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Saddam Hussein (; * 28. April 1937 in al-Udscha bei Tikrit, Irak) war von 1979 bis 2003 Präsident des Irak mit praktisch diktatorischer Machtfülle.

Leben


Kindheit und Jugend

Saddam Hussein, mit vollständigem Namen Husain at-Tikriti, wurde als uneheliches Kind seiner Mutter Subha Tulfah in eine Kleinbauernfamilie geboren. Die uneheliche Schwangerschaft galt als Schande und dieser Umstand wird als Einflussgröße auf Husseins psychosoziale Entwicklung gewertet. Saddam Husseins leiblicher Vater starb nach seiner Geburt (Selbstmord).

Nach dem Husseins Mutter neun Jahre später einen Mann namens Ibrahim al-Hasan heiratete, gab sie den Jugen zu seinem Onkel Chairallah Tulfah, einem Offizier einer irakischen Einheit, die einen Aufstand gegen den König Faisal II. im Jahre 1941 organisierte. Als Folge dieses Aufstandes erhielt Husseins Onkel eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Zwischen 1936 und 1941 gab es insgesamt sechs Umsturzversuche.

1955 zog Hussein mit seinem Onkel in die Hauptstadt Bagdad. Ihm wird Chairallah Tulfas älteste Tochter Sadschida versprochen, die er heiraten soll. Er besucht die al-Karch-Schule. Mit neunzehn Jahren begeht Saddam Hussein im Auftrag des Tikrit-Clans, zu welchem der Onkel enge Beziehungen pflegt, einen Mord an einem entfernten, rivalisierenden Onkel namens Saadi. Er absolviert das Abitur auf einem Gymnasium in Bagdad mit gutem Erfolg.

Beginn der politischen Karriere

Saddam Hussein trat 1956 der damals noch verbotenen Baʿth-Partei bei und nahm 1957 an einem erfolglosen Putschversuch gegen den irakischen König Faisal II. teil. 1958 unterstützte er eine andere, von General Abd al-Karim Qasim geführte Gruppe.

In der Folge eines misslungenen Attentats auf Premierminister Qasim 1959, war Hussein gezwungen über Syrien nach Ägypten zu fliehen. Er wurde in Abwesenheit zum Tod verurteilt. Der amtierende Chef der Baʿth-Partei Fuad ar-Rikabi, wurde wegen des fehlgeschlagenen Attentats durch einen entfernten Verwandten Saddam Husseins, Madschid, ersetzt.

Erste Kontakte zur CIA hat Hussein vermutlich während eines Studiums an der juristischen Fakultät der Universität Kairo geknüpft, wobei umstritten ist, dass er dort tatsächlich ein Studium absolvierte. Zumindest lässt sich ein Studienabschluss seinerseits dort nicht nachweisen *. .

Am 8. Februar 1963 kehrte er nach einem erfolgreichen Putsch der Baath-Partei, in dem Premier Qasim und viele Führungspersonen ihr Leben verloren, in den Irak zurück. Nach dem Machtwechsel (Ramadanrevolte) wurde er 1964 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, flüchtete aber (mit Hilfe Tahir Yahyas) 1967.

1968 unterstützte er einen erfolgreichen Staatsstreich von Baath-Partei und Armee.

Aufstieg

Als die Baath-Partei 1968 im Irak an die Macht kam, übernahm Saddam Hussein in der neuen Regierung das Amt als stellvertretender Generalsekretär des Revolutionären Kommandorates, sowie als Chef des Ministeriums für Staatssicherheit und des Propagandaministeriums. 1969 wurde er Vizepräsident.

Am 1. Juni 1972 leitete er die Verstaatlichung westlicher Ölfirmen ein, die ein Ölmonopol im Irak hatten. Mit den Öleinnahmen entwickelte er das Land zu einer regionalen militärischen Großmacht. Die Einnahmen aus dem Ölverkauf sorgten aber auch für den Wohlstand breiterer Bevölkerungsschichten.

