Samye Tibet.jpg
Samye (Tibetisch: བསམ་ཡས་, transliteriert: bSam yas Gling; Chinesisch: 桑耶寺, Pinyin: Sāngyē Sì) ist der Name einer als Mandala erbauten Tempel- und Klosterlage im Kreis Dratang (chin. Zhānáng 扎囊), Gebiet Lhoka (tib. ལྷོ་ཁ་, chin. Shānnán 山南) am nördlichen Ufer des Yarlung-Flusses (Brahmaputra), nahe bei Lhasa, heute im Autonomen Gebiet Tibet im Südwesten Chinas gelegen.
Erstes buddhistisches Kloster Tibets
Samye_Monastery%2C_as_viewed_from_the_top_of_Samye_Hepo-ri%2C_a_local_holy_mountain.jpg
Samye war das erste buddhistische Kloster
Tibets und wurde um 775 unter der Herrschaft des tibetischen Königs
Trisong Detsen (reg. 755-797) errichtet. Der große tantrische Meister
Padmasambhava und Shantarakshita, der Abt der indischen Klosteruniversität
Nalanda, ein bedeutender Gelehrter des
Mahayana-
Buddhismus, leiteten den Bau der Anlage. Padmasambhava führte die Einweihung des Tempels aus, wobei sich nach der Überlieferung verschiedene wundervolle Zeichen manifestierten. In Samye wurden daraufhin die ersten buddhistischen Mönche Tibets geweiht.
Anordnung der Tempel
Die Tempelanlage formiert sich um einen großen dreistöckigen Zentraltempel der im Stile Indiens, Tibets und Chinas gestaltet wurde. Dieser Tempel diente zur Zeit Padmasambhavas dazu Einweihungen in die geheimen Lehren des Vajrayana zu geben. Er ist an allen vier Seiten von Tempeln umgeben, die den Bodhisattvas
Avalokitesvara,
Aryapala,
Manjushri und
Maitreya gewidmet sind, mit insgesamt acht kleineren Tempeln dazwischen. An den vier Ecken des Zentraltempels wurden jeweils große
Stupas errichtet. Die Tempelanlage ist von einer kreisrunden Mauer umgeben, die insgesamt 108 kleine Stupas trug. Aufgrund dieser und anderer Besonderheiten trägt Samye auch den Beinamen
Das Unfassbare. Die verschiedenen Tempel Samyes waren mit kostbaren Statuen und verschiedensten Ritualgegenständen gefüllt.
Schützer Samyes
Guru_Rinpoche.JPG
Nach der Überlieferung inthronisierte
Guru Rinpoche die Gottheit
Pekar (Pehar) als
Hauptschützer von Samye. Ein Tempel im Rahmen der Anlage Samyes ist daher als Tempel Pekars bekannt. Pekar entstammt der mongolischen Meditationsschule von Batha Hor und diente in seiner Funktion als Schützer Samyes 700 Jahre lang, bis er, einer Legende zu Folge, zur Zeit des V. Dalai Lama
Ngawang Lobsang Gyatso nach Nechung, nahe dem Drepung-Kloster in Zentraltibet, wechselte. Nachfolger in der Aufgabe des Schützers von Samye wurde die Gottheit
Tsiu Marpo.
Erste Übersetzungsperiode
Das Kloster Samye wurde im 9. Jahrhundert, während der ersten Übersetzungswelle buddhistischer Schriften aus dem indischen Sanskrit ins Tibetische als zentraler Übersetzungsort genutzt. Aus dieser Übersetzungszeit ging die
Nyingma-Schule des tibetischen Buddhismus hervor und die Grundlagen zur Verbreitung der Lehren Buddhas in späteren Zeiten wurde gelegt. Die verschiedenen Tempel dienten zugleich auch als Ort für Belehrungen, Einweihungen und Meditation.
Medizinkongreß in Samye
König Trisong Detsen hielt Ende des 8. Jahrhunderts in Samye die erste medizinische Versammlung mit Gelehrten aller angrenzenden Länder ab und ließ infolge die klassische tibetische Medizin entwickeln, wobei er Lehren verschiedener medizinischer Systeme berücksichtigte. Aus dieser Zeit stammen die Grundlagen des Gyüschi, der vier medizinalen Tantras die in späteren Jahrhunderten die Grundlage der klassischen tibetischen Medizin bildeten.
Verfolgung zur Zeit des Königs Langdarma
Bereits zur Regierungszeit des tibetischen Königs Langdarma (Reg.Zeit 936-942) wurde die Ausübung des Buddhismus in Tibet verboten, ihre Anhänger verfolgt und Mönche gezwungen in den Laienstand zu treten. Samye war in dieser Zeit als Lehrzentrum des Buddhismus verwaist. In späteren Jahrhunderten wurde der in seiner äußeren Form verdrängte Buddhismus in einer neuen Übersetzungsphase ab dem 11. Jahrhundert wiederbelebt. Diese Periode führte zur Gründung der Kadampa, Kagyü, Sakya, und etwas später, der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus (Vajrayana). Das Kloster Samye nahm in dieser zweiten Phase der Verbreitung des Buddhismus in Tibet rein äußerlich keine vergleichbar vorrangige Stellung mehr ein.
Kulturrevolution
Während der chinesischen Kulturrevolution (1966-1976) wurde Samye wie alle tibetischen Klöster entweiht und geplündert. Kulturgüter von wahrscheinlich unschätzbarem Wert wurden zerstört. Anders als der Großteil der übrigen 6000 Klöster Tibets entging Samye aber der vollständigen Zerstörung.
Jüngere Geschichte
Prayer wheels in Samye.jpg |
Dilgo Khyentse Rinpoche (1910-1991), einer der bedeutendsten Nyingma-Meister des letzten Jahrhunderts, zugleich auch Lehrer des derzeitigen
Dalai Lama, weihte die Tempelanlage gegen Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts erneut ein. Heute wird sie von der Nyingma- und der Sakya-Schule gemeinsam verwaltet.
Literatur
- Guru Padmasambhava, "Die Geheimlehre Tibets", Kösel Verlag, München 1998, ISBN 3-466-20439-9 .
- Keith Dowman, "The Secret Life and Songs of the Lady Yeshe Tsogyel", ISBN 1-55939-065-4.
- Mikel Dunham, "Samye - A Pilgrimage to the Birthplace of Tibetan Buddhism", Jodere Group 2004, ISBN 1-58872-083-7.
- Padmasambhava, "Die Legende vom großen Stupa", Dharma Publishing, Münster 1993
- "Sources for a history of the bSam yas debate", Monumenta Tibetica historica, VGH-Wissenschaftsverlag 1980, ISBN 3-88280-007-0. (Texte in Transkription)
- Yeshe Tsogyal, "Der Lotosgeborene im Land des Schnees" - Wie Padmasambhava den Buddhismus nach Tibet brachte, Fischer 1996, ISBN 3-59612-975-3. (Biographie von Padmasambhava)
Weblinks
Geschichte des Buddhismus | Buddhistisches Kloster | Vajrayana | Buddhismus in Tibet | Kloster (9. Jhdt.)
Samye | Samye | Samye | Samye | Самье | 桑耶寺