Sam Peckinpah, (* 21. Februar 1925 in Fresno, Kalifornien; † 28. Dezember 1984 in Inglewood, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Regisseur. Sam_Peckinpah.jpg
Peckinpah arbeitete in den 1950ern zunächst beim Fernsehen, unter anderem arbeitete er als Drehbuchautor für die Westernserie Rauchende Colts. Er entwickelte das Konzept für die Serie The Rifleman (Westlich von Santa Fé, 1958) und The Westerner (1960), und schrieb für beide Serien mehrere Drehbücher. 1958 führte er in einer Rifleman-Folge erstmals auch Regie.
1961 schließlich entstehen seine ersten Filme The Deadly Companions (Gefährten des Todes) und Ride the high country (Sacramento). Sacramento markiert mit John Fords Der Mann, der Liberty Valance erschoß den Übergang vom klassischen Western zum Spätwestern. Peckinpah zeigt schon in diesem Frühwerk ein späteres Lieblingsthema: alternde Westernhelden in wechselnden Zeiten.
Als Produzent Jerry Bresler Peckinpahs ersten Western mit großem Budget, Major Dundee, verstümmelt hatte und der Regisseur sich wehrte, geriet er alsbald auf die imaginäre "schwarze Liste", er bekam keine Aufträge mehr und seine Drehbücher zu The Glory Guys und Villa Rides wurden abgeändert und anderen Regisseuren übergeben.
Nach dem Drehbuch von Ring Lardner (ein McCarthy-Opfer) begann Peckinpah mit den Arbeiten zum Schwarzweißfilm Cincinnati Kid, doch nach wenigen Tagen ließ man das Buch umschreiben und Norman Jewison drehte einen Farbfilm, der nichts mehr mit Peckinpahs Intentionen zu tun hat, mit Steve McQueen in der Hauptrolle. Grund für Peckinpahs Entlassung war laut dem Produzenten der Wunsch des Regisseurs, eine Nacktszene mit Sharon Tate zu drehen und der Versuch, die Story zu vulgarisieren.
Doch ein Fernsehproduzent gab ihm eine neue Chance: 1966 arbeitete Peckinpah an der Adaption von Katherine Ann Porters Novelle Noon Wine, schrieb sowohl das Buch und führte Regie. Das Werk war eine Erfolg, die Autorin war begeistert, Peckinpah bekam Preise.
So bekam er die Möglichkeit The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz zu drehen. Dieser zählt zu den größten Western der Filmgeschichte und wurde auch vielfach als einer der besten Filme aller Zeiten gekrönt. Er ist ein Filmklassiker über Gewalt und Gegengewalt, eine kritische Untersuchung über die Verwandlung von Menschen in Mythen. Peckinpah: "Wenn ich darüber nachdenke, was mit mir in Hollywood so passiert ist, wünsche ich mir, ich wäre ein bisschen wie meine Helden." Das Drehbuch hatte nach einer Idee von Roy N. Sickner der Drehbuchautor-Neuling Walon Green geschrieben und Peckinpah hatte das ganze überarbeitet. Green, Sickner und Peckinpah bekamen eine Oscar-Nominierung. In allen anderen Kategorien, außer der Musik von Jerry Fielding, gab es allerdings keine Nominierungen, nicht einmal für William Holden, die Regie oder den Schnitt.
The Wild Bunch hat, wie 1967 Bonnie und Clyde, die Gewalt im amerikanischen Kino vorangetrieben. Westernhelden fallen nicht mehr theatralisch zu Boden, sondern werden von Kugeln zerfetzt. Blut ist kein Tabu mehr, Schußwunden werden brutal gezeigt. Einige Kritiker verdammen das Werk, andere wie Roger Ebert loben es als Meisterwerk.
Der Film bringt Peckinpah den uncharmanten Spitznamen Bloody Sam ein, doch der Ausdruck täuscht. Schon sein nächster Film Ballad of Cable Hogue (Abgerechnet wird zum Schluss) ist das genaue Gegenteil. Statt Blut Humor, statt Schusswunden Liebe. Herausgekommen ist ein melancholischer Spätwestern, den die Kritiker wie das Publikum ignorieren. 1971 geht Peckinpah mit Dustin Hoffman nach England, um Straw Dogs (Wer Gewalt sät) zu drehen. Besonders umstritten die Doppelvergewaltigung von Susan George: Weil es so scheint, als gefalle ihr die Tat mit der Zeit, wird Peckinpah als Misogynist verschrien, Pauline Kael nennt den Film ein "faschistisches Kunstwerk".
Doch wieder schlägt Peckinpah einen anderen Weg ein. Sein nächster Film Junior Bonner mit Steve McQueen ist friedlich, sanft und bis auf Rodeoaufnahmen ungewalttätig. Die Kritik ignoriert ihn erneut. Seinen kommerziell erfolgreichsten Film dreht Peckinpah wieder mit McQueen: Getaway ist die Verfilmung eines Romans von Jim Thompson, spannend, gewalttätig, aber kein tiefgründiges Meisterwerk. Danach wieder ein Western: Pat Garrett jagt Billy The Kid von 1973 ist ein Tiefpunkt in Peckinpahs Karriere, nicht qualitatitv, sondern was die Produktion betrifft. Von Produzenten wird der Film zu Tode geschnitten, die Aussage verändert, die Logik ignoriert, die Spannung genommen. Ein Flop beim Publikum und der Kritik. Vom Cutter des Films, Roger Spootiswoode, wurde in den 90ern eine Neufassung des Films geschnitten, die Peckinpahs ursprünglicher Intention nahekommt. Berühmt ist die Szene, in der sich Slim Pickens zum Sterben an den Fluss legt, und Bob Dylan sein Knocking on heaven's door singt.