Am 1. Juli 1973 wurde er vom Revolutionsrat zum Drei-Sterne-General der irakischen Streitkräfte ernannt, später ernannte er sich selbst zum Feldmarschall.

Am 6. März 1975 schloss er als Vizepräsident mit dem iranischen Schah Mohammad Reza Pahlavi das Abkommen von Algier über den Grenzverlauf im Schatt al-Arab und die gegenseitige Nichteinmischung in innere Angelegenheiten.

1979 ernannte Präsident Ahmad Hasan al-Bakr Saddam Hussein im Alter von 42 Jahren zum Vorsitzenden der Partei und zu seinem Nachfolger. Am 11. Juli 1979 wird er zum Generalsekretär der Baath-Partei und am 16. Juli 1979 übernimmt er die Macht als Staats- und Regierungschef. In dieser Position diffamiert Hussein öffentlich Mitglieder der Baathpartei, woraufhin sie ohne Prozess zum Tode verurteilt und sofort liquidiert werden. Andere Mitglieder der Partei werden durch dieses Exempel auf die Linie Husseins eingeschworen. Hussein verhindert so auch den geplanten Zusammenschluss mit dem ebenfalls baathistischen Regime Syriens.

Dennoch war auch danach Saddam Husseins Autorität noch nicht völlig unumschränkt. Nach dem Tausch seines Amtes mit al-Bakr blieb dieser faktisch Vizepräsident bis zu seinem Tode im April 1982. Ein Gerücht handelt von dessen Vergiftung. Saddam Hussein jedenfalls nutzte diese erste Zäsur einer Machterweiterung bereits im Juli zu einem folgenträchtigen Alleingang: Er gab den Rückzugsbefehl für die irakischen Truppen in einer entscheidenden Phase des Golfkrieges gegen den Iran. Die zweite Zäsur ist 1989 anzusetzen. Mit dem Tode des Baath-Partei-Gründers und Vizepräsidenten Michel Aflaq (wobei es Gerüchte gab, dass auch dieser vergiftet worden sei) und dem Unfalltod des als Kriegsminister im Golfkrieg populär gewordenen Chairallah Talfah im gleichen Jahr(unaufgeklärter Hubschrauberabsturz) gab es faktisch keine auch nur ansatzweise rivalisierende moralische Autorität mehr neben oder hinter dem Präsidenten, die seine Entscheidung zum Krieg gegen Kuwait hätte beeinflussen können.

Der erste Golfkrieg

Etwa ein Jahr nach der Revolution im Iran gegen den prowestlichen Mohammad Reza Pahlavi annullierte Saddam Hussein am 17. September 1980 das Abkommen von Algier, welches zuvor auch der Iran als für nicht mehr bindend erklärt hatte. Der Irak verweigerte daraufhin die Räumung der 1975 abgetretenen Grenzgebiete, die seit dem 4. August unter iranischem Beschuss lagen. Am 22. September 1980 befahl Hussein der irakischen Armee, den Iran mit neun von insgesamt zwölf Divisionen auf einer 600 km breiten Front anzugreifen. Dies bildete den Auftakt für den fast acht Jahre dauernden Ersten Golfkrieg.

Dabei spielten auch verschiedene westliche Staaten eine führende Rolle, die den Irak wegen der drohenden Niederlage gegen den Iran massiv unterstützten, wie z. B. Frankreich (Israel zerstörte im Jahr 1981 den irakisch-französischen Atomreaktor Osirak) und Deutschland als Rüstungsexporteure und Lieferanten für Nuklear- sowie Chemieanlagen (Pestizide-Giftgas). Oft geäußerten Ansichten entgegen, gehörten die USA bezüglich des Volumens der Waffenlieferungen eher zur zweiten Rige allerdings belieferte Washington beide Seiten (Irangate). Hauptunterstützer des Iraks waren die Sowjetunion, Frankreich und die Volksrepublik China (die allerdings auch den Iran belieferte). Auf einer vom Stockholmer SIPRI-Institut erstellten Übersicht folgen die USA erst an 11. Stelle.

