FSLN.png der FSLN]]
Die Sandinistas, Anhänger und Mitglieder der Frente Sandinista de Liberación Nacional, abgekürzt FSLN (deutsch: Sandinistische Nationale Befreiungsfront) waren eine linke Befreiungsbewegung in Nicaragua, die am 17. Juli 1979 an der Spitze einer breiten Widerstandsbewegung die seit 43 Jahren bestehende Diktatur der Somoza-Dynastie unter Präsident Anastasio Somoza Debayle stürzte und daraufhin Nicaragua bis 1990 regierte.
Die FSLN wurde am 23. Juli 1961 in Nicaragua von Carlos Fonseca als revolutionäre Bewegung in Opposition zur Diktatur der Familie von Somoza gegründet. Der Name der Bewegung leiteten ihre Gründer von dem General des nicaraguanischen Widerstandes gegen US-Truppen Augusto César Sandino (1895-1934) ab.
Die sandinistische Agrarreform nach sozialistischem Vorbild leitete einen Strukturwandel in der industriell betriebenen Monokultur auf Basis von Großgrundbesitz ein. Um die eigene Bevölkerung zu versorgen, führte man zusätzlich den Anbau von Mais, Reis, Bohnen und Kochbananen ein. Mit den Einkünften aus den verstaatlichten Somoza-Ländereien, auf denen weiterhin Kaffee für den Export produziert wurde, kaufte die Revolutionsregierung Getreide, dessen Anbau im Lande aus klimatischen Gründen sehr schwierig ist, um es zu subventionierten Billigpreisen an die Bevölkerung abzugeben. Damit wurde zwar in wenigen Jahren eine Selbstversorgung des Landes mit den traditionellen Grundnahrungsmitteln erreicht und erstmalig die Versorgung aller Nicas mit erschwinglichem Botgetreide sichergestellt. Die Folgen für die nationale Wirtschaft und den Staatshaushalt waren jedoch katastrophal: Die Zinsen für die übernommenen Auslandsschulden konnten aus den drastisch reduzierten Exporteinnahmen nicht mehr bezahlt werden. Zur Deckung der Getreide- und Fleischimporte verschuldete der Staat sich weiter bei internationalen Kreditinstitionen, so der Weltbank, der Interamerikanischen Entwicklungsbank (BID) und der Zentralamerikanischen Bank für Wirtschaftliche Integration (BCIE).
Hinzu kam, dass das Land bereits 1979 wirtschaftlichen Sanktionen der USA ausgesetzt war, mit denen die Ökonomie des Landes gestört werden sollte. Ab 1981 bildeteten die USA militärische Einheiten in Honduras aus und leisteten in großem Umfang militärische und finanzielle Hilfe (siehe Iran-Contra-Affäre) für die Opposition. In dem auch als Contra-Krieg bekannten Krieg wurden ca. 60.000 Nicaraguaner, hauptsächlich Zivilisten, getötet und die Infrastruktur eines großen Teils des Landes zerstörtUniversität Hamburg: Nicaragua - Contra-Krieg. Die Regierung Nicaraguas erklärte am 9. September 1981 den für ein Jahr gültigen nationalen wirtschaftlichen NotstandAmnesty International: Jahresbericht 1982 - Nicaragua. Am 15. Mai 1982 wurde der Ausnahmezustand ausgerufen, was von der Regierung mit der sprunghaften Zunahme bewaffneter Überfälle im Grenzgebiet zwischen Honduras und Nicaragua und den zahlreichen US-amerikanischen Militäroperationen begründet wurde. Streiks und Arbeitsniederlegungen waren ab diesem Zeitpunkt verbotenAmnesty International: Jahresbericht 1984 - Nicaragua.
