Die SS-Totenkopfverbände (SSTV) waren ein Teil der SS. Ihre Hauptaufgabe lag in der Bewachung und Verwaltung der Konzentrationslager. Die SS-Totenkopfverbände waren in der Zeit des Nationalsozialismus eine der zentralen Exekutivinstitutionen zur Unterdrückung Andersdenkender und aus ideologischen Gründen „unerwünschter“ Personen. Ihr Erkennungsmerkmal war seit 1936 der Totenkopf am rechten Kragenspiegel, mit dem Theodor Eicke beabsichtigte, die Totenkopfverbände gegenüber den anderen SS-Verbänden als Spezialeinheit hervorzuheben. Offiziere ab dem Rang eines Standartenführers trugen bis 1942 eine SD-ähnliche Ärmelraute mit einem Totenkopfsymbol.
Umgangssprachlich wurden die Totenkopfverbände auch nur Totenkopf-SS genannt, da ihre Uniformen anfänglich nur leere Kragenspiegel und keine Sturmbänder aufwiesen...nur die schwarze Uniform und die Mützen mit dem Totenkopf wiesen sie als Angehörige der SS aus. 1935 wurde für die Angehörigen der Wachverbände besondere Ärmelstreifen mit einem Totenkopfsymbol eingeführt, die anstelle der bei der SS sonst üblichen "Sturmbändern" trat.
Die Totenkopfverbände entstanden Anfang 1935 aus den „Politischen Bereitschaften“ und wurden dort zu SS-Wachverbänden und später zu SS-Totenkopfwachsturmbannen zusammengefasst. Sie waren als kasernierte Einheiten von Anfang an bewaffnet und unterstanden dem damaligen SS-Gruppenführer Theodor Eicke. Der erste SS-Wachverband wurde Anfang 1933 im KZ Dachau durch den damaligen SS-Sturmbannführer Hilmar Wäckerle gegründet, der dieses Lager bis 1934 führte. Wäckerle war 1929 auch Gründer und erster Kommandant der SS-Standarte „Dachau“. (Wäckerle wechselte 1934 als Regimentskommandant zur 2. SS-Standarte "Deutschland" und 1938 zur neuaufgestellten SS-Standarte Der Führer über und übernahm dort die Leitung des III. Sturmbannes. Im Krieg gehörte Wäckerle als Regimentskommandant der 2. SS-Division "Das Reich" (Regiment Westland) an und bekleidete bis zu seinem Tode den Dienstgrad eines Standartenführers.) Im Gegensatz zu den anderen bewaffneten Verbänden der SS waren die Totenkopfverbände anfangs keine kämpfende Truppe, sondern sie waren überwiegend für „Polizeidienste“ vorgesehen. Mit der späteren Waffen-SS hatten sie die Abstammung aus den Politischen Bereitschaften gemeinsam, aber sie unterschieden sich vor allem durch ihre Aufgabenfelder von ihr.
Am 30. Juni 1934 wirkten die Totenkopfverbände aktiv bei der Ermordung der gesamten SA-Spitze Ernst Röhms mit. Eicke selbst erschoss Röhm in seiner Stadelheimer Zelle und wurde zur Belohnung zum „Inspekteur des Konzentrationslagerwesens“ ernannt. Damit war er formal oberster „Dienstherr“ aller „SS-Wachverbände“ und nur noch dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler unterstellt.
1935 wurde im Reich die allgemeine Wehrpflicht wiedereingeführt. Dabei wurde der Dienst in der SS-Verfügungstruppe (SS-VT) von der Wehrmachtsführung als Ableistung dieser Wehrpflicht angesehen, aber bezüglich der Totenkopfverbände weigerte sie sich, den Dienst in diesen Verbänden als Wehrdienst anzuerkennen. Die SS-Totenkopfverbände unterstanden nun dem neugeschaffenen „Kommandoamt der SS-Wachverbände“ in Berlin zum einen und der „Inspektion Konzentrationslager und der Verstärkten Totenkopf-Standarten“ in Oranienburg zum anderen.
Eicke faßte nun die Wachverbände in fünf Sturmbanne zusammen, die dem IKL unterstellt waren: I. „Oberbayern“, II. „Elbe“, III. „Sachsen“, IV. „Ostfriesland“ und V. „Thüringen“.
