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Der Sandschak von Novi Pazar (serbische Kurzform Sandžak, Санџак, auch Raszien) ist eine historische Region in Südosteuropa, die heute im Nordosten Montenegros und im Südwesten Serbiens liegt. Historisch war diese Region vor allem als Raszien bekannt und steht heute geschichtlich gesehen als Synonym für das Gebiet des heutigen Serbiens.

Der aus dem Türkischen übernommene Begriff (ursprünglich der allgemeine Terminus für eine Verwaltungseinheit des Osmanischen Reiches, siehe Sandschak) bezeichnet seit dem 19. Jahrhundert das Gebiet des früheren Sandschaks von Novi Pazar. Dieser ist ein islamisch geprägtes Gebiet zwischen Zentralserbien und Montenegro und bildet somit eine „Brücke“ zwischen den Moslems von Bosnien und Altserbien (dem Kosovo).

Historische Hauptstadt Rasziens war anfänglich Ras, dass sich in unmittelbarer Nähe zu Novi Pazar befindet. Novi Pazar wurde als "Hauptstadt" des Sandschaks angesehen, allerdings kann von einer Hauptstadt im politischen Sinn heute nicht die Rede sein, da die Region keine Verwaltungseinheit darstellt. Spricht man aber heute vom Sandschak, sind damit jeweils 6 Großgemeinden in Montenegro (Andrijevica, Berane, Bijelo Polje, Rožaje, Plav und Pljevlja) und Serbien (Nova Varoš, Novi Pazar, Priboj, Prijepolje, Sjenica und Tutin) gemeint.

Geschichte


siehe Geschichte Serbiens

Das damalige Raszien wurde zunächst durch slawische Völker, die im 6. Jahrhundert ins heutige Serbien und weiter bis in die Alpen bei Slowenien kamen, besiedelt. Daher nannte man die Serben lange Zeit auch Raszier. Der Name selbst geht auf eine römische Siedlung zurück namens Arsa, vielleicht identisch mit Taurisium, dem Geburtsort Kaiser Justinians. Anderen Quellen zufolge nannte sich dieser serbische Stamm "Raszier" und aus diesem Grunde nannten sie ihr besiedeltes Gebiet Raszien. Auch der Stamm der Raszier soll Namensgeber für das heutige Russland (Rasi) gewesen sein. Unweit von Arsa gründete Kaiser Justinian I. den befestigten Bischofssitz Justiniana Prima, das bald das byzantinische Zentrum im nördlichen Balkan wurde. Das begünstigte möglicherweise, dass Arsa, serbisch Ras genannt, sich zu einem der Zentren frühester serbischer Staatlichkeit und Hauptsitz serbischer Fürsten, der Župane, entwickelte, obwohl das alte Serbien bis in das 14. Jahrhundert keine ständige Hauptstadt kannte, ähnlich wie das damalige Deutschland oder Ungarn. Der Name übertrug sich dann auf ein größeres Gebiet, und ab dem 12. Jahrhundert wurde es allgemein als Bezeichnung für das zentrale Serbien verstanden. So trugen auch die Nemanjiden, die bedeutendste serbische Dynastie des Mittelalters, offiziell den Titel der Könige Rasziens, der Küstenländer und aller Serben.

Nach der Römerzeit stand die Region unter byzantinischer Hoheit, erlebte jedoch wechselnde Reichsbildungen. Zunächst siedelten die dem altaischen Sprachkreis zugehörenden Awaren im Karpatenbogen und beiderseits der Donau seit dem Jahr 567. Das Awarenreich tangierte Byzanz wenig und bestand über 200 Jahre - bis zur Niederlage 803 gegen das Frankenreich. Es blieb großteils außerhalb einer intensiven Berührung mit antiker Kultur, erlebte aber erste Christianisierungen seitens Rom und Byzanz.

