Samisdat (russisch: сам - selbst, издательство/isdatel'stwo - Verlag) bezeichnete in der UdSSR und später auch in anderen so genannten realsozialistischen Staaten wie z. B. auch der DDR die Verbreitung von alternativer, nicht systemkonformer Literatur auf nichtoffiziellen Kanälen, zum Beispiel durch Handschrift, Abtippen oder Fotokopie sowie Weitergeben einzelner Exemplare.
Schriftsteller, Dichter und Publizisten konnten kritische oder auch von der Gattung des Sozialistischen Realismus abweichende Texte nicht im staatlich kontrollierten Verlagswesen veröffentlichen. So war der Samisdat neben privaten Lesungen oft der einzige Weg, die Texte einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.
„Samisdat Publications“ ist der Name des von dem Holocaust-Leugner Ernst Zündel in Toronto gegründeten Verlags.
Wurden kurz nach der Revolution - vor allem aus organisatorischen und ökonomischen Gründen - noch handschriftlich kopierte Gedichte von Andrei Bely, Nikolai Gumiljow, Maximilian Woloschin und anderen auf der Straße verkauft, so war der Verbreitungsweg später eher privater Natur. Unter Stalin wurde die Aufbewahrung und Verbreitung verbotener Texte mit bis zu 25 Jahren Lagerhaft bestraft; oftmals lernten Menschen deshalb verbotene Gedichte auswendig und gaben sie nur mündlich weiter, um sich nicht zu kompromittieren. Nichtsdestotrotz kann in dieser Zeit der Ursprung des Samisdats im engeren Sinne gefunden werden.
Erstmals verwendet wurde ein Samisdat ähnlicher Begriff in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, als der russische Dichter Nikolai Glaskow seine Gedichte in wenigen handgeschriebenen Exemplaren unter der Bezeichnung Samsebjaisdat (Самсебяиздат, "Sichselbstverlag") verteilte. Er parodierte damit die Namen der Staatsverlage, die zum Beispiel Goslitisdat ("Staatsverlag für Literatur"), Detisdat ("Kinderverlag"), Politisdat oder Wojenisdat ("Militärverlag") hießen. Der Begriff verkürzte sich in der weiteren Verwendung auf Samisdat und wurde zum Inbegriff für unzensierte Literatur.
Das wohl bekannteste Werk, das in der Sowjetunion nur im Samisdat erscheinen konnte, war Archipel Gulag (russisch Архипелаг Гулаг, 1968) von Alexander Solschenizyn. Großen Einfluss hatte auch die seit 1971 als Samisdat herausgegebene Chronik der laufenden Ereignisse (russisch Хроника текущих событий) von Sergei Kowaljow.
Die Verbreitung von Literatur ohne offizielle Druckgenehmigung galt gemäß Artikel 70 des Strafgesetzbuches der RSFSR als antisowjetische Agitation und Propaganda und wurde mit Lagerhaft, Verbannung und Ausweisung bestraft.
Der Samizdat Telegraph (Zeitschrift) (ehem. Umweltblätter) gehörte vor der Wende zu den grössten Untergrundzeitschriften der linken DDR-Opposition und wird auch heute noch herausgegeben.
Auch das Aufbewahren von Tamisdat-Büchern und -Zeitschriften war alles andere als ungefährlich. In der Sowjetunion drohten dem Besitzer bei Entdeckung mindestens fünf Jahre Haft.
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