Die
Sahara ist mit neun Millionen km² die größte
Trockenwüste der Erde. Das entspricht in etwa der Größe der gesamten USA oder der 26-fachen Größe von Deutschland. Sie erstreckt sich von der
Atlantikküste bis zur Küste des
Roten Meeres und bildet annähernd ein Trapez von 4.500–5.500 km westöstlicher und 1.500–2.000 km nordsüdlicher Ausdehnung. Sie gehört zu den
Wendekreiswüsten.
Die Sahara ist größtenteils eine Steinwüste oder Felswüste (Hammada), oder auch Kies- beziehungsweise Geröllwüste (Serir); die klischeehafte Sandwüste (Erg) macht nur einen ziemlich geringen Teil aus.
Etymologie
Die Bezeichnung
Sahara kommt von der
arabischen Übersetzung
ṣaḥrāʾ صحراء des
Tuareg-Wortes
Tenere, das
Wüste oder
Sand bedeutet. Nach einer weiteren Theorie leitet sich der Begriff von
sahraa bzw.
es-ssah-ra ab, wobei das
Präfix es ein Artikel ist und dann auf Deutsch
die bedeuten würde. Bei Ländereien kann man das Wort auch mit
öde, leer, nichts oder
unfruchtbar übersetzen.
Die antiken Römer nannten das Land südlich von Karthago Terra Deserta für unbewohntes/verlassenes Land. Im Mittelalter nannte man die Sahara schlicht Große Wüste. Erst im 19. Jahrhundert hat sich die Bezeichnung Sahara durchgesetzt.
Die Araber nennen die Sahara baḥr bilā māʾ بحر بلا ماء für Meer ohne Wasser, aber auch ṣaḥara im Ägyptisch-Arabischen. (vgl. Sahel für Ufer).
Lage
Die Sahara liegt im Norden Afrikas. Sie erstreckt sich von der Atlantikküste bis zur Küste des Roten Meeres und bildet annähernd ein Trapez von 4.500 km - 5.500 km westöstlicher und 1.500 - 2.000 km nordsüdlicher Ausdehnung. In
Ägypten wird sie durch die Flussoase des
Nils unterbrochen. Im Norden befindet sich der
Maghreb (
Marokko,
Algerien,
Tunesien) und
Libyen, im Süden liegt der
Sahel.
Saharastaaten sind (ganz oder teilweise): Ägypten, Libyien, Mali, Niger, Tschad, Sudan, Mauretanien, Westsahara, Marokko, Algerien und Tunesien.
Im Westen der Sahara gibt es einen Staat gleichen Namens (gelegentlich auch West-Sahara genannt), dessen offizielle Bezeichnung Demokratisch-arabische Republik Sahara ist. Dieser Staat ist de facto von Marokko besetzt und wurde bislang lediglich von wenigen, meist afrikanischen, Staaten anerkannt.
Geographie
Das Klima ist äußerst trocken und heiß. Meistens weht während des ganzen Jahres der
Passat, der wenig Niederschlag bringt. Der einzige Dauerfluss ist der
Nil. Die extremen Temperaturschwankungen von tagsüber bis zu 58 °C – nachts bis zu 30 °C geringer – tragen u.a. zur Wüstenbildung bei. Im Winter sind nachts bis zu -10 °C zu messen. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge in der Sahara beträgt ca. 45,5 mm. Manche Jahre regnet es jedoch gar nicht. Die Sahara weist einige Gebirgsketten auf, wie etwa das
Hoggargebirge und das
Tibestigebirge. Höchste Erhebung ist der
Emi Koussi im
Tibesti mit 3415 m ü.NN.
Es gibt auch einige große Meteoriteneinschlagkrater in der Sahara. Der größte bisher gefundene
Krater ist der
Kebira-Krater, er hat einen Durchmesser von 31 km.
Geologie
Forscher schließen aus der Lage unterschiedlicher Gesteinsschichten, dass sich in dieser Wüste im Laufe von mehreren Jahrmillionen mehrfach trockene und feuchte
Phasen abwechselten. Durch
Datierungen von
Fossilien in Bodenproben aus dem
Tschadbecken gelang der Nachweis, dass die Sahara schon vor sieben Millionen Jahren zumindest zeitweise eine Wüste war. Selbst noch unter diesen analysierten Bodenschichten fanden sich noch weitere und ältere
Sandsteinschichten, welche nur durch Windverwehungen unter Wüstenbedingungen entstanden sein konnten
[Science, Bd. 311, S. 821]. In den
Pluvialzeiten war die Sahara wasserreicher und begrünt, wie auch zahlreiche
Felsmalereien aus den späteren Perioden und die von den Gebirgen ausgehenden, oft über 1.000 km langen Trockenflussbetten (
Wadis) beweisen. Neueste Forschungen der
Universität von Illinois in
Chicago aus dem Jahr
2004 haben ergeben, dass das Grundwasser unter Ägypten und Libyen bis zu einer Million Jahre alt ist. Es fließt langsam in einem unterirdischen System von
Nubien aus mit einer Geschwindigkeit von nur ein bis zwei Metern pro Jahr nordwärts.
