Der Mezzogiorno bezeichnet das wirtschaftlich wenig entwickelte Süditalien.
Wirtschaftsgeografisch wird die Region Abruzzen in letzter Zeit zu Mittelitalien gezählt, da die Wirtschaftsleistung der Region eher der der mittelitalienischen Regionen entspricht. Die Region Abruzzen kann nach rein geografischen Kriterien Mittelitalien zugerechnet werden. In der Regel unterbleibt dies aus den genannten historischen Gründen. Die Region Sardinien wird aus verwaltungstechnischen Gründen hin und wieder zu Mittelitalien gerechnet oder an die Region Latium angeschlossen. Sie gehört jedoch zu Süditalien. Sardinien und Sizilien bilden bei statistischen Erhebungen i.d.R. die vom kontinentalen Süditalien getrennte Makroregion der "Inseln" (Isole).
Die Region Latium als Herzstück des ehemaligen Kirchenstaates gehört weder nach historischen, noch nach wirtschaftsgeografischen Kriterien zu Süditalien. Der Süden der Region profitierte jedoch für einige Jahre von den Strukturmaßnahmen der italienischen Regierung für Süditalien.
Folgen
Diese Wandlung begann vor allem nach dem zweiten Weltkrieg. Der karge (im Bezug auf Rohstoffe) Boden und die überwiegende Großgrundlandwirtschaft ließ dazumal viele junge Leute ins Ausland auswandern. Zum einen gab es sehr viele sog. "Push"-Faktoren, aber auch "Pull"-Faktoren ("Ein Freund aus dem Ausland erzählte mir...") Der damals einzige große Arbeitgeber in Süditalien war das neue, innovative Stahlwerk von Tarent, dass zu Spitzenzeiten einige hundert Angestellte besaß. Das Stahlwerk wurde im Mezzogiorno platziert, um weitere Fabriken in den Süden zu locken. Diese Strategie schlug fehl und nach der weltweiten Stahlkrise, wurden auch im Stahlwerk die Arbeiter auf knapp 100 reduziert.
Die Lage im Mezzogiorno hat sich bis heute kaum verbessert. Jedoch kam vor einigen Jahren die "Auswanderungsgeneration" zurück, und brachte das im Ausland verdiente Geld mit nach Hause. Trotz allem bleibt Italien bisweilen zweigeteilt, auch wenn der Fortschritt in Süditalien langsam Einzug hält.
Maßnahmen gegen den Dualismus
Die Maßnahmen lassen sich in vier Phasen gliedern.
In der ersten Phase (1950 - 1956) konzentrierte man sich auf den Ausbau der Infrastruktur und bot Anreize durch finanzielle Vergünstigungen.
In der zweiten Phase (1957 - 1964) erfolgte "gezielte Industrialisierung", bei der man verschiedene Industriekerne und -gebiete auswies, und dort, ohne Berücksichtigung der vorhandenen Betriebstruktur, staatliche Betriebe ansiedeln ließ. Private Firmen waren wegen der Nachteile des Südens nicht bereit sich dort anzusiedeln. Dies kann nicht als Erfolg verzeichnet werden, da diese Großbetriebe über keinerlei Folgeansiedlungen verfügten. Sie waren sozusagen "Kathedralen in der Wüste".
Die dritte Phase (1965 - 1970) ist auch als "geplante Industrialisierung" bekannt. Hierbei wurden gleichartige kleine und mittelgroße Unternehmen dort angesiedelt, wo man vermutete, dass diesen weitere Betriebe folgen würden.
In der vierten Phase (1971 - 1986) übernahm der EFRE (Europäischer Fond für Wirtschaft) die Geldförderung des Mezzogiorno. Mit diesen Mitteln wurden Grundstoffindustrien aufgebaut. man erhoffte sich dadurch die Ansiedlung von weiteren Betrieben. Dies blieb allerdings aus und da mit dem Beitritt Spaniens und Portugals zur EU 1986 wirtschaftlich noch schwächere Gebiete beitraten, versiegten die Investitionen des EFRE.
Alle vier Phasen kann man somit heute als gescheitert ansehen, da sich die wirtschaftliche Situation zwar anfangs verbesserte, aber dem geleisteten Aufwand nicht gerecht wurde, und die Situation seitdem langsam wieder auf den vorherigen Stand zurückgefallen ist.
1992 wurde die Arbeit der Cassa per il Mezzogiorno eingestellt und der italienische Staat begann mit einer allgemeinen Förderpolitik strukturschwacher Regionen, dabei nicht ausschließlich im Süden. In Abstimmung mit der europäischen Förderpolitik werden heute Maßnahmen zu Unterstützung der lokalen Initiativen als besonders vielversprechend gesehen. (patti territoriali)
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