Das Salemer Münster war die Kirche der ehemaligen Reichsabtei Salem (gegründet 1137/1138; geschlossen 1804 durch Säkularisation). Das gotische Münster wurde im Zeitraum von etwa 1285 bis 1420 als dreischiffige Säulenbasilika errichtet und gehört zu den bedeutendsten hochgotischen Bauwerken der Zisterzienser im deutschen Sprachraum. In der äußeren Form entspricht die Kirche weitgehend der ursprünglichen Baugestalt, während Umbauten im Innenraum die Raumwirkung nachhaltig veränderten. Das Inventar umfasst Ausstattungsgegenstände aus der Zeit der Spätgotik, des Barock, des Rokoko und des Klassizismus. Salem Münster 01.jpg | Salem_Panorama.jpg
Von der ersten Klosterkirche sind keine baulichen Zeugnisse erhalten. Wenn die Kirche der Primarabtei Clairvaux und die zur gleichen Zeit erbauten Kirchen von Lützel, Kaisheim und anderen Zisterzienserklöstern Rückschlüsse erlauben, handelte es sich um eine dreischiffige Basilika mit kreuzförmigem Grundriss im Stil der Romanik. Nach Knapp (2004) könnte das Querhaus neben der zentralen rechtwinkligen Apsis auf der Nordseite in drei und auf der Südseite in zwei nach Osten ausgerichtete Kapellen eingeteilt gewesen sein. Belegt ist, dass sie vollständig aus Stein gebaut wurde und mindestens acht Altäre besaß, von denen die ersten vier am 13. September 1152 durch den Bischof von Chur und den Bischof von Konstanz geweiht wurden. Die Kirche selbst wurde am 14. Juli 1179 nach rund 30 Jahren Bauzeit eingeweiht. Bereits ein Jahrhundert später wurde sie wieder abgerissen, um Platz für den Bau des Münsters zu schaffen.
Initiator des Neubaus war der bedeutende Abt Ulrich II. von Seelfingen (1282–1311). Vermutlich war der ausschlaggebende Grund für den Neubau, dass die alte Kirche für den Konvent, der sich innerhalb weniger Jahrzehnte auf rund 300 Mönche und Laienbrüder vergrößert hatte, zu klein geworden war. Lange Zeit war man der Auffassung, der Neubau sei im Jahr 1299 begonnen worden; neuere Bauuntersuchungen und die Verbindung des Kirchenbaus mit der Revindikationspolitik Rudolfs I. legen dagegen einen Baubeginn um 1285 nahe . Für den Neubau wurden nicht mehr, wie für die Vorgängerkirche, grob behauene Bruchsteine verwendet, sondern große Quader von behauenem Sandstein, die aus Steinbrüchen in der Umgebung stammten. Die Arbeiter und Planer dürften zumeist Laienbrüder gewesen sein, von denen einige auch über Salem hinaus wirkten, so etwa bei der Errichtung des Turms der Klosterkirche Bebenhausen.
Der Bau wurde an der Ostseite begonnen und schritt zunächst rasch voran. Im Jahr 1307 konnten bereits elf Altäre geweiht werden; 1313 bzw. 1319 wurden zwölf weitere konsekriert. Als der Chor und Querschiff um 1319 fertig gestellt und überdacht waren, wurde der Bau nur noch langsam weitergeführt, wenn nicht gar vorübergehend eingestellt. Die Zahl der Mönche war seit dem Jahr 1300 kleiner geworden, so dass der bereits überdachte Raum unter dem östlichen Mittelschiff ausreichend Platz für den Konvent bot. Salem Westfassade 1823.jpg Schuld an der Unterbrechung waren zunächst Finanzierungsprobleme, da mit Ludwig dem Bayern von 1314 bis 1347 ein Papstgegner an der Macht war, der die Habsburger Protektion über Salem aufhob und damit die Rechtssicherheit vieler Güter aufkündigte. Nachdem Ludwigs Nachfolger Karl IV. die Abtei wieder in ihren Rechten bestätigt hatte, brach 1348 die Pest über Süddeutschland herein. Erst um 1400 konnte der Bau wieder in Angriff genommen und in den 1420er Jahren vollständig überdacht werden, wie neuere dendrochronologische Untersuchungen zeigten. Die Bauzeit von rund 150 Jahren ist im Vergleich dennoch recht kurz, blieben doch viele gotische Kirchenbauten über lange Zeit unvollständig oder wurden, wie das Ulmer Münster, erst im gotikbegeisterten 19. Jahrhundert vollendet.
