Salvador Allende Gossens * (* 26. Juli 1908 in Valparaíso; † 11. September 1973 in Santiago de Chile) war promovierter Arzt und von 1970 bis 1973 Präsident Chiles. Durch einen Militärputsch wurde er 1973 gestürzt und starb bei der Verteidigung des Präsidentenpalastes.
1937 wurde er erstmals Parlamentsabgeordneter für die Sozialistische Partei. Schon ein Jahr später, 1938, holte ihn der mit Unterstützung der Linken gewählte Präsidentschaftskandidat der radikalen Partei, Pedro Aguirre Cerda, als Gesundheitsminister in seine Regierung (bis 1940). 1945 wurde er überraschend mit großem Vorsprung vom Wahlkreis Valparaiso zum Senator gewählt. 1952 war er erstmals Präsidentschaftskandidat, belegte aber nur den vierten Platz. 1954 bekleidete er das Amt des Stellvertretenden Senatspräsidenten. 1958 war er wieder Präsidentschaftskandidat des Frente de Acción Popular, eines Zusammenschlusses mehrerer linker Parteien, unterlag jedoch dem konservativen Jorge Alessandri Rodríguez. 1964 kandidierte er erneut für das Präsidentenamt. Auch damals unterlag er, diesmal dem Christdemokraten Eduardo Frei.
1966 wurde er zum Senatspräsidenten gewählt. 1968 wurde sein Rücktritt gefordert, als er die Überlebenden der Guerilla um Che Guevara in Bolivien unter seinen persönlichen Schutz stellte. Im gleichen Jahr verurteilte er den sowjetischen Einmarsch in Prag.
1969 wurde die Unidad Popular gegründet, ein Zusammenschluss von Sozialisten, Kommunisten und einigen kleineren Linksparteien. Als deren Kandidat errang Allende bei den Präsidentschaftswahlen am 4. September 1970 36,3% der Stimmen und lag damit knapp vor dem konservativen Gegenkandidaten Jorge Alessandri, der 34% der Stimmen erhielt. Da eine absolute Mehrheit fehlte, lag die Wahl des chilenischen Präsidenten laut Verfassung beim Parlament. Da es in Chile eine lange Tradition hat, dass das Parlament sich für den Kandidaten mit der relativen Mehrheit entscheidet, wurde Allende nach Verhandlungen mit den Christdemokraten vom chilenischen Parlament zum Präsidenten gewählt. Im Gegenzug musste er zehn Verfassungszusätzen zustimmen, die von den Christdemokraten gefordert wurden. Allende war der erste Präsident, der im Rahmen einer demokratischen Verfassung an die Macht kam und sich zu marxistischem Gedankengut bekannte.
In der Zeit zwischen Wahl und Amtseinsetzung überlebte Allende einen Mordanschlag, während der damalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General René Schneider, kurz vor der Abstimmung bei einem teilweise durch die CIA finanzierten Entführungsversuch angeschossen wurde und wenig später starb.
Kritik an der Entscheidung der Christdemokraten, den Kandidaten mit der relativen Mehrheit zu wählen, kam unter anderem auch von der bundesdeutschen CDU. Der Botschafter der USA nannte die politischen Gegner Allendes „dämlich, schlecht organisiert und naiv“.
Ob die Reformpolitik Verbesserungen für die Arbeiter brachte, ist umstritten. Denn weil die Löhne erhöht und die Preise für die Miete und für wichtige Bedarfsmittel eingefroren wurden kam es immer wieder zu Versorgungsengpässen. Jedes Kind bekam täglich einen Liter Gratismilch, so dass die Kindersterblichkeitsrate sank. 1973 hatte Chile eine Arbeitslosenquote von nur 3,7 Prozent (8,8 Prozent bei Allendes Amtsantritt).
Auf der anderen Seite stürzten Allendes Wirtschaftspolitik und die Reaktion der Kapitalbesitzer auf diese Chile in eine schwere Wirtschaftskrise. Die Finanzierung der ehrgeizigen Sozialprogramme war nicht gesichert. Aus Angst vor Enteignung setzte eine Kapitalflucht ein. Da ein Teil der Wirtschaft verstaatlicht worden war, gingen die Privatinvestitionen aus Angst vor der Verstaatlichung zurück. Die Regierung druckte daraufhin neues Geld, und die Inflation erreichte über 300%. Die Regierung der USA verhängte ein Handelsembargo, das die Wirtschaft zusätzlich schädigen sollte.
