Saddam Hussein (; * 28. April 1937 in al-Udscha bei Tikrit, Irak) war von 1979 bis 2003 Präsident des Irak mit praktisch diktatorischer Machtfülle.
Nach dem Husseins Mutter neun Jahre später einen Mann namens Ibrahim al-Hasan heiratete, gab sie den Jugen zu seinem Onkel Chairallah Tulfah, einem Offizier einer irakischen Einheit, die einen Aufstand gegen den König Faisal II. im Jahre 1941 organisierte. Als Folge dieses Aufstandes erhielt Husseins Onkel eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Zwischen 1936 und 1941 gab es insgesamt sechs Umsturzversuche.
1955 zog Hussein mit seinem Onkel in die Hauptstadt Bagdad. Ihm wird Chairallah Tulfas älteste Tochter Sadschida versprochen, die er heiraten soll. Er besucht die al-Karch-Schule. Mit neunzehn Jahren begeht Saddam Hussein im Auftrag des Tikrit-Clans, zu welchem der Onkel enge Beziehungen pflegt, einen Mord an einem entfernten, rivalisierenden Onkel namens Saadi. Er absolviert das Abitur auf einem Gymnasium in Bagdad mit gutem Erfolg.
In der Folge eines misslungenen Attentats auf Premierminister Qasim 1959, war Hussein gezwungen über Syrien nach Ägypten zu fliehen. Er wurde in Abwesenheit zum Tod verurteilt. Der amtierende Chef der Baʿth-Partei Fuad ar-Rikabi, wurde wegen des fehlgeschlagenen Attentats durch einen entfernten Verwandten Saddam Husseins, Madschid, ersetzt.
Erste Kontakte zur CIA hat Hussein vermutlich während eines Studiums an der juristischen Fakultät der Universität Kairo geknüpft, wobei umstritten ist, dass er dort tatsächlich ein Studium absolvierte. Zumindest lässt sich ein Studienabschluss seinerseits dort nicht nachweisen *. .
Am 8. Februar 1963 kehrte er nach einem erfolgreichen Putsch der Baath-Partei, in dem Premier Qasim und viele Führungspersonen ihr Leben verloren, in den Irak zurück. Nach dem Machtwechsel (Ramadanrevolte) wurde er 1964 zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, flüchtete aber (mit Hilfe Tahir Yahyas) 1967.
1968 unterstützte er einen erfolgreichen Staatsstreich von Baath-Partei und Armee.
Am 1. Juni 1972 leitete er die Verstaatlichung westlicher Ölfirmen ein, die ein Ölmonopol im Irak hatten. Mit den Öleinnahmen entwickelte er das Land zu einer regionalen militärischen Großmacht. Die Einnahmen aus dem Ölverkauf sorgten aber auch für den Wohlstand breiterer Bevölkerungsschichten.
Am 1. Juli 1973 wurde er vom Revolutionsrat zum Drei-Sterne-General der irakischen Streitkräfte ernannt, später ernannte er sich selbst zum Feldmarschall.
Am 6. März 1975 schloss er als Vizepräsident mit dem iranischen Schah Mohammad Reza Pahlavi das Abkommen von Algier über den Grenzverlauf im Schatt al-Arab und die gegenseitige Nichteinmischung in innere Angelegenheiten.
1979 ernannte Präsident Ahmad Hasan al-Bakr Saddam Hussein im Alter von 42 Jahren zum Vorsitzenden der Partei und zu seinem Nachfolger. Am 11. Juli 1979 wird er zum Generalsekretär der Baath-Partei und am 16. Juli 1979 übernimmt er die Macht als Staats- und Regierungschef. In dieser Position diffamiert Hussein öffentlich Mitglieder der Baathpartei, woraufhin sie ohne Prozess zum Tode verurteilt und sofort liquidiert werden. Andere Mitglieder der Partei werden durch dieses Exempel auf die Linie Husseins eingeschworen. Hussein verhindert so auch den geplanten Zusammenschluss mit dem ebenfalls baathistischen Regime Syriens.