Die Kirchweihe fand bereits vor dem Bauabschluss statt. Abt Jodokus Senner nutzte das Konzil von Konstanz, das im Jahr 1414 begonnen hatte, und lud den dort anwesenden Erzbischof von Salzburg Eberhard III. ein, die Weihe zu vollziehen. Eberhard III. sah sich Salem wohl dadurch verbunden, dass sein Amtsvorgänger Eberhard II. rund 200 Jahre zuvor das Kloster unter seinen Schutz genommen hatte. Es gilt als wahrscheinlich, dass bei der Kirchweihe am 23. Dezember 1414 auch König Sigismund anwesend war, der am Vortag in Überlingen im Salemer Stadthof übernachtet hatte und am 24. Dezember auf dem Konzil eintraf.
Mit Salem als Vorreiter hatte die gotische Baukunst ihren Weg vom oberrheinischen Straßburg an den Bodensee gefunden: Ungefähr gleichzeitig ließ auch das Bistum Konstanz das Konstanzer Münster in gotischem Stil modernisieren, und kurz nach dem Bauabschluss in Salem sollte auch in der benachbarten Reichsstadt Überlingen mit dem Ausbau der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus zur fünfschiffigen Basilika begonnen werden, um Salem noch zu überbieten.
Im Süden schließt sich direkt der Kreuzgang an, der zum Konventsgebäude führt. Dieser Zugang, das sogenannten Bernhardsportal, diente als Eingang für die Mönche, während die übrigen Kirchgänger das Westportal benutzten. Ein weiteres Portal – seit 1750 geschlossen – findet sich an der Nordseite des Querhauses; es diente ursprünglich als separater Eingang für hochrangige Gäste.
Beim Salemer Münster handelt sich um eine dreischiffige Basilika mit Querhaus, Chor (Architektur) und Chorumgang auf einer rechteckigen Grundfläche von 67 x 28 m (Außenmaße); dabei ragt der schmale, hohe Baukörper des Querhauses nicht seitlich über das Grundviereck hinaus. In den Ausmaßen entspricht das Salemer Münster ungefähr dem Konstanzer Münster, in der Länge dem Basler Münster. Das Baumaterial ist fein strukturierter Molasse-Sandstein in gelb-grauen, grünlichen und braunen Farbtönen, der im Außenbereich unverputzt ist. Als regionale Vorbilder des kreuzförmigen Baus könnten die Klosterkirche von Kappel am Albis und das heute nicht mehr existierende Münster des Klosters Petershausen gedient haben. Da Petershausen sich ebenso wie Salem vom Bistum Konstanz unabhängig gemacht hatte und Salem diese Unabhängigkeit auch demonstrieren wollte, liegt wohl in der Petershausener Klosterkirche das unmittelbare Vorbild des Salemer Münsters .
Der Dachfirst des Querhauses ist bis zum 32 m hohen First des Mittelschiffs hinaufgezogen. Die Satteldächer von Lang- und Querhaus überragen die niedrigen Seitenschiffe mit ihren Pultdächern um etwa das Doppelte. Der Dachstuhl über dem Hochchor stammt teilweise noch aus dem Jahr 1301. Auf dessen Südseite sind originale glasierte Dachziegel erhalten, die dem Dach einst einen goldenen Schimmer verliehen; bis zur Neueindeckung 1997 war das gesamte Dach des Langhauses noch großteils mit bauzeitlichen Ziegeln eingedeckt. Salem Nordfassade 1823.jpg An der Außenseite des Baukörpers verleihen nur die Harfengiebel und die Lanzettfenster dem architektonisch eher grobschlächtigen Bauwerk eine gewisse Filigranität. Die Westfront wird von einem hohen dreieckigen Harfengiebel überragt, dessen Grundform, ein gleichseitiges Dreieck, in der mittelalterlichen Zahlenmystik als Verehrung der Dreifaltigkeit verstanden werden konnte. Zwei mächtige Strebepfeiler stützen die Fassade und rahmen den Eingang zur Kirche. Die Gestaltung der Giebel wiederholt sich in ähnlicher Form an der Ostseite sowie an Süd- und Nordseite des Querschiffs.
