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| Betrieb
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| Lokomotivtyp
| Be 4/6
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| Baujahr
| 1919
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| Betriebsnummer
| 12301
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| UIC-Betriebsnummer
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| Stückzahl Ablieferung
| 1
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| Stückzahl heute
| 0
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| Einsatzgebiet
| undefiniert (s. Text)
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| Ausrangierung
| November 1963
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| Technische Daten
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| Loktyp | Elektro-Lokomotive
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| Hersteller | MFO
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| Achsfolge | (1’B)(B1’)
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| Höchstgeschwindigkeit
| 75 km/h
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| Stundenleistung
| 1'700 kW (2’320 PS) bei 59 km/h
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| Dauerleistung
| 1’570 kW (2’140 PS) bei 63 km/h
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| Max. Anfahrzugkraft
| 20'000 kg
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| Stundenzugkraft
| 10’600 kg/59 km/h
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| Masse und Gewicht
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| Länge über Puffer
| 16’200 mm
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| Breite
| ? mm
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| Höhe
| ? mm
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| Triebraddurchmesser neu
| 1'350 mm
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| Laufraddurchmesser neu
| 950 mm
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| Dienstgewicht
| 107 t
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| Reibungsgewicht
| 78 t
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| Sonstiges
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| Besondere Merkmale
| Spitznamen: Doryphore (Kartoffelkäfer)
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Die
Be 4/6 12301 war eine von vier Probelokomotiven, die die
SBB im Juni 1917 bestellten. Die Lokomotive sollte, wie auch Ihre drei Schwestern
Be 3/5 12201,
Be 4/6 12302 und
Ce 6/8I 14201 auf der Gotthardbahn zum Einsatz kommen, um Erfahrungen für Serienbestellungen zu erhalten. Die Be 4/6 12301 war die MFO-Variante der Schnellzugslokomotive für den Gotthard. Sie war nach den Bedingungen des Pflichtenhefts der SBB gebaut worden. Ausser für gelegentliche Überfuhren zur Hauptwerkstätte in
Bellinzona tauchte sie am Gotthard aber nicht auf. Die Konstruktion an sich bewährte sich aber. Die Lokomotive war während 44 Jahren in verschiedensten Diensten tätig. Beim Lokomotivpersonal war die Lokomotive wegen ihres, auch bei Höchstgeschwindigkeit, ruhigen Laufs beliebt. Technisch war sie aber wesentlich komplizierter als ihre Schwestern
Be 4/6 12302 und
Be 4/6 12303-12342.
Vorgeschichte
Im November 1913 wurde vom Verwaltungsrat der SBB die Elektrifizierung der
Gotthardstrecke von
Erstfeld bis
Biasca beschlossen. Mit Ausbruch des
ersten Weltkrieges waren die SBB zu immer grösseren Fahrplaneinschränkungen wegen der Kohleknappheit gezwungen. Dies führte soweit, dass im Herbst 1918 an Sonntagen mit Ausnahme der Milchzüge keine Züge mehr fuhren.
Neben anderen Strecken wurde deshalb forciert auch die Gotthardstrecke für den elektrischen Betrieb hergerichtet. Diese Elektrifizierung war im Jahr 1920 abgeschlossen.
Für den Betrieb benötigten die SBB dringend Personen- und Güterzuglokomotiven.
Pflichtenheft
Die SBB verlangten von der Industrie die Erfüllung des nachfolgenden Pflichtenheftes:
- Höchstgeschwindigkeit 75 km/h
- Beförderung von 300t Anhängelast auf 26 ‰ Steigung bei 50 km/h
- Sicheres Anfahren auf 26 ‰ Steigung und Beschleunigen derselben Last auf 50 km/h in 4 Minuten
- drei Hin- und Rückfahrten Luzern – Chiasso innerhalb 24 Stunden (1'360 km)
- Elektrische Bremse zur Abbremsung des Lokomotivgewichtes im Gefälle
- Möglichkeit der Vielfachsteuerung.
