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Die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) Wismut war ein Bergbauunternehmen, welches sich zwischen 1946 und 1990 zum weltweit drittgrößten Produzenten von Uranerz entwickelte. Das an Standorten in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt geförderte und angereicherte Uran war Grundlage zur Entwicklung der sowjetischen Atomindustrie.
Geschichte im Überblick
Beginn von Erkundung und Abbau
Im Frühjahr
1945 setzten in der
Sowjetunion umfangreiche Bemühungen ein, den durch die
Atombombenabwürfe der
USA hervorgerufenen Rüstungsrückstand schnellstmöglich auszugleichen. Dabei basierte dieser Rückstand weniger auf Wissensdefiziten im Zusammenhang mit der Herstellung von Kernwaffen. Er wurde vielmehr durch unzureichend vorhandene
Uranvorräte verursacht, da im eigenen Land keine nennenswerten bergbaulich erschlossenen Vorkommen existierten. Zum Schließen der
Uranlücke (KARLSCH 1996) weitete die Sowjetunion ihre Erkundungen auf die von ihr besetzten Gebiete aus. Die Suche konzentrierte sich insbesondere auf das
Erzgebirge, da hier bereits vor 1945 Uranerz gefördert und radioaktive Quellen genutzt wurden.
Bereits 1946 begannen im Raum Oberschlema und Johanngeorgenstadt (hier befand sich bis 1945 ein Außenlager des KZ Flossenbürg) die Erkundungsarbeiten, auf die der Abbau bald folgte.
SAG Wismut (1947-53)
Ein Jahr später waren in
Lauter,
Schneeberg,
Annaberg und
Marienberg weitere, aus Geheimhaltungsgründen abgesperrte und mit Nummern getarnte
Schächte geteuft. Die ersten Arbeiter wurden durch die ortsansässigen Arbeitsverwaltungen zwangsverpflichtet.
Von 1947 bis 1954 war der Bergbaubetrieb eine
SAG.
SDAG Wismut (1954-90)
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Nachdem 1953 alle SAG vornehmlich in volkseigenen Betriebe überführt wurden, nahm dieser Betrieb eine Sonderstellung ein. Er wurde unter 50-prozentiger Beteiligung der DDR in eine Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft (SDAG) umgewandelt, die bis 1991 existierte.
Wismut GmbH (ab 1990)
Die
Wende brachte die schlagartige Einstellung des Betriebes. Überraschend erklärte die UdSSR im Zuge der Wiedervereinigung, dass sie zukünftig kein Uran mehr abnehmen werde. Zehntausende Menschen wurden arbeitslos. Durch einen Staatsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der UdSSR vom 15. Mai 1991 ging auch der bis dahin sowjetische Anteil der AG auf Deutschland über. Die Bergbaugesellschaft SDAG Wismut wurde in das Sanierungsunternehmen Wismut
GmbH umgewandelt, das mit Steuergeldern unterstützt wird und die Folgeschäden des Uranbergbaus nach und nach beseitigt. Bis 2010 sollen Sanierungsmaßnahmen für rund 6,2 Mrd. € aus Bundesmitteln umgesetzt werden. Der Erfolg wird mit der Zeit sichtbar;
2007 soll im ehemaligen Abbaugebiet um
Ronneburg und
Gera die
Bundesgartenschau stattfinden.
Entwicklung der Betriebsstätten
Freiberger Revier (Objekt 26)
Im ältesten
sächsischen Erzbergbaurevier wurde bereits vor 1945 Uran als Begleitmaterial des Silber- und Buntmetallbergbaus gefördert, allerdings nur in geringem Umfang. So umfasste der Abbau z. B. zwischen 1883-97 nur etwa 4,4 t Uranerz. Ab 1947/48 erfolgten erneute Untersuchungen der alten Halden und Schächte hinsichtlich ihrer Uranhaltigkeit. Die Ergebnisse blieben aber hinter den Erwartungen zurück. So konnten aus den durchsuchten Halden nur knapp 8 kg Uran gewonnen werden. Auch die untersuchten Grubenfelder waren wenig ergiebig, eine Wiederaufnahme der Förderung erfolgte nur in wenigen Schächten. Die geringe Produktivität führte bereits 1950 zur Einstellung des Uranbergbaus im
Freiberger Revier. Bis dahin waren 5,4 t Uran abgebaut wurden.
Raum Seiffen
Das alte Bergbaugebiet um
Seiffen (Zinnbergbau bis 1849) wurde ab 1949 ebenfalls auf Uranvorkommen untersucht. Erste kleinere Funde führten zum Abteufen von zwei Schächten in bis zu 70 m Tiefe. Der mit etwa 50 Personen betriebene Abbau lieferte allerdings nur eine minimale Ausbeute und wurde mangels Ergiebigkeit 1952 eingestellt. In den 1960er Jahren wurden nochmals Erkundungsbohrungen bis in eine Tiefe von 600 m aufgefahren.
Weitere Betriebsstätten
Nach 1947 wurde der Bergbau noch einmal sukzessive ausgeweitet:
Bedeutung für die Wirtschaft der DDR
Nach heutigen Kriterien war der Abbau des Erzes mit einem Urangehalt von 0,4 % im
Erzgebirge und 0,1 % in
Ostthüringen unwirtschaftlich. Die Kosten für den Abbau musste bis
1954 die
DDR vollständig tragen, danach nur noch teilweise. Der Bergbaubetrieb sorgte dafür, dass die DDR in der Uranproduktion der Welt an dritter Stelle hinter den
USA und
Kanada stand.
