Norton 16H 010.jpg 16H]] BMW R 42 Motor.jpg]] Side Valves oder Seitenventil-Anordnung bezeichnet eine Bauweise beim Viertaktmotor, bei der die Ventile seitlich neben den Zylindern angeordnet sind. Gelegentlich wird der Term stehende Ventile verwendet, im angelsächsischen Sprachraum dominiert die Bezeichnung Flathead. Charakteristisches Merkmal eines SV-Motors ist, dass der Zylinderkopf keine Teile des Ventiltriebs enthält. Auf den ersten Blick werden SV-Motoren deshalb häufig mit Zweitaktmotoren verwechselt.
Oben das Bild eines Norton-Motors des meistgebauten Typs 16H. Die englische Armee nutzte ihn mit einigen hunderttausend gebauten Maschinen im zweiten Weltkrieg. Der Seitenventile-Antrieb ist hinter der silbernen Kappe mit dem Schriftzug "Norton" hinterm Auspuffrohr verborgen. Der kleine dunkle Hebel ist der Dekompressionshebel: er erlaubt das Offenhalten des Auslassventiles per Hand, um den Startvorgang zu erleichtern, denn ein Einzylinder-500er hat schon eine recht beträchtliche Gaskraft am Kolben, gegen die man sonst zum Start des Motors ankicken müsste. Man lässt das Auslassventil gelüftet, gibt mit kräftigem Tritt Schwung auf den Kickstarterhebel und die innere Motorschwungscheibe. Sodann lässt man den Deko-Hebel los.
Unten der offene Ventiltrieb einer Vorkriegs-BMW aus den 1930er Jahren, ein Modell BMW R 42. Die mittig über dem Motor liegende Nockenwelle betätigt über Stößeltassen die offenliegenden Ventile (überm Zylinder, links oberhalb des Auspuffrohres). Auch die Ventilfedern sind offenliegend. Die hier kleineren Zylinderhubräume (je 250 cm³) benötigen keine Dekompressionseinrichtung, das Ankicken der Maschine gelingt durchaus "ohne".
Aufgrund der Nachteile (s.u.) wurden recht schnell auch für den Sporteinsatz leistungsfähigere Verbrennungsraum-Gestaltungen angestrebt, die das Verlegen der Ventile "nach oben" in den Zylinderkopf erfordern, und eine komplexere Betätigung, sei es mittels Stoßstangen (OHV), oder sei es mit obenliegender Nockenwelle (OHC). Diese Bauarten sind jedoch deutlich bauaufwendiger, weshalb sie über ca. drei Jahrzehnte dem Sport und dem zahlungskräftigeren Publikum vorbehalten blieben.
Eine Zwischenlösung blieb der Versuch, die Ventile mit ihren Tellern im Verbrennungsraum gegeneinander anzuordnen, meist in einer Linie, bei der das Auslassventil unten wie in der SV-Anordnung liegt und das Einlassventil ihm gegenüber im Zylinderkopf, und dort mit einer einzelnen Stößelstange und Umlenkung über Kipphebel betätigt wird. Daher die englische Bezeichnung hierfür: "Inlet over Exhaust", Einlass(ventil) überm Auslass(ventil), IOE.
SV-Motoren kamen vor allem von 1900 bis ca. 1955 zum Einsatz. Im Fahrzeugbau wurden diese Motoren bis auf wenige Ausnahmen von OHV- und OHC-Motoren abgelöst. Bekannte Beispiele für die SV-Bauart sind der Ford Model A aus den 30er Jahren (V8-Zylinder mit 90 PS) und die meisten Motorräder der 30er und 40er Jahre. Auch heute noch wird der SV-Ventiltrieb in einige Gespann-Motorradmodelle aus russischer (Dnjepr, Ural) und chinesischer Fertigung (Donghai, Chang Jiang) verbaut: diese Motorräder sind weiterentwickelte Kopien der 750er BMW-Motorräder der 30er Jahre (BMW R 71).
Obwohl bereits lange vor dem zweiten Weltkrieg das Know-How für OHV- und OHC-Motoren vorhanden war, wurden primär SV-Motoren gebaut. Grund war der geringere zu erwartende Schaden durch ein infolge schlechter Materialqualität abgerissenes Ventil. Dieses konnte in der Regel nicht in den Zylinder fallen und dort den Kolbenboden beschädigen.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"SV (seitliche Ventile)".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world