Im Juli 1937 fasste Eicke die fünf Totenkopfsturmbanne der Konzentrationslager zu 3 von der Allgemeinen SS unterschiedenen und eigenständigen SS-Totenkopfstandarten ("Oberbayern", "Brandenburg" und "Thüringen") zusammen. Nach dem "Anschluss" Österreichs (März 1938) wurde in Mauthausen eine vierte Totenkopfstandarte aufgestellt, die den Namen "Ostmark" erhielt.
Eicke betonte stets, „dass die Totenkopfverbände weder zur Wehrmacht noch zur SS-Verfügungstruppe oder zur Polizei gehören; vielmehr haben sich ihre Mitglieder weiterhin als Teil der Allgemeinen SS zu sehen“. Sie übernahmen nun die militärische Vorausbildung aktiver Mitglieder der Allgemeinen SS.
Ebenso wurden die SS-Reservestandarten der Allgemeinen SS (nicht aktive Mitglieder der SS zwischen 35-45 Jahren) von ihnen militärisch ausgebildet. Die Ausbildung fand jeweils in einem der Konzentrationslager statt und wurden von ehemaligen Offizieren der kaiserlichen Armee geleitet. Für das „Muster- und Ausbildungslager Dachau“ war der ehemalige U-Boot-Kapitän und nunmehrige SS-Obersturmbannführer Cassius Freiherr von Montigny zuständig. Dieser gehörte bis 1920 einem der Freikorps und der sogenannten "Schwarzen Reichswehr" sowie im Anschluss daran der Reichsmarine an. Im Januar 1935 wurde er aus dem aktiven Dienst entlassen und trat der SS bei. Bereits im März wurde er durch den SS-Oberabschnittsführer „Süd“ zur SS-Standarte „Dachau“ überstellt, wo er rasch zum militärischen Ausbildungsleiter des SS-Wachsturmbanns „Oberbayern“ aufstieg. Von Montigny geriet im Konzentrationslager Dachau immer wieder mit dem Lagerführer Eicke zusammen, der bekannterweise alte „Berufsmilitärs“ ablehnte. So trat von Montigny bereits 1936 seinen Dienst in der von Standartenführer Felix Steiner übernommenen Junkerschule Bad Tölz an, wo er neben diesem zum Ausbilder des zukünftigen Offiziernachwuches der späteren Waffen-SS wurde.
1939 umfassten die Totenkopfverbände eine Reiterstandarte und vier Fuß-Standarten. Die Fußstandarten umfassten ca. 9.000 Mann. Sie wurden hauptsächlich für den KZ-Wachdienst und vereinzelnd auch im Strassendienst eingesetzt. Diese Verbände unterstützten die Bildung der Waffen-SS und waren auch an der so genannten „Endlösung der Judenfrage“ maßgeblich beteiligt.
Vor ihrer Eingliederung in die Waffen-SS waren alle Angehörigen der Totenkopfverbände Reservisten der Wehrmacht. Das hieß, dass sie ihrer Wehrpflicht in den Reihen des Heeres, der Luftwaffe und der Marine genügten.
Man machte später der Waffen-SS zum Vorwurf, dass sie sich nicht gegen die Eingliederung der Totenkopfverbände wehrte und diese stillschweigend hinnahm. Aber: Auch die Wehrmachtsführung hätte wohl ihrer Eingliederung in das aktive Feldheer niemals widersprochen, wenn die Angehörigen 1940 zur Wehrmacht gezogen worden wären. Immerhin widersprach die oberste Wehrmachtsführung auch nicht, als die Angehörigen der Totenkopfverbände in Friedenszeiten ihre allgemeine Wehrpflicht in den Reihen der Wehrmacht erfüllten, da der Dienst in den Konzentrationslagern nicht als „Ableistung der allgemeinen Wehrpflicht“ anerkannt wurde und erst durch den „Kuhhandel“ zwischen Gottlob Berger, Theodor Eicke und Heinrich Himmler der Waffen-SS zugeschlagen wurden.
