Der Begriff Sammeln bezeichnet die systematische Suche, Beschaffung und Aufbewahrung einer abgegrenzten Art oder Kategorie von Dingen oder Informationen.
Früher war das Sammeln und Horten von Lebensmitteln überlebenswichtig. Heute wird Sammeln hauptsächlich als Hobby betrieben, und ist vor allem ein Phänomen der westlichen Industrieländer. Daneben gibt es auch professionelle, institutionalisierte Sammlungen, z. B. von Museen, Bibliotheken und Archiven.
Grundsätzlich kann und wird alles gesammelt, aus Platzgründen vor allem aber handliche Dinge. Dabei gibt es den systematischen Sammler, der ein bestimmtes Gebiet, eine Epoche, Gattung oder Produkte eines Herstellers möglichst vollständig besitzen will, und den eher unsystematischen Sammler, der nur die Dinge sammelt, die ihm gefallen.
Viele Sammler organisieren sich in Vereinen. Auch Tauschbörsen werden veranstaltet, wo die Sammler miteinander Kontakt aufnehmen können und Sammlerstücke austauschen oder kaufen. In beliebten Sammelgebieten können Händler damit ihren Lebensunterhalt verdienen, und viele Objekte werden auch aus kommerziellem Interesse eigens für Sammler in limitierten Auflagen (mit Sammlerzertifikat) hergestellt. Einige besonders begehrte Hersteller organisieren eigene Sammlerklubs mit Sonderangeboten. Flohmarkt2.JPG
Fundquellen für Sammler sind oft Auktionen, Flohmärkte, Antiquitätenläden oder Antiquariate und zunehmend Online-Angebote. Das Internet hat besondere Bedeutung für Sammler sehr exotischer Dinge, die sich so einfach und schnell weltweit austauschen können. Meist ist der Erhaltungsgrad der Sammelobjekte mitentscheidend für die endgültige Festsetzung des Preises.
Wertvolle Sammelstücke werden gefälscht: vergleiche Fälschung, Kunstfälschung, Briefmarkenfälschung, Falschgeld.
Es gibt unzählige Dinge, die gesammelt werden: Ansichtskarten, Antiquitäten, Autogrammkarten, Autos (insbesondere wertvolle Oldtimer), Auto- oder Eisenbahnmodelle, Bierdeckel (Bierfilze) , Bierdosen oder Flaschen, Blechspielzeug (insbesondere Märklin-Modellbahnen oder Schuco-Autos), Briefmarken, Briefpapier, Briefbeschwerer, Bücher, Champagnerdeckel (Capsules de champagne), Comics und Comic-Merchandise, z.B. Disneyana, Feuerzeuge (und besonders Zippos), Gemälde, Grafiken, Handtaschen, Kameras (insbesondere Leicas), Kunstwerke, Münzen (siehe Münzen sammeln), Sammelbilder, Schallplatten, Schmetterlinge,Schneemann , Schuhe, Servietten, Spardosen, Streichholzschachteln, Telefonkarten, Figuren aus Überraschungseiern, Waffen, Zigarettenbilder, Zuckerbriefchen und vieles mehr.
Im Bereich der Museen und Archive erhält das Sammeln seinen offiziellen Rahmen. Diese gehen in vielen Fällen auf private Sammlungen von Fürsten und Herrschern zurück, welche durch das Anlegen der Sammlung ein Abbild des Kosmos einfangen wollten, um damit ihre Macht zu demonstrieren. Zum Beispiel waren Rudolf II. und August der Starke als begeisterte Sammler bekannt. Für Museumssammlungen ist die systematische Dokumentation der Fundumstände und des Gebrauchskontexts der Dinge wesentlich. Im Museum geht es allerdings nicht nur um Sammeln und Dokumentieren, sowie um Archivieren und Konservieren, sondern auch um pädagogische Präsentation und Vermittlung (Museumspädagogik).
Auch Gelehrte und Wissenschafter sind als Sammler in Erinnerung geblieben: Petrarca etwa vermachte seine riesige Büchersammlung dem venezianischen Staat mit der Bedingung, diese der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Johann Wolfgang von Goethe karikiert sich und seine Sammelleidenschaft in dem Dialog Der Sammler und die Seinigen (ISBN 90-5705-066-8) selbst als der Beherrscher, der „die Welt nach seiner Idee“ modelliert. Er soll eine Kunstsammlung mit über 25.000 Einzelstücken besessen haben.
Psychologisch betrachtet hat das Sammeln mehrere Aspekte:
Sammler können dem Krankheitssymptom der Sammelwut verfallen und sich selbst, die Partnerschaft und andere soziale Kontakte vernächlässigen. Im Extremfall kann das als Sucht dazu führen, dass nicht nur eine Sammlung in einem klar abgegrenzten Sachgebiet angelegt wird, sondern dass alles gesammelt wird: jedes Stück Verpackungspapier, jeder Kassenbon, alles was dem Sammler in die Hände kommt. (vgl. z. B. Bibliomanie und Messie-Syndrom).
Siehe auch Zwangsneurose.
Neuere philosophische Überlegungen kritisieren eine einseitige, psychopathologisierende Betrachtung des Sammelns (als „zwangsneurotisch“) und legen demgegenüber den Akzent auf die kreative Potenz des Sammelns als Gestaltung einer eigenen „Wunschwelt“.
Die Komplexität der modernen Industriegesellschaft weckt oft den Wunsch nach Einfachheit und Überschaubarkeit, deren Illusion durch die Beschäftigung mit überschaubaren Sammelgebieten erzeugt werden kann. Die Vereinzelung und Individualisierung führt zudem zu einem Mangel an Sozialkompetenz, so dass sich viele Menschen bevorzugt der Beschäftigung mit Gegenständen widmen. Als weiterer Punkt führt die hochgradige Arbeitsteilung zu einem ausgeprägten Spezialistentum, das zu einem Mangel an Kompetenzen in anderen Lebensbereichen führt. Die Folge ist eine allgemeine subtile Lebensunsicherheit, die wiederum das Bedürfnis weckt, sich mit überschaubaren Themen zu beschäftigen, um ein Gefühl der Sicherheit wiederherzustellen. Die allgemeine Angst vor Arbeitsplatzverlust und sozialem Abstieg wirkt in gleicher Weise.
Siehe auch Simple living.
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