Der Sankt-Gotthard-Pass (italienisch San Gottardo) war lange Zeit die wichtigste Nord-Süd-Verbindung über die Alpen. Der Pass verbindet die Ortschaften Andermatt (in der Talschaft Urseren) im Kanton Uri und Airolo (in der Valle Leventina) im Kanton Tessin.
Auf einer Strecke von rund 110 Kilometern verbindet die Gotthardstrasse die Orte Altdorf und Biasca, während der gleichnamige Pass in Andermatt beginnt und in Airolo endet. Von 1819 bis 1826 wurde das erste Teilstück von Amsteg nach Göschenen gebaut. Mit dem Bau der eigentlichen Passstrasse wurde 1827 begonnen. Die Strasse wurde 1830 fertig gestellt. Auf der Südrampe wurde in späterer Zeit die alte Passstrasse durch eine neue mit einem günstigeren Verlauf ersetzt, die alte auch Via Tremola genannte Strasse kann aber weiterhin befahren werden.
Geschichte
Die Geschichte des Gotthardpasses beginnt erst mit dem
Mittelalter, die
Römer haben ihn wahrscheinlich nicht benutzt. Als die Langobarden im Jahr
569 von Süden her über den Pass eindrangen, bauten sie über die Reuss eine in Ketten hängende Brücke. Zu Zeiten
Karls des Grossen wurde der Weg für Saumtiere hergerichtet. Die langobardische Brücke wurde
1198 durch die sicherere (alte)
Teufelsbrücke in der
Schöllenenschlucht an der Nordrampe ersetzt, der daraus resultierende Verkehrszuwachs über den Pass war das auslösende Moment zur Gründung der
schweizerischen Eidgenossenschaft im Jahre
1291. Das älteste Gebäude des Passes ist die Kapelle, die zwischen
1160 und
1176 vom
Mailänder Erzbischof St. Galdinus zu Ehren des erst kurz vorher kanonisierten
Heiligen Gotthard geweiht wurde.
1629 wurde durch
Federico Borromeo eine Herberge auf der Passhöhe errichtet, die seit
1683 von den
Kapuzinern besorgt wird.
1707 wurde der Tunnel des
Urner Loches gesprengt und dadurch die Zugänglichkeit des Bergs wesentlich erleichtert. Noch aber blieb die Strasse bloss ein 3–4 m breiter mit grossen Rollsteinen gepflasterter Saumpfad.
Zeittafel
- 12. Jahrhundert - Bau einer Kapelle zu Ehren des Heiligen Gotthard
- 1220 - der Saumpfad über den Gotthard wird eröffnet, fünf Jahre später wurde die erste Rheinbrücke in Basel gebaut.
- 14. Jahrhundert - das Hospiz am Pass wird gebaut
- 1830 - die Strasse über den Gotthardpass wird fertiggestellt
- 1872–1882 - Bau des Eisenbahntunnels, 177 Arbeiter sterben während der Bauarbeiten
- 1928 - das Denkmal für den Waadtländer Flieger Guex wird gebaut
- 1970–1980 - Bau des Strassentunnels durch den Gotthard
- 24. Oktober 2001 - Brandkatastrophe im Strassentunnel
- 31. Mai 2006 - Felssturz bei Gurtnellen, zwei Deutsche Touristen werden in ihrem Auto erschlagen
Schöllenenschlucht
Der Bau der Teufelsbrücke, mit der endlich die
Schöllenenschlucht passiert werden konnte, wurde im Volksmund durch eine bekannte
Sage dokumentiert, bei der der
Teufel, der die Errichtung der Brücke ermöglicht haben soll, und der
Teufelsstein zentrale Rollen spielen. Bei der Teufelsbrücke befindet sich das
Suworow-Denkmal, das dem
russischen General
Alexander Wassiljewitsch Suworow und den
Soldaten seiner Armee gewidmet ist und der Schlacht von
1799 gedenkt.
Zahlen und Fakten zum Gotthard-Pass
- Passhöhe: 2'108 Meter
- Steigung: rund 12 Prozent
- Passlänge: 27 Kilometer, zwischen Andermatt und Airolo
Von
1872 bis
1882 wurde der
Eisenbahntunnel der
Gotthardbahn gebaut. Überwiegend wurden
italienische Gastarbeiter beschäftigt. Bei den Arbeiten am
Tunnel starben 177 Männer, darunter auch der projektleitende Ingenieur
Louis Favre. Die neugebaute
Eisenbahnlinie sorgte für einen wirtschaftlichen Aufschwung im Tessin. Ein Denkmal für die Opfer des Eisenbahntunnelbaus, geschaffen vom Künstler
Vincenzo Vela, ist in Airolo zu finden.