Zehn Maßwerkfenster auf jeder Seite des Mittelschiffs (Obergaden) spenden dem Innenraum Licht. Davon liegen sechs Achsen westlich und vier östlich des Querhauses. Die Seitenschiffe besitzen eine Fensterachse mehr, da die Fensterbögen des östlichen Mittelschiffs seit dem Umbau von 1750 weiter auseinander liegen als die Joche des Chorumgangs. Weitere, mächtige Maßwerkfenster finden sich an den vier Giebeln der Kirche, wobei die Fenster der Ostseite wurden im Zuge der Umgestaltung des Innenraums um 1750 zugemauert wurden. Die Stirnseite des nördlichen Querhauses besitzt zusätzlich ein großes achtblättrig gefächertes Rosettenfenster nach dem Vorbild des Straßburger Münsters, was belegt, dass sie als Schauseite der Kirche angelegt wurde. Auch das Maßwerkgitter vor der Giebelwand mit gestaffelten zweibahnigen Lanzetten, die durch Kleeblattformen horizontal verbunden sind, hat wohl in Straßburg sein Vorbild.
Erst Abt Anselm II. Schwab (Amtszeit 1746–1778), der seinen Sinn für das Repräsentative bereits mit dem Bau der Wallfahrtskirche Birnau bewiesen hatte, konnte sich der Versuchung nicht mehr entziehen, die Kirche mit einem prächtigen Vierungsturm auszustatten. Der Baumeister Johann Caspar Bagnato, der durch den Bau des Altshausener Schlosses bekannt geworden war, erhielt 1753 den Auftrag zur Planung und zum Bau, so dass der Turm im Jahr 1756 bereits stand. Der Turm wurde in Fachwerktechnik aus Holz konstruiert und mit Kupferplatten verkleidet. Die Eckpilaster waren aus Blei und mit Bronze verziert, so dass sich der Turm von weitem optisch nicht von gemauerten Türmen dieser Art unterschied, sondern in seinem Kupferglanz sogar noch weitaus prächtiger gewirkt haben muss. Mit dem vergoldeten Turmknopf, der selbst fast zwei Meter Durchmesser hatte, erreichte der Turm eine Höhe von über 85 m – mehr als fünfzig Meter höher als der Dachfirst des Langhauses. Sechzehn neue, mit Reliefs verzierte Glocken sowie ein neues Uhrwerk wurden angeschafft.
Die östlichen Teile der Seitenschiffe sind durch Säulenreihen und Rippengewölbe in jeweils zwei schmalere Schiffe aufgeteilt. Die äußeren Stützen sind als schlanke Pfeiler angelegt, die zum Mittelschiff hin als Dreiviertelsäule abschließen. Die Säulen, die direkt zwischen Chorraum und Umgang liegen, haben einen achteckigen Querschnitt. Sie gehören zum ältesten Bauabschnitt und dokumentieren noch eine Orientierung an einem älteren Baustil, wie er etwa für die Kirche des Stifts Lilienfeld charakteristisch ist. Insgesamt sind die Stützen des Umgangs wesentlich schlanker als die massiven Pfeiler des westlichen Langschiffes, wodurch der Chorraum lichter und leichter wirkt. Die sichtbaren Stützelemente wurden also zugunsten der optischen Gesamtwirkung des Innenraums verborgen oder umgeformt. Diese Entwicklung, die typisch ist für den Beginn der deutschen Hochgotik im Gegensatz zur französischen Gotik, zeigt sich auch in der Auffassung des Innenraums als zu gestaltende plastische Raumschale.
Im Auftrag von Abt Anselm II. entfernte Johann Caspar Bagnato im Jahr 1750 die Binnengliederung im Ostteil der Kirche und erweiterte so den nutzbaren Raum des östlichen Langhauses. Das Gewölbe über dem östlichen Teil des Umgangs und das obere Stockwerk mit der Michaelskapelle wurden entfernt, so dass nur der Nord- und Südteil des Umgangs verblieben. Das Langhausgewölbe verlängerte sich dadurch um ein zusätzliches Joch. Anders als mancher andere Kirchenherr des 18. Jahrhunderts wusste Anselm die „alte guet gottische gestalt der Kürchen“ zu schätzen, so dass er die Architektur trotz aller Umbauten nicht stilistisch aktualisieren ließ. Das neu entstandene Gewölbe über dem Hochchor fügt sich daher ohne Stilbruch in das übrige gotische Spitzbogengewölbe des Langhauses ein.