Eine besondere Bedeutung hatten weiterhin die sunnitischen bzw. wahabitischen Golfstaaten als Kreditgeber und Finanziers des ersten Golfkrieges (Bedrohungsszenario durch den schiitischen Iran). Das Unvermögen, die Kredite zurückzuzahlen, wird allgemein als einer der Gründe für die versuchte Annektierung Kuwaits durch den Irak betrachtet. Während des Krieges gegen den Iran ließ Saddam Hussein Giftgas einsetzen, wobei voraussichtlich Hunderttausende Menschen ums Leben kamen (siehe auch Kriegsverbrechen, Demozid). Sehr kritisch betrachtet werden Vermutungen denen zufolge der US-Geheimdienst dem Irak Satellitenbilder der iranischen Stellungen zur Verfügung stellte sowie die Zurückhaltung bzw. teilweise stillschweigender Billigung eines Großteils der Staatengemeinschaft.

Um die Neutralität der schiitischen Bevölkerungsmehrheit Iraks im Krieg gegen den Iran zu sichern, trat Saddam Hussein 1981 im Beisein des damaligen Großayatollahs Chu′i formal zur Schia über.

Am 18. Juli 1988 willigte der Iran in die Waffenstillstandsbedingungen der UN-Resolution 598 ein, die Saddam Hussein bereits zuvor akzeptiert hatte. Ayatollah Chomeini kommentierte dies mit dem Zusatz „Lieber hätte ich Gift genommen“. Am 8. August 1988 wurde ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen, das am 20. August 1988 in Kraft trat. Zum Abschluss eines Friedensvertrages ist es seither nicht gekommen.

Am 16. März 1988 wurde die kurdische Stadt Halabdscha von der irakischen Luftwaffe mit Giftgas angegriffen, wobei etwa 5000 Zivilisten zu Tode kamen. Im Gegensatz zu früheren Einsätzen von Giftgas wurde dieser Angriff Giftgasangriff auf Halabdscha von der westlichen Presse zur mit Entsetzen und Empörung zur Kenntnis genommen. Staatliche Seiten verhielten sich weiterhin zurückhaltend.

Der zweite Golfkrieg

Am 2. August 1990, zwei Jahre nach dem Waffenstillstand, ließ Saddam Hussein Kuwait besetzen mit der Bahauptung Kuwait würde illegal Ölfelder des Iraks anzapfen und ihn um Milliarden betrügen.(Diese Behauptung ist bis heute weder widerlegt!!!--- noch bewiesen!!!) Die Besetzung erfolgte, nachdem Kuwait die Ölfördermenge erhöht hatte und somit die Ölpreise senkte. Der Irak hatte starke Interessen an einem lukrativen Ölgeschäft, insbesondere da das Land sich im Wiederaufbau nach dem ersten Golfkrieg befand. Die amerikanische Regierung signalisierte vor der Besetzung, das sie im Falle einer Besetzung nicht intervenieren würden. Dies sehen Kritiker als Motivierung Husseins zur Besetzung.

Im Zweiten Golfkrieg wurde die irakische Armee Anfang 1991 durch die von den USA geführte Koalition fast vollständig geschlagen. Auf dem Weg nach Bagdad zogen sich die amerikanischen Truppen aber in Erwartung heftigeren Widerstandes (besonders gegen die Verbindungslinien) zurück, zumal die US-Verbündeten nicht weiter mitzogen. Der von westlichen Kräften ermutigte Aufstand der Schiiten im südlichen Irak gegen Saddam Hussein wurde durch die militärisch immer noch überlegenen Regierungstruppen trotz Einrichtung einer Flugverbotszone brutal niedergeschlagen.