| SS-Totenkopfstandarte | Stammlager/Gründungssitz |
|---|---|
| I "Oberbayern" | Dachau |
| II "Brandenburg" | Sachsenhausen |
| III "Thüringen" | Weimar-Buchenwald |
| IV "Ostmark" | Mauthausen |
| V "Dietrich Eckhardt" | Oranienburg |
| VI | Prag |
| VII | Brünn |
| VIII | Krakau |
| IX | Danzig |
| X | Weimar-Buchenwald |
| XI | Radom |
| XII | Posen |
| XIII | Wien |
| XIV | Weimar-Buchenwald |
| XV | Plock |
| XVI | Dachau |
| "Kirkenes" | Kirkenes |
| "Oberbayern" (Reserve) | Dachau |
Anfang Juni 1939 stellte SS-Sturmbannführer Kurt Eimann in Danzig den berüchtigten SS-Wachsturmbann „Eimann“ auf und in Berlin ließ Heinrich Himmler durch den SS-Obersturmbannführer Hans-Friedrich Goetze den III. Sturmbann der Totenkopfstandarte IV (Totenkopstandarte "Ostmark") aufstellen. Auf Schiffen versteckt gelangte dieser Sturmbann nach Danzig, genauer auf die Westerplatte. Dort gelang es Goetze, sich mit dem Wachsturmbann „Eimann“ zu vereinen. So wurde am 18. August 1939 auf Danziger Staatsgebiet formal die SS-Heimwehr "Danzig" aufgestellt. Nach dem 1. September konnte die Heimwehr die Westerplatte unter ihre Kontrolle bringen und wurde im Einvernehmen mit der Obersten Wehrmachtsführung und der Reichsführung SS für den Küstenschutz eingesetzt. Gleichzeitig betrieben sie auch ein Konzentrationslager in der Nähe Danzigs (Stutthof).
Noch im September 1939 wurde die Heimwehr wieder aufgelöst und ihre Angehörigen aktiv in die entstehende Totenkopf-Division des Theodor Eicke übernommen und eingegliedert.
In der Zeit zwischen 1. Oktober und 1. November 1939 schuf Eicke aus Teilen von Polizei und Totenkopfverbänden die SS-Totenkopf-Division, die später zahlreiche Kriegsverbrechen verübte.
1940/41 wurden die Totenkopfverbände der Waffen-SS (am 25. Februar 1941 wurden die ehemaligen "SS-Totenkopfstandarten" offiziell in SS-Infanterie-Regimenter bzw. SS-Kavallerie-Regimenter umgenannt, nur den Regimentern der 3. SS-Panzerdivision war es nun erlaubt, den Begriff der SS-Totenkopfstandarte als "Traditionsbegriff" weiter zu führen) zugeschlagen, und 1942 erfolgte die Zusammenlegung der einstigen selbständigen Kommandoämter „Verfügungstruppe“ und „Wachverbände“ zum neuen „Kommandoamt der Waffen-SS“. Damit erhielten die Angehörigen der SS-Totenkopf-Division Soldbücher und aktuelle Uniformen der Waffen-SS, während ihre „SS-Wachsturmbanne“, d. h. das Wachpersonal der KZ, weiterhin dem SS-Führungshauptamt unterstanden. In den besetzten Gebieten stellten die höheren SS-Führer der Totenkopfverbände die Mehrzahl der „Höheren SS- und Polizeiführer“, während die Mannschaften und Unterführer der Totenkopfverbände dort als „Polizeikräfte“ eingesetzt waren.
Das Stammpersonal der Totenkopfverbände stellte zahlreiche Kader späterer Waffen-SS-Verbände: Die 6. SS-Gebirgs-Division „Nord“ und 8. SS-Kavallerie-Division „Florian Geyer“ seien hier als Beispiel genannt. Letztere entstanden aus der SS-Reiterstandarte "Totenkopf", also aus Teilen der einstigen Reiter-SS. Ihr Kommandeur war der damalige SS-Brigadeführer Hermann Fegelein, der 1944 Gretel Braun heiratete, die Schwester von Eva Braun, und dadurch letztendlich der Schwager Hitlers wurde.
In den Konzentrationslagern Osteuropas warben die Totenkopfverbände zahlreiche Angehörige sogenannter „Fremdvölker“ an, die dort als Wachmannschaften eingesetzt wurden. Als ausgesprochen grausam galten vor allem die Ukrainer und Litauer, die von den KZ-Insassen besonders gefürchtet waren.
1942 wurden auch die Totenkopfstandarten aufgelöst und endgültig in die Waffen-SS überführt. Die alten Kader der Totenkopfverbände protestierten bei Himmler gegen diese Zuordnung, aber er sah die Frontverbände der Totenkopf-Division weiterhin als Teil der KZ-Wachverbände.
Es war ursprünglich vorgesehen, die Waffen-SS und die Totenkopfverbände nach dem „Endsieg“ wieder zu trennen und als eigenständige Organisationen weiterleben zu lassen. Aber dazu kam es nicht mehr.
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