Der Begriff Safer Sex ist im Zuge der Diskussion um HIV bzw. AIDS aufgekommen. Diese Wortwahl soll darauf aufmerksam machen, dass zwar keine "sicheren", wohl aber "sicherere" Sexualkontakte möglich sind und somit die Risiken einer Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten vermindert werden können. Die im deutschen Sprachraum oft verwendete Bezeichnung geschützter Sex bleibt sprachlich unpräzise.
Verbreitung fand "Safer Sex" vor allem, nachdem die Immunschwächekrankheit AIDS in das Bewusstsein der Öffentlichkeit trat. Groß angelegte Werbeaktionen soll(t)en die Menschen insbesondere zum regelmäßigen und selbstverständlichen Gebrauch von Kondomen bewegen und damit der Ausbreitung von AIDS, aber auch der wesentlich ansteckenderen Hepatitis B Einhalt gebieten. Auch Infektionen mit und Hepatitis C können damit erschwert werden.
Letztlich beruht jedes Sexualverhalten auf einer Abwägung zwischen den damit verbundenen möglichen Risiken und den Bedürfnissen der beteiligten Personen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Menschen prinzipiell das Risikopotential alltäglicher Situationen und Ereignisse unterschätzen und die Möglichkeiten der direkten Einflussnahme überschätzen, während sie die Gefährdung durch ungewöhnliche Ereignisse überschätzen. Zur ersten Kategorie zählt somit alles, was in den Bereich der "allgemeinen Lebensführung" fällt: Essen, Trinken, Rauchen, Bewegung - von fehlender Bewegung bis hin zu den Gefahren des Straßenverkehrs, das Verhalten in der Freizeit und am Arbeitsplatz (Freizeit-, Sport- und Arbeitsunfälle), und eben Sexualität.
Sollte es doch einmal zu einem solchen Kontakt kommen, empfiehlt es sich, die betroffene Stelle umgehend gründlich zu waschen, idealerweise unter Verwendung eines geeigneten Desinfektionsmittels, beispielsweise hochprozentiger Alkohol, Jodtinktur oder 3%ige Wasserstoffperoxidlösung.
Gehört der Partner zu einer Hochrisikogruppe oder ist bekannt positiv, sollte man idealerweise binnen 2, maximal jedoch 48 Stunden einen Arzt aufsuchen. Mit einem Schnelltest kann, das Einverständnis des Partners vorausgesetzt, binnen ca. 30 Minuten dessen Serostatus ermittelt und gegebenenfalls einen sogenannte Postexpositions-Prophylaxe eingeleitet werden. Diese vermindert das Ansteckungsrisiko um etwa 80%.
Eine akute Infektion mit Hepatitis B nimmt, je nach Alter, in 0,5% bis 1% der Fälle einen fulminanten Verlauf, der zu Leberversagen und Tod führt, falls keine Transplantation vorgenommen werden kann. Eine Infektion wird bei gesunden Erwachsenen mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 5% chronisch, was langfristig mit etwa 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit wiederum zu Leberversagen oder Leberkrebs führen kann. Somit können ungeschützte Sexualkontakte in Bezug auf Hepatitis ein um ein vielfaches höheres langfristiges Risiko darstellen als zum Beispiel das Fahren eines Motorrads.
Hepatitis hat, im Vergleich zu HIV, ein wesentlich höheres Risiko, durch z. B. orale Praktiken wie Cunnilingus oder Fellatio übertragen werden. Die Gefahr einer Infektion kann drastisch verringert werden durch Verwendung von Barrieremethoden (Kondom, Lecktuch), sowie durch eine Impfung, die in vielen Fällen von den Krankenkassen übernommen wird. Auch gemeinsame Benutzung z. B. von Sexspielzeug oder Zahnbürsten kann das Virus übertragen, und muss daher vermieden werden.
Weitere Risiken sind beispielsweise Gonorrhoe, Syphilis, Chlamydien, Papillomviren, die genitale Form von Herpes. Es ist nicht möglich, alle Risiken vollständig zu eliminieren, jedoch kann das persönliche Risiko durch eine informierte Abwägung und konsequentes Verhalten drastisch reduziert werden. Um konsequentes Verhalten zu ermöglichen, ist es nicht hilfreich, das eigene sexuelle Verlangen völlig zu unterdrücken oder sich unrealistische Regeln aufzuerlegen - Studien zeigen, dass dies lediglich riskantes Verhalten fördert.