Saddam Hussein überlebte zahlreiche Putschversuche und Attentate, auch von ausländischen Geheimdiensten. Er förderte aktiv die Modernisierung der irakischen Wirtschaft und den Aufbau von Industrie, Verwaltung und Polizei. Er leitete den Ausbau des irakischen Landes, die Mechanisierung der Landwirtschaft und die Bodenreform sowie die Volksbildung. Vor 1990 war die Analphabetisierungsrate bei Mädchen auf unter 10 Prozent gesunken, nach der Zerstörung der Schulen in den Kriegen von 1991 und 2003 stieg sie auf 76 Prozent, so die UNESCO.

Er beförderte eine vollständige Neuentwicklung der Energiewirtschaft, förderte den öffentlichen Dienst sowie Transport und Erziehung. Er brachte eine nationale Alphabetisierungskampagne auf den Weg und führte die Schulpflicht ein.

Seit dem 29. Mai 1994 war er zusätzlich Premierminister, Vorsitzender der Ba'ath-Partei und Oberkommandierender der Armee. Im Oktober 1995 ließ er sich ohne Gegenkandidaten mit 97% der abgegebenen Stimmen auch offiziell zum Präsidenten wählen. Die Gratulation durch den ehemaligen Staatspräsidenten Abd ar-Rahman Arif verlieh dieser Farce aber einen beinahe legitimen Anstrich.

1995 flüchteten Saddams Schwiegersöhne sowie der Geheimdienstchef und dessen Bruder wegen Meinungsverschiedenheiten nach Jordanien. Angeblich durch Saddam begnadigt, kehrten sie in den Irak zurück, wo sie im Februar 1996 inhaftiert und hingerichtet wurden.

Die Vereinten Nationen hatten seit dem Golfkrieg ein ununterbrochenes Handelsembargo über das Land verhängt. 1996 akzeptierte das irakische Parlament den „Oil For Food“-Plan des UNO-Sicherheitsrates, der dem Irak den Verkauf begrenzter Mengen Erdöl ermöglichte, um dringende humanitäre Bedürfnisse zu decken. Im Oktober 2002 wurde Saddam Hussein in einer offensichtlich fingierten Wahl mit fast 100 Prozent der Stimmen als Führer des Landes für weitere sieben Jahre im Amt bestätigt.

Der dritte Golfkrieg

Im so genannten Dritten Golfkrieg (20. März 2003) marschierten Truppen der USA und verbündeter Staaten in den Irak ein, schlugen die irakische Armee und besetzten das Land vollständig. Die USA begründeten dies damit, dass der Irak durch Entwicklung und Besitz von Massenvernichtungswaffen gegen die über ihn verhängten UN-Resolutionen verstöße, und dass Saddam Hussein terroristische Organisationen wie al-Qaida unterstützen würde. Beides konnte jedoch bis heute nicht bestätigt werden. Auf Saddam Hussein und eine Reihe von führenden Angehörigen der Regierung wurde ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt.

Nach Kriegsende tauchten Tonbandaufnahmen auf, in denen eine männliche Stimme dazu aufrief, „die Invasoren aus unserem Land zu vertreiben“. Es wird als wahrscheinlich angesehen, dass es sich dabei um die Stimme Saddam Husseins handelte.

Seine Söhne Udai und Qusai, die für ihre Grausamkeit gefürchtet waren, kamen am 22. Juli 2003 bei einem US-Angriff auf ihren Unterschlupf in Mosul nach heftigen Kämpfen ums Leben. Sein dritter und jüngster Sohn (Ali Hussein) ist untergetaucht.