Zahlen und Fakten
- Fertigstellung: 1882
- Erbauer: Louis Favre
- Erster Zug: 23. Mai 1882
- Länge: 15 Kilometer, Doppelspur
- Höchstleistung: 170'202 Brt (19. Oktober 2000 bei gesperrtem Simplontunnel)
Derzeit im Bau befindlich ist der Gotthard-Basistunnel, ein neuer Eisenbahntunnel zwischen Erstfeld und Bodio, das Kernprojekt der
Neuen Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT).
Zahlen und Fakten
- Fertigstellung: vor 2015
- Länge: 57 Kilometer
- Züge/Tag: 200–250
- Transportleistung: 40 Mio. Tonnen/Jahr
- Durchschnittsgeschwindigkeit 160 km/h
Von
1970 bis
1980 wurde der Strassentunnel gebaut und am 5. September 1980 eröffnet. Dieser ist das Herzstück der Schweizer
Nationalstrasse A2 von
Basel nach
Chiasso und damit der kürzesten
europäischen Autobahnverbindung zwischen
Hamburg und
Sizilien.
Am
24. Oktober 2001 kam es durch den Zusammenstoss zweier Lastwagen zu einer
Brandkatastrophe im Tunnel. Elf Menschen starben bei dem Unglück. Der Tunnel war danach zwei Monate lang wegen Sanierungsarbeiten geschlossen.
Zahlen und Fakten
- Länge: 16,918 km
- Fahrzeuge pro Tag: ca. 20'000
Die Gotthardachse
Karte_Gotthardbahn.png
Als Gotthardachse wird die Verkehrsachse bezeichnet, die in Nord–Süd-Richtung über das Gotthardmassiv oder unter ihm hindurch führt. Sie ist die direkteste Verkehrsverbindung durch die Zentralalpen, da sie nur über einen Gebirgskamm führt. Aus diesem Grund hat sie schon in früher Zeit eine wichtige Bedeutung erhalten. Mit der Eröffnung der Gotthardbahn im Jahre 1882 begann der bis heute anhaltende Verkehrszuwachs auf dieser Strecke. Heute besteht sie sowohl aus einer Eisenbahnstrecke als auch einer Autobahn. Die Gotthardachse hat eine zentrale Bedeutung im europäischen Nord-Süd-Verkehr und ist deshalb häufig überlastet.
Über die Gotthardachse wird auch im grossen Europäischen Verkehrszusammenhang geredet. Das Kernstück aber beginnt im Norden, am südlichen Teil des Vierwaldstättersees. Es führt durch das Urner Reusstal über oder durch den Gotthard-Pass in die Leventina, hinab nach Biasca im Süden.
Zitat
- So immer steigend, kommt Ihr auf die Höhen
- Des Gotthards, wo die Ewg'en Seen sind
- Die von des Himmels Strömen selbst sich füllen
- Dort nehmt Ihr Abschied von der deutschen Erde,
- Und muntern Laufs führt Euch ein andrer Strom
- Ins Land Italien hinab, Euch das gelobte -
Wilhelm Tell, in dem gleichnamigen Schauspiel von Friedrich Schiller (1804)
Weblinks
Bilder
Image:Tremola.jpg|Die alte Strasse in der Tremola-Schlucht
Image:Teufelsbrücke01.jpg|Die alte und die neue Teufelsbrücke in der Schöllenenschlucht
Image:Suworow-denkmal.jpg|Suworow-Denkmal
Image:Gotthard Alte Passstrasse.jpg|Blick auf die alte Passstrasse im Val Tremola
Image:Gotthard_Südrampe.jpg|Die Südrampe des St. Gotthard-Passes, im Hintergrund ist die Ausfahrt aus dem Eisenbahntunnel erkennbar
Image:Gotthard_Nordrampe.jpg|Die Nordrampe mit der Schöllenenschlucht
Image:Joseph Mallord William Turner 028.jpg|Teufelsbrücke von W. Turner
Bild:Gotthardtunnel01.JPG|Denkmal für die Opfer des Gotthardtunnelbaus von Vincenzo Vela
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