| Süntel-Buche | ||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| : | Rosenähnliche (Rosidae) |
| : | Buchenartige (Fagales) |
| : | Buchengewächse (Fagaceae) |
| : | Buchen (Fagus) |
| : | Rotbuche (F. sylvatica) |
| : | Süntel-Buche |
Süntel-Buchen beeindrucken durch ihre verdrehten, verkrüppelten, miteinander verwachsenen Äste und sehr kurzen, drehwüchsigen Stämme. Sie wachsen mehr in die Breite als in die Höhe. Dabei erreichen sie nur selten eine Höhe von über 15 Metern. Mit ihren herabhängenden Zweigen bilden die Süntelbuchen zeltähnliche, halbkugel- oder pilzförmige Kronen aus. Die Wuchsform ist erblich, ihre Entstehung aber noch ungeklärt.
Die größten Süntel-Buchen Deutschlands stehen in Gremsheim am Heber bei Bad Gandersheim (Naturdenkmal „Kopfbuche“) und in Lauenau am Deister. In Bad Nenndorf am Deister gibt es eine Süntelbuchenallee aus annähernd 100 Stämmen, wovon zwei Drittel aus Wurzelbrut entstanden sind.
Kleinere Gruppen älterer Süntel-Buchen existieren noch in Frankreich („Hêtre tortillard“), Dänemark („Vrange bøge“) und Schweden ("Vresboken"). Jüngere Bäume sind mittlerweile in vielen Parks und Botanischen Gärten Europas und der USA zu finden.
Im Wald von Verzy, 25 km südöstlich von Reims (Frankreich), befand sich, nach einer Zählung von 1977, ein großer Bestand von 668 Süntel-Buchen (Faux de Verzy). Die Anzahl wurde seitdem leicht reduziert. Die schönsten Exemplare sind von Konkurrenz befreit und eingezäunt auf einem Rundweg in einem parkähnlichen Gelände zur Touristenattraktion geworden. Der Heimatbund Niedersachsen e.V. betreibt in Bad Münder ein Süntel-Buchen-Reservat. Dort können junge Sünte-Buchen geschützt aufwachsen.
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Die Baumform lässt sich auch durch unterschiedliche Veredelungstechniken beeinflussen, beispielsweise durch Hochstamm-Veredelung. Natürlich ist auch bei der Süntel-Buche der Wuchs abhängig vom Standort (Konkurrenz, Schatten, Nährstoffe, Wind, etc.).
Blüten, Blätter, Früchte und Rinde, sowie Farbe und Festigkeit des Holzes entsprechen der Art (Rotbuche). Allerdings zeigen Blätter und Früchte in Form und Größe eine größere Variationsbreite als bei der Rotbuche.
Auffallend sind auch eine andere Anordnung der Knospen, gelegentlich vorhandene gekrümmte Knospen und doppelte Endknospen an den Zweigspitzen und die starke Neigung zur Ausbildung von Wurzelbrut, besonders bei in der Jugend umgepflanzten Bäumen. Die arttypische Rotbuchen-Herzwurzel wird bei der Süntelbuche durch den Krüppelwuchs stark verzerrt. Einzelne Wurzeln kommen dadurch häufiger an die Oberfläche und bilden Wurzelsprosse aus, die zu neuen, meist langen ungeteilten und schlangenwüchsigen Stämmen heranwachsen.
Wie die Vielfalt der Wuchsformen schon erahnen ließ, bestätigen bisherige Untersuchungen eine Vielfältigkeit und Uneinheitlichkeit auch in der genetischen Ausstattung der Süntelbuchen.
Die Formenvielfalt der Süntel-Buche weckte schon oft den Wunsch zur weiteren Untergliederung. Das führte bisher noch nicht zu befriedigenden Ergebnissen. So wurden schon mehrmals Süntelbuchen mit deutlichen Abweichungen im Habitus mit neuen Namen versehen, selbst wenn die besondere Form noch nicht vermehrt werden konnte und unklar blieb, ob die Form des jungen Baums auch im Alter erhalten bleibt.
Von mancher Variation existiert nur ein einziges Exemplar. Der von Krüssmann 1939 in den „Mitteilungen“ der DDG beschriebene flachkronige Baum vom Typ Tabuliformis (Tafelbuche) in der Flora Köln ist so ein "einmaliges" Beispiel . Eine andere abweichende Form ist die ganz flach über dem Boden wachsende Form Horizontalis, die in Dänemark als Londal bekannt ist. Bei der erstmalig 1869 beschriebenen, aus Frankreich stammenden Form Remillyensis könnte es sich um eine Zwischenform von Süntel- und Hänge-Buche handeln.
Weitere Süntelbuchen-Formen sind 'Bornyensis', 'Pagnyensis', 'Retroflexa', Arcuata, 'Conglomerata', 'Umbraculifera' u. a. Dabei ist die Einteilung und Abgrenzung unscharf und nicht unumstritten.
Nicht zu den Süntelbuchen zählen verbissene „Hudebuchen“, sturmzerzauste „Krüppelbuchen“ an der Küste und im Gebirge und häufig beschnittene „Kopfbuchen“, die ihre „süntelige“ Form äußeren Einwirkungen verdanken und sie nicht vererben.
Die weiter oben genannten Wuchsformen sind vereinzelt und weniger ausgeprägt auch in jedem normalen Buchenwald anzutreffen.