Saddam Husseins Festnahme

Saddamcapture.jpg Am 13. Dezember 2003 wurde Saddam Hussein von amerikanischen Besatzungstruppen festgenommen. Nach US-amerikanischer Darstellung wurde er im Zuge einer Razzia in einem Dorf etwa 15 Kilometer von seiner Heimatstadt Tikrit entfernt aufgegriffen. Dabei soll kein Schuss gefallen sein. Er soll sich in einem Haus in einem gemauerten Erdloch versteckt und einen Vollbart getragen haben. Bei ihm soll Bargeld im Wert von etwa 750.000 US-Dollar gefunden worden sein. Der von der amerikanischen Führung verbreitete Hergang der Festnahme und der konkrete Zeitpunkt wird durch den Anwalt Saddam Husseins sowie ihn selbst bestritten; auch der ehemalige US-Soldat Nadim Abou Rabeh sagte im März 2005, dass die Szene mit dem sog. Erdloch gestellt worden sei, Saddam Hussein in einem Haus gelebt habe und die US-Soldaten bei der Festnahme auf Widerstand gestoßen seien.

Seine Identität wurde nach amerikanischen Angaben durch eine DNA-Probe sowie anhand von Zähnen und Narben nachgewiesen. Die offizielle Bestätigung der Festnahme erfolgte am 14. Dezember 2003 um etwa 13 Uhr MEZ durch den britischen Premierminister Tony Blair und kurz danach in einer Pressekonferenz durch Paul Bremer, den US-amerikanischen Zivilverwalter im Irak.

Saddam Hussein ist im Hochsicherheitsgefängnis Camp Cropper inhaftiert. Am 10. Januar 2004 gab die US-amerikanische Regierung bekannt, Saddam Hussein sei nun offizieller Kriegsgefangener der USA. Der Status des Kriegsgefangenen ermöglicht unter anderem, dass unabhängige Beobachter und Hilfsorganisationen (z. B. das Rote Kreuz) mit dem Ex-Diktator in Kontakt treten können, um sich von dessen Unversehrtheit und den Haftbedingungen ein Bild machen zu können. Am selben Tag forderte der irakische Regierungsrat die Vereinigten Staaten auf, Hussein als einen Kriminellen der irakischen Justiz zu übergeben. Am 30. Juni 2004, also zwei Tage nach der offiziellen Machtübergabe der USA an die irakische Übergangsregierung, wurde Hussein nach sechs Monaten der irakischen Justiz übergeben.

Die Anklage

Das irakische Justizsystem wurde in den 1920er Jahren von den Briten aufgebaut. Für die Schulung im internationalen Recht für diesen Prozess hatten die irakischen Juristen nur ein Jahr Zeit. Ein Sondertribunal wird sich nun mit ihm und 11 weiteren Politikern und Militärs des Iraks beschäftigen. In einer ersten Anhörung ohne Anwalt am 1. Juli 2004, welche überwiegend ohne Ton (US-Zensur) auch im Fernsehen übertragen wurde, stritt er jede Schuld ab und erkannte das Tribunal nicht an. Er sieht sich weiterhin als Präsident: „Ich bin Saddam Hussein, der Präsident des Irak“. Er bleibt unter Bewachung der USA. Gemäß irakischem Recht wird Saddam Husseins Einmarsch in Kuwait vor dem Tribunal verhandelt werden. Geplante Ausnahme: Der Überfall auf den Iran 1980 soll nicht als Angriffskrieg verhandelt werden. Die iranische Regierung beabsichtigte, in Bagdad zu klagen, da Saddam Hussein 1980 den Krieg gegen Iran begonnen und Chemiewaffen eingesetzt hatte. '' Quelle: NZZ

Auf jeden Fall werden Saddam Hussein die in diesen Kriegen verübten Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit (laut Human Rights Watch wurden bis zu 290.000 Menschen ermordet http://www.hrw.org/reports/2003/iraq0503/) zur Last gelegt.