Immer wieder wird diskutiert, dass z. B. Kondome wegen ihrer wissenschaftlich untersuchten Versagerquote keinen hundertprozentigen Schutz vor Infektionen geben können. So wird von manchen (vor allem durch das Lehramt der Katholischen Kirche) die Beschränkung von Sex auf die Institution der Ehe oder Enthaltsamkeit und Keuschheit als absoluter Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten empfohlen.
Der Vatikan hat im Dezember 2003 seine Kritik an den staatlichen Safer-Sex-Kampagnen u.a. in Form einer Abhandlung mit dem Titel „Family Values Versus Safe Sex” (Familienwerte versus sicheren Geschlechtsverkehr) veröffentlicht Kardinal A.L.Trujillo: Family Values Versus Safe Sex". In dem Text kritisiert Kardinal Alfonso López Trujillo die vorbehaltlose Empfehlung von Kondomen, da sie noch weniger vor Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten als vor ungewollten Schwangerschaften schützten (mind. 10% ungewollte Schwangerschaften trotz Kondom). Die Gefahr für die Übertragung von Geschlechtskrankheiten sei u.a. deshalb größer, da Viren auch zu Zeiten übertragen werden können, in welchen die Frau für Spermien nicht empfängnisbereit ist. Da nach seiner Ansicht solche Safer-Sex-Kampagnen das promiske Verhalten förderten, erhöhe sich durch die Kondombenutzung das Risiko einer Erkrankung eher, als dass es gesenkt würde. Zumindest verschleierten solche Kampagnen die trotz Kondom immer vorhandenen Gefahren des Geschlechtsverkehrs mit wechselnden Partnern. In Uganda habe dagegen eine Kampagne für eheliche Treue bzw. gegen Promiskuität zur deutlichen Abnahme der HIV-Neuinfektionen geführt Stoneburner R. und Low-Beer,D.: Population-level HIV declines and behaviour risk avoidance in Uganda. Science 2004 Apr 30; 304:714-8".
Echte Treue oder völlige Enthaltsamkeit schließen das Risiko der Ansteckung aus. Dies ist jedoch eine rein theoretische Überlegung. Trotz des Vorsatzes zur Keuschheit kann es zum Geschlechtsverkehr kommen, was dann meist ungeschützt geschieht. Eine Studie der Universitäten Columbia und Yale zeigte, dass ein Keuschheitsgelübde nicht gegen sexuell übertragbare Krankheiten hilft Hannah Brückner and Peter Bearman: After the promise: The STD consequences of adolescent virginity pledges Journal of Adolescent Health, Band 36, Ausgabe 4, April 2005, Seiten 271-278 (englisch) Tagesspiegel Online: Wer dem Sex abschwört Bushs Keuschheitskampagne hilft nicht gegen Aids.
Der Erfolg in Uganda beruhte auf einem ABC-Prgramm. Es setzte zwar auch auf Keuschheit (Abstinenz) und Treue (Be faithful), aber Safer Sex (Condoms) war integraler Bestandteil Uganda AIDS Commission: Frequently Asked Questions. Die Abkehr von Safer Sex geschah erst in jüngster Zeit und droht das bisher erreichte zunichte zu machen Praxis Psychosoziale Beratung Frankfurt am Main: Abkehr vom Kondom.
Wer beispielsweise HIV-positiv ist und nicht auf Safer Sex achtet (beispielsweise beim Barebacking), bedroht das Leben seines Sexualpartners und begeht damit eine Straftat. Das gilt auch dann, wenn dieser ebenfalls HIV-positiv ist. Denn das HI-Virus kann in sehr unterschiedlichen Versionen vorliegen, wodurch das Risiko eines Ausbruchs oder eines verfrühten Ausbruchs der Aidserkrankung erhöht wird.
Virus-Hepatitis - Eine Orientierunghshilfe. Herausgegeben von der Deutschen AIDS-Hilfe, Bestellnummer 020070.
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