Peckinpah ist am Ende, doch er rafft sich auf, um in Mexiko noch ein großes Meisterwerk zu drehen. Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia (Bring me the head of Alfredo Garcia) ist sein persönlichster Film, das Werk eines Mannes, der von Alkohol, Drogen und Produzenten fast vernichtet ist. Das Bild ist von Melancholie, Whiskey und Tod getränkt. Düster zieht die Gewalt ihre Bahnen und reißt jeden mit in den Strudel. Brilliant ist Warren Oates als "Peckinpah vor der Kamera", der friedliche Barpianist Bennie, der auf der Kopfgeldjagd alles verliert und von der Gewalt zerstört wird. Viele sehen den Film als einen ausgestreckten Mittelfinger gegen Hollywood und das System, andere einen Kandidaten für den schlechtesten Film aller Zeiten.
Die Killer-Elite (The Killer Elite) ist wieder kommerziell und anspruchlos. Zwar ist der Film gut besetzt, mit James Caan und Robert Duvall, doch es fehlt die Intensität der früheren Werke. Einzig Peckinpah Zeitlupentode sind interessant, dazu ein furioses Finale auf einem Schiffsfriedhof.
Cross of Iron (Steiner - Das eiserne Kreuz) ist dann 1977 sein erster Kriegsfilm. Hier findet Peckinpah mit Schauspielern wie James Coburn zurück zur alten Form. Doch gesundheitlich ist er am Ende: zum Alkohol kommt Kokain, er wird paranoid und krank. Convoy ist dann für Jahre sein letzter Film. Ein spannendes Roadmovie mit Action, Zeitlupengewalt und ohne Anspruch. Das Set ist eine Kokainhölle, Peckinpah ist mit sich selbst und dem, was er dreht, unzufrieden. Bei 50 Grad im Schatten erleidet er einen Herzanfall, zieht sich in ein Motel in Montana zurück, arbeitslos und allein.
Seine Freunde hat er verloren: Warren Oates ist seit 1982 tot, sein Komponist Jerry Fielding und sein Assistent Gordon Dawson beenden langjährige Zusammenarbeiten. Ein letzter Film: The Osterman Weekend im Jahre 1983: ein unwürdiger Abgang, von der alten Größe nichts mehr übrig.
Am 28. Dezember 1984 stirbt Sam Peckinpah. Nur ein winziger Nachruf findet sich in der New York Times. Peckinpah ist an sich selber zugrundegegangen und wurde von Hollywood zugrundegerichtet.
Im Zentrum stehen dabei oft Personen, die zwischen zwei Welten oder zwei Epochen stehen. Das klingt schon in seinem Frühwerk Sacramento an, das die Geschichte zweier alter Westerner erzählt und als Klassiker des Spätwesterns gilt. Besonders deutlich wird dies in seinen weiteren Spätwestern Pat Garrett jagd Billy the Kid und The Wild Bunch, in denen zum einen die Grenze zwischen den USA und Mexiko thematisiert, zum anderen die Moderne (mit Autos, Maschinengewehren, Politikern, Gesetz und Kapital) gegen die Freiheit des Einzelnen gestellt wird. Auch die Anpassung an diese Moderne endet für die Protagonisten tragisch. In seinem persönlichsten, kommerziell aber erfolglosesten Film Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia ist es ein amerikanischer Pianist in Mexiko, der zwischen den Kulturen steht und scheitert. Gerade The Wild Bunch und Sacramento machten ihren Regisseur zum amerikanischen Vater des Abgesangs auf die Ära des Westerns. Dieser Beitrag wird im Hinblick auf die berühmten Italo-Western von Sergio Leone und Sergio Corbucci häufig unterschätzt.
Das sehr stark dem Western verhaftete Thema Moral setzte Peckinpah auch in seine Roadmovies The Getaway und Convoy um. Dafür benutzte er die visuelle Sprache des Westerns, insbesondere die für ihn selbst typischen Zeitlupen und die maskulin geprägten Umgangsformen. Dank dieser beiden Filme gilt Peckinpah als typisches Beispiel für die Genreverwandtschaft von Western und Roadmovies.
Auch hinter der Kamera sieht man oft die selben Namen, als Komponist war es Jerry Fielding, der zwei Oscarnominierungen erhielt, als Kameramänner Lucien Ballard und John Coquillon, beim Schnitt Lou Lombardo, Roger Spottiswoode und Robert L. Wolfe, als persönliche Assistentin und Freundin Katherine Haber und als Autor, Produzent und Assistent Gordon T. Dawson. Gegen Ende von Peckinpahs Karriere werden diese Namen oft durch andere ersetzt, so spielte die Western-Stock-Company zum letzten Mal 1973 in Pat Garett jagt Billy the Kid.
Mann | US-Amerikaner | Filmregisseur | Geboren 1925 | Gestorben 1984
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