Grund für den Umbau waren unter anderem Platzprobleme: Die Klosterchronik Apiarium Salemitanum beschwerte sich schon 1708 über den großen Andrang der Laien und den „ungemeinen Concursus“ in der Kirche. Abt Anselm befürchtete, die Klosterdisziplin könnte durch diesen Kontakt mit dem Volk zu sehr gestört werden. Der Hochaltar rückte also unter die Vierung, das Chorgestühl auf die Ostseite des nunmehr verlängerten Langhauses. Zuvor waren Laien und Mönche nur durch eine hölzerne Absperrung (Lettner) getrennt gewesen, nun waren die Patres räumlich vollkommen unter sich. Die mittelalterlichen Lichtspiele gingen verloren und wichen einer frontal-theatralischen Raumwirkung; dafür war der Chorraum nun besser beleuchtet, da durch zusätzliche Fenster im oberen Teil des Langhauses mehr Licht in den Raum fiel.
Nur wenig ist über die Ausstattung des 15. Jahrhunderts bekannt, noch weniger ist davon erhalten. Die Innenwände des Münsters waren zu der Zeit in einfachem Weiß getüncht und mit Einfassungen in Grün-, Rot- und Ockertönen sowie dekorativen Ornamenten versehen. Abt Johannes I. Stantenat (1471–1494) ließ neben baulichen Ausbesserungen die Fenster des Langhauses erneuern, das steinerne Sakramentshaus errichten und einen Holzschnitzaltar fertigen. Der von Michel Erhart (Ulmer Schule) um 1494 geschnitzte Altar ging bis auf wenige Holzfiguren verloren. Die großen und zahlreichen Fenster, die dem Innenraum Licht spendeten, durften nach den Ordensvorschriften nur mit schlichten Grisaillen bemalt werden, um sich von der Pracht der Buntglasfenster gotischer Kathedralen zu distanzieren. Kunsthistoriker vermuten, dass die Salemer Glasmaler auch farbige und figurale Elemente eingebaut haben; es gibt jedoch keinen Hinweis, ob und in welchem Umfang die Fenster farbig gestaltet waren.
Die „zweite Barockisierung“ begann um 1710 nach dem Neubau der durch den Brand von 1697 zerstörten Klosteranlage. Sie steht in engem Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Wiederaufblühen des Klosters im 18. Jahrhundert, die durch Steuererleichterungen möglich wurde. Auch die repräsentativen Aufgaben der Reichsabtei waren gewachsen, musste sie doch mit dem feudalen Prunk der umliegenden Grafschaften und Kleinfürstentümern konkurrieren. Zunächst mussten jedoch die beim Brand beschädigten Orgeln repariert und die zerstörten Altäre und Kirchengeräte ersetzt werden. Der Bildhauer Franz Joseph Feuchtmayer, seit 1706 im nahen Mimmenhausen sesshaft, fertigte einen Großteil der plastischen Ausstattung, der Maler Franz Carl Stauder die Altargemälde.
Unter den Äbten Konstantin Miller (1725–1745) und Anselm II. Schwab (1748–1778) wurde die Ausstattung im Stil des Rokoko bis etwa 1765 fortgesetzt. Die Gewölbekappen des Chorumgangs wurden, dem Zeitgeschmack entsprechend, von Franz Joseph Spiegler mit figürlichen farbigen Deckenfresken ausgemalt, von denen wenige heute wieder unter dem abblätternden Putz sichtbar werden. Zahlreiche Altäre wurden neu gestaltet und mit Antependien aus Stuckmarmor versehen. Die dekorativen und plastischen Arbeiten übernahm in der Nachfolge des älteren Feuchtmayer dessen Sohn Joseph Anton Feuchtmayer. Im Münster zeugen heute nur noch einige Putten und Stuckfiguren sowie die Sitzbänke des Chorgestühls von dieser Ausstattungsphase.