So kam es zu massiven Protesten im Lande und bei ausländischen Investoren, aber auch bei Lastwagenfahrern und Studenten. Diese wurden durch Allendes Gegner zusätzlich angeheizt. Ein Besuch Fidel Castros, der in Santiago de Chile eine revolutionäre Kampfrede hielt, verschärfte die Situation.
Im September 1972 rief Allende aufgrund eines Generalstreiks kurzzeitig den Notstand aus. Im November gelang es, durch Einbezug hochrangiger Militärs (Armeechef General Carlos Prats wurde Innenminister) in die Regierung, die Krise vorübergehend zu beenden. Nach dem Sieg der Unidad Popular bei den Parlamentswahlen im März 1973, die ihren Stimmenanteil auf 43 % vergrößern konnte, begann die Christdemokratische Partei ein informelles Bündnis mit der rechtsgerichteten Nationalen Partei. Die Minderheitsregierung wurde zwar weiterhin von ihr toleriert, war aber nur noch bedingt handlungsfähig.
Dies war in Allendes Augen die einzig machbare Lösung. Das Plebiszit sollte die Chilenen über sein Mandat befragen. Sollte das Volk darauf negativ reagieren, würde Allende abdanken. Hätte der Volksentscheid bestanden, wäre ein Staatsstreich unwahrscheinlich gewesen. Im Falle einer Ablehnung durch das Volk (was am wahrscheinlichsten aufgrund der politischen Zusammensetzung des Landes war,) hätte sich Allende mit erhobenem Haupt zurückgezogen. Er würde sein Mandat dann nicht wegen des Druckes der Opposition abgeben, sondern auf Wunsch des Volkes. Sein Problem jedoch lag im Komitee der “Unidad Popular”, das mit dem Plan einer möglichen Volksabstimmung nicht einverstanden war. Die sozialistische Partei vertrat die Meinung, dass eine Volksabstimmung einen politischen Rückschritt bedeutete, der die ersten erfolgreichen demokratischen Strukturen im Lande in Frage stellen würde. Unterstützt wurden sie innerhalb des Komitees durch eine Fraktion der MAPU (Movimiento de Acción Popular Unitaria) und der Christlichen Linken. Die MIR (Movimiento de Izquierda Revolucionaria) war so empört über diese Idee, dass sie gar aufhörten Allende “compañero” zu nennen und nannten ihn nun “señor”.
Allende versuchte Anfang September erneut die Idee des Volksentscheids durchzuführen, aber die Unnachgiebigkeit der Sozialistischen Partei hielt an. Die Kommunisten machten den Weg für Allende frei einen Volksentscheid gegen den Willen der Sozialisten auszurufen, wenn er wollte. Eine Aktion von Orlando Letelier (damals Verteidigungsminister) überzeugte die Sozialistische Partei, sodass sie ihr Veto zurücknahm. Allende konnte schließlich den Volksentscheid ausrufen und es existierten Aussagen, dass der Entscheid am nächsten Tag durchgeführt werden sollte. Aber Leteliers Aktion erfolgte in der Nacht des 10. September, als der Putsch schon im Gange war.
Am 11. September 1973 wird Präsident Salvador Allende um 6:20 Uhr durch das Telefon geweckt. Er erhält die Nachricht, die Flotte in Valparaíso, der größten Hafenstadt Chiles, habe sich gegen ihn erhoben und fordere seinen Rücktritt. Allende versucht sofort den Oberbefehlshaber der Streitkräfte General Augusto Pinochet zu erreichen - dieser meldet sich nicht. Allende begibt sich mit seinem Kabinett und einigen Freunden und Familienangehörigen in den Präsidentenpalast Moneda, darunter zwei seiner Töchter, sein Arzt, die Leibwache des Präsidenten und seine langjährige Geliebte. Nur der Verteidigungsminister Orlando Letelier ist nicht anwesend - er ist bereits von den Putschisten festgenommen worden.