Dennoch war auch danach Saddam Husseins Autorität noch nicht völlig unumschränkt. Nach dem Tausch seines Amtes mit al-Bakr blieb dieser faktisch Vizepräsident bis zu seinem Tode im April 1982. Ein Gerücht handelt von dessen Vergiftung. Saddam Hussein jedenfalls nutzte diese erste Zäsur einer Machterweiterung bereits im Juli zu einem folgenträchtigen Alleingang: Er gab den Rückzugsbefehl für die irakischen Truppen in einer entscheidenden Phase des Golfkrieges gegen den Iran. Die zweite Zäsur ist 1989 anzusetzen. Mit dem Tode des Baath-Partei-Gründers und Vizepräsidenten Michel Aflaq (wobei es Gerüchte gab, dass auch dieser vergiftet worden sei) und dem Unfalltod des als Kriegsminister im Golfkrieg populär gewordenen Chairallah Talfah im gleichen Jahr(unaufgeklärter Hubschrauberabsturz) gab es faktisch keine auch nur ansatzweise rivalisierende moralische Autorität mehr neben oder hinter dem Präsidenten, die seine Entscheidung zum Krieg gegen Kuwait hätte beeinflussen können.
Dabei spielten auch verschiedene westliche Staaten eine führende Rolle, die den Irak wegen der drohenden Niederlage gegen den Iran massiv unterstützten, wie z. B. Frankreich (Israel zerstörte im Jahr 1981 den irakisch-französischen Atomreaktor Osirak) und Deutschland als Rüstungsexporteure und Lieferanten für Nuklear- sowie Chemieanlagen (Pestizide-Giftgas). Oft geäußerten Ansichten entgegen, gehörten die USA bezüglich des Volumens der Waffenlieferungen eher zur zweiten Rige allerdings belieferte Washington beide Seiten (Irangate). Hauptunterstützer des Iraks waren die Sowjetunion, Frankreich und die Volksrepublik China (die allerdings auch den Iran belieferte). Auf einer vom Stockholmer SIPRI-Institut erstellten Übersicht folgen die USA erst an 11. Stelle.
Eine besondere Bedeutung hatten weiterhin die sunnitischen bzw. wahabitischen Golfstaaten als Kreditgeber und Finanziers des ersten Golfkrieges (Bedrohungsszenario durch den schiitischen Iran). Das Unvermögen, die Kredite zurückzuzahlen, wird allgemein als einer der Gründe für die versuchte Annektierung Kuwaits durch den Irak betrachtet. Während des Krieges gegen den Iran ließ Saddam Hussein Giftgas einsetzen, wobei voraussichtlich Hunderttausende Menschen ums Leben kamen (siehe auch Kriegsverbrechen, Demozid). Sehr kritisch betrachtet werden Vermutungen denen zufolge der US-Geheimdienst dem Irak Satellitenbilder der iranischen Stellungen zur Verfügung stellte sowie die Zurückhaltung bzw. teilweise stillschweigender Billigung eines Großteils der Staatengemeinschaft.
Um die Neutralität der schiitischen Bevölkerungsmehrheit Iraks im Krieg gegen den Iran zu sichern, trat Saddam Hussein 1981 im Beisein des damaligen Großayatollahs Chu′i formal zur Schia über.
Am 18. Juli 1988 willigte der Iran in die Waffenstillstandsbedingungen der UN-Resolution 598 ein, die Saddam Hussein bereits zuvor akzeptiert hatte. Ayatollah Chomeini kommentierte dies mit dem Zusatz „Lieber hätte ich Gift genommen“. Am 8. August 1988 wurde ein Waffenstillstandsabkommen geschlossen, das am 20. August 1988 in Kraft trat. Zum Abschluss eines Friedensvertrages ist es seither nicht gekommen.
Am 16. März 1988 wurde die kurdische Stadt Halabdscha von der irakischen Luftwaffe mit Giftgas angegriffen, wobei etwa 5000 Zivilisten zu Tode kamen. Im Gegensatz zu früheren Einsätzen von Giftgas wurde dieser Angriff Giftgasangriff auf Halabdscha von der westlichen Presse zur mit Entsetzen und Empörung zur Kenntnis genommen. Staatliche Seiten verhielten sich weiterhin zurückhaltend.
Im Zweiten Golfkrieg wurde die irakische Armee Anfang 1991 durch die von den USA geführte Koalition fast vollständig geschlagen. Auf dem Weg nach Bagdad zogen sich die amerikanischen Truppen aber in Erwartung heftigeren Widerstandes (besonders gegen die Verbindungslinien) zurück, zumal die US-Verbündeten nicht weiter mitzogen. Der von westlichen Kräften ermutigte Aufstand der Schiiten im südlichen Irak gegen Saddam Hussein wurde durch die militärisch immer noch überlegenen Regierungstruppen trotz Einrichtung einer Flugverbotszone brutal niedergeschlagen.
