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Wappen Karte
Papenteich wappen.jpg Karte_Samtgemeinde_Papenteich_in_Deutschland.png
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Gifhorn
Gemeindeart: Samtgemeinde
Verwaltungssitz: Meine
Geografische Lage:
Höhe: 79 m ü. NN
Fläche: 110,84 km²
Einwohner: 23.458 (30. Juni 2005)
Bevölkerungsdichte: 211 Einwohner/km²
Kfz-Kennzeichen: GF
Gemeindeschlüssel: 03 1 51 406
Samtgemeindegliederung: 6 Gemeinden
Adresse der
Samtgemeindeverwaltung:
Hauptstraße 15
38527 Meine
Website: www.papenteich.de
E-Mail-Adresse: info@papenteich.de
Politik
Bürgermeister: Helmut Holzapfel (SPD)
Die Samtgemeinde Papenteich ist eine Samtgemeinde im niedersächsischen Landkreis Gifhorn zwischen der südlichen Lüneburger Heide und der Stadt Braunschweig. Der Papenteich wurde 1970 in seiner heutigen Form gebildet und besteht aus 6 Gemeinden mit insgesamt 19 Ortschaften mit dem Verwaltungssitz Meine. In der Samtgemeinde leben 23.458 Menschen.

Geografie


Geografische Lage

Die Samtgemeinde Papenteich liegt zwischen dem Harz und der Heide und schließt sich nördlich an die Stadt Braunschweig an. Der Papenteich wird zentral in Nord-Süd-Richtung von der Bundesstraße 4 durchzogen. Südlich in Richtung Braunschweig streift die Bundesautobahn_2 mit den Auffahrten Braunschweig Watenbüttel sowie das Autobahnkreuz Braunschweig Nord (A2 / A391) die Samtgemeinde. Größere Städte in der näheren Umgebung sind: Gifhorn, Wolfsburg, Braunschweig, Salzgitter, Wolfenbüttel, Peine und Celle.

Nachbargemeinden

Gliederung der Samtgemeinde
Gemeinde Einwohner Ortschaften
Gemeinde Adenbüttel 1.724
Adenbüttel
Rolfsbüttel
Gemeinde Didderse 1.404
Didderse
Gemeinde Meine 8.070
Meine
Abbesbüttel
Bechtsbüttel
Grassel
Gravenhorst
Ohnhorst
Wedelheine
Wedesbüttel
Gemeinde Rötgesbüttel 2.280
Rötgesbüttel
Gemeinde Schwülper 6.627
Groß Schwülper
Lagesbüttel
Rothemühle
Walle
Gemeinde Vordorf 3.353
Vordorf
Eickhorst
Rethen


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SG Meinersen Stadt Gifhorn SG Isenbüttel
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LK Peine Brosen windrose.svg Stadt Wolfsburg
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Stadt Braunschweig LK Helmstedt

Samtgemeindegliederung

Die Samtgemeinde Papenteich wurde zunächst von 18 Mitgliedsgemeinden am 2. Oktober 1970 gebildet. Im Zuge der Gebietsreform im Jahre 1974 kam es zu einer geänderten inneren Gliederung und zu einer modifizierten äußeren Abgrenzung. Im Mai 1981 wurde als letzte Veränderung die Rückgliederung der 1974 abgetrennten Gemeinde Didderse durchgeführt. Die Samtgemeinde umfasst heute die Mitgliedsgemeinden Adenbüttel, Didderse, Meine, Rötgesbüttel, Schwülper und Vordorf. Sitz der Verwaltung ist Meine.

Geologie

Der Papenteich befindet sich vorwiegend auf einer lehmig-sandigen Hochfläche einer Grundmoränenplatte. Entstanden ist diese Landschaft am Ende der letzten Eiszeit vor etwa 12.000 Jahren durch die Ablagerung von Schutt und Geröll des abtauenden Gletschers. Hieraus entwickelte sich im laufe der Zeit eine fruchtbare Lösschicht.

Begrenzt wird das Gebiet im Norden durch das Urstromtal der Aller, im Westen stellt die Oker die ungefähre Grenze des Gebietes dar. Insgesamt weißt das Gebiet nur sehr geringe Höhenunterschiede auf und wird geprägt von flachen Hügeln und Wiesentälern. Der Ackerboden ist von mittlerer Qualität, vereinzelt von Kalkmergelschichten durchzogen.