Ab dem 5. Jahrhundert begannen Slawen auf die Balkanhalbinsel einzusickern. Anfangs begnügten sie sich mit Plünderungen und kehrten in ihre Gebiete nördlich der byzantinischen Donau-Grenze zurück, wo einige slawische Stämme mit den Awaren im Bunde waren. Andere wiederum zogen es vor, sich südlich der Donau niederzulassen. Um dem Herr zu werden und einer etwaigen awarischen Südexpansion vorzubeugen, begünstigte Byzanz slawische Stämme und deren Ansiedlung in die Provinzen des Balkan. Diese Slawen sollten die byzantinische Oberhoheit anerkennen und als Föderaten (siehe Franken) die Grenzen schützen. Jahrhunderte später schrieb der byzantinische Kaiser und Historiker Konstantin VII. Porphyrogennetos, dass auch die Serben und Kroaten als solche Föderaten ins Reich kamen. Dies wird jedoch von der modernen Geschichtsforschung stark angezweifelt. Jedenfalls, die damit seit 580 n. Chr. entstehende südslawische Wanderungsbewegung reichte vom heutigen Slowenien bis Bulgarien und den Peloponnes. Teile der Zuwanderer nahmen die griechische Kultur an, andere blieben slawisch nach Sprache und Volkstraditionen. Aus ihnen bildeten sich kleinere Reiche unter Oberhoheit von Ostrom, vor allem das seit Mitte des 9. Jahrhunderts selbständige serbische Fürstentum. Es wurde am Ende des 12. Jhts. formell ein Königreich.

Im 14. Jahrhundert umfasste der serbische Staat unter Stefan Uroš IV. Dušan 1331 - 1355 die ganze westliche Balkanhalbinsel: Serbien, Herzegowina, Montenegro, Albanien, Mazedonien und Nordgriechenland sowie Teile der heutigen Staaten Kroatien und Bulgarien.

Die Reiche Raszien und Bosnien wurden durch die osmanisch-türkischen Eroberungen ab dem 14. Jahrhundert Teil des osmanischen Reiches. Die Serben unterlagen 1389 in der Schlacht auf dem Amselfeld (Kosovo Polje) und verloren in den nächsten Jahrzehnten ihre Eigenstaatlichkeit für mehrere Jahrhunderte. Das Kerngebiet Rasziens mitsamt der Stadt Ras, heute Raška, wurde zum Sandschak von Novi Pazar und dem bosnischen Wilayet angeschlossen. In dieser Zeit und vornehmlich seit dem Berliner Kongress 1878, bei dem die Königreiche Serbien und Montenegro international anerkannt wurden, fand auf Druck Österreich-Ungarns und des osmanischen Reiches eine Zwangsislamisierung der Bevölkerung statt. Dadurch gehörte ein Teil der Bevölkerung dem Islam an, doch blieb das serbische Nationalgefühl - nicht zuletzt durch die serbisch-orthodoxen Klöster - erhalten. Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich sahen zwei serbische Staaten mit einer gemeinsamen Grenze als Gefahr für ihre eigenen Vielvölkerstaaten an, aus diesem Grunde wurden in dieser Gegend auch Muslime angesiedelt.

Nach dem Berliner Kongress 1878 blieb der heutige Sandschak weiterhin beim Osmanischen Reich. Dies war unter anderem der Intervention Österreich-Ungarns zu danken, welches einer eventuellen Vereinigung Serbiens und Montenegros vorbeugen wollte. Nach den Balkankriegen 1912 - 1913 wurde das Gebiet dennoch zwischen diesen beiden Staaten aufgeteilt.

Die Muslime im Sandschak betrachten sich teilweise als Bosniaken,Serben oder teilweise als Muslime (im nationalen Sinne). Trotz teilweise großer Abwanderung sowohl im frühen 20. Jahrhundert als auch während des Balkankonflikts in den 1990er Jahren stellen die Muslime oder Bosniaken noch heute einen großen Bevölkerungsanteil dar.

Weblinks


  • * Seite über den Sandschak

Historisches Territorium

Санджак (област) | Sandžak | Sandžak | Sandjak (Servië en Montenegro) | Sandžak | Sandżak | Санџак (географски појам) | Sandžak

 

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