Samuel Morris Steward (* 23. Juli 1909 in Woodsfield, Ohio; † 31. Dezember 1993 in Berkeley, Kalifornien; Pseudonym Phil Andros) war ein US-amerikanischer Schriftsteller und Tätowierer. Er wurde vor allem durch seine unter dem Pseudonym Phil Andros erschienenen homoerotischen Erzählungen und Romane bekannt.
Parallel dazu war er seit 1952 unter dem Künstlernamen Phil Sparrow als selbstständiger Tätowierer tätig. Er betrieb eigene Tattoo Shops in Chicago und seit 1965 in Oakland, Kalifornien. Sein Buch Bad Boys and Tough Tattoos (1990) ist eine Mischung aus autobiografischer Erinnerung an seine Jahre in Chicago und kulturgeschichtlicher Untersuchung des Phänomens Tätowierung, das zu jener Zeit vor allem in den unteren Schichten und bei Randgruppen verbreitet war. Steward stellte einen Zusammenhang zwischen dem aktiven und passiven Akt des Tättowierens und Sexualität her.
1958 begann Stewards dritte Karriere als Autor homoerotischer Literatur. Seine ersten Erzählungen und Essays erschienen unter diversen Pseudonymen (das bekannteste war Ward Stames, ein Anagramm zu Sam Steward) in der internationalen Schweizer Homosexuellenzeitschrift Der Kreis, die seit 1955 einen englischsprachigen Teil hatte. Obwohl Steward der Zeitschrift bis zu ihrer Einstellung 1967 treu blieb, störte er sich an ihrem konservativen Homosexuellenbild, das sich am Ideal monogamer Beziehungen orientierte und lediglich eine dezente Andeutung sexueller Kontakte erlaubte. Für seine freizügigeren Erzählungen, die ab 1964 zunächst in einschlägigen skandinavischen Zeitschriften (wie Eos und Amigo) erschienen, legte Steward sich das Pseudonym Phil Andros (etwa Liebhaber von Männern, abgeleitet von Griechich philos = Liebe und andros = Mann) zu.
Hauptfigur der meisten Andros-Erzählungen ist ein gleichnamiger Ich-Erzähler, der seinen Lebensunterhalt als Stricher verdient und detailreich von seinen sexuellen Begegnungen berichtet. Stewards selbstbewusste und gebildete Kunstfigur, die sich deutlich von den in ihrer Entstehungszeit üblichen literarischen Darstellungen des homosexuellen Mannes als Sexualverbrecher, Schwächling oder Opfer unterscheidet, erlangte während der Emanzipationsphase der US-amerikanischen Homosexuellenbewegung in den 1960er und 1970er weltweite Popularität. Zwischen 1965 und 1984 erschienen sechs Andros-Romane sowie etwa sechs weitere Bände mit Kurzgeschichten, die in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach aufgelegt wurden. Zu den bekanntesten Titeln der Andros-Reihe gehören $tud (1965), San Francisco Hustler (1970), When in Rome ... Do (1971) und Different Strokes (1984). Für die Gestaltung der Buch-Cover wurden häufig Zeichnungen des in der homsexuellen Lederszene prominenten Künstlers Tom of Finland verwendet.
Der Erfolg der Andros-Bücher verdankte sich neben Stewards Gespür für die zeitgenössischen homosexuellen Wunschbilder und Stereotypen seinen stilistischen Fähigkeiten bei der Gestaltung von Plots, Figuren und Handlungssträngen, die seine erotischen Geschichten vom wachsenden Angebot der homosexuellen Pornographie abhoben. Seine genauen Kenntnisse der internationalen homosexuellen Subkultur, insbesondere der Lederszene und dem Strichermilieu, machen seine Bücher auch zu einem interessanten Dokument homosexueller Lebensstile in den Jahrzehnten vor AIDS.
Der Erfolg seiner Bücher ermöglichte es Steward, der seit Mitte der 1960er Jahre im kalifornischen Berkeley, einem Zentrum der amerikanischen Protestbewegung lebte, sich nach 1970 ganz auf das Schreiben zu konzentrieren. 1981 erschienen seine Memoiren Chapters from an Autobiography, in denen er freimütig über seine Sexualbiografie und seine Begegnungen mit prominenten Persönlichkeiten der homoerotischen Literaturgeschichte erzählt. Während der Wahrheitsgehalt seiner sexuellen Begegnungen mit dem Dramatiker Thornton Wilder und dem Schriftsteller Alfred Douglas (dem Liebhaber von Oscar Wilde) umstritten ist, gelten seine Kontakte zu Gertrude Stein und ihrer Lebensgefährtin Alice B. Toklas sowie zu dem Sexualforscher Alfred Kinsey als gesichert.
Mit Kinsey war Steward seit 1946 befreundet. Er unterstützte dessen Forschungen durch Teilnahme an Experimenten und Vermittlung von Informationen und Kontakten zur Homosexuellenszene.
Bereits 1977 veröffentlichte er unter dem Titel Dear Sammy seine langjährige Korrespondenz mit Gertrude Stein und Alice B. Toklas, die ein wichtiges Dokument zu beider Biografie und zu den amerikanisch-europäischen Literaturbeziehungen der 1930er bis 1960er Jahre darstellt. Die Freundinnen Stein und Toklas sowie Teile ihres Freundeskreises treten als literarische Figuren in drei Kriminalromanen (Parisian Lives, Murder is Murder is Murder, The Caravaggio Shawl) auf, die Steward in den 1980er Jahren schrieb.
Stewards letztes größeres Werk war Understanding the Male Hustler (1991), ein kulturgeschichtlicher Versuch über männliche Prostitution, den er als Dialog zwischen sich selbst und seiner Kunstfigur Phil Andros gestaltete.
Als Samuel M. Steward:
Als Phil Andros (Auswahl):
Im deutschsprachigen Raum erschienen die Phil Andros-Bücher seit Anfang der 1980er Jahre in dem auf homosexuelle Erotika spezialisierten Berliner Verlag Bruno Gmünder.
Autor | US-Amerikaner | Geboren 1909 | Gestorben 1993 | Mann
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