Geschichte


Papenteich als historischer Gebietsname

Die Ortsbezeichnung "Papenteich" für das Gebiet ist älter. Sie findet sich so bereits im Topographischen Atlas des Königreichs Hannover von A. Papen (1840). Dort sind einige Ortschaften nördlich und östlich der heutigen Samtgemeinde auch dem Papenteich zugeordnet. Bis 1859 gab es den Papenteich als selbständige Verwaltungseinheit. Erst dann wurden die Ämter Gifhorn und Papenteich zum neuen Amt Gifhorn zusammengelegt.

Vorgänger des Amtes Papenteich waren die Gografschaften. Nach den napoleonischen Kriegen und vor 1852 gab es als Unterglieder des Amtes Gifhorn:

Das historische Gebiet das Papenteichs ist damit weit größer als die heutige Fläche der Samtgemeinde.

Nach den Untersuchungen Willi Rinkels (1983) läßt sich der Name Papenteich weiter bis in mittelalterliche Urkunden verfolgen. Die ältesten Namensformen lauten dabei poppendic oder poppendyk. Beispielsweise hatten 1318 die Grafen von Wohldenberg die Grafschaft im "poppendik" inne. Das Grundwort kann für "Dickicht" stehen, es kann im Mittelniederdeutschen 'Teich' oder 'Deich' bedeuten, im Mittelhochdeutschen auch 'Grenze' oder 'wiedergutmachen, sühnen'. Was das Sühne- und Gerichtswesen betraf, so hatte der Papenteich tatsächlich in alten Zeiten eine eigene Dingstätte, vermutlich unter freiem Himmel, die Dingbänke zwischen Rötgesbüttel und Meine, und war damit ein eigener Gerichtsbezirk. Der erste Teil des Namens Papenteich kommt wahrscheinlich nicht nicht von den "Papen" (Pfaffen), sondern vom Personennamen Poppo. Rinkel vermutet einen 1165 verstorbenen Grafen Poppo als Namensgeber. Dieser war mit Kaiser Lothar von Supplinburg verschwägert. Die genaue Herkunft des Namens Papenteich ist jedoch noch nicht geklärt.

Die "Büttelei"

Bemerkenswert ist, daß ein Großteil der in Deutschland auf "büttel" endenden Orte im historischen Gebiet das Papenteichs liegt (überwiegend auch in der heutigen Samtgemeinde). Diese Büttel-Orte sind eine Papenteicher Besonderheit. Man pflegt die Gegend bisweilen auch die "Büttelei" zu nennen. Mit dem Büttel als Gerichtsdiener haben diese Namen nichts zu tun. Sie sind erheblich älter als diese Berufsbezeichnung. Die Sprachforschung leitet büttel von bodal ab. Dies ist nordsächsisch und kann etwa "Haus und Hof" oder "Siedlungsgebiet" bedeuten. Das Bestimmungswort vor "büttel" ist meistens - soweit feststellbar - ein Personenname aus vorchristlicher Zeit, z. B. für Brunsbüttel Brun oder für Rolfsbüttel Rolf. Einige englische Ortsnamen auf "bottle" haben den gleichen Ursprung.

Ausgehend von der Sprach- und Ortsnamenforschung ist versucht worden, die Zeit der Landnahme im Papenteich zu ermitteln. Nur wenige Ortsnamen, vielleicht solche wie Rethen, Hillerse, Meine, sind möglicherweise älter als die Büttel-Namen. Vor der Gründung der Büttel-Dörfer müssen weite Flächen des Papenteichs unbesiedelt gewesen sein. Vor 400 n. Chr. sind in den Dörfern kaum archäologische Funde nachweisbar, wohl aber solche aus der Zeit vor 800. Heinrich Wesche (1971) nimmt eine Gründung vieler Dörfer im 5. oder 6. Jahrhundert an.