Auftragsvergabe und Projektierung
Der Auftrag für die Personenzuglokomotive wurde wie folgt erteilt:
Maschinenfabrik Oerlikon: Projektierung und Bau der Personenzuglokomotive
Neben der Einhaltung des Pflichtenheftes gaben die SBB den Konstrukteuren grosse Freiheit beim Ausarbeiten der Entwürfe.
Inbetriebnahme
Am 21. März
1919 wurde die Lokomotive als erste Probelokomotive abgeliefert. Einen Monat später war sie schon für Instruktionsfahrten des Lokomotivpersonals eingesetzt.
Technik
Der mechanische Teil
Fahrwerk
Das Fahrwerk bestand aus zwei
Drehgestellen. In jedem Drehgestell befanden sich zwei
Triebachsen, eine als
Bisselachse ausgebildete
Laufachse und eine
Vorgelegewelle. Die Laufachsen hatten ein Seitenspiel von 2x70mm gegenüber dem Drehgestellrahmen.
Zugkraftübertragung
Die Übertragung der Zug- und Stosskräfte erfolgte von den Triebachsen auf die zwei Drehgestelle. Von dort wurden die Kräfte aussen auf die Zughaken und Puffer weitergeleitet. Innen waren die Drehgestelle für die Zug- und Druckkraftübertragung über eine so genannte
Tenderkupplung verbunden. Der Lokomotivkasten war an der Übertragung der Kräfte nicht beteiligt.
Antrieb
Im Drehgestellrahmen waren zwei Fahrmotoren gelagert. Diese zwei Motoren trieben über beidseitig gefederte
Ritzel die Grosszahnräder je einer
Vorgelegewelle an. Die
Triebzapfen der Vorgelegewellen waren mittels eines senkrecht beweglichen
Gleitsteins mit einer
Schlitzkuppelstange verbunden. Diese trieb die zwei Triebachsen des Drehgestells an.
Lokomotivkasten
Der Lokomotivkasten bestand aus einer durchgehenden Brücke mit aufgeschraubtem, zum Teil demontierbarer, Kastenteilen.
Die Brücke war mit
Drehpfannen, die sich unter den Führerständen befanden, auf die Drehgestelle abgestützt. Zwei weitere, gefederte Stützpfannen befanden sich jeweils auf der Aussenseite des Kastens daneben. Hinter den Motoren befanden sich des weiteren
Rollenstützen.
Vor den Führerständen befanden sich Vorbauten, die durch einen Längsgang getrennt waren. Diese Trennung, wie auch die
Übergangsbleche und die
Stirntüren mussten vorhanden sein, da nach damaliger Auffassung die Lokomotive vom Zug her erreichbar sein musste.
Für die Belüftung der
Fahrmotoren befanden sich beidseitig des Kastens je zwei Jalousien. Des konnte von beiden Führeständen pneumatisch gesteuert werden.
Bremsanlage
Die automatische
Westinghouse-Bremse und die
Regulierbremse wirkten je über einen
Bremszylinder beidseitig auf die Triebachsen. Die Laufachsen waren ungebremst. Jeder Führerstand hatte eine
Handbremse, die auf das jeweilige Drehgestell wirkte.
Der elektrische Teil
Hauptstromkreis
Zwei
Stromabnehmer, die von einem Hahn in jedem Führerstand gesteuert werden konnten, leiteten den
zu zwei *n auf dem Dach des Lokomotivkastens. Diese Trennmesser waren vom Maschinenraum aus von Hand zu bedienen. Von den Trennmessern wurde der Strom über eine
Blitzschutzspule und den pneumatisch bedienten
Hauptschalter zum ölgekühlten Transformator geführt, der sich in der Mitte des Lokomotivkastens befand. Dieser war hochspannungsseitig für 15'000 V oder 7'500 V umschaltbar.
