Die Sandale ist eine der historisch ältesten Schuhgrundformen, die sich auf eine mit Riemen am Fuß befestigte Sohle beschränkt. Sie ist durch große Luftigkeit und (meist) Leichtigkeit gekennzeichnet. Sandalen haben üblicherweise keinen Absatz. Eine feminine Form der Sandale, die Sandalette, ist im Gegensatz dazu durch einen höheren Absatz gekennzeichnet. Die Sandale ohne oder mit flachem Absatz ist grundsätzlich zunächst einmal ein Unisex-Schuhmodell. Speziell verzierte Riemchen können aus einem ursprünglichen Unisexmodell ein charakteristisches Damenmodell machen.
Sandalen können nach verschiedenen Kriterien untergliedert werden. Oft dient dazu der Sandalenboden:
Trekkingsandalen.jpg Die jüngste Sandalenentwicklung stammt aus dem Jahr 1982 (Mark Thatcher/USA): Die Sportsandale (auch Outdoor- oder Trekkingsandale). Ihre Kennzeichen sind Wasserunempfindlichkeit, ein ausgeklügeltes mit Klettbändern zu verschießendes Riemensystem, eine Formsohle mit hochstehendem, den Fuß schützenden Rand und ein vergleichsweise fester Sitz am Fuß (dadurch Schweißentwicklung unter der Fußsohle).
Bei den Ledersandalen westlicher Länder ist auffällig, dass sie keine Verzierungen im Leder des Bodens (und der Riemen) zeigen, anders als bei den afrikanischen, mittel- und südamerikanischen sowie indischen Sandalen.
Japan, ein Land mit einer Jahrhunderte alten Sandalenkultur, orientiert sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts stark an den westlichen Zivilisationen, wodurch die Kultur des Sandalentragens in Japan weit zurückgedrängt wurde.
Die Bauweise ist vom Boden abhängig. Bei einer Querriemensandale mit Holzboden wird beispielsweise der Querriemen entweder seitlich an die Sohle genagelt, oder durch einen Schlitz in dieser hindurchgeführt. Ledersandalen haben entweder geklebte Böden oder sind flexibelgenäht. Rahmengenähte Sandalen sind selten und widersprechen auch der Biegefreudigkeit und Leichtigkeit dieses Schuhmodells. Moderne Trekkingsandalen aus Kunststoffen werden in Formen gespritzt.
Obwohl die Sandale eines der meistgetragenen Schuhmodelle dieser Welt ist und unzweifelhafte Vorteile bei heißen Umgebungstemperaturen hat (Tragekomfort durch Luftigkeit), haftet ihr in den westlichen Industrienationen ein ideologischer Beigeschmack an. Da Sandalen historisch seit dem 19. Jahrhundert vielfach von gesellschaftlichen Randgruppen oder Gruppen, die sich vom Establishment abgrenzen wollten, getragen wurden, genießt dieses Schuhmodell vor allem bei Männern einen zweifelhaften Ruf.
Dieser der Sandale immer noch anhaftende Nimbus des „Nonkonformistischen“, des „Revolutionären“ bewirkt die Scheu vieler Männer, diese Sommerschuhvariante in der Freizeit zu tragen. Gentlemen-Breviers und Bekleidungsratgeber schweigen die Sandale meist tot, als ob es dieses Schuhmodell nicht gäbe, verbannen sie in die Urlaubszeit oder als Hausschuh in den privaten Bereich.
Die Sandale mit weißen Socken kombiniert gilt als Kennzeichen des Spießers. Sandalen ohne Socken anzuziehen wird als korrekte Trageweise angesehen.
Helge Sternke: Alles über Herrenschuhe, Nicolai-Verlag, Berlin, 560 S., 450 Abb., 2006, ISBN 3-89479-252-3.
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