Die US-Regierung hat sich sehr bemüht, ein funktionsfähiges Tribunal aufzubauen. Die Ermittlungen werden laut New York Times vom FBI und einer Einheit des US-Justizministeriums geführt. Die irakischen Juristen erhalten Unterstützung von ausländischen Experten. Salam Tschalabi, der Gerichtsdirektor, wurde in den USA ausgebildet, so die SZ.

Der Prozess

TrialSaddam.jpg Der Prozess gegen Saddam Hussein und 7 Mitangeklagte begann am 19. Oktober 2005. In erster Instanz entscheidet eine Kammer aus fünf Richtern, wobei momentan Richter Raouf Abdul Rahman den Vorsitz hat, nachdem der ursprünglich dem Gericht vorsitzende Rizgar Muhammad Amin sein Amt niederlegte. In der Berufung entscheiden neun Richter. Das Gericht hat Jurisdiktion über Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen sowie über drei weitere aus dem irakische Recht abgeleitete Verbrechen, unter ihnen etwa die unerlaubte Einmischung in die Justiz, die während Saddams Präsidentschaft von 1979 bis zum Beginn der Okkupation durch die Koalitionstruppen 2003 begangen wurden.

Der erste Anklagepunkt vor dem Gericht besteht aus einer Vergeltungstat, die in Folge eines misslungenen Attentats auf Saddam Hussein in der Stadt Dudschail 1982 stattgefunden haben soll. 143 Männer und Jungen wurden hingerichtet bzw. starben bei "Vernehmungen" durch staatliche Behörden. Die weiteren zwölf geplanten Anklagen reichen vom Giftgasangriff auf Kurden in der sogenannten Anfal-Kampagne und dem Angriff auf die Stadt Halabdscha (1988) bis hin zur Tötung zehntausender Schiiten nach deren Aufstand 1991. Das Gericht hat nunmehr zudem Anklage gegen Saddam für Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Kriegsverbrechen im Rahmen eines internen Konfliktes im Rahmen der Anfal-Aktivitäten erhoben. Wann der Prozess in dieser Sache beginnen wird, ist allerdings noch unklar.

Mit Saddam Hussein sind zur Zeit sieben weitere Personen vor Gericht. Unter ihnen sind Taha Jassin Ramadan, Iraks früherer Vize-Präsident, Barsan Ibrahim al-Tikriti, ein jüngerer Halbbruder Husseins und gleichzeitig ehemaliger Direktor des Sicherheitsdienstes (Mukhabarat) sowie Awad Hamed al-Bander, früherer Vorsitzender des "Revolutionary Court", der unter anderem für die Todesurteile in Dujail zuständig war.

Nachdem zwei Verteidiger von Husseins Mitangeklagten Anschlägen zum Opfer fielen, ein Mordkomplott gegen den Ermittlungsrichter Dschuhi aufgedeckt sowie ein Anschlag auf das Gerichtsgebäude vereitelt wurde und einige Verteidiger sich aus diesem Grund zurückzogen, wurde vom damaligen Vorsitzenden Amin die Verlegung des Prozesses in die weniger instabilen kurdischen Regionen erwogen. Der Prozess wird aber weiterhin in Bagdad geführt. Der US-amerikanische Anwalt Ramsey Clark, früherer US-Justizminister und prominenter Gegner des Irak-Kriegs, gehört ebenfalls zum Team, das Saddam im Prozess verteidigt. Er hatte auch schon Slobodan Milošević verteidigt. Ein weiterer Anwalt Saddam Husseins, Najib al-Nawimi, ehemaliger katarischer Justizminister, versuchte die Legitimität des Gerichts anzuzweifeln, da große Teile seines Statuts während der Besetzung durch die USA geschrieben worden seien.