Es gibt einige weitere Büttel-Orte in Dithmarschen und eine andere Gruppe bei Bremen. Zieht man eine Verbindung vom Papenteich durch die Lüneburger Heide nach Dithmarschen, so liegen an dieser Verbindungslinie, aber fast nirgendwo sonst im deutschen Sprachraum, verstreut einige weitere Büttel-Orte, wie Wunderbüttel, Hankensbüttel und Bienenbüttel in der Lüneburger Heide. Daher und aufgrund einiger sprachlicher Gemeinsamkeiten des Dialekts mit der Nordschleswiger Sprache (vgl. unten: Sprache) wird vermutet, daß ein großer Zug von Siedlern (bzw. ein kleiner Stamm) aus dem Küstengebiet nach Süden gewandert sein muß. Diese Siedler hätten auf dem Weg einige kleine Gruppen zurückgelassen, die unterwegs die verstreuten Orte in der Heide gegründet hätten. Der Großteil aber hätte sich im Papenteich niedergelassen, dort das Land unter sich aufgeteilt und mehr als 30 bodals gegründet. Die Papenteicher wären sozusagen ein eigener Stamm gewesen.

Diese Auffassung herrscht in dem an der Ortsnamensforschung orientierten Schrifttum vor. Eine abweichende Meinung vertritt der Braunschweiger Historiker Wolfgang Meibeyer in einer 2004 erschienenen Publikation, die nicht mit namenskundlichen, sondern mit siedlungsarchäologischen Methoden arbeitet. Nach Meibeyer sei die Landnahme erst wesentlich später erfolgt, und die Büttel-Orte seien im 11.-15. Jahrhundert entstanden.

Sprache


Papenteicher Platt

Im 19. Jahrhundert war die Umgangssprache Papenteicher Platt. Dieses wurde gegen Ende des Jahrhunderts im Deutschen Sprachatlas teilweise dokumentiert. Der Papenteich galt als eigene Kleindialektlandschaft innerhalb des ostfälischen Niederdeutsch. Charakteristisches Kennzeichen dieses Dialekts ist u.a. das lange ü anstelle des sonst im Niederdeutschen langen u: Üse Püdel is in einem Tüge üt de Lüke rütesüset (Unser Pudel ist in einem Zuge aus der Luke herausgesaust). Ein weiteres Dialektmerkmal ist z. B., dass fremde ältere Personen ungefähr gleichen gesellschaftlichen Standes nicht Herr oder Frau, sondern Unkel und Tante angesprochen werden. Kirchensprache, Schrift- und Amtssprache war Hochdeutsch. Der Papenteicher Dialekt um 1900 ist u.a. in den Zeitungsbeiträgen von Karl Ahrens aus Meine (1868-1937) erhalten. Dieser schrieb über viele Jahre Texte für die Wochenendbeilage der Gifhorner Aller-Zeitung.

Das Papenteicher Platt ist als Teil des Niederdeutschen als anerkannter Regionalsprache im Rahmen europäische Charta für Regional- und Minderheitensprachen besonders geschützt.

Heinrich Wesche, ein aus Hillerse stammender Göttinger Wissenschaftler, hat versucht, aus dem Papenteicher Platt die Besiedlungsgeschichte des Papenteichs abzuleiten. Der Umlaut ü nach Papenteicher Art finde sich sonst in ähnlicher Form nur in Jütland, Nordschleswig und Friesland. Einige wenige Wörter gebe es außer im Papenteich nur in Nordschleswig. Wahrscheinlich habe im Papenteich im 5. oder 6. Jahrhundert ein Stamm aus dem Norden gesiedelt, der mit seinen Ortsgründungen für die einzigartige Ballung von "Büttel"-Ortsnamen verantwortlich sei.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts ist der örtliche Dialekt dramatisch zurückgegangen. Um 2000 hört man in Alltagssituationen kaum noch Papenteicher Platt, oft nur ein- oder zweimal jährlich und somit weitaus seltener als beispielsweise Italienisch, Türkisch oder Russisch. Die Sprache wird vermutlich noch von einigen hundert Menschen vollständig beherrscht, allerdings sprechen auch viele von diesen im Alltag Hochdeutsch. Die Zahl derer, die den Dialekt verstehen oder gelegentlich einzelne Wörter und Sätze verwenden, ist deutlich höher. Im kulturellen Leben wird der Dialekt weiterhin gepflegt, z. B. durch den örtlichen Autor Karl-Otto Dohrendorf und durch Veranstaltungen der Samtgemeindebücherei. Da derzeit nahezu keine Weitergabe des Dialekts an Kinder erfolgt, besteht die Möglichkeit, daß er im 21. Jahrhundert ausstirbt.