1978, am Ende der Somoza-Diktatur, erwirtschaftete das Land noch einen Außenhandelsüberschuss durch Export von Agrarprodukten von einer Milliarde Dollar. Nicaragua war damit nach Costa Rica der reichste Staat Mittelamerikas. Der Staatshaushalt erwirtschaftete Überschüsse. Nicaragua exportierte Kaffee, Baumwolle und Kakao und förderte Investitionen aus dem Ausland. Unter den Sandinisten stieg die Auslandsverschuldung von 0,6 auf 9,6 Mrd Dollar. Die Inflation stieg auf 1.800% p.a. Die ausländischen Investoren waren abgewandert.
Ideologisch umfasst der Sandinismus (Sandinismo) ein breites Spektrum von Meinungen, die vom revolutionären Marxismus bis zur Befreiungstheologie und reformistischen Agenden einer Verbreiterung bäuerlichen Eigentums reichen. Während der Revolution fanden die Sandinisten große Unterstützung in der bäuerlichen und indigenen Bevölkerung Nicaraguas, sowie bei vielen neuen sozialen Bewegungen in Übersee, besonders bei der „Neuen Linken“ in Europa, von wo teilweise auch internationale Brigaden zu deren Unterstützung nach Nicaragua aufbrachen. Diese Brigaden unterstützten die soziale und entwicklungspolitische Infrastruktur auf Seiten der Sandinisten und schufen internationale Aufmerksamkeit und Gegenöffentlichkeit zu dem durch die USA in westlichen Medien verbreiteten Bild vom "kommunistisch gequälten" Nicaragua.
Die Nicaraguanische Revolution bildete eine Provokation für mächtige, v.a. US-amerikanische Konzerne, die während der Somoza-Diktatur in Nicaragua investiert hatten und gefährdete auch politisch die US-Interessen in der Region. Auch die Unterstützung der Sandinisten durch mit der UdSSR verbündete Staaten, beispielsweise durch das kommunistische Kuba und die DDR, sowie die Wirkung der FSLN auf Guerrillas in Nachbarstaaten Nicaraguas, wie etwa die Unterstützung der linken Revolutionäre in El Salvador bewirkte, dass die USA die gegnerischen "Contras" (abgeleitet von Konterrevolution = Gegenrevolution), die von Basen im benachbarten Honduras aus agierten, mit finanziellen, geheimdienstlichen (siehe Iran-Contra-Affäre) und militärischen Mitteln förderte. So blieb Nicaragua auch nach der Revolution noch relativ lange Schauplatz bürgerkriegsähnlicher Zustände (vgl. Contra-Krieg).
Die FSLN hat seit der Wahlniederlage 1990 mit ihrem Image zu kämpfen. Interne Konflikte zwischen den Lagern drohten die FSLN zu spalten, doch Daniel Ortega schaffte es, an der Macht zu bleiben. 1994 und 1995 traten zahlreiche berühmte Intellektuelle aus der FSLN aus, darunter Gioconda Belli, die Brüder Fernando und Ernesto Cardenal, sowie Sergio Ramirez. Letzterer gründete eine Partei, die jedoch 1996 nur eine kleine Wählerschaft fand. Außerdem hat die FSLN einen großen Teil ihrer Basis verloren. Große Teile der Bevölkerung sind tief enttäuscht von den zutage getretenen Skandalen der Partei. Auf politischer Ebene kam in den späten 90ern der "Verrat" durch den Pakt mit der AL. Viele Sandinisten sahen ihre Ideale verraten, als die FSLN just der Partei erhebliche Zugeständnisse machten, die für viele als Inbegriff für Korruption galt. Nebenbei wurde der Pakt als Schwächung der Demokratie empfunden.
Des weiteren wurden im Laufe der 90er Jahre einige verborgen gebliebene Aktivitäten der FSLN aus den 80er Jahren bekannt. Neben großen Teilen der Bevölkerung wandten sich auch ehemalige ideologische Unterstützer von der FSLN ab.
