Whistler James Symphony in White no 1 (The White Girl) 1862.jpg, Mädchen in Weiß, 1862, National Gallery of Art, Washington D.C.]] Der Salon des Refusés, auch als Salon der Refüsierten oder als Salon der Zurückgewiesenen bekannt, war eine Parallelausstellung zur offiziellen französischen Kunstausstellung, in der diejenigen Gemälde und Plastiken gezeigt wurden, die in den 1860er und 1870er Jahren von der Jury des Pariser Salon zurückgewiesen worden waren. Die kunstgeschichtlich bedeutsamste Ausstellung ist die von 1863, die auf Initiative von Napoleon III. zustande kam, nachdem die Jury aufgrund ihrer Auswahlmethoden in die Kritik geraten war.
Der Pariser Salon war die bedeutendste französische Kunstausstellung. Die Jury, die bestimmte, welche Bilder dort ausgestellt wurden, war jedoch dem traditionellen Geschmack der Kunstakademien verpflichtet, wie er beispielsweise an der Ecole des Beaux Arts gelehrt wurde. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Jury jedoch zunehmend in die Kritik geraten. Innerhalb der Jury spielten sich zahllose Intrigen ab, um die Aufnahme bestimmter Künstler sicherzustellen, denn im Pariser Salon ausgestellt, in der Presse gute Besprechungen zu erhalten und gegebenenfalls sogar mit einer Auszeichnung bedacht zu werden, war für einen Maler ein sicherer Weg, auch finanziell Erfolg zu haben. Abgelehnte Bilder waren selten verkäuflich. Von dem Maler Jongkind ist überliefert, dass er den Kaufpreis für ein von der Jury nicht angenommenes Gemälde wieder zurückzahlen musste. Eine Zeit lang wurde auf die Keilrahmen der für die Ausstellung eingereichten Bilder sogar ein „R“ für „Refusé“ gestempelt.
Künstler wie Monet, Manet, Renoir, Bazille oder Sisley hatten mit ihrer abweichenden Kunstauffassung wenig Chancen, in offiziellem Pariser Salon ausgestellt zu werden. Selbst Gemälde von Courbet, der zu diesem Zeitpunkt bereits zu den anerkannten Künstlern zählte, lehnte die Jury regelmäßig ab.
Die Beratung der Jury, welche Gemälde in die Ausstellung des Pariser Salon aufgenommen werden sollten, begannen am 2. April 1863. Schon am 5. April verbreitete sich in den Pariser Künstlerkreisen das Gerücht, dass die Jury diesmal besonders wählerisch wäre. Am 12. April wurden die Entscheidungen der Jury bekanntgegeben. Es zeigte sich, dass das Komitee drei Fünftel der 5.000 Gemälde, die von 3.000 Künstlern eingereicht worden waren, zurückgewiesen hatte.
Der Galerist Louis Martine hatte sich bereits in den Vorjahren durch die Ausstellung von Werken verdient gemacht, die von der traditionellen Kunstauffassung abwichen. Martine teilte der Pariser Presse am 15. April mit, dass er willens sei, die abgelehnten Bilder in seinen Verkaufsräumen zu zeigen. Allerdings hätten seine Räume nicht ausgereicht, die mehr als 3.000 Gemälde und Plastiken aufzunehmen.
Die überbordende Kritik, in die die Jury des Pariser Salons aufgrund ihrer rigiden Auswahl geraten war, wurde auch vom französischen Kaiser zur Kenntnis genommen. Napoleon III. ließ sich am 22. April einen Teil der zurück gewiesenen Gemälde zeigen. Graf Nieuwerkere, der zugleich Generaldirektor der Museen, Superintendent der Schönen Künste und Präsident der Jury war, erhielt daraufhin die Weisung, alle abgelehnten Gemälde in einem separaten Teil der Ausstellung zu zeigen. Ausstellungsort sollte der Palais de l'Industrie werden, der auch den Pariser Salon beherbergte. Der Palais de l'Industrie war für die Weltausstellung 1855 errichtet worden und war so großzügig angelegt, dass er tatsächlich in der Lage war, beide Ausstellungen zu beherbergen. Napoleon 3.jpg Die Entscheidung des französischen Kaisers wurde zur damaligen Zeitpunkt in der Presse überwiegend als weise, großzügig und liberal gewertet. Aus heutiger Sicht kann sie auch anders beurteilt werden. Napoleon III. selbst empfand einen großen Teil der abgelehnten Bilder wie beispielsweise Manets „Frühstück im Grünen“ als hässlich oder als unanständig. Da ein Teil der Bilder weit vom gängigen Kunstgeschmack abwich, war davon auszugehen, dass das Publikum wenig Gefallen an den abgelehnten Bildern finden würde. Die Entscheidung, nun alle Bilder im Salon des Refusés auszustellen, könnte daher auch mit der Absicht gefallen sein, das Ansehen und die Autorität der Jury des Pariser Salons wieder herzustellen.