Außerdem befindet sich die Wüste im Subtropischen Hochdruckgürtel, sie ist also eine Wendekreiswüste, da die absteigenden Luftbewegungen für Wolkenauflösung sorgen und somit eine ungehinderte Ein- und Ausstrahlung erfolgen kann.
Bodenschätze
In der Sahara sind auch Bodenschätze zu finden. In der algerischen und libyschen Sahara wurden reiche
Erdöl- und
Erdgasfelder entdeckt. Weiter Bodenschätze sind:
Salz,
Kohle,
Kupfer,
Mangan,
Eisen,
Uran,
Blei,
Wolfram,
Titan,
Zinn und
Phosphat.
Geschichte
Die
neolithische Revolution erfasste das Gebiet der Sahara, damals wasserreicher und grüner als heute, beinahe zur selben Zeit wie die Hochkulturen an
Nil,
Euphrat und
Tigris. Etwa im
6. Jahrtausend v. Chr. begannen die Bewohner der Region mit dem Ackerbau. Eine Städtekultur wie in den genannten Gebieten der Hochkulturen bildeten sie aber nie aus.
Im 2. Jahrtausend v. Chr. beginnt die Pferdezeit, so benannt, weil ab dieser Zeit Pferde in den Motiven der Höhlenmalerei vorherrschen. Ebenso wie in Ägypten, Anatolien und der Ägäis wurde im 16. Jahrhundert die "Wunderwaffe" der Bronzezeit, der Streitwagen, eingeführt. Pharao Ramses III. listet 92 Streitwagen sowie 184 Pferde als Beute seines Libyen-Feldzuges auf.
Anfang des 1. Jahrtausend v. Chr. beginnt die Austrocknung der Sahara und somit der langsame Niedergang von Ackerbau und Viehzucht. Durch die assyrische Eroberung Ägyptens im 7. Jahrhundert v. Chr. kommt das Kamel nach Afrika und löst das Pferd als wichtigstes Lastentier ab. Spätestens seit der Ptolemäerzeit wird es im größeren Maße eingesetzt.
Im Zentrum der Sahara entsteht ab dem 5. Jahrhundert vor Christus das Reich der Garamanten, das zum einen auf erfolgreicher Oasenwirtschaft beruht, dessen großer Reichtum aber aus dem Handel zwischen Afrika und dem Mittelmeerraum zunächst mit den Griechen über Cyrene, dann mit den Römern über Leptis Magna beruht. Der Niedergang des weströmischen Reiches stoppte diesen Handel weitgehend, und die Erschöpfung von Grundwasservorräten schränkte die Oasenwirtschaft ein. Das Ende kam aber erst mit der Eroberung durch die muslimischen Araber.
Bevölkerung
Die geringe einheimische Bevölkerung besteht hauptsächlich aus
Arabern,
Berbern und
Mauren. Daneben gibt es kleine Gruppen wie die
Tubu (auch Tibbu) und
Tuareg. Neben der Viehhaltung war bis ins
19. Jahrhundert der
Transsaharahandel eine wesentliche Lebensgrundlage für diese Bevölkerungsgruppen, die auch als Yallas bekannt sind.
Das zahlenmäßig größte Saharavolk sind die Tuareg. 60% der Saharabewohner sind seßhafte Oasenbauern, 40% Nomaden und Halbnomaden. Größere Siedlungen finden sich vor allem am Nordrand der algerischen Sahara. Neusiedlungen haben sich in den erdöl- und erdgasfördernden Gebieten Algeriens und Zentrallibyens gebildet. Im Westen und in der libyschen Wüste sind weite Teile menschenleer.
Quellen
Literatur
- Alain Drajesco-Joffé: La vie sauvage au Sahara 1993 Delachaux et Niestlé ISBN 2-603-00871-4
- Jean Bisson: Mythes et réalités d'un désert convoité : Le Sahara 2003, L'Harmattan, Paris, 479p
- Barbara E. Barich: People, water, and grain. The beginnings of domestication in the Sahara and the Nile valley, Rom 1998. ISBN 88-8265-017-0 (engl.)
- Rohlfs, Gerhard: Quer durch Afrika. Die Erstdurchquerung der Sahara vom Mittelmeer zum Golf von Guinea 1865-1867, Stuttgart 1984. ISBN 3-522-60580-2
- Fabrizio Mori: The great civilisations of the ancient Sahara, Rom 1998. ISBN 88-7062-971-6 (engl.)
- Heinrich Schiffers: Die Sahara. Entwicklungen in einem Wüstenkontinent, Kiel 1980. ISBN 3-554-60106-3
Weblinks
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