São Tomé und Príncipe ist nach den Seychellen der zweitkleinste Staat Afrikas. Über 90 % der Einwohner leben auf der südlichen, größeren Insel São Tomé, die 48 km lang und 32 km breit ist. Sie ist die gebirgigere der beiden Inseln. Die höchste Erhebung ist 2.024 m hoch. Auf São Tomé liegt die gleichnamige Hauptstadt.
Die nördlichere, kleinere Hauptinsel Príncipe ist etwa 16 km lang und 6 km breit. Die höchste Erhebung der Insel Príncipe misst 927 Meter.
Beide Inseln sind Teil einer durch vulkanische Aktivitäten entstandenen Gebirgskette, jedoch gibt es dort keine aktiven Vulkane mehr.
Die südliche Spitze São Tomés reicht an den Äquator.
Das Bevölkerungswachstum liegt bei etwa drei Prozent die Säuglings- und Kindersterblichkeit bei sechs Prozent bzw. 7,7 Prozent. Die Lebenserwartung beträgt 64 Jahre.
Etwa 80 % der Bevölkerung sind Katholiken.
Etwa 10 % der Bevölkerung sind Neuapostolische.
Geschichte
Kolonialzeit
Als Entdecker der Inseln gilt der portugiesische Seefahrer João de Santarém, der im Auftrag des Kaufmanns Fernão Gomes, welcher vom portugiesischen König Alfons V. das Recht erworben hat, jährlich 100 Leguas afrikanischer Küste im Namen der portugiesischen Krone, jedoch auf eigene Kosten, zu erkunden. Am 21. Dezember1471 entdeckte er São Tomé, am 17. Januar1472 schließlich Santo António (oder auch Antão), das 1502 in Principe umbenannt wurde.
1485 erfolgte die Gründung der ersten portugiesischen Niederlassung. Einerseits dienten die Inseln als Umschlagplatz für den Sklavenhandel zwischen Afrika, Portugal, Brasilien und den karibischen Inseln, andererseits siedelte Portugal von der Inquisition ausgewiesene portugiesische Juden und Strafgefangene an. 1572 wurde São Tomé und im Folgejahr dann auch Príncipe direkt der portugiesischen Krone unterstellt. In der Folgezeit bildete sich eine Plantagenwirtschaft mit wechselnden Monokulturen aus, zunächst im 16. bis 18. Jahrhundert Zuckerrohr, dann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Kaffee und schließlich seit etwa 1850Kakao, Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Inseln sogar der größte Kakaoproduzent der Welt.
Mit der Gründung verschiedener Befreiungsbewegungen außerhalb des Landes begann das Ende der Kolonialzeit. In Libreville (Gabun) wurde 1950 eine Befreiungsbewegung von Studenten gegründet, 1960 in Ghana war die Gründung des Comité de Libertaçao de São Tomé e Príncipe (CLSTP) als Vorläufer der MLSTP (Movimento de Libertação de São Tomé e Príncipe) (ab 1972). 1974, nach der Nelkenrevolution in Portugal wurde die MLSTP als legitime Vertretung anerkannt, was dann schließlich 1975 zur Entlassung in die Unabhängigkeit führte. Die MLSTP beherrschte das Land als Einheitspartei die ersten 15 Jahre nach dem Ende der Kolonialzeit.
1995 kommt es zu einem Putsch. Die folgenden Regierungen zeichnen sich nicht durch Stabilität aus.
Am 5. Januar1999 wird Guilherme Posser da Costa zum Ministerpräsidenten ernannt.
Allerdings bringen Korruptionsskandale, in denen gefälschte Schatzbriefe im Wert von 500 Mio. US-Dollar die Hauptrolle spielen, die Regierung schnell in Bedrängnis.
Im März 1999 treten der Finanzminister sowie der Präsident der Zentralbank zurück.
Der Präsident Fradique de Menezes befindet sich zu dieser Zeit auf Staatsbesuch in Nigeria, daher werden von den Putschisten nur die Premierministerin sowie einige andere Minister festgenommen. Schon am nächsten Tag kündigen die Putschisten eine Übergangsregierung und Neuwahlen an. Als Grund für den Putsch wurde von den Putschisten die unsichere politische Lage auf der Insel angegeben, die durch Ölfunde einige Jahre zuvor und die dadurch entstandene Streitereien entstanden war. Nach acht Tagen wird der Militärputsch auf Druck der internationalen Gemeinschaft unblutig beendet.
In einem "Memorandum of Understanding" wird eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung an wichtigen Regierungsentscheidungen zugestanden. Es kommt zu einer Regierungsumbildung unter Verbleib der Premierministerin, aber Auswechslung von sieben Ministern.
Aktuell
Im September 2004 kommt es erneut zu einer Regierungsumbildung nach einem Bestechungsskandal, in den die Premierministerin und weitere Minister verwickelt waren.
Politik
Die Republik besteht seit der Unabhängigkeit 1975 mit einer Verfassung von 1990.
Das Parlament (Assembléia Nacional) hat 55 Mitglieder, die auf vier Jahre gewählt werden (Daten von 2000). Der Präsident wird alle fünf Jahre gewählt.
Wahlrecht hat jeder Bürger über 18 Jahren.
São Tomé und Príncipe ist in zwei Provinzen gegliedert, diese wiederum in sieben Distrikte.
die Insel São Tomé und die umliegenden Inseln bilden die gleichnamige Provinz mit der Stadt São Tomé als Provinzhauptstadt. Die Provinz ist in sechs Distrikte unterteilt.
die Insel Príncipe und die umliegenden Inseln bilden die gleichnamige Provinz mit der Hauptstadt Santo António. Die Provinz bildet gleichzeitig den siebten Distrikt.
Die Währung des Landes ist der Dobra, unterteilt in 100 Céntimos.
Der heute noch wirtschaftlich unbedeutende Inselstaat exportiert fast nur Kakao (Anteil 2001: 93 %). Diese wirtschaftliche Ausrichtung stammt noch aus der Kolonialzeit.
Exporten im Wert von 2,5 Millionen Euro standen 2001 Importe im Wert von 20 Millionen Euro gegenüber. Importiert werden, unter anderem aus Portugal und Frankreich, Nahrungsmittel und lebende Tiere (30 %), Kapitalgüter (21 %) und Brennstoffe (11 %). Wichtigstes Exportland sind die Niederlande. Die Auslandsverschuldung lag 2001 bereits bei 260 Millionen Euro, also der Wirtschaftsleistung von über 7 Jahren. Dies beinhaltet allerdings bereits nachgelassene Schulden in Höhe von 166 Millionen Euro. Die Inflationsrate belief sich 2001 auf 8,6 %.
Das Bruttosozialprodukt 2003 belief sich auf 556,9 Mrd. Dobra (ca. 50 Mio. Euro), das Bruttosozialprodukt 2003 pro Einwohner lag daher bei etwa 283 Euro. Für die Zukunft wird Off-Shore-Förderung von Erdöl und -gas erwartet. Die geostrategische Lage in Westafrika, das als Zukunft der Bohrstätten gilt, wird u. U. zum ersten ölpolitischen Wettrennen zwischen der Volksrepublik China und den USA führen. Beide bemühen sich zur Zeit verstärkt diplomatisch um Explorations- und Bohrrechte für nahestehende Firmen. Des Weiteren scheinen die USA daran interessiert, auf Sao Tomé eine Marinebasis zu errichten.