In Bagdad wird der Prozess unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen abgehalten. Zeugen gegen Saddam Hussein wird Anonymität aus der Furcht vor Anschlägen zugestanden. Der Prozess wird von Anhängern Saddam Husseins und US-kritischen Stimmen auch als "Schauprozess" bzw. als "Siegerjustiz" interpretiert. Menschenrechtsorganisationen zweifeln an der rechtmäßigen Einsetzung des Tribunals. Human Rights Watch betonte zudem, die Rechte der Angeklagten würden beschnitten. Ein Menschenrechtsbeobachter der Vereinten Nationen erklärte Berichten zufolge, das Gericht werde internationalen Standards für solche Verfahren nicht gerecht.

Der irakische Generalstaatsanwalt hat im Prozess wegen des Massakers von Dudschail die Todesstrafe für Ex-Machthaber Saddam Hussein gefordert. Auch der ehemalige Vizepräsident Taha Jassin Ramadan und Saddams Halbbruder Barsan al-Tikriti sollten hingerichtet werden, sagte der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer. Für vier weitere Angeklagte beantragte er Haftstrafen.

Quellen: Der Standard, NZZ, New York Times

Das Urteil

Der kurdischstämmige irakische Staatspräsident Dschalal Talabani sprach sich gegen die Todesstrafe für Saddam Hussein aus und erklärte nach Medienberichten, er werde ein Todesurteil nicht unterzeichnen. Dennoch zweifelt er nicht an seiner Schuld: Saddam Hussein habe „massakriert“ und „unsere Städte abgebrannt und zerstört.“ – Der neue Irak, der gerade im Entstehen sei, müsse deshalb die Rechte der kurdischen Bevölkerung achten: „Wenn der Irak diese Verpflichtung nicht anerkennt, wird das das Ende der irakischen Einheit sein“.

Quellen: bbv, der Standard

Familie Saddam Husseins


Saddams Söhne Udai und Kusai

Udai Hussein (*18. Juni 1964; † 22. Juli 2003 in Mossul) galt als skrupellos, brutal und herzlos. Er beging zahlreiche Verbrechen (Vergewaltigungen und Morde). Udai Hussein wurde von seinem Vater Saddam Hussein ebenfalls als Kind zu seinem Großonkel Khairallah Tulfah abgeschoben. Von ihm ging für Udai eine starke Faszination aus, weshalb er seine "Lehren" ("Lehre und das Gesetz des Mordens" vgl. Latif Yahya, "Ich war Saddams Sohn", Seite 156) auch vorbehaltlos annahm. In seiner Schulzeit beachtete Udai keine Regeln und Beschränkungen, sondern stellte seinen Wohlstand und den Machteinfluss seiner Familie offen zur Schau. Im Mittelpunkt von Udais Leben standen Autos und Frauen. Für die Schule interessierte er sich daher nicht sonderlich. Obwohl er kaum lesen und schreiben konnte erhielt er die besten Noten der Klasse, da die Lehrkörper sich vor ihm und der Unberechenbarkeit der Hussein Familie fürchteten. Kritik und negative Äußerungen über die Familie Hussein wurden in der Regel mit dem Tod bestraft.

Kusai Hussein (*17. Mai 1966 in Bagdad, † 22. Juli 2003) sorgte im Gegensatz zu seinem Bruder Udai nie für Aufsehen erregende Skandale. Er galt als ruhig und ausgeglichen. Da Saddam Kusai nicht zu seinem Onkel abschob und eine gute Beziehung zu ihm hatte, war das Verhältnis zwischen den zwei Brüdern sehr angespannt.

Aufgrund der völlig anderen Charaktereigenschaften von Kusai ist davon auszugehen, dass Khairallah Tulfah eine zentrale Rolle in der Entwicklung von Saddam und Udai Hussein spielte.

Werke


  • Zabibah und der König, eine Liebesgeschichte, editio defacto, Kassel, ISBN 3-9808561-2-7

Literatur


  • Jörg Haider, Zu Gast bei Saddam. Im "Reich des Bösen". Ibera Verlag, Wien 2003.
  • Latif Yahya, Ich war Saddams Sohn. Goldmann Wilhelm Verlag, 2003

Weblinks


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