Ein weiterer heikler Punkt in der Geschichte des FSLN sind die Missbrauchsvorwürfe gegen Daniel Ortega. Im Mai 1998 verklagte ihn seine 30jährige Stieftochter offiziell wegen sexueller Gewalt. Sie warf (und wirft) ihm vor, sie von 1978 bis 1998 mehrfach sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben. Als ein Strafgericht in Nicaragua das Verfahren eröffnete, erklärte die Verteidigung Ortegas dieses sofort für ungültig, da Daniel Ortega als Abgeordneter Immunität genieße. Im Juni wurde das Verfahren ausgesetzt, da die Klage erst behandelt werden könne, wenn der Kongress Ortegas Immunität aufhebe.
Im Dezember 2000 verzichtete Daniel Ortega auf seine parlamentarische Immunität und gab an, vor Gericht beweisen zu wollen, dass seine Stieftochter lüge. Im Nachhinein wurde ihm Heuchelei vorgeworfen, da er gewusst habe, dass das Verfahren eingestellt würde, weil es nach nicaraguanischem Recht verjährt war. In der Öffentlichkeit wurde versucht, dieses Thema soweit wie möglich zu verschweigen.
Im November 2000 schafften es die Sandinisten, in fast allen wichtigen Gemeinden einschließlich der Hauptstadt Managua, die Kommunalwahlen zu gewinnen. Daniel Ortega präsentierte sich als stolzer Gewinner und nutzte die Gelegenheit, sich als Präsidentschaftskandidat für die FSLN zu präsentieren. Der Sieg der Sandinistas wurde von vielen allerdings nicht auf Ortega zurück geführt. Einige der aufgestellten Kandidaten hatten sich deutlich von Daniel Ortega und dem ihm ergebenen Führungszirkel der Partei distanziert. Der neugewählte sandinistische Bürgermeister Lewites hatte sogar die Parteifarben abgelehnt. Statt in traditionellem Rot–Schwarz plakatierte er in neutralem Gelb.
Nach der letzten Wahlniederlage 2001 wurde spekuliert, ob dies das Ende der politischen Karriere Ortegas sei. Das könne eine Möglichkeit für die FSLN sein, wieder zu der Volkspartei zu werden, die sie einmal war. Es gibt innerhalb der FSLN Kräfte, die versuchen die Partei in Richtung Sozialdemokratie zu öffnen. Bis heute zeichnet sich jedoch noch kein Rückzug Ortegas von der politischen Bühne ab.
Die Kommunalwahlen im November 2004 brachten der FSLN neben der Wahl von José Dionisio "Nicho" Marenco Gutiérrez zum Nachfolger von Herty Lewites als Bürgermeister von Managua auch insgesamt 44 Prozent der Stimmen gegenüber 35 Prozent für die PLC und 11 Prozent für APRE, die FSLN erhielt die Mehrheit der Stimmen in den Regionen Chontales, Boaco, Nueva Segovia, Madriz, Jinotega, Estelí, Chinandega, León, Managua, Masaya, Carazo, Matagalpa, Región Autónoma Atlántico Sur sowie Río San Juan. Weiterhin erhielt die FSLN fast 90 der 152 Bürgermeisterposten im Land.
Der ehemalige Bürgermeister von Managua, Herty Lewites, gab Anfang 2005 bekannt, als Präsidentschaftskandidat der FSLN bei den Wahlen 2006 anzutreten. Dieses Bestreben beantwortete die Führung der FSLN, unter anderem Daniel Ortega, mit dem Ausschluss Lewites aus der Partei. Trotz der Anfeindungen aus den Reihen der FSLN-Funktionäre erklärte Lewites bei einer Kundgebung am 13. März 2005, erneut seine Absicht als Kandidat der FSLN bei den Wahlen antreten zu wollen. Daniel Ortega hingegen wurde nach dem Ausschluss Lewites von der Parteiführung zum erneuten Präsidentschaftskandiaten der FSLN für die Wahlen 2006 ernannt.
Umfragen von CID Gallup Latinoamerica im Februar und März 2005 zeigten einen Beliebtheitsvorsprung von Herty Lewites gegenüber Daniel Ortega.
Anfangs bemühten sich die Sandinisten nach dem Vorbild Fidel Castros an der Grenze zu Honduras, eine Landguerilla aufzubauen, was jedoch 1963 zunächst scheiterte.
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