Manets Biograph kommt zu einer ganz anderen Einschätzung. Er sieht darin einen einzelnen Zug in einem variantenreichen und ununterbrochenen Spiel von Intrigen zwischen dem Hof und der Opposition. Die Ecole des Beaux-Arts war bis 1863 eine Institution der Stadt Paris und gebärdete sich nach Meinung Napoleon III. zu unabhängig. Der Protest der abgewiesenen Maler sei für ihn willkommene Gelegenheit gewesen, aus dieser Institution eine Staatsschule zu machen.
Den Künstlern wurde freigestellt, entweder ihre Bilder bis zum 7. Mai 1863 zurückzuziehen, oder es hinzunehmen, dass sie ausgestellt würden. Für die abgelehnten Künstler war diese Entscheidung nicht leicht zu fällen. Wer seine Bilder ausstellte, lief Gefahr, den Zorn der Jury auf sich zu ziehen und damit langfristig seine künstlerische Karriere zu gefährden. Wenn ein Künstler seine Gemälde dagegen zurückzog, setzte er sich dem Verdacht aus, kein Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten zu haben. - Gustave Courbet begrüßte die Möglichkeit, seine von der Jury abgelehnten Gemälde einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen. Edouard Manet dagegen war der Überzeugung, dass der offizielle Pariser Salon der richtige Ort war, um Anerkennung als Künstler zu finden.
So erhielt das Gemälde Mädchen in Weiß von James McNeill Whistler, das von der Jury als besonders schlecht beurteilt worden war, einen Platz nahe beim Eingang zum Salon, so dass jeder Besucher dieses für die damalige Zeit ungewöhnliche Gemälde beim Betreten der Ausstellung sehen musste.
Von den heute als bedeutende Maler des 19. Jahrhunderts eingeordneten Künstler waren auf der ersten Ausstellung neben Manet, Courbet und Whistler auch Johan Barthold Jongkind, Camille Pissarro, Paul Cézanne, Armand Guillaumin, Felix Bracquemond sowie die Maler Henri Fantin-Latour, Amand Gautier und Alphonse Legros vertreten. Von den letzten drei Maler waren Gemälde auch für die offizielle Ausstellung angenommen worden. Der Katalog des Salons der Refüsierten führt jedoch nicht alle diese Maler auf. Er war unvollständig geblieben, da er ohne die Hilfe der Verwaltung zusammengestellt werden musste und die Zeit für eine Komplettierung nicht ausreichte.
Die Ausstellung der Refüsierten begann am 15. Mai, während der offizielle Salon bereits am 1. Mai eröffnet worden war. Von Beginn an zog diese Ausstellung eine große Menge von Besuchern an. An Sonntagen zählte man bis zu viertausend Besuchern. Damit erwies sich diese Ausstellung als größerer Anziehungspunkt als die offizielle Salon. Die Presse widmete den im Salon des Refusés ausgestellten Künstlern mehr und längere Artikel, so dass in der Presse der Witz grassierte, die Künstler des Pariser Salons hofften im nächsten Jahr gleichfalls abgelehnt zu werden, um so größere Aufmerksamkeit zu erregen. Die überwiegende Anzahl der Artikel waren jedoch ablehnend gegenüber der hier ausgestellten Kunst und auch die Reaktion des Publikums war ablehnend. Man erheiterte sich über die abgelehnten Bilder.
Die Strategie der Jury, Whistlers Mädchen in Weiß so aufzuhängen, dass es keinem Besucher entgehen konnte, zeigte den gewünschten Erfolg. Emile Zola berichtet davon, dass dieses Bild besonders häufig von den Besuchern verspottet wurde. Das Bild, das heute aufgrund seiner Harmonie von unterschiedlichen Weißtönen als ein Meisterwerk betrachtet wird, erregte wegen seiner unkonventionellen Mal- und Darstellungsweise beim Publikum und bei den Kritikern besonders heftige Ablehnung. Whistler hatte auf dem Bild seine Geliebte Jo gemalt, die von einem amerikanischen Kritiker beschrieben wurde als
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