Erst im Jahr 1772 wurde das Projekt wieder umfassend in Angriff genommen und mit Erfolg durchgeführt. Als Baudirektor stellte das Kloster d'Ixnards Schüler Johann Joachim Scholl ein, der einen Gesamtentwurf ausarbeitete und die Durchführung leitete. Feuchtmayers Nachfolger Johann Georg Dirr und dessen Schwiegersohn Johann Georg Wieland übernahmen einen großen Teil der plastischen Arbeiten an Altären, Monumenten und Dekorationselementen. Vor allem Wieland wird die innovative Formsprache der Altäre zugeschrieben, die statt den geschwungenen Linien des Spätbarock einfache, geometrisierte Elemente wie Pyramiden, Obelisken, Dreiecksgiebel und Säulenstümpfe wählte. Vor der Ostwand wurde ein riesiger Schmuckaufbau installiert, der einem Bühnenbild gleicht. Der Innenraum wurde 1777 vollständig in hellen Grautönen gestrichen wurde, damit er mit dem Alabaster der Altäre harmonierte; dabei wurden auch die barocken Fresken übermalt.
Diese letzte umfassende Neugestaltung prägt heute noch das gesamte Erscheinungsbild und gilt als einzigartig in der südwestdeutschen Sakralkunst. Sie wurde Vorbild für ähnliche Ausstattungen etwa in der Abteikirche von Neresheim. Der Kunsthistoriker Georg Dehio lobte ihre „pseudodorisch steife Austerität“, die sich gut in den „echtesten und wahrhaftesten Mönchsstil“ der Zisterzienserarchitektur einfüge. Waren „Verschönerungen“ gotischer Kirchen im 18. Jahrhundert üblich, wurde die Ausstattung des Salemer Münsters so gestaltet, dass sie den Ausblick auf die ursprüngliche Kirchenarchitektur öffnete. Das war ganz im Sinne des neuen Kunstverständnisses für die Gotik, das in Frankreich um 1750 und etwas später mit Goethe auch in Deutschland Fuß fasste.
Die Kirche besitzt 25 weitere Altäre. Die 10 größten sind in den Seitenkapellen zwischen den Langschiffpfeilern aufgestellt; weitere im Umgang des Chors. Teilweise sind die Altartische noch aus dem Mittelalter erhalten; der Aufbau und die Bildwerke wurden von Dirr und Wieland im Stil des französischen Klassizismus entworfen und aus hellem Alabaster gefertigt. Sie sind zum Teil Ordensheiligen wie Bernhard von Clairvaux und Benedikt von Nursia geweiht, aber auch der regional verehrte Heilige Konrad von Konstanz wurde berücksichtigt.
Eine besondere Nische unter der Ostwand erhielt die Heilige Verena, der bereits die Vorläuferkirche des Münsters geweiht war. Dirr gestaltete hier den Verenaaltar sowie zwei Reliefs, die die Versuchung des Hl. Benedikt und die Versuchung des Hl. Bernhard darstellen. Wieland schuf zwei Standbilder von Johannes und Maria sowie ein großes Relief, das die Himmelfahrt Mariä darstellt und ein älteres Altarblatt mit demselben Motiv ersetzte.
Das alte Chorgestühl stammte von Melchior Binder aus dem Jahr 1593. Die davon erhaltenen Reste sind heute am Westende der Seitenschiffe aufgestellt. Bemerkenswert ist an ihnen die eigenständige Verknüpfung der spätgotischen Formsprache mit antikisierenden Elementen, wie sie in der italienischen Renaissance üblich waren.
Das Stiftermonument schließlich ist den Stiftern des Klosters gewidmet: Freiherr Guntram von Adelsreute, der den Baugrund für das Kloster schenkte, König Konrad III., der Salem zur Reichsabtei erhob, sowie Papst Benedikt XII., der zum ersten Mal an einen Salemer Abt das Recht vergab, die Pontifikalinsignien im Wappen zu führen. (1384 wurde dieses Recht durch Urban VI. dauerhaft verliehen.) Ein Salztöpfchen und ein Wappen erinnern an Eberhard II., den Erzbischof von Salzburg, der nach dem Aussterben der Stifterfamilie das Kloster im Jahre 1201 unter seinen Schutz nahm und in der Folge als „zweiter Stifter“ des Klosters verehrt wurde.
Aus der frühesten Bauzeit um 1298 stammen 57 vergoldete Reliefs an den Schlusssteinen des Kreuzrippengewölbes im Chorumgang. Sie zeigen im Südschiff unter anderem Tiersymbole, darunter einen Löwen, einen Adler und einen Pelikan, die hier für Auferstehung, Himmelfahrt und Opfertod Christi stehen, einen Affen als Symbol des Teufels sowie Fratzen, Monstren und Dämonen, die als apotropäische Figuren Unheil abwehren sollten. Daneben gibt es eine Reihe von Darstellungen aus dem Leben der Jungfrau Maria: die Flucht nach Ägypten, die Geburt Christi sowie einen Vogel Strauß als Sinnbild der Unbefleckten Empfängnis.