Um 8:00 Uhr wird eine Erklärung der Putschisten, die sich als Militärregierung bezeichnen, im Radio verlesen. Erst hier gibt sich General Pinochet als Putschist zu erkennen. Wenige Minuten später erhält Allende einen Anruf der Putschisten - sie fordern seinen Rücktritt und würden ihm erlauben sofort außer Landes zu fliegen. Er lehnt dies entschlossen ab. Um 9:30 drohen die Putschisten mit der Bombardierung der Moneda. Allende fordert die Palastgarde und alle Unbewaffneten auf das Gebäude zu verlassen. Er selbst bleibt mit wenigen Getreuen zurück und bereitet sich auf seinen letzten Kampf vor.
Um 11:55 Uhr beginnt die Luftwaffe mit zwei Flugzeugen ihre Bombardierung des Präsidentenpalastes. Auch regierungsfreundliche Radiosender sowie einige Viertel der Hauptstadt, in denen mehrheitlich Aktivisten und Sympathisanten der Unidad Popular wohnen, sollen bombardiert worden sein. Erstes Opfer des Putsches wird einer der engsten Freunde des Präsidenten, der bekannte Journalist und Leiter des Fernsehsender Canal 7, Augusto Olivares ("El Perro"). Dieser nimmt sich im Erdgeschoss der Moneda mit einem Maschinengewehr das Leben. Mitten im Chaos ordnet Allende eine Schweigeminute für diesen an. Gegen 14:00 Uhr beginnt die Armee mit der Erstürmung des Palastes. Nach kurzem Gefecht ordnet Allende die Kapitulation an, nur er selbst bleibt im „Saal der Unabhängigkeit“ zurück und beging Suizid''Sater, William F.: Chile and the United States. Empires in Conflict. Athens / London 1990. (S. 181). Als Zeuge wurde der Arzt Patricio Guijón zitiert, der den Leichnam auffand. Allerdings glaubten viele seiner Anhänger, Allende sei von eingedrungenen Soldaten erschossen worden, die dann einen Selbstmord gestellt hätten. Erst 1990, nach Ende der Militärdiktatur, scheint der Suizid des Präsidenten durch eine erneute Obduktion erwiesen zu sein, deren Ergebnisse im Einklang mit den Aussagen der Augenzeugen sowie des polizeilichen Untersuchungsberichts stehen.
Nachdem Pinochet die Macht ergriffen hatte, sagte U.S. Außenminister Henry Kissinger, dass die Vereinigten Staaten „es nicht getan haben“ (bezüglich des Putsches selbst), aber dass sie „die größtmöglichen Voraussetzungen geschaffen haben“ Peter Kornbluh (26. Mai 2004), "The Kissinger Telcons: Kissinger Telcons on Chile", National Security Archive Electronic Briefing Book No. 12, Online im Internet: http://www.gwu.edu/~nsarchiv/NSAEBB/NSAEBB123/chile.htm. Kürzlich veröffentlichte Dokumente zeigen, dass die US-Regierung und die CIA den Sturz Allendes 1970 angestrebt haben (Project FUBELT). Eine direkte Beteiligung am Putsch von 1973 kann durch die bisher veröffentlichten Regierungsdokumente nicht bewiesen werden. Andererseits haben die USA im Zeitraum vor dem Putsch ihre Militärhilfe an Chile massiv gesteigert. Viele relevante Dokumente unterliegen aber immer noch der Geheimhaltung (U.S.-Intervention in Chile).
Nach Peter F. Müller und Michael Mueller (Gegen Freund und Feind) unterrichtete die CIA den Bundesnachrichtendienst wenige Tage vor dem Umsturz. Der Bundesnachrichtendienst soll es jedoch unterlassen haben, den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt vom geplanten Putsch zu unterrichten. Mit Alfred Spuler, der Innenquelle des MfS im BND, gelangte die Information nach Ost-Berlin. Da die Warnung zu spät ankam und Allende der Armee bis zuletzt vertraut hatte, blieb die Warnung wirkungslos.
1940 heiratet er die aus gutbürgerlichem Hause stammende Hortensia Bussi. Mit ihr hat er drei Töchter: Carmen Paz (*1941), Beatriz (1943-1977) und Isabel Allende, die seit 2003 Präsidentin des chilenischen Unterhauses (Parlamentskammer) ist. Diese ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen, als Schriftstellerin berühmten Nichte des ehemaligen Präsidenten, Isabel Allende.
Mann | Chilene | Politiker (20. Jh.) | Präsident (Chile) | Freimaurer (20. Jh.) | Geboren 1908 | Gestorben 1973
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