Regionales Hochdeutsch

Obwohl der Papenteich zuletzt stark durch Zuwanderungen geprägt wurde (beispielsweise hat sich die Bevölkerung von Meine seit 1939 etwa vervierfacht), spricht etwa die Hälfte der Bevölkerung ein mehr oder weniger stark lokal eingefärbtes Hochdeutsch mit Braunschweiger und Papenteicher Elementen, wie z. B. einem sog. klaren A und einem weichem G am Wortende: Aantracht Braunschwaach steht beispielsweise für den Fußballclub Eintracht Braunschweig. Etwa 200 niederdeutsche Wörter werden in der ansonsten hochdeutschen Umgangssprache verwendet, allerdings nicht alle gleich häufig.

Politik


Gemeindepartnerschaften

Wirtschaft und Infrastruktur


Verkehr

Die Samtgemeinde wird für den Straßenverkehr in Nord-Süd-Richtung über die B 4 (Braunschweig-Lüneburg) erschlossen und in West-Ost-Richtung durch die L 321 (Peine-Wolfsburg). Durch das bisherige Fehlen von Ortsumgehungen, die aktuelle Einwohner- und Verkehrszunahme und seit Januar 2005 die Nutzung der mautfreien B 4 und L 321 durch den Schwerlastverkehr ergeben sich erhebliche Belastungen für die durchquerten Orte. Die Diskussion über Verkehrsbelastungen, Verkehrsberuhigung und mögliche Ortsumgehungen ist seit etwa 2002 beherrschendes Thema der Kommunalpolitik. Der äußerste Süden der Samtgemeinde wird nahe Schwülper und Walle von der Autobahn A 2 gestreift.

Der Eisenbahnverkehr durchquert die Samtgemeinde in Gestalt der Nebenstrecke Braunschweig-Uelzen in Nord-Süd-Richtung in etwa parallel zur B 4. Es gibt derzeit Bahnhöfe bzw. Haltestellen in Meine und Rötgesbüttel. Geplant ist ein Ausbau der Strecke Braunschweig-Gifhorn als "RegionalStadtBahn" für das Braunschweiger Umland.

1928 wurde der Mittellandkanal durch das Gebiet der späteren Samtgemeinde gebaut. Die Orte Abbesbüttel, Wedelheine und Wedesbüttel sind direkt am Kanal gelegen.

Der Radfernweg Braunschweig-Lüneburg durchquert das Gebiet der Samtgemeinde in Süd-Nord-Richtung über Abbesbüttel, Meine, Ohnhorst und Gravenhorst, meistens auf gut ausgebauten asphaltierten Feldwegen abseits vom motorisierten Straßenverkehr.

Literatur


  • Brandt, C.: Schwülper. Ein Stück niedersächsische Heimatgeschichte. Hildesheim 1912.
  • Der Landkreis Gifhorn. Hrsg. von Niedersächsischen Landesverwaltungsamt. Bremen 1972. (Die Landkreise in Gifhorn, Bd. 26. ISBN 3-87172-327-4.)
  • Geschichtliches aus dem Papenteich. Bearbeitet von Heinz Klose. Meine 1983. ISBN 3-87040-029-3. Zahlreiche Aufsätze und Kurzbeiträge vor allem zur Papenteicher Geschichte.
  • Bitter, Stephan / Gurland, Hans-Heinrich (Hrsg.): Unsichtbare Kirche. Rheinbach 1999. ISBN 3-87062-034-X. (S. 100-309: Tagebücher des Meiner evangelischen Gemeindepastors Rudolf Gurland 1930-1939. Der Pastor wurde wegen seiner jüdischen Abstammung im Nationalsozialismus verfolgt).
  • Papenteich in alten Ansichten. Horb am Neckar 1995. Bildband, 228 S.
  • Seit der Gründungszeit der Samtgemeinde erscheinen die "Papenteicher Nachrichten" als amtliches Mitteilungsblatt. Die Ausgabe 264 vom November 2004 erschien in einer Auflage von 9900 Exemplaren und einer Länge von 68 Seiten. Der Inhalt der "Nachrichten" ging seit jeher erheblich über bloße amtliche Mitteilungen hinaus: es gibt u.a. auch vielfältige Vereinsmitteilungen, Berichte, literarische Texte, Ergebnisse der Heimatforschung.

Weblinks


Samtgemeinde (Niedersachsen)

Papenteich | Papenteich

 

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