Im nördlichen Umgang finden sich die Anbetung der Könige, ein Engel, ein betender Mönch sowie zahlreiche Pflanzenmotive, die symbolisch für die Jungfrau Maria oder nach anderen Deutungen für Christus stehen. Die Darstellung des bärtigen Mönches wird gewöhnlich als (Selbst-)Porträt des Werkmeisters gedeutet, der in diesem Fall ein „frater barbatus“, ein barttragender Laienbruder gewesen sein muss. Der Wechsel von figürlichen zu floralen Motiven ist ungewöhnlich; denkbar ist, dass das Programm geändert wurde, nachdem die Leitung des Zisterzienserordens 1298 die Marienverehrung und die übermäßige Ausschmückung der Kirchen heftig verurteilt hatte (Knapp 1998).
Die frühe Barockzeit hinterließ ihre Spuren in Form von vierzehn überlebensgroßen Holzskulpturen, die die zwölf Apostel, die Jungfrau Maria und Jesus Christus darstellen und in bescheidenem Grau mit wenigen Zierelementen aus Blattgold gehalten sind. Sie stehen auf klassizistischen Konsolen vor den Fenstern des Langhauses. Die Figurenreihe wurde von Christoph Schenck begonnen, 1630 von Zacharias Binder vollendet und gehört zu den bedeutendsten Holzschnitzwerken des Frühbarock im Bodenseeraum.
Abt Anselm II. (Amtszeit 1746-1778) ließ es sich nicht nehmen, „seine“ Kirche wieder mit drei vollwertigen Orgeln auszustatten. Die Emporen im Süden und Norden des Querhauses sowie die Empore über dem Westportal trugen schließlich drei vollwertige Orgeln mit insgesamt 13 Klaviaturen und 7223 Orgelpfeifen, entworfen von dem bedeutenden Orgelbauer Karl Joseph Riepp. In eigens komponierten Orchestermessen wurden sie sogar gleichzeitig bespielt. Die barocke Klangfülle ging mit dem Verkauf von zwei Orgelwerken nach der Säkularisation verloren. Die Orgel über dem Westportal wurde 1900/1901 durch eine große romantische Orgel der Überlinger Orgelbauwerkstatt Wilhelm Schwarz & Sohn ersetzt, wobei der klassizistische Orgelprospekt aus der Werkstatt von Johann Georg Dirr erhalten blieb. Von den beiden anderen Orgeln bestehen heute in Salem nur noch die hölzernen Emporen, deren Unterseiten um 1765 von Andreas Brugger mit biblischen Motiven bemalt wurden. Die Orgelgehäuse sind in Winterthur (Ev. Stadtpfarrkirche) und Konstanz (St. Stephan) weitgehend erhalten.
| Nr. | Name (Funktion) | Gussjahr | Gießer | Gewicht/kg (ca.) | Durchmesser/m | Nominal (16tel-Abweichung) | - | 1 | Dreifaltigkeitsglocke | 1754 | Franz Anton Grieshaber | 3 200 | 1,75 | a° (-8) | - | 2 | Angelusglocke | 1754 | F. A. Grieshaber | 1 100 | 1,13 | e' (-1) | - | 3 | Johannesglocke | 1758 | G. J. Scheichel | 262 | 0,87 | a' (+2) | - | 4 | Anselmusglocke | 1757 | Grieshaber oder Scheichel (?) | 160 | 0,65 | cis" (+3) | - | 5 | 1954 | Friedrich Wilhelm Schillng | 100 | 0,57 | e" (+3) |
|---|
Aufgrund der Säkularisation wurden folgende Glocken vom übrigen Geläut getrennt an verschiedene Kirchengemeinden verkauft:
| Name | Gussjahr | Gießer | Gewicht/kg (ca.) | Nominal | Derzeitiger Hängeort | - | Herrgottglocke | 1756 | F. A. Grieshaber | 8 000 | fis° | Herisau (Schweiz) | - | Liebfrauenglocke | 1757 | F. A. Grieshaber | 1 493 | d' | Wollerau | - | Stephansglocke | 1756 | F. A. Grieshaber | 794 | f ' | Wollerau | - | Theresienglocke | 1758 | J. G. Scheichel | 250 | a' | Riedböhringen | - | Benediktglocke | 1754 | J. G. Scheichel | 200 | c" | Mühlingen |
|---|
Die Grabplatten im Münster dokumentieren, dass die meisten Äbte des Klosters hier bestattet wurden – mit Ausnahme derjenigen, die vor ihrem Tod das Kloster verließen. Bei einigen Gräbern, etwa denen des Stifters Guntram von Adelsreute (†1138?) und des ersten Salemer Abtes Frowin (†1165) sind Zweifel angebracht: Zum einen stand zu ihrer Todeszeit noch keine der Klosterkirchen; zum anderen wurden erst im 18. Jahrhundert bei Umbauarbeiten Skelette exhumiert und unter diesen Namen bestattet.