Saddam Hussein überlebte zahlreiche Putschversuche und Attentate, auch von ausländischen Geheimdiensten. Er förderte aktiv die Modernisierung der irakischen Wirtschaft und den Aufbau von Industrie, Verwaltung und Polizei. Er leitete den Ausbau des irakischen Landes, die Mechanisierung der Landwirtschaft und die Bodenreform sowie die Volksbildung. Vor 1990 war die Analphabetisierungsrate bei Mädchen auf unter 10 Prozent gesunken, nach der Zerstörung der Schulen in den Kriegen von 1991 und 2003 stieg sie auf 76 Prozent, so die UNESCO.
Er beförderte eine vollständige Neuentwicklung der Energiewirtschaft, förderte den öffentlichen Dienst sowie Transport und Erziehung. Er brachte eine nationale Alphabetisierungskampagne auf den Weg und führte die Schulpflicht ein.
Seit dem 29. Mai 1994 war er zusätzlich Premierminister, Vorsitzender der Ba'ath-Partei und Oberkommandierender der Armee. Im Oktober 1995 ließ er sich ohne Gegenkandidaten mit 97% der abgegebenen Stimmen auch offiziell zum Präsidenten wählen. Die Gratulation durch den ehemaligen Staatspräsidenten Abd ar-Rahman Arif verlieh dieser Farce aber einen beinahe legitimen Anstrich.
1995 flüchteten Saddams Schwiegersöhne sowie der Geheimdienstchef und dessen Bruder wegen Meinungsverschiedenheiten nach Jordanien. Angeblich durch Saddam begnadigt, kehrten sie in den Irak zurück, wo sie im Februar 1996 inhaftiert und hingerichtet wurden.
Die Vereinten Nationen hatten seit dem Golfkrieg ein ununterbrochenes Handelsembargo über das Land verhängt. 1996 akzeptierte das irakische Parlament den „Oil For Food“-Plan des UNO-Sicherheitsrates, der dem Irak den Verkauf begrenzter Mengen Erdöl ermöglichte, um dringende humanitäre Bedürfnisse zu decken. Im Oktober 2002 wurde Saddam Hussein in einer offensichtlich fingierten Wahl mit fast 100 Prozent der Stimmen als Führer des Landes für weitere sieben Jahre im Amt bestätigt.
Nach Kriegsende tauchten Tonbandaufnahmen auf, in denen eine männliche Stimme dazu aufrief, „die Invasoren aus unserem Land zu vertreiben“. Es wird als wahrscheinlich angesehen, dass es sich dabei um die Stimme Saddam Husseins handelte.
Seine Söhne Udai und Qusai, die für ihre Grausamkeit gefürchtet waren, kamen am 22. Juli 2003 bei einem US-Angriff auf ihren Unterschlupf in Mosul nach heftigen Kämpfen ums Leben. Sein dritter und jüngster Sohn (Ali Hussein) ist untergetaucht.
Seine Identität wurde nach amerikanischen Angaben durch eine DNA-Probe sowie anhand von Zähnen und Narben nachgewiesen. Die offizielle Bestätigung der Festnahme erfolgte am 14. Dezember 2003 um etwa 13 Uhr MEZ durch den britischen Premierminister Tony Blair und kurz danach in einer Pressekonferenz durch Paul Bremer, den US-amerikanischen Zivilverwalter im Irak.
Saddam Hussein ist im Hochsicherheitsgefängnis Camp Cropper inhaftiert. Am 10. Januar 2004 gab die US-amerikanische Regierung bekannt, Saddam Hussein sei nun offizieller Kriegsgefangener der USA. Der Status des Kriegsgefangenen ermöglicht unter anderem, dass unabhängige Beobachter und Hilfsorganisationen (z. B. das Rote Kreuz) mit dem Ex-Diktator in Kontakt treten können, um sich von dessen Unversehrtheit und den Haftbedingungen ein Bild machen zu können. Am selben Tag forderte der irakische Regierungsrat die Vereinigten Staaten auf, Hussein als einen Kriminellen der irakischen Justiz zu übergeben. Am 30. Juni 2004, also zwei Tage nach der offiziellen Machtübergabe der USA an die irakische Übergangsregierung, wurde Hussein nach sechs Monaten der irakischen Justiz übergeben.
Auf jeden Fall werden Saddam Hussein die in diesen Kriegen verübten Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit (laut Human Rights Watch wurden bis zu 290.000 Menschen ermordet http://www.hrw.org/reports/2003/iraq0503/) zur Last gelegt.
Die US-Regierung hat sich sehr bemüht, ein funktionsfähiges Tribunal aufzubauen. Die Ermittlungen werden laut New York Times vom FBI und einer Einheit des US-Justizministeriums geführt. Die irakischen Juristen erhalten Unterstützung von ausländischen Experten. Salam Tschalabi, der Gerichtsdirektor, wurde in den USA ausgebildet, so die SZ.