Süntel-Buchen sind Fremdbestäuber, d.h., eine Selbstbefruchtung der einhäusigen Bäume ist nicht möglich. Sie müssen von einem anderen Baum, ob normale Rot-Buche oder Süntel-Buche, befruchtet werden. Aus den Eckern von Süntel-Buchen, die immer auch von normalen Rotbuchen bestäubt werden, da deren Pollen sich überall in der Luft befinden, entstehen dann normale Rotbuchen, Süntelbuchen und Mischformen in unterschiedlicher Zahl und ohne scharfe Abgrenzung zueinander. In der Literatur schwanken die Angaben von 10 bis über 70 Prozent krummwüchsiger Sämlinge. Erst nach 5 bis 10 Jahren kann man deutlich genug erkennen, ob eine Jungpflanze eine "richtige" Süntel-Buche wird. Deshalb sind solche Sämlinge nur sehr selten im Handel zu bekommen. Pfropflinge dagegen werden immer häufiger angeboten. So erfolgten die Neupflanzungen der letzten Jahrzehnte hauptsächlich mit veredelten, d. h., gepfropften Buchen. Dabei wurden fast ausschließlich die schönsten Bäume vermehrt, was langfristig zu einer genetischen Verarmung führen kann.
Zusätzlich pflanzen sich Süntel-Buchen, sogar recht häufig, durch Absenkerbildung und Wurzelbrut fort. Dabei bewurzeln sich auf der Erde aufliegende Äste bzw. bringen oberflächlich wachsende Wurzeln neue Triebe hervor.
Bei der Anpflanzung junger Süntel-Buchen sollten unbedingt das sehr langsame Höhenwachstum von 5 bis 10 cm pro Jahr und der große Raumbedarf beachtet werden. Die Süntel-Buche mit ihren niedrigen, fast waagerecht wachsenden Ästen und den bis auf den Boden hängenden Zweigen bedeckt mit ihrer Krone einen Kreis von bis zu 25 m Durchmesser. Wegränder und Grundstücksgrenzen sind daher keine geeigneten Standorte.
Zu ihnen gehören unter anderem der älteste Baum Bochums am Schloss Weitmar, die „Krause Buche“ auf dem Wittekindsberg, die „Parapluie-Buchen“ von Erpernburg bei Paderborn, das „Krausbäumchen“ von Bad Homburg, die „Kanzelbuche“ auf dem Stromberg und die noch existierenden Exemplare „Süntelbuche“ im Berggarten von Hannover und Kopfbuche bei Gremsheim.
Die bekannteste Vertreterin ihrer Art war die Tilly-Buche (1739 - 1994) bei Raden am Süntel, die sogar identitätsstiftend auf eine ganze Region wirkte und heute das Wappen der jungen Gemeinde Auetal prägt. Ihre Wurzeln machten Werbung für Lacalut-Zahnpasta, ihr großartiger Wuchs inspirierte Künstler zu Zeichnungen, Ölgemälden, Fotografien, Fabeln und Gedichten. Oft wurde in geradezu überschwänglichen Formulierungen die Faszination der ungezählten Bewunderer zum Ausdruck gebracht. Ihre unklare Herkunft bewegte Wissenschaftler über ein Jahrhundert hinweg zu teilweise recht gewagten Spekulationen über die Entstehung der monströsen Buchen.
Eine derartige Faszination geht wohl nur von besonderen Exemplaren oder größeren Gruppen („Märchenwald“, „Zauberwald“,...) aus. Kleinere Süntelbuchen werden nicht mehr beachtet als vergleichbare Wuchsformen von Korkenzieher-Hasel, -akazie und –lärche oder Zickzackweide. Jahrhundertelang wurden Süntelbuchensämlinge bei der Durchforstung junger Rotbuchenbestände als nutzlos angesehen und ausgemerzt.
Als Tilemann seinen 1842 verfassten Bericht mit vier Zeichnungen 1844 veröffentlichte, war der letzte Süntelbuchenwald bei Hülsede bereits gerodet.
In den folgenden 160 Jahren erschienen dann ungezählte Aufsätze von Botanikern und Naturfreunden voller Verwunderung und Ratlosigkeit über das seltsame Naturphänomen.
Häufig zitiert wurden ein Bericht von A. Oppermann 1908 mit über 100 Fotos der „Renkbuchen“, eine bebilderte naturkundliche Darstellung der letzten im Süntel wachsenden Exemplare von W. Wehrhahn von 1902 und eine Beschreibung der Tilly-Buche von Cl. Freifrau von Münchhausen aus dem Jahr 1911.
Der emeritierte Professor Friedrich Lange befasste sich von 1966 bis 1974 in Bad Münder am Deister und in der Universität Göttingen intensiv mit der Morphologie der urigen Bäume. Er beschrieb Aufbau und Wachstum der Pflanzen und die Entwicklungsstufen der ungewöhnlichen Wuchsform. Aber den eigentlichen Auslöser konnte auch er nicht finden. Das schon sprichwörtliche „Geheimnis der Süntelbuche“ blieb ungelöst.
Prof. Franz Gruber von der Universität Göttingen untersuchte Wachstum und Alter der größten Süntelbuchen in den Jahren 2001 und 2002 und lieferte damit einen wichtigen Beitrag zur Altersbestimmung der in diesem Punkt meist überschätzten Bäume.
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