Hier liegt – angeblich – auch der Salzburger Erzbischof Eberhard II. (†1246). Weiter ruhen hier die Herren von Bodman, Gremlich und Jungingen, die sich als Stifter um die Wirtschaftslage des Klosters verdient gemacht hatten; die letzten Gräber dieser Adelsfamilien stammen allerdings aus dem frühen 17. Jahrhundert. Seit dem frühen 15. Jahrhundert wurden im Münster auch verdiente nichtadelige Laien wie der Baumeister Michael von Safoy bestattet.
Erst nach dem Regierungswechsel in Baden 1853 gab es ernsthafte Bemühungen, die baufällige Klosterkirche als Baudenkmal zu erhalten. In einem Schreiben des Bauinspektors Beyer heißt es 1864, die Mauersteine seien
In den Jahren 1883–1892 wurde das Münster umfassend restauriert; dabei wurde vor allem am West- und Südgiebel ein erheblicher Teil des Steinmaterials ausgetauscht und durch neuen Rorschacher Sandstein ersetzt, der sich durch seine etwas dunklere Färbung vom originalen Mauerwerk abhebt. Obwohl der Restaurator Franz Baer vorbildlich bemüht war, die historische Gestalt des Münsters zu erhalten, gingen doch einige originale Bauteile verloren: West- und Südgiebel wurden schlichter gestaltet; die fast zerstörten Masken an den Giebelkonsolen wurden durch zeitgenössische Neuschöpfungen ersetzt. Weitere „Verbesserungen“ wie der geplante Dachreiter in neugotischem Stil unterblieben.
Unter Leitung des Landesdenkmalamts Baden-Württemberg begann 1997 eine erneute Bestandssicherung, die 2002 abgeschlossen wurde. Eine umfangreiche Sanierung des Innenraums steht noch aus. Ein wichtiges Ergebnis der Maßnahmen war vor allem eine detaillierte Dokumentation des Baubestands, die weitere Forschungen und Instandsetzungsmaßnahmen befördern wird.
Im 17. Jahrhundert wurde die Kirche auch Laien geöffnet, wobei es für die Mitglieder der Pfarrgemeinde Salem (oder Salmannsweiler) auf dem nördlichen Klostergelände zusätzlich eine (heute nicht mehr existente) Pfarrkirche gab. Die Laien waren allerdings von den Mönchen durch einen hölzernen Lettner getrennt. Ab 1765 stand zusätzlich der Hochaltar zwischen dem Chor, wo der Konvent saß, und dem Laienraum, so dass sie noch strenger voneinander abgetrennt waren.
Nördlich des Münsters lag der Friedhof für die Mönche und Laienbrüder. Die Äbte wurden, sofern sie ihr Amt bis zu ihrem Tod ausübten, im Münster bestattet. Daneben gab es im nahen Stefansfeld einen Friedhof für die Bürger der umliegenden Ortschaften. Die dortige Stefansfeld-Kapelle wurde erbaut von Franz Beer, dem Baumeister des barocken Klosterbaus.
Seit 1808 dient das Münster der Katholischen Pfarrgemeinde von Salem als Gotteshaus. Aus dieser Zeit stammen Kanzel und Taufstein, die von den Mönchen nicht benötigt worden waren.
Heute ist das Münster – nach wie vor im Privatbesitz des Markgrafen von Baden – den Besuchern der Schloss Salem genannten ehemaligen Klosteranlage gegen Gebühr zugänglich. Außerdem wird es für sonntägliche Gottesdienste der katholischen Pfarrgemeinde und für Konzerte genutzt.
Kirchengebäude in Baden-Württemberg | Gotisches Bauwerk | Marienkirche
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Salemer Münster".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world