Der erste Anklagepunkt vor dem Gericht besteht aus einer Vergeltungstat, die in Folge eines misslungenen Attentats auf Saddam Hussein in der Stadt Dudschail 1982 stattgefunden haben soll. 143 Männer und Jungen wurden hingerichtet bzw. starben bei "Vernehmungen" durch staatliche Behörden. Die weiteren zwölf geplanten Anklagen reichen vom Giftgasangriff auf Kurden in der sogenannten Anfal-Kampagne und dem Angriff auf die Stadt Halabdscha (1988) bis hin zur Tötung zehntausender Schiiten nach deren Aufstand 1991. Das Gericht hat nunmehr zudem Anklage gegen Saddam für Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Kriegsverbrechen im Rahmen eines internen Konfliktes im Rahmen der Anfal-Aktivitäten erhoben. Wann der Prozess in dieser Sache beginnen wird, ist allerdings noch unklar.
Mit Saddam Hussein sind zur Zeit sieben weitere Personen vor Gericht. Unter ihnen sind Taha Jassin Ramadan, Iraks früherer Vize-Präsident, Barsan Ibrahim al-Tikriti, ein jüngerer Halbbruder Husseins und gleichzeitig ehemaliger Direktor des Sicherheitsdienstes (Mukhabarat) sowie Awad Hamed al-Bander, früherer Vorsitzender des "Revolutionary Court", der unter anderem für die Todesurteile in Dujail zuständig war.
Nachdem zwei Verteidiger von Husseins Mitangeklagten Anschlägen zum Opfer fielen, ein Mordkomplott gegen den Ermittlungsrichter Dschuhi aufgedeckt sowie ein Anschlag auf das Gerichtsgebäude vereitelt wurde und einige Verteidiger sich aus diesem Grund zurückzogen, wurde vom damaligen Vorsitzenden Amin die Verlegung des Prozesses in die weniger instabilen kurdischen Regionen erwogen. Der Prozess wird aber weiterhin in Bagdad geführt. Der US-amerikanische Anwalt Ramsey Clark, früherer US-Justizminister und prominenter Gegner des Irak-Kriegs, gehört ebenfalls zum Team, das Saddam im Prozess verteidigt. Er hatte auch schon Slobodan Milošević verteidigt. Ein weiterer Anwalt Saddam Husseins, Najib al-Nawimi, ehemaliger katarischer Justizminister, versuchte die Legitimität des Gerichts anzuzweifeln, da große Teile seines Statuts während der Besetzung durch die USA geschrieben worden seien.
In Bagdad wird der Prozess unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen abgehalten. Zeugen gegen Saddam Hussein wird Anonymität aus der Furcht vor Anschlägen zugestanden. Der Prozess wird von Anhängern Saddam Husseins und US-kritischen Stimmen auch als "Schauprozess" bzw. als "Siegerjustiz" interpretiert. Menschenrechtsorganisationen zweifeln an der rechtmäßigen Einsetzung des Tribunals. Human Rights Watch betonte zudem, die Rechte der Angeklagten würden beschnitten. Ein Menschenrechtsbeobachter der Vereinten Nationen erklärte Berichten zufolge, das Gericht werde internationalen Standards für solche Verfahren nicht gerecht.
Der irakische Generalstaatsanwalt hat im Prozess wegen des Massakers von Dudschail die Todesstrafe für Ex-Machthaber Saddam Hussein gefordert. Auch der ehemalige Vizepräsident Taha Jassin Ramadan und Saddams Halbbruder Barsan al-Tikriti sollten hingerichtet werden, sagte der Staatsanwalt in seinem Schlussplädoyer. Für vier weitere Angeklagte beantragte er Haftstrafen.
Quellen: Der Standard, NZZ, New York Times
Quellen: bbv, der Standard
Kusai Hussein (*17. Mai 1966 in Bagdad, † 22. Juli 2003) sorgte im Gegensatz zu seinem Bruder Udai nie für Aufsehen erregende Skandale. Er galt als ruhig und ausgeglichen. Da Saddam Kusai nicht zu seinem Onkel abschob und eine gute Beziehung zu ihm hatte, war das Verhältnis zwischen den zwei Brüdern sehr angespannt.
Aufgrund der völlig anderen Charaktereigenschaften von Kusai ist davon auszugehen, dass Khairallah Tulfah eine zentrale Rolle in der Entwicklung von Saddam und Udai Hussein spielte.
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