Bedeutung für die regionale Wirtschaft
Der Bergbau war besonders in
Ostthüringen einer der Hauptarbeitgeber. Die gesamte
Infrastruktur war praktisch auf diesen Wirtschaftszweig ausgerichtet. In Gera wurden die neuen Stadtteile
Lusan und
Bieblach-Ost aus dem Boden gestampft, und viele Straßen, Krankenhäuser und Schulen verdankten ihre Existenz dem Bergbau. Für den Transport des Erzes in die Aufbereitungsanlagen wurde zwischen
Ronneburg und
Seelingstädt eine neue
Bahnlinie erbaut. In Fragen der Versorgung hatten die Angestellten der Wismut eine privilegierte Stellung inne. So gab es teilweise Geschäfte nur für sie, genannt HO-Wismut oder Wismut HO, HO für Handelsorganisation, in denen Produkte zu kaufen waren, die im normalen Handel kaum oder gar nicht erhältlich waren. Wismut-Kumpel bekamen besondere Marken die zum billigeren Einkauf berechtigten. Besonders begehrt und legendär war der akzisefreie Bergmannsschnaps, der sogenannte "Wismutfusel" mit 38% Alkohol in der 0,5 Liter Flasche und nur auf Kupon erhältlich. Diese Kupons waren bei der Bevölkerung sehr begehrt und wurden, obwohl verboten gehandelt.
Gesundheitsschäden
Die Bergarbeiter waren schweren
gesundheitlichen Gefährdungen ausgesetzt; ihre Lebenserwartung war deutlich verkürzt. Erst ab den
1970ern wurde nass gebohrt, so dass sich das Risiko, eine
Staublunge zu entwickeln, zumindest verringerte.
Die Strahlenbelastung der Bergleute, die direkt an der
Pechblende arbeiteten, sowie durch radioaktive Edelgase wie
Radon, blieb bestehen. Sie führte zu einer überdurchschnittlichen Häufigkeit verhornender Plattenepithelkarzinome der Lunge, dem „Schneeberger und Joachimsthaler
Lungenkrebs“. Bis 1990 wurden 7.163 Todesfälle durch Lungenkrebs bei den Bergarbeitern registriert. Davon wurden 5.237 als Strahlenopfer anerkannt. Inoffiziell sollen über 17.000 Bergarbeiter den Folgen der Strahlenbelastung durch den Uranabbau erlegen sein. Wie hoch die Anzahl der Opfer unter der nicht im Bergbau tätigen Bevölkerung der Region ist, ist unbekannt.
Literatur
- Michael Beleites (1988): Pechblende. Der Uranbergbau in der DDR und seine Folgen. Wittenberg. (Download-Möglichkeit mit eingeschränkten Copyright-Bestimmungen möglich)
- Michael Beleites (1992): Altlast Wismut. Ausnahmezustand, Umweltkatastrophe und das Sanierungsproblem im deutschen Uranbergbau. Frankfurt a.M. (Download-Möglichkeit mit eingeschränkten Copyright-Bestimmungen möglich)
- Klaus Beyer, Mario Kaden, Erwin Raasch, Werner Schuppan (1995): Wismut - Erz für den Frieden. Druck- und Verlagsgesellschaft. Marienberg. ISBN 3931770028.
- Johannes Böttcher (2001): Seilfahrt - Auf den Spuren des sächsischen Uranerzbergbaus. Bode-Verlag. Haltern. ISBN 3-925094-40-7.
- Friedrich-Ebert-Stiftung (1992): Wismut und die Folgen des Uranbergbaus. Bericht einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung am 19. Juni 1992 in Gera. Bonn. ISBN 3-86077-095-0. [http://library.fes.de/fulltext/fo-wirtschaft/00311toc.htm online-Version
- Steffen Hamann, Wolfgang Schreiber (2001): Vor Ort - Über den Uranerzbergbau bei Ronneburg. Bode-Verlag. Haltern. ISBN 3925094415.
- Mario Kaden (2000): Uranprovinz - Zeitzeugen der Wismut erinnern sich. Druck- und Verlagsgesellschaft. Marienberg. ISBN 3931770265.
- Rainer Karlsch (1993): Ein Staat im Staate. Der Uranbergbau der Wismut AG in Sachsen und Thüringen.in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament. Band 49-50/1993. S.14-23.
- Rainer Karlsch, Harm Schröter * (1996): Strahlende Vergangenheit. Studien zur Geschichte des Uranbergbaus der Wismut. Scripta Mercaturae Verlag. St. Katharinen. ISBN 3-89590-030-3.
- Rainer Karlsch (1996): Der Aufbau der Uranindustrien in der SBZ/DDR und CSR als Folge der sowjetischen Uranlücke. in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. 44.Jg. Heft 1, S.5-24
- Rainer Karlsch, Zbynek Zeman (2002): Urangeheimnisse. Das Erzgebirge im Brennpunkt der Weltpolitik 1933-1960. Ch. Links Verlag Berlin. ISBN 3-86153-276-X.
- Frank Lehmann et.al. (1998): Belastung durch ionisierende Strahlung im Uranerzbergbau der ehemaligen DDR. Abschlußbericht zu einem Forschungsvorhaben. Sankt Augustin. ISBN 3-88383-524-2
- Reimar Paul (1991): Das Wismut Erbe. Geschichte und Folgen des Uranbergbaus in Thüringen und Sachsen. Verlag Die Werkstatt. Göttingen. ISBN 3-923478-55-0.
- Strahlenschutzkommission (1990): Die Strahlenexposition durch den Bergbau in Sachsen und Thüringen und deren Bewertung. Bonn. Download (pdf 37 KB)
- Wismut GmbH * (1999): Chronik der Wismut. Chemnitz.
Weblinks
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