Die Niederspannungsseite war zweigeteilt und hatte jeweils elf Anzapfungen. Die Walzen
stufenschalter befanden sich in Längsrichtung beidseitig des Transformators. Es konnten, wie bei der
Be 3/5 12201 23 Fahrstufen geschaltet werden. Die Ansteuerung der Stufenschalter erfolgte von den Führerständen aus mittels eines senkrechte Kontrollrades, das pro Stufe einmal gedreht werden musste. Eine Schnellabschaltung war vorhanden. Sollte ein Stufenschalter versagen, konnte dieser abgetrennt werden. Mit dem Verbleibenden konnte dann, mit 12 Fahrstufen, trotzdem noch weitergefahren werden.
Die vier pneumatisch bediente
Wendeschalter waren auf den Fahrmotoren angeordnet. Diese waren parallel geschaltet.
Hilfsbetriebe
Auf der Lokomotive befanden sich die nachfolgend beschriebenen, mit 220 V betriebenen Hilfsbetriebe:
- zwei Kolbenkompressoren in den Vorbauten vorne und hinten links
- ein Ventilator auf dem Dach zur forcierten Belüftung der Kühlrippen des Transformatorschachtes
- zwei Ventilatorgruppen zu Belüftung der Fahrmotoren
- Umformergruppe für die Batterieladung im Vorbau vorne rechts
- Führerstandsheizung.
Die Speisung der Zugsheizung erfolgte vom Transformator über einen Ölhauptschalter auf die Kupplungskabel.
Elektrische Bremse
Die elektrische Bremse wurde im Juni 1919 am
Lötschberg erprobt. Als zu unzuverlässig befunden wurde sie anschliessend entfernt.
Vielfachsteuerung
Die Lokomotive war mit einer
Vielfachsteuerung ausgerüstet. Praktisch erprobt wurde sie aber nie.
Betriebseinsatz
Die Lokomotive wurde als erste der vier Probelokomotiven am 21. März 1919 abgeliefert. Sie kam anschliessend auch fast sofort für Instruktionsfahrten in der Region
Bern zum Einsatz.
Da aber anscheinend noch viele Kinderkrankheiten zu kurieren waren, erfolgten zu diesem Zeitpunkt keine fahrplanmässigen Einsätze. Ein weiterer Grund dafür waren die geplanten Versuche mit der elektrischen Bremse auf der
Lötschbergbahn. Am 1. September 1919 wurde die Lokomotive offiziell von den SBB übernommen. Es folgten dann Einsätze mit Personenzügen bis
Spiez und teilweise auch bis
Brig.
Nach einer Pause im Jahre 1920 führte die Lokomotive im Planeinsatz mit den in Ablieferung befindlichen
Be 4/6 12303-12342 regelmässige Zugleistungen am Lötschberg bis Brig.
Es war bald klar, dass die Lokomotive planmässig nie am Gotthard eingesetzt würde. Am 31. Mai 1921 hatte sie ihren letzten Planeinsatz am Lötschberg. Fortan führte sie, von Bern aus, Güterzüge nach Basel und Biel.
Ab 1937 kam die Lokomotive in den Rangierbahnhof Renens bei Lausanne, wo sie die Aufgabe hatte, zu zerlegende Güterzüge auf die Ablaufebene zu schleppen.
Am 1. Januar 1962 wurde sie der Hauptwerkstätte Yverdon zugeteilt, damit die aufwändigen Überfuhren nach Bellinzona verhindert werden konnten. Yverdon war nicht sehr erfreut über den Zugang des Oldtimers. Das Ende nahte aber sehr bald. Am 7. März 1963 erzeugte ein Kurzschluss eine Explosion im Transformator. Die Feuerwehr konnte das ausgebrochene Feuer nicht rechtzeitig löschen, die Lokomotive brannte vollständig aus. Sie wurde im August 1963 in der Hauptwerkstätte Bellinzona abgebrochen.
Quellenangabe
- Hans Schneeberger: Die elektrischen und Dieseltriebfahrzeuge der SBB, Band I: Baujahre 1904-1955; Minirex AG, Luzern; 1995; ISBN 3-907014-07-3
Weitere Literatur
- Claude Jeanmaire: Die elektrischen und Diesel-Triebfahrzeuge schweizerischer Eisenbahnen, Die Lokomotiven der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB)
Siehe auch
Triebfahrzeug (Schweiz)