Die Samaritaner sind wie die Juden eine religiöse Gruppierung, die aus dem Volk Israel hervorgegangen sind.
Geschichte
Nach
biblischen Quellen haben sich die 10 Stämme im Norden
Israels nach der Teilung des
Königreichs Israel durch Auflösung der
Personalunion unter
Saul,
David und
Salomo 926 v. Chr. zum
Nordreich Israel mit einem
Wahlkönigtum zusammengeschlossen. Die Hauptstadt wurde bald
Samaria, und die Bevölkerung wurde später nach dieser Stadt "Samariter" oder "Samaritaner" genannt. Der
barmherzige Samariter wird in der Bibel bei
Lk 10, 30-37 genannt; in dieser Erzählung erhält ein Schwerverletzter Hilfe von einem Samaritaner, der den Juden eigentlich verhasst ist, während ein
Priester und ein
Levit ihn achtlos liegen lassen.
Die heutigen Samaritaner entstanden aus den "Restisraeliten", die im Jahre
722 v. Chr. bei der
großen assyrischen Deportation der Bevölkerung in ihrer Heimat blieben, und den von der assyrischen Großmacht dort angesiedeltem Völkergemisch aus dem Osten (Babel, Awa, Hamta, Sefarwajim und Kuta). Es wurden aber wohl nur die "oberen Zehntausend" der israelitischen Bevölkerung deportiert. Als das Jüdische Volk nach seiner Rückkehr aus der
Babylonischen Gefangenschaft den Tempel in Jerusalem neu errichtete, galt die Bevölkerung Samarias als "unrein" und wurde nicht als gläubig akzeptiert - siehe Esra 9 und Nehemia 9.
Samaritaner im Mittelalter und der Neuzeit
Waren die Samaritaner im
Mittelalter noch ein recht zahlreiches Volk, so sank ihre Zahl im Zuge von
Christianisierung und
Islamisierung extrem. Die Samaritaner praktizieren, auch zu ihrem eigenen Schutz, eine strenge
Endogamie. Im Jahre 1918 zählten die Briten im damaligen Mandatsgebiet Palästina 146 Samariter in fünf miteinander verwandten Familien, davon eine Priesterfamilie. Die wohlwollende Einstellung der
Zionisten hat wohl die letzten Samaritaner vor dem Untergang bewahrt. Seit
1923 ist den Samaritanern auch die Heirat mit
Juden erlaubt, wenn diese zur Religion der Samaritaner übertreten. Das geschah dann auch und einige Jüdinnen traten über und heirateten Samaritaner. Seitdem ist ihre Zahl wieder angestiegen und betrug 1996 wieder über 660 Personen. Die Samaritaner leben heute in
Cholon in der Nähe von
Tel Aviv sowie in
Nablus im
Westjordanland. Es gibt nur fünf Familienverbände. Die Trennung in zwei etwa gleich große Gruppen von denen eine, die in Cholon, stark von der israelischen Gesellschaft beeinflusst wurde, und eine andere, die ihre arabisch-orientalischen kulturellen Bräuche aufrecht erhielt, führte zu gewissen Loyalitäts- und Identitätsproblemen. Die Gruppe in Cholon spricht z.B. vorwiegend
Hebräisch, die Gruppe in Nablus
Arabisch. Seit Beginn der
Intifada wurden mehrmals Arabisch sprechende Samaritaner von israelischen Soldaten für Palästinenser gehalten und sehr harsch behandelt, was die Spaltung nur noch verstärkt hat.
Religion der Samaritaner
Die Samaritaner erkennen als Bibel nur die
Autorität der fünf Bücher Mose (
Pentateuch,
Tora) an, die sie in einer eigenen, der ursprünglichen hebräischen Schrift schreiben, die auf dem
phönizischen Alphabet basiert (die heutige
hebräische Schrift ist eigentlich eine
aramäische Schrift, die von den Juden erst während des
Babylonischen Exils übernommen wurde). Darüber hinaus haben sie eine eigene Überlieferungs- und Aussprachetradition ihrer heiligen Schriften und der althebräischen Sprache erhalten können, für
Bibelwissenschaftler eine Fundgrube.
Die Samaritaner haben auch viele Bräuche des alten Judentums aus der Zeit vor der Zerstörung des Tempels und teilweise sogar aus der Zeit vor dem babylonischen Exil bewahrt. Beispielsweise kennen sie bis heute das Hohepriestertum und das Tieropfer und feiern ihr Neujahr im Frühling, nicht wie die Juden im Herbst.
