cambridge, MA 1972)
- Hanfmann, George M.A. and William E. Mierse, Sardis from Prehistoric to Roman Times: Results of the Archaeological Exploration of Sardis 1958-1975 (Cambridge, MA 1983)
- Archaeological Exploration of Sardis, Monographs
- Vol. 1: Bates, George E., Byzantine Coins, Archaeological Exploration of Sardis (Cambridge, MA 1971)
- Vol. 2: Pedley, John G., Ancient Literary Sources on Sardis (Cambridge, MA 1972)
- Vol. 3: Gusmani, Roberto, Neue Epichorische Schriftzeugnisse aus Sardis (1958-1971) (Cambridge, MA 1975)
- Vol. 4: Foss, Clive, Byzantine and Turkish Sardis (Cambridge, MA 1976)
- Vol. 5: Ramage, Andrew, Lydian Houses and Architectural Terracottas (Cambridge, MA 1978)
- Vol. 6: Saldern, Axel von, Ancient and Byzantine Glass From Sardis (Cambridge, MA 1980)
- Vol. 7: Buttrey, T. V., Ann Johnston, Kenneth M. MacKenzie and Michael L. Bates, Greek, Roman and Islamic Coins from Sardis (Cambridge, MA 1981)
- Vol. 8: Waldbaum, Jane C., Metalwork from Sardis: The Finds through 1974 (Cambridge, MA 1983)
- Vol. 9: Crawford, J. Stephens, The Byzantine Shops at Sardis (Cambridge, MA 1990)
- Vol. 10: Schaeffer, Judith Snyder, Nancy H. Ramage, and Crawford H. Greenewalt, Jr., Corinthian, Attic, and Lakonian Pottery from Sardis (Cambridge, MA 1997)
- Vol. 11: Ramage, Andrew and Paul Craddock, King Croesus' Gold: Excavations at Sardis and the History of Gold Refining (Cambridge, MA 2000)
- Archaeological Exploration of Sardis, Reports
- Vol. 1: Hanfmann, George M.A. and Jane C. Waldbaum, A Survey of Sardis and the Major Monuments Outside the City Walls (Cambridge, MA 1975)
- Vol. 2: Hanfmann, George M.A. and Nancy H. Ramage, Sculpture From Sardis: The Finds Through 1975 (Cambridge, MA 1978)
- Vol. 3: Yegül, Fikret K. with contributions by Mehmet C. Bolgil and Clive Foss, The Bath-Gymnasium Complex at Sardis (Cambridge, MA 1986)
Weblinks
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