Hohepriester
Die Samaritaner haben einen eigenen Hohepriester, der auf dem Berg
Garizim residiert.
Die Hohepriester der Vergangenheit waren:
- Sashai, Mitte des 10. vorchristlichen Jahrhunderts
- Bakhi
- Shebet
- Shalom
- Hezekiah I.
- Jonathan I., etwa 1000 v. Chr.
- Yair, etwa 980 v. Chr.
- Daliah
- Yair II.
- Jonathan II.
- Ishmael
- Tobiyah
- Zadok
- Amram I.
- Hilkiah
- Amram II.
- Akob I.
- Akabiah I., etwa 701 v. Chr.
- Hillel
- Seriah
- Levi
- Netaniel I.
- Azariah, etwa 586 v. Chr.
- Abdael, in den 530er Jahren v. Chr.
- Hezekiah II.
- Hananiah
- Amram III., etwa 500 v. Chr.
- Hana
- Hezekiah III.
- Daliah
- Akob II.
- Akabiah II.
- Levi I.
- Eleazar II.
- Menasseh
- Yair III.
- Netaniel II.
- Joiachim um 0
- Jonathan III., etwa 30 n. Chr.
- Elishama ca.70er
- Shemaiah
- Tobiah
- Amram IV.
- Akabon I.
- Phineas II.
- Levi II. um 130er
- Eleazar III.
- Baba I.
- Eleazar IV.
- Akabon II.
- Netaniel III. (Vater von Baba Rabba)
- Baba Rabba, Mitte des 3. Jahrhunderts
- Akabon III.
- Netaniel IV.
- Akabon IV.
- Eleazar V.
- Akabon V.
- Eleazar VI.
- Akabon VI., spätes 6. Jahrhundert
- Eleazar VII.
- Netaniel V., frühes 7. Jahrhundert
- Eleazar VIII. ca. 630
- Netaniel VI.
- Eleazar IX., 640-650
- Akabon VII.
- Eleazar X.
- Akabon VIII.
- Eleazar XI.
- Akabon IX., um 750
- Eleazar XII., 780-810
- Simeon
- Levi III.
- Phineas III.
- Netaniel VII.
- Baba II.
- Eleazar XIII.
- Netaniel VIII.
- Eleazar XIV.
- Phineas IV.
- Netaniel IX.
- Abdael II.
- Eleazar XV.
- Abdael III.
- Eleazar XVI.
- Aaron II.
- Sadakah
- Amram V.
- Aaron III.
- Netaniel X.
- Itamar
- Amram VII.
- Uzzi
- Joseph
- Phineas V., spätes 13. Jahrhundert
- Eleazar XVII.
- Phineas VI., der Nazarite
- Abisha
- Eleazar XVII.
- Phineas VIII.
- Rabban Shalmiya ben Phineas ? -1624
- Tsedaka ben Tabiyya Ha'abta'ai 1624-1650
- Isaac ben Tsedaka, 1650-1694
- Abraham ben Isaac, 1694-1732
- Tabiyya ben Isaac, 1732-1752
- Levi ben Abraham, 1752-1787
- Shalmah ben Tabiyyah, der Große, 1787-1855
- Shelah ben Isaac (1787-1799)
- Amram ben Shalmah, 1855-1874
- Jacob ben Aaron ben Shalmah, 1874-1916
- Isaac ben Amram, 1916-1932
- Matzliach ben Phinhas, 1933-1943
- Abrisha ben Phinhas, 1943-1961
- Amram ben Isaac, 1961-1980
- Asher ben Matzliach, 1980-1982
- Shafiq Uzzi ben Jacob, 1982-1984
- Jacob ben Shafiq, 1984-1987
- Joseph ben Ab-Hisda, 1987-1998
- Levi ben Abisha, 1998-2001
- Shalom ben Amram, 2001-2004
- Eleazar ben Tzedakah, seit 2004
LITERATUR
- Cornel Heinsdorff: Christus, Nikodemus und die Samaritanerin bei Juvencus. Mit einem Anhang zur lateinischen Evangelienvorlage, Berlin/New York 2003 (= Untersuchungen zur antiken Literatur und Geschichte, Bd. 67